Kurzbeschreibung
Acht Bühnennummern von Gerhard Polt, aufgenommen im Volkshaus Zürich und im Frankfurter Südbahnhof.Über den Autor
Gerhard Polt, geboren 1942 in München, brilliert seit 1975 als Sänger, Schauspieler, Poet und Philosoph auf deutschen und internationalen Bühnen. Polt erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Bayerischen Staatspreis für Literatur (Jean Paul Preis) und den Heimito von Doderer Literaturpreis. 2006 erhält er den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor.Kundenrezensionen zu 'Standort Deutschland'
Humorstandort Bayern (12. Februar 2007)
Schwarzer Humor funktioniert am besten, wo die politische Landschaft tiefschwarz ist. So ähnlich hat's die Süddeutsche Zeitung, wenn ich mich nicht irre, mal beschrieben. "Der Standort Deutschlands" ist Polts eindeutig beste Live-CD, die Nachfolger wurden danach kontinuierlich etwas schwächer. Die CD enthält von vorne bis hinten brillant-böse Stücke, die Polt zum einzigartigen Humoristen in Deutschland machen. Auf der CD ist Polt z.B. der schwadronierende Bürgermeister, der "für Fantasie keinen Raum mehr" lässt, der Hans-Seidel-Stiftungsmann, der auf Bavarian English den Schwarzen in Afrika die Demokratie erklärt ("Democracy has a very long and old tradition in Bavaria"), sowie der Gebirgschützenvorstand, der der Opposition ihre Obsoletheit vor Augen führt ("Wir in Bayern brauchen keine Opposition, weil wir sind bereits Demokraten").Polt ist genauso der Pommesbudenbesitzer, der fernöstliche Philosophie und Globalisierung anhand eines Asiaten erklärt, den er für 3 Mark 50 pro Stunde für sich arbeiten lässt. Er schlüpft ebenso gut in die Rolle des Kunden, der einen Autohändler wegen eines Leasingvertrages in die Hölle wünscht ("In dem Johannesevangelium ist des genau beschrieben, was mit einem passiert, der wo Leasingverträge herausbringt...Hinunter mit diesem Gesindel und diesen Autohändlern"), wie in die Person des Gummibärchenautomatenbesitzers, der beim gemütlichen Schnitzen einer Christbaumfigur erzählt, wie er einen jugendlichen Automatenknacker erschossen hat.
Die CD enthält etwa die Hälfte von Polts besten Bühnennummern meist in der jeweils besten Version, die mir bekannt ist. Man sollte ihm einerseits ein Denkmal bauen, dem Polt, andererseits jedoch nicht, weil er so bescheiden ist. Aber das macht ihn wiederum zu einem ganz Großen.
Oliver, pass auf, er spielt Longline!!! (3. September 2006)
...und dann schreit sie immer: "Oliver, pass auf er spielt Longline!", also gnädige Frau, jetzt bitte, Sie dumme Gans, wir sind doch hier nicht im WIRTSHAUS, sondern auf einem Tennisplatz. Du Amsel, du bleede, du bleeds Gracherl, du Matz, du verreckte: Hoid dei Fotzn, du Schoaßwiesn, du mistige Schoaßblodern, du Brunzkachel, du ogsoachte, so was wie du g'hert doch mit da Scheißbürstn rausg'haut. Dann sagt sie: "Ich werde mich beschweren, ich geh' zum Turnierleiter und werde mich beschweren!". Aber die soll sich ruhig beschweren, weil was so eine Hämmoridenpritschn sagt, so etwas ist einfach UNTER MEINEM NIVEAU!!!Das und vieles mehr wird sie auf der Standort Deutschland erwarten. Die CD ist, wie alles von Gerhard Polt, einfach genial. Wer bitterbösen, schwarzen, bayerischen Humor mag, der ist hier genau richtig. Also kaufen. Allerdings Leute, deren Humor auf Sat1-Niveau liegt, denen rate ich von dieser CD ab.
Eine der besten CDs von Gerhard Polt (11. April 2004)
Die CD enthält einige der besten satirischen Nummern von Gerhard Polt. Besonders erwähnenswert sind:"Die Garage":
Bericht über den Bau einer Luxusgarage mit Fußbodenheizng (auch unter der Auffahrt), Espresso-Maschine und korinthischer Säule vor dem Tor
"Longline":
Philosophieren über Tennis im Allgemeinen und Besonderen.
In dieser Nummer ist auch eine sehr schöne Beschimpfung mit hörenswerten Kraftausdrücken enthalten.
"Die Verteidigung der Gummibären":
Ein Tankstellenbesitzer verteidigt seinen Gummibärenautomaten mit Waffengewalt gegen zwei jugendliche Automatenknacker und erschießt einen der beiden.
Lustig und sozialkritisch (21. August 2002)
Von den Filmen gefallen mir seine früheren Werke (z.B. Kehraus) besser als die neueren. Mit den Schallplatten / CDs ist es bei mir umgekehrt. In ähnlicher Weise hat Gerhard Polt schon Ende der Siebziger Themen wie Tennis, kleinbürgerliche Interessen, Deutsche Touristen auf Vinyl gebracht. Durch vielfaches Vortragen (z.B. vor 6 Wochen in Rüsselsheimer Stadttheater) wurden die Sketche mit der Reaktion des Publikums immer etwas verfeinert und verändert. "Longline" ist vielleicht hier das lustigste Stück und (nicht zuletzt durch das präsente Publikum) dem Tennissketch auf seiner Langspielplatte vor 20 Jahren deutlich überlegen.- Bad Hausen: Ein Bürgermeister erzählt allerlei Blödsinniges und Übertriebenes um die Bedeutung eines Ortes von 800 Einwohnern zu unterstreichen ("Der Friedemann Bach soll damals bei uns im Kurhotel einen Katarrh auskuriert haben, offiziell ist es nicht, aber - meine Damen und Herren - wir haben ein teueres Gutachten in Auftrag gegeben, daß bestimmt bestätigt wird."
- Die Garage - Langer Vortrag über einen Kleinbürgertraum, eine perfekte Garage mit Stereoanlage, Christbaum, Heizung etc. zu bauen. ("Da kommen keine Billigfliesen rein, da kommen nur Fliesen rein, wo die Leute sagen 'aber Hallo, das ist wirklich eine Fliese')
3.1705: Satire über ein antidemokratisches Verhalten (das Polt den Bayern insgesamt schon oft unterstellte) der Süddeutschen in einem Vortrag eines Schützenvereines, der gegen Grüne, Körnerfresser, Österreicher, Preußen etc. wettert. "Wir brauchen keine Opposition, wir sind bereits demokratisch"
- Longline. Erst läßt er sich langatmig über die Überlegenheit des englischen Tennisspielens im Vergleich zum Deutschen ("bei uns spielen Leute Tennis, die hätte man vor 2 Jahren noch aus dem Bierzelt rausgeschmissen") aus, dann gipfelt es in einem Zuschauerstreit von Zwei Elternteilen (Polt und eine Frau) deren Kinder Tennis spielen. "Was diese Frau, diese Brunskachel, diese Hämmoriden-Pritsche vorn sich gibt, glauben Sie es mir, das ist einfach unter meinem Niveau!")
- Der Standort Deutschland: Satire über das Ausnutzen von Billig-Arbeitskräften aus dem Ausland
- Die HÖLle: Für heutzutage ewas überzogener Sketch über die angebliche Höllengläubigkeit eines Bürgers, der sich eigentlich nur über einen schlechten Kaufvertrag ärgert und dann plötzlich mit Religion kommt.
- Democracy: Einer der Top-Tracks: In englischer Sprache, d.h. mit starkem bayerischen Akzent und Angler-Englisch wird Polt nach Afrika geschickt, um einer Versammlung einen Vortrag über Demokratie zu halten. "We in Bavaria have a very old and long tradition of democracy. The more you drink Freibier, the more fast the ghost of democracy comes visible.". Dies und anderes blödsinniges erzählt er den Afrikanern "we in Bavaria, we see not black for your future in Africa and wish you by heart a happy democracy")
- Die Verteidigung Der GummibÄRen: Selbstjustiz eines Besitzers eines Kaugummiautomaten, der aufgebrochen wurde. "So weit ist es in dem Land, das wir einst aufgebaut haben gekommen. Was soll man da noch sagen?"
Alles in Allem: Gerhard Polt in Höchstform, kaufen.





