Aus der Amazon.de-Redaktion
Im zweiten Band seiner Erinnerungen schildert Helmut Kohl die nach seiner eigenen Auskunft aufregendsten Jahre seiner Kanzlerschaft. Angefangen mit seiner Wahl im Oktober 1982 bis zu der ersten (und letzten) freien Volkskammerwahl in der DDR, die den Weg für die Wiedervereinigung frei machte, von der er bei seinem Amtsantritt acht Jahre zuvor bestenfalls hatte träumen können. Doch für derlei Träume hätte er zu dieser Zeit wohl nur Häme geerntet. Die war auch so schon stete Begleiterin seiner ersten Amtsjahre, woran er sich dank seines sprichwörtlich dicken Fells aber schnell gewöhnte.Das Buch liest sich über weite Strecken als (bisweilen ermüdender) Versuch, einstige Kritiker im Nachhinein nicht nur zu widerlegen, sondern vorzuführen. "Zu den Klischees seit Beginn meiner Kanzlerschaft", schreibt der Altkanzler ziemlich genau in der Mitte des Bandes, "gehörte die törichte Meinung, ich verstünde nichts von Außenpolitik. Der aus der pfälzischen Provinz stammende Politiker mit deutlichen Neigungen zur Innenpolitik – so die 'Analyse' einflussreicher Hamburger Medienmacher – betrachte die Außenpolitik als ein Politikfeld, das man getrost dem zuständigen Minister überlassen könne." Es folgen Reiseberichte, in denen Kohl seine zahllosen Treffen mit den Großen der Welt schildert -- und seine Weitsicht in weltpolitischen Fragen und die dementsprechenden Erfolge, zu denen er auch die deutsche Einheit zählt. Töricht war aus Kohls Sicht natürlich auch der "Putschversuch" einiger seiner "Parteifreunde": Bei seiner Schilderung der Ereignisse rund um den Bremer CDU-Parteitag von 1989 hält er sich denn auch seinerseits mit Häme nicht zurück. Bände spricht ein vom Autor zweifellos mit Genugtuung ausgewähltes Foto, das ihn und den soeben abgelösten Generalsekretär Heiner Geißler nebeneinander auf dem Podium zeigt: Erhobenen Hauptes blickt der Sieger auf den gebeugten Besiegten herab.
Gewiss: Kohls Betrachtungen sind durchzogen von einem bisweilen doch recht angestrengt wirkenden Bemühen, seinem Bild in den Geschichtsbüchern auch ja die richtigen Konturen vorzuzeichnen. Aber so sehr sie ihn deshalb in manchem Detail auch zweifellos trügen: Seine Erinnerungen vor allem an jene Jahre, die er in diesem zweiten Band behandelt, lohnen trotz allem die Lektüre. Ja: hier und da gerade deswegen! -- Andreas Vierecke
Kundenrezensionen zu 'Erinnerungen: 1982-1990'
Ein großer Staatsmann - ein mäßiger Autor (16. Januar 2008)
VORAB muss einfach an die großen Leistungen des Staatsmannes Helmut Kohl erinnert werden. Der Kanzler hat nicht nur in Bezug auf die Deutsche Einheit, sondern auch hinsichtlich Europa wirklich größte Verdienste erworben.EBEN diese Verdienste beschreibt er in dem dritten Teil seiner Erinnerungen. Da fängt das Problem an, er beschreibt die Dinge nicht nur, um sich in einem guten Licht dastehen zu lassen, sondern wie er WIRKLICH glaubt, dass sie sich so zugetragen haben. Deshalb geht diesem Werk jegliche Objektivität ab.Häufig gleitet er ins Anekdotenhafte ab und spricht von ausländischen Staatsgrößen wie andere von ihren "Kumpels" aus der Schulzeit.
Als FAZIT kann man sagen, dass, wenn man kein Übersichtswerk über die Deutsche Einheit erwartet, sondern eine nette, subjektive Erzählung mit ein paar amüsanten Geschichtchen aus der Politk mag, ist hier super aufgehoben. Ein GROSSES Manko dieses Buches ist aber der Schreibstil, der wirklich sehr einfach gehalten ist und einem Mann von solchem Intellekt wie Dr. Helmut Kohl einfach nicht zur Ehre gereicht...
Interessant und lesenswert (6. Januar 2008)
Natürlich ist diese Darstellung eines unmittelbar beteiligten Zeitzeugen individuell gefärbt und vielleicht auch selbstgerecht. Aber eines muss man ganz klar feststellen. Helmut Kohl hatte die Chance seines Lebens und hat sie mit beiden Händen gepackt. Entgegen der Widerstände aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens war er es, der die Chance zur Wiedervereinigung genutzt hat. In diesem sehr kleinen historischen Zeitfenster zwischen November 1989 und August 1991 hat er die Tür weit aufgestoßen, die nur einen ganz kleinen Spalt offen stand.Natürlich teilt er auch aus, aber auch über Parteigrenzen hinweg. Eine ganze Reihe von Poltikern werden scharf kritisiert, auch solche die heute noch in der Politik tätig sind, wie z.B. Oscar Lafontaine. Bemerkenswert positiv aber auch solche Berichte die sehr persönlich geschrieben sind, wie z.B. über Willy Brandt und seinen Handlungen in der Zeit Anfang der 90er Jahre bis zu seinem Tod.
Auch wird zum Beispiel klar, dass er wieder als Grundlage für die positiven Ereignisse der Jahre 1989 ff. den Nato-Doppelbeschluss nennt. Auch dafür lobt er erneut die Beteiligten, vor allem seinen direkten Amtsvorgänger Helmut Schmidt, wenn auch dieses Lob nach meinem Geschmack etwas deutlicher und klarer hätte ausfallen können.
Bei aller Kritik, die man an Helmut Kohl üben kann, vor allem an den noch ausstehenden Handlungen zwischen 1994 und 1998, das Buch ist lesenswert. Teilweise ist es spannend wie ein Krimi, vor allem, wenn man noch eigene Erinnerungen an die Zeit hat. Ohne pathetisch zu sein, an manchen Stellen wird einem wirklich wieder einmal klar, welch großes Glück das deutsche Volk in dieser Zeit gehabt hat. Es hätte auch völlig anders kommen können!
Selbstgerechtigeit ziwschen Buchdeckeln (6. Dezember 2007)
Auch der dritte Teil (einer soll, soweit ich weiß noch kommen) der Kohl-'Auto'-Biographie strotzt nur so vor Selbstgerechtigkeit.Helmut Kohl hat durch sein Aussitzen und Nichtstun in Zeiten wo es in Deutschland viel zu tun gegeben hätte, zumal Europa rundherum zusehends fleißig war.
Die Einheit war zwar so nicht vorhersehbar und ein einmaliger Fall in der europäischen Geschichte, aber auch hier wurde alles falsch gemacht was falsch gemacht werden konnte. Das Sozial- und Steuersysteme nicht einfach so den Beitritt eines quasi ganzen Folges verkraften, hat eigentlich klar auf der Hand gelegen. Folge u.a.: auch nach 17 Jahren müssen Menschen noch Solibeiträge zahlen, die teilweise per Gießkannenprinzip in abstruse Projekte, leerstehende Bürogebäude, zu große Kläranlagen usw geflossen sind.
Von den Machenschaften am Ende seines Kanzlerseins mit Schwarzkassensystem (immerhin eine Strafe von 21.000.000 €) zum Machterhalt ganz zu schweigen.
Helmut Kohl hätte allen Grund zur Selbstkritik und nicht zur Selbstbeweihräucherung, die man auch im IV. Teil vermissen wird.
Wiedervereinigung war eine reife Leistung (3. Dezember 2007)
Es mag sein, wie es will. Man kann jeden Politiker kritisieren und findet überall Fehler. Aber die Gelegenheit beim Schopfe zu packen und die Wiedervereinigung gegen vielfachen Willen im Aus- und Inland durchzuziehen, macht ihn für die Geschichte unsterblich.Er hat unseren Weg fortgesetzt, den wir zunächst angstvoll Montags auf der Straße begonnen haben. Das SED-Regime hat meine Familie und Kindheit zerstört, die Wende hat uns in die Freiheit geführt. Ein Buch schreiben zu können mit freier Offenlegung seiner Gedanken - das ist Freiheit!
So nahm auch ich mir die Freiheit, ein Buch zu schreiben, um das DDR-Regime an den Pranger zu stellen und die Hoffnungen der Wende zu schildern, aber auch das was danach kam, ein steiniger Aufstieg.
Auch wenn es noch zu meckern gibt wie überall im Leben, so eben die Teuerungswelle: Helmut Kohl und die "westdeutschen Landsleute" haben uns in Ostdeutschland zu einem aufblühenden Land gemacht. Das kann jeder sehen, wenn er richtig hinschaut. Wir können uns im Osten nur dafür bedanken und das tue ich auch in meinem Buch, das zahlreiche Hilfen aus dem Westen beim Aufbau meiner Firma schildert. Aber es nennt auch schwarze Schafe - das ist eben die Freiheit, die wir heute haben.
Selbstinszenierung (28. November 2007)
Helmut Kohl beschreibt in seinem dritten Band nahezu ausschließlich "seine" Sicht der Jahre zwischen 1990 und 1994. Dabei wird deutlich ,daß es für ihn nur eine, seine eigene Wahrheit gibt. Gegen jeden Abweichler wird mit aller Schärfe ausgeteilt, eigene Fehler en bloc kurz angerissen (..."auch ich habe gravierende Fehler gemacht..."), ohne daß der Altkanzler sie gar genau benennt oder beschreibt.Seine kohl-typische Wortwahl ("unsere ostdeutschen Landsleute", "...der Deutsche Bundeskanzler..", "mein Freund George" usw.)lassen insgesamt ein echtes Kohl-Machwerk aus dem Buch werden.
Man sollte allerdings eine eigene fundierte Meinung über die genannten Jahr haben, sonst kann es passieren, daß man darauf hereinfällt, es sei so gewesen, wie der Autor es dem Leser weismachen will...


