Der blinde Uhrmacher: Warum die Erkenntnisse der Evolutionstheorie beweisen, dass das Universum nicht durch Design entstanden ist

Verkaufsrang: 2595 (Bücher)
Autor: Richard Dawkins
Broschiert
EAN: 9783423344784
ISBN: 3423344784
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Seitenzahl: 384
Erscheinungsdatum: Mai 2008
Verlag: Dtv
von: Karin de Sousa Ferreira (Übersetzer)
Preis: EUR 9,90

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Kundenrezensionen zu 'Der blinde Uhrmacher: Warum die Erkenntnisse der Evolutionstheorie beweisen, dass das Universum nicht durch Design entstanden ist'

Das beste Buch zu dem Thema (16. September 2008)

Ich glaube, es gab bisher kein Buch, das mich so beeindruckt und interessiert hat wie Dawkins blinder Uhrmacher.
Die Evolution wird hier von praktisch allen Seiten beleuchtet, allgemeine Missverständnisse und Vorurteile werden sachlich und logisch aus dem Weg geräumt.
Der Grossteil des Buches ist so geschrieben, dass eigentlich jeder es verstehen kann, Vorkenntnisse in Biologie sind allerdings nicht von Schaden, da das Denkvermögen des Lesern an einigen Stellen doch auf die Probe gestellt wird und nicht alle Theorien leicht nachvollziehbar sind.
Vor dem Lesen dieses Buches dachte ich, ziemlich gut über die Evolution Bescheid zu wissen, doch ich konnte wirklich eine ganze Menge Dinge daraus lernen, von denen ich keine Ahnung hatte.

Ich kann das Buch wirklich nur jedem Empfehlen, der sich für Biologie und speziell die Evolution interessiert, da es einen Haufen an Fakten und Wissen enthält, gleichzeitig aber gut verständlich und teilweise durchaus amüsant geschrieben ist.

Das Beißholz für Kreationisten, Lamarckisten und die Kirche (3. Mai 2008)

Das Buch kam erstmals 1986 heraus und wurde Sachbuch des Monats. Dem dtv ist es zu danken, dass es nun wieder vorliegt. Es geht um den Darwinismus, für den Dawkins als (Evolutions-) Biologe eine gewaltige Lanze bricht - vordergründig gegen den Kreationismus. Sicher hat sich in den 22 Jahren seit 1986 einiges getan. Trotzdem ist "Der blinde Uhrmacher" ein zeitloses Werk, weil es Dawkins darin gelingt, die Prinzipien der Evolutionstheorie allgemeinverständlich und tiefgründig darzustellen, was bestimmt nicht einfach ist. Er beschreibt die evolutionäre Entstehung hochkomplexer Systeme, wie wir sie heute vorfinden auf eine Art, die man schlichtweg als genial bezeichnen muss. Dawkins räumt zuerst damit auf, dass die Evolution und die natürliche Auslese ursächlich mit Zufall zu tun haben. Dieser spielt wohl eine Rolle, aber eher als "Unruhe" in seinem Uhrwerk denn als schaffendes, evolutionäres Element. Das Geheimnis liegt in der kumulativen Selektion, und diese erklärt Dawkins anhand anschaulicher Beispiele, so plastisch, so logisch und klar, wie ich es noch nirgendwo sonst fand.
Andere Versuche, evolutionäre Schritte und Mechanismen mit (heute total veralteter) Computertechnologie zu vergleichen, wirken aber manchmal gekünstelt. Dawkins ist sicherlich ein Pionier, er kann auch vieles gut erklären, aber eben nicht alles. Wer, frage ich, versteht die Proteinsynthese, wie sie im vorliegenden Buch beschrieben ist, wenn er medizinischer, biologischer Laie ist?
Es ist von RNS, DNS, Genen, Chromosomen (und deren diploidem und haploidem Satz) die Rede, von Nucleotiden, Basenpaarung und Replikation, von Transkription und Ribosomen. Wer kennt Unterschied und Zusammenhang, wenn er nicht gerade Biologe oder Mediziner ist? Hier wäre eine kurze, übersichtliche Begriffserklärung angebracht gewesen.

In dem Buch finden sich zweifellos bahnbrechende Ideen, richtungweisende Denkansätze, ich stehe nicht an, zu sagen: geniale Theorien. Und das nicht zu knapp.
Es ist ein Trugschluss, zu meinen, dass Dawkins einfach "nur" Darwins Evolutionstheorie erklärt. Vielmehr ist "Der blinde Uhrmacher" als eine Fortentwicklung bzw. Interpretation des Darwinismus zu verstehen (siehe auch "Das egoistische Gen", 1976). Und als klare Abgrenzung zum Kreationismus und Lamarckismus, die leider immer noch (und aktueller denn je) notwendig ist.
Sehr aufschlußreich fand ich die Theorien über mineralische Lebenszyklen, Kapitel 6 und das 10. Kapitel über Taxonomie - ein wahrer Fundus an Erkenntnissen und garnicht langweilig, wie die Kapitelüberschrift vermuten ließe.
Wenn ein Buch nach 22 Jahren immer noch kontrovers aufgenommen wird, muss es nicht nur gut sein, dann ist es epochal. Ich kann es nur wärmstens empfehlen!

Über kumulative Selektion zum Sinn des Lebens!! (29. April 2008)

Anmerkung: Die in der Rezension verwendeten Zitate und Seitenzahlen beziehen sich auf die englischsprachige Taschenbuchausgabe (2006) "The Blind Watchmaker".

Zugegeben, Richard Dawkins wäre sicherlich kein guter Politiker geworden. Dazu vertritt der in Oxford lehrende Evolutionsbiologe seine Thesen mit zu viel Feuereifer und mit teils wenig diplomatischen Geschick. Aber gerade das macht auch die Stärker der Bücher Richard Dawkins aus. Keiner schreibt so prägnant und verständlich und gleichzeitig auf einem so hohen inhaltlichen und rhetorischen Niveau über das Thema Evolution wie er.

Nach Selfish Gene (1976) und The Extended Phenotype: The Long Reach of the Gene (Popular Science) (1982) war "The Blind Watchmaker", erschienen 1986, das dritte Buch von Richard Dawkins. Hier vertritt er eine auf Charles Darwins Evolutionslehre basierende Weltanschauung, die weit über das Biologische hinausgeht, wie Dawkins im Vorwort der 2006 veröffentlichten Ausgabe darlegt: "Darwinism encompasses all of life - human, animal, plant, bacterial, and, if I am right in the last chapter of this book, extraterrestial. It provides the only satisfying explanation for why we all exist, why we are the way we are. It is the bedrock on which rest all the disciplines known as the humanities" (xiv).

Das Leitmotiv der Darstellung beruht auf dem Buch "Natural Theology" des Theologen William Paley aus dem Jahr 1802. Hier argumentiert er, dass man bei so etwas Komplexen wie einer Uhr nicht davon ausgehen kann, dass sie schon immer dagewesen sei. Sie muss erschaffen worden sein. Auf den Menschen bezogen behauptet er, dass ein so komplexes Organ wie das menschliche Auge erschaffen worden sein muss. Dies ist die klassische Version des "Argument of Design", welches noch heute von einigen benutzt wird, um die Existenz Gottes zu beweisen. Dawkins übernimmt die Metapher des Uhrmachers und sagt, dass es tatsächlich so etwas gebe. Allerdings ist sein Uhrmacher blind und arbeitet unbewusst und ohne einen erkennbaren Sinn. Dieser Uhrmacher ist nichts anderes als das Prinzip der natürlichen Selektion, auf dem nach Darwin die evolutionäre Entwicklung beruht: "Natural selection, the blind, unconscious, automatic process which Darwin discovered, and which we now know is the explanation for the existence and apparantly purposeful form of all life, has no purpose in mind" (5).

Der Hauptdenkfehler, so Dawkins, warum immer noch so viele Menschen Probleme mit der Evolutionslehre haben, sei, dass sie nicht akzeptieren könnten, dass der Mensch durch einen auf Zufall basierenden Prozess wie der natürlichen Selektion entstanden sein könnte. Der Denkfehler besteht nun aber darin, dass natürliche Selektion gerade nichts mit Zufall zu tun hat. Die Gene, die Merkmale hervorbringen, die nicht dazu beitragen, das Überleben eines Lebewesens in einer bestimmten Umgebung wahrscheinlicher zu machen, werden langsam aber sicher aus dem Genpool entfernt, da die Lebewesen mit den entsprechenden Merkmalen aussterben. Es gibt natürlich auch zufällige Veränderungen des genetischen Materials, die sogenannten Mutationen. Diese Zufallsmutationen unterliegen aber auch dem Prinzip der natürlichen Selektion. Helfen sie der Spezies im täglichen Überlebenskampf, werden die entsprechenden Gene reproduziert. Wenn nicht, dann werden sie durch den Prozess der natürlichen Selektion wieder aus dem Genpool entfernt: "Mutation is random; natural selection is the very opposite of random" (41).

Im Buch geht Dawkins immer wieder auf die Entwicklung des menschlichen Auges ein, um zu zeigen, dass selbst ein so komplexes Organ Schritt für Schritt über Jahrmillionen entstanden sein kann. Diese graduelle Weiterentwicklung eines Organs bezeichnet Dawkins als kumulative Selektion: "The theory of evolution by cumulative natural selection is the only theory we know of that is in principle capable of explaining the existence of organized complexity [...] Cumulative selection, by slow and gradual degrees, is the explanation, the only workable explanation that has ever been proposed, for the existence of life's complex design" (317).

Fazit: Anspruchsvoll und dennoch verständlich und mit dem ihm eigenen Sprachgefühl beschreibt Dawkins die Richtigkeit der Darwinschen Theorie, die seit nunmehr fast 150 Jahren darauf wartet, falsifiziert zu werden. Anhand zahlreicher Beispiele zeigt er, wie Darwins Evolutionslehre seit Jahrmillionen in der Natur wirkt und ihr, unbewusst und ohne erkennbares Ziel, den Anschein von Design gibt. Für jeden an dieser faszinierenden Thematik Interessierten ist und bleibt Dawkins der erste Ansprechpartner.

Gute Begründung der Evolutionstheorie, einige Schwächen (29. April 2008)

"Der blinde Uhrmacher" ist für mich Dawkins' bestes Buch, da es nicht so genzentrisch ist wie etwa "Das egoistische Gen" oder "Es entsprang ein Fluss in Eden". Hauptanliegen des Autors ist es, die Evolution durch eine Folge kleiner Veränderungen, bei denen sich durch Selektion günstige Eigenschaften in einer Population stärker durchsetzen, zu erklären. Auf diese Weise können auch sehr komplexe Organismen entstehen. Im Grunde geht es Dawkins um eine Auseinandersetzung mit dem Kreatonismus, indem er zeigt, dass durch die Evolutionsprinzipien komplexes Leben aus sich heraus und ohne Schöpfer geschaffen werden kann. Dawkins bemüht einige Computerbeispiele, die in der Tat sehr aufschlussreich sind. Diese Passagen des Buches sind sehr interessant und lehrreich.

Schwächen sah ich in drei Punkten:
a) einem sehr saloppen Umgang mit dem Begriff des Zufalls. So heißt es auf Seite 58: "Wellen und Kieselsteine zusammen sind ein einfaches Beispiel für ein System, das automatisch Nichtzufall erzeugt." Hier hätte es besser "Ordnung" statt "Nichtzufall" heißen sollen. Auf Seite 66 heißt es dann: "Der Zufall ist eine unwichtige Zutat im Darwinschen Rezept, die wichtigste Zutat ist die kumulative Auslese, die in ihrer Quintessenz nicht zufällig ist." Das kann man ganz anders sehen, zumal er auf Seite 67 die Evolution als ein Ergebnis der Auslese zufälliger Mutationen erklärt.

Andere Evolutionsbiologen weisen immer wieder darauf hin, dass wenn man eine Spezies ein 2. Mal den Evolutionsprozess durchlaufen lassen würde, eine ganz andere Spezies als beim ersten Mal herauskommen würde. Der Zufall spielt also in jedem Fall eine entscheidende Rolle. Dawkins sollte sich hier ganz anders ausdrücken. Auch Einstein meinte ja bereits, dass Gott nicht würfele, weil er den Zufall in der Physik nicht akzeptieren wollte. Offenbar irrte er in diesem Punkt. Dawkins trägt hier einiges zu einer unnötigen Verwirrung bei.

b) Irritierend auch das Schlusskapitel, in dem er sich eingehend mit Alternativen zum Darwinismus, insbesondere dem Lamarckismus auseinandersetzt. Es ist absolut sinnvoll, darauf hinzuweisen, dass Evolution ohne Lamarckismus (d. h. fortschrittsblind) erfolgen kann. Allerdings wird wieder einmal so getan, als wäre der Lamarckismus mit den Darwinschen Evolutionsprinzipien unvereinbar, und das ist er nicht. Darwin selbst glaubte noch an die Vererbung erworbener Eigenschaften. Und auch moderne Evolutionsbiologen wie Jablonka/Lamb weisen auf die Möglichkeit lamarckistischer Prozesse hin. Das ist ja auch beim Menschen ganz klar der Fall. Denn Kinder bekommen zwar die Gene von ihren Eltern vererbt, aber danach werden auch die Lebenserfahrungen im Rahmen der Sozialisation, Erziehung und Bildung weitergegeben ("vererbt") und das ist ganz klar lamarckistisch. Wenn einer Generation die Beherrschung des Feuers gelingt und sie diese Fähigkeit dann der nächsten Generation weitergibt, dann haben wir es hier mit einer Weitergabe erworbener Eigenschaften zu tun. Die Weitergabe erfolgt zwar nicht über Gene, aber das ist egal, denn eine Selektion findet immer am Phänotyp und nicht am Genotyp statt.

c) Aus heutiger Sicht ist das Buch veraltet, da neuere Erkenntnisse wie z. B. "Evo-Devo" und die Hox-Gene nicht vorkommen, die zum damaligen Zeitpunkt nicht bekannt waren. Beispielsweise schreibt U. Kutschera in "Evolutionsbiologie" (2008) auf S. 242:
"So ist z. B. bei den Wirbeltieren der Tetrapoden-Bauplan genetisch festgelegt und wird vorgeburtlich realisiert (Embryonen mit vier Extremitäten und jeweils fünf Fingern). Vierfüßer konnten während ihrer Jahrmillionen langen Evolution aufgrund dieser developmental contraints, z. B. keine zusätzlichen Flügel entwickeln. Tierische (und menschliche) 'Engel' existieren daher in der Natur nicht, obwohl dieser 'Sechs-Extremitäten-Vertebraten-Bauplan' aus biomechanischer Sicht vermutlich funktionstüchtig wäre."
In der biologischen Evolution spielen also noch ganz andere Dinge eine Rolle als nur "kleine Veränderungen" durch Mutationen/genetische Rekombination + natürliche Selektion. Offenbar kann die Natur nicht alles konstruieren, was man sich vorstellen könnte.
Wer an einer wirklich fundierten und auf dem neuesten Stand befindliche Auseinandersetzung mit Kreatonismus und Intelligent Design interessiert ist, der liest besser Kutschera: "Evolutionsbiologie", 3. Auflage.

dkb.de

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