Von Ratlosen und Löwenherzen

Verkaufsrang: 799 (Bücher)
Autor: Rebecca Gablé
Gebundene Ausgabe
EAN: 9783431037555
Auflage: Neuauflage.
ISBN: 3431037550
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Seitenzahl: 237
Erscheinungsdatum: 12. August 2008
Verlag: Ehrenwirth
Preis: EUR 19,95

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Aus der Amazon.de-Redaktion

Gönnen wir ihr die kleine Auszeit. Nach sechs fast schon obligatorischen Tausendseitern, mittelalterliche Blockbuster allesamt, mit denen Rebecca Gablé ihre Fangemeinde in den letzten Jahren verwöhnte, folgt nun die wohlverdiente Verschnaufpause. Und wie sieht die bei einer Literaturwissenschaftlerin, Fachfrau in Sachen Mediävistik und passionierten England-Reisenden wohl aus? Richtig! Sie schreibt ein Sachbuch übers Mittelalter in England. Und fängt sogleich an, den etwas verwaschenen Begriff zeitlich zu fixieren: Von der Völkerwanderung Ende des 3. Jahrhunderts bis zur Verbreitung des Buchdrucks Ende des 15. Jahrhunderts. Basta! Kein geringes Vorhaben auf gerade mal 230 Seiten. Doch Frau Gablé erweist sich auch in der kleinen Sachbuchform als Meisterin.

Alles begann im 4. Jahrhundert mit dem Abzug der Römer, die genug Trouble in der Heimat hatten. Wilde Pikten und Scoten hatten sich überdies auf dem neblichten Eiland als lästige Wanzen erwiesen. Die zurückgebliebenen britischen Kelten hatten aber am römischen Lifestyle nicht wenig Gefallen gefunden. So ging’s los. Um sich nun ihrerseits die blauen Barbaren aus dem kargen Norden vom Halse zu halten, engagierten sie Kampfverbände aus Norddeutschland – und schon waren sie da – die Angelsachsen. In diesem Stile lässt sich Geschichte erfolgreich vermitteln. Nicht einschläfernd, forsch bis kess im Ton. Nichts weniger zeichnet eine Bestsellerautorin aus!

Vom „Volk der Angeln“ und ihrem „Engla-Land“, über Alfred den Großen, Englands sagenhaften ersten King, der 878 den Dänen den Garaus machte, bis hin zu Herrschern, deren Namen Sven Gabelbart, Edmund Eisenseite oder Harald Hasenfuß eher unfreiwillig komische Naturen verhießen; oder dem frühen Gotteskrieger Richard Löwenherz, der hinter deutsch-österreichischem Gemäuer vor sich hinfaulte -, Madame Gablé wartet zur Auflockerung ihrer Geschichtsstunde mit allerlei Kuriosa und Skurrilitäten auf. Dies verheißt eine Menge Lesespaß, zugunsten dessen die historische Akkuratesse bei der Fülle des Materials bisweilen schmunzelnd übersehen werden sollte. Kleine, aber hübsche verlegerische Serviceleistung: Das Buchcover lässt sich zum königlichen Stammbaum entfalten. Und nach der Lektüre wird man wenigstens einige der sprichwörtlichen britischen Schrullen etwas besser verstehen. Dermaßen präpariert, freuen wir uns auf den nächsten großen Gablé-Wurf.–Ravi Unger

dkb.de

Kundenrezensionen zu 'Von Ratlosen und Löwenherzen'

Humorvolle Geschichtsstunde (3. Dezember 2008)

Wer humorvoll und schnell die gröbsten Entwicklungen des englischen Mittelalters erfahren möchte, liegt bei diesem Buch richtig. Für weitergehendes Studium oder auch tiefergehende Betrachtungen einzelner Episoden und Abschnitte, sollte dann doch ein Fachbuch (Geschichte!) zu Rate gezogen werden.

Erfordert aufmerksames Zuhören (4. November 2008)

Sehr schnell steht beim Hören allerdings fest, dass der Untertitel des Sachbuchs - "eine kurzweilige, aber nützliche Geschichte des englischen Mittelalters" - keine Untertreibung ist. Denn auch - oder vor allem - in der Lesung durch Andreas Fröhlich erweisen sich die Fakten und Anekdoten, die Gablé zusammengetragen hat, als sehr unterhaltsam. Alles andere als trocken führen Gablé als Autorin und Fröhlich als Sprecher den Zuhörer im Schnelldurchlauf durch sowohl signifikante als auch relativ irrelevante, aber amüsante Ereignisse aus dem dunklen Zeitalter. Dabei, das erfährt man gleich eingangs, ist es gar nicht so leicht, überhaupt festzulegen, wann überhaupt das Mittelalter stattgefunden hat. Rebecca Gablé beginnt schließlich mit Alfred dem Großen und arbeitet sich von dort aus munter und beschwingt durch die Lebens- und Regierungszeiten von über dreißig Königen, unter ihnen so schillernde Gestalten wie etwa Richard Löwenherz und zahlreiche Edwards, Williams und Henrys. Doch auch die Frauen kommen nicht zu kurz: Das Leben der Kaiserin Matilda wird geschildert sowie ihrer berühmten Schwiegertochter, Eleonore von Aquitanien, Gablé erzählt davon, wie die selbstbewusste Godiva der Legende nach nackt durch eine mittelalterliche Stadt geritten ist, und teilt ihren Lesern beziehungsweise Hörern mit, was sie vom göttlichen Ruf der Johanna von Orleans hält.

Trotz ihres doch teilweise arg satirischem Stils, der das Buch einerseits zum Hörgenuss macht, andererseits jedoch ein bisschen plakativ wirkt, merkt man Gablé an, dass sie weiß, wovon sie schreibt. Nicht umsonst hat sie sich als Mittelalter-Expertin einen Namen gemacht. Obwohl sich der Text hauptsächlich auf die königlichen Persönlichkeiten jener Zeit konzentriert, fließen immer mal wieder Kommentare über das Leben der einfachen Bevölkerung zu jener Zeit ein und über die Auswirkung der zahlreichen Fehden auf die Einwohner Britanniens.

Ob es nun an den Kürzungen gegenüber der Buchvorlage liegt oder dem generell schnellen Durchschreiten der Ereignisse und Jahrhunderte - so unterhaltsam Von Ratlosen und Löwenherzen" auch ist, man muss schon aufmerksam zuhören und aufpassen, damit man nicht den Anschluss verliert. So schlaglichtartig sind manche historische Gestalten und Vorkommnisse beleuchtet, dass man sich so manches Mal wünscht, Gablé wäre länger bei ihnen verblieben. Unterm Strich stellt man allerdings dadurch auch fest, dass keinerlei Langeweile aufkommt. Insofern ist die Idee einer Hörbuchversion eines historischen Sachbuchs zwar etwas gewöhnungsbedürftig, dank des perfekten Zusammenspiels von Rebecca Gablé, Andreas Fröhlich und, was Produktion und Aufmachung betrifft, des Lübbe Verlags allerdings für Freunde des englischen Mittelalters - und solche, die es werden wollen - durchaus empfehlenswert.

Papa ist enttäuscht (2. November 2008)

Das Geburtstagsgeschenk für meinen Papa, ein gebildeter Mann kurz vor der Rente, wurde ein glatter Reinfall.
Angefeuert von einer Kritik in der örtlichen Tageszeitung wünschte er sich dieses Buch von mir und er wurde bitter entäuscht.

Die Beschreibung im Innencover verspricht mehr als sie hält - Papa zeigt sich enttäuscht von der übertriebenen Satire und den vielen Zeitsprüngen der Erzählerin, die nicht wesentlich auf die (Zeit-)Geschichte eingeht - ein seriös erzählendes Geschichtsbuch ist dies bei weiten nicht.

Geschichte? Ja, bitte. (22. Oktober 2008)

Je nachdem wieviel Glück man mit seinen Geschichts- und Englischlehrern hatte, war die englische Geschichte - oder Geschichte an sich - eine ganz nette und interessante, oder eine eher dröge Angelegenheit. Da ist es immer wieder erfreulich einen guten historischen Roman - mit viel Roman und eher wenig authentischer Historie - zu finden. Oder - mit viel Glück - ein humorig-unterhaltendes Sachbuch.

Das vorliegende Buch ist so ein Glücksfall. Dabei ist die Historizität zum Teil durch die persönlichen Vorlieben der Autorin geprägt, aber das erlebt bei vielen guten Geschichtssachbüchern und Fehler im eigentlichen Sinne nachweisen zu wollen ist immer ein wenig schwierig, denn auch Historiker sind sich in vielen Dingen nicht einig, so dass hier das Narrative hinter dem Historizierenden - solange es sich plausibel mit den vorliegenden Fakten auseinander setzt - zurückstehen kann. Und das ist hier der Fall. Wieder mal ein lehrreicher Lesespaß.

Geschichtsstunde mit Augenzwinkern (22. Oktober 2008)

Ich habe "Von Ratlosen und Löwenherzen" mit gemischten Gefühlen gelesen. Einerseits konnte ich mich ab und an über die lockere Sprache amüsieren, andererseits war sie mir viel zu oft deutlich zu flapsig. Auch ist mir die Autorin gelegentlich zu subjektiv in ihren Schilderungen. Zum Glück normalisieren sich sowohl Sprache als auch Subjektivität immer mal wieder.

Auch wenn die vereinfachte Darstellung der historischen Ereignisse gut nachvollziehbar und verständlich ist, ist sie mir deutlich zu kurz geraten. 237 Seiten für 1000 Jahre englischer Geschichte reichen einfach nicht aus, von daher sind die Ereignisse für meinen Geschmack oft zu oberflächlich beschrieben, auch wenn Rebecca Gablé den Kern der Sache getroffen haben mag.

Um einem englische Geschichte wirklich näher zu bringen, eignet sich das Buch leider nicht. Dafür ist die Geschichte Englands zu kurz, oberflächlich und leider auch zu subjektiv geschildert. Als Appetizer eignet es sich jedoch hervorragend, denn ich kann mir gut vorstellen, dass man durch dieses Buch richtig Lust bekommt, mehr über die englische Geschichte zu erfahren.

Insgesamt ein unterhaltsamens, wenn auch wenig sachliches Buch, das sich gut lesen lässt. Mit den Romanen von Rebecca Gablé aber keinesfalls vergleichbar.

dkb.de

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