Aus der Amazon.de-Redaktion
Für viele war wohl die großartige Schlöndorff-Verfilmung Anlaß, nun endlich auch einmal das Buch zur Hand zu nehmen. Erstaunlich. Beim Lesen nehmen augenblicklich die Filmfiguren ihre Plätze ein. Das spricht für Schlöndorff. Nicht auszudenken, hätte man die Aufgabe einem minderen Regisseur übertragen. Dann stünde uns jetzt bei Alfred Matzerath statt Adorf vielleicht Joachim Fuchsberger vor Augen.Grass nimmt sich in seinem nach wie vor erfolgreichsten Buch Die Blechtrommel alle Zeit der Welt. Kaschubische Weiten, Kartoffeläcker und das Danzig um die Jahrhundertwende werden episch vor uns ausgebreitet. Anders als im Film, endet Oskar in der Irrenanstalt und erzählt nun als 30jähriger seine Geschichte. Ein deutsches Fresko. Weltgeschichte von unten, aus den Augen des kleinen Oskar Matzerath gesehen, der an seinem dritten Geburtstag beschließt, sich der Erwachsenenwelt zu entziehen und von nun an nicht mehr weiterzuwachsen. Man schenkt ihm eine Blechtrommel, die sein lebenslänglicher Begleiter sein wird. Oskar hat nun die Freiheit des Narren. Er stört, er mahnt und kommentiert, einem Rufer in der Wüste gleich, mit seiner kleinen Blechtrommel die schlimmsten Jahre unseres Jahrhunderts.
1958, bei seinem Erscheinen, war der Roman ein sofortiger Erfolg. Fast schon ein Fluch für einen Schriftsteller, mit seinem zweiten Werk Weltberühmtheit zu erlangen, nur um anschließend ein Leben lang an dieser Leistung gemessen zu werden. --Ravi Unger
Kundenrezensionen zu 'Die Blechtrommel'
DAS macht Lust auf Lesen; SOWAS gehört ins Zentralabi (16. November 2008)
Ein besonders engagierter Deutschlehrer hat mit uns »Die Blechtrommel« in der Oberstufe gelesen, obwohl das Buch nicht abiturrelevant war. Trotz seines Umfangs war es das einzigste Buch, dass wirklich jeder Schüler in unserem Kurs bis zum Ende durchgelesen hat. Selbst die Schüler, welche sonst kein Buch anrühren (und die Schullektüren erst recht nicht), waren begeistert. Und das Ganze obwohl die Kriegthematik allen Schülern nach der Xten Aufarbeitung bereits sehr zum Halse heraushing.Ich weiß nicht was trauriger ist: Entweder, dass nicht viel mehr solcher Bücher in der Schule gelesen werden, oder dass bei weitem nicht alle Lehrer so engagiert sind und sich auch mal über den obligatorischen Zentralabistoff hinwegsetzen. Stattdessen werden Schüler völligst falsch an unpassende Bücher herangeführt. Wie und Warum kann man sich in Deutschland des Zentralabiturs schmücken, obwohl man in der Schule nie ein Buch von Grass gelesen hat?
Uns Schülern hat das Engagement unseres Lehrers viel gebracht. Für mich persönlich war dieses Buch eine Initialzündung, um mehr »tiefsinnige« Literatur zu lesen, anstatt immer nur bloße Unterhaltungsromane.
Verdienter Weltruhm (19. Oktober 2008)
Mit diesem Buch gelang Günter Grass zu Weltruhm. Und warum das, fragt sich derjenige, der das Buch noch nie in die Hand genommen hat. Episch breitet Grass so einiges vor dem Leser aus, Danzig zur Jahrhundertwende, Kartoffeläcker, Kaschubische Weiten.Aus dem Irrenhaus erzählt der 30-Jährige Oskar Matzerath, wie er das Licht dieser Welt in Gestalt zweier Sechzig-Watt-Glühbirnen erblickt und mit 3 Jahren beschließt, nicht mehr zu wachsen. Fortan trommelt er sich und seine Welt auf seiner Blechtrommel zusammen. Es begegnen ihm seltsame Gestalten wie Schugger Leo, er schließt sich einem kleinwüchsigen Fronttheater an um Gläser zu zersingen, er ist bei der Eroberung der Polnischen Post dabei. Er beschreibt das seltsame Liebesverhältnis zwischen Jan Bronski und Agnes und Alfred Matzerath, welches niemanden Glück bringt, sondern schlußendlich den Tod.
Volker Schlöndorff verfilmte dieses Werk und mir ist eine Stelle besonders in Erinnerung geblieben: Am Meer beobachten Jan, Agnes, Oskar und Alfred einen Fischer, der einen Pferdekopf, über und über mit Aalen bestückt, aus dem Wasser zieht. Ekel stieg in mir hoch ob dieses Bildes. Ich war gespannt, wie es im Originaltext beschrieben war. Tatsächlich schafft es Grass, das Bild, welches er beschreibt, noch ekliger zu gestalten, als das tatsächlich gezeigte Bild. Widerlich!
Im Großen und Ganzen ist die Blechtrommel keine leichte Kost. Weder einfach zu lesen, noch einfach zu verinnerlichen. Aber wenn sich der Buchdeckel schlußendlich schließt, muß man den Kopf senken, vor so viel Konzeption und Komposition. Weltruhm? Zu Recht.
Literarisch hochwertig, dafür zu hoher Ekelfaktor mit wenig Unterhaltung (1. Oktober 2008)
Im Deutschunterricht musste ich mir einmal die Verfilmung des Literaturklassikers "Die Blechtrommel" ansehen und war von da an traumatisiert. Aber wer weiß, vielleicht ist das Original viel besser und ich sollte ihm noch eine Chance geben?Also habe ich es mir die letzten Wochen noch einmal vorgenommen:
Der kleine Oskar Matzerath aus der Stadt Danzig bekommt zu seinem dreijährigen Geburtstag eine rot-weiße Blechtrommel geschenkt und verwendet diese ab dann als einziges Kommunikationsmittel zur Umwelt. Wird ihm dies entrissen, beginnt er nervtötend zu schreien und sogar Glas damit zu zersprengen. Gleichzeitig hört er auf zu wachsen, er hält sich für vollständig und reif genug und begnügt sich damit, als behindertes Kleinkind unterschätzt zu werden. Aus seiner Sicht beschreibt er das kleinbürgerliche Leben seiner Umgebung sowie den zweiten Weltkrieg und dessen Folgen.
Die Idee und der Schreibstil Günter Grass` hat mir sehr gut gefallen, die Umsetzung dafür leider umso weniger. Mit mehreren ekelhaften Provokationsszenen will er die Wichtigkeit seiner Aussagen wohl unterstreichen, vergrault mich dafür als Leserin, denn für Provokation in Form von wiederholten Sexszenen etc. habe ich wenig übrig. Auch die Spannung wird gleich am Anfang genommen, da die Geschichte rückwirkend von Oskar Matzerath erzählt wird und man so schon um dessen Endschicksal weiß. Auch mehr Berichte über die eigentliche Kriegszeit hätten mich interessiert, hier stand nur das enorme Ego des Hauptprotagonisten im Vordergrund und mein andauernder Wunsch ihn mal kräftig zu schütteln und damit seine Arroganz auszutreiben.
Da mir das Lesen dieses Buches weder Spaß, noch Unterhaltung, noch neues Wissen gebracht hat, ich aber die Fähigkeit des Autors durchaus anerkennen will, gebe ich hier 2 von 5 Sternen und kann es leider nicht weiterempfehlen.
Mein absoluter Favorit (11. Juni 2008)
Ich weiß nicht, wie viele Male ich die Trommel inzwischen aktiv (als Buch) oder passiv (vom Autor vorgelesen) inhaliert habe. Aber es gab und wird wohl auch kein Buch mehr geben, das mich mehr in seinen Bann zieht als dieses.Die unnachahmliche Art, auf die der Meister eigenes Erleben mit allgemeiner Betrachtung, dokumentierte Wirklichkeit mit unverschämt fabulöser Fiktion, erste mit dritter Person (und weiteren), klassischen Erzählroman mit verschiedenen Experimentalstilen (etwa: ein Kapitel in Art eines Theatermanuskripts, ein anderes in Form eines Märchens), Verständnis für nachvollziehbar-menschliches mit dem Entlarven beschämender Drei-Affen-Feigheit und etliche weitere vermeintliche Gegensätze, die in Wahrheit untrennbar miteinander verwandt scheinen, im gleichen - wenn auch oft unüberschaubar episch ausladendem - Atemzug zu verquicken vermag, wird mich wohl auch noch nach dem hundertsten Mal fesseln.
Mal ganz abgesehen davon, daß ich mich regelmäßig zwischen dem Eingeständnis eines Klapsmühlenaufenthalts und der Flucht vor der schwarzen Köchin dem Oskar-Universum vertraut, ja innewohnend wähne.
Pflichtlektüre!

