Aus der Amazon.de-Redaktion
Was hat Noah Gordon mit dem legendären Pater Brown gemeinsam? Er kann's eben auch nicht lassen -- gut so! Und ab geht's mit dem neuen Buch des Bestsellerautors ins mittelalterliche Spanien, hinein in die Zeit der sich ausbreitenden Inquisition im beginnenden 15. Jahrhundert. Historie als unterhaltsame Kost, leichtverdauliche Handlungsebenen, gute Recherche bis ins Detail und einen Schuß Krimigewürz, samt der Einladung, das rund 470 Seiten-Menü hautnah und spannend mitzuerleben und zu verschlingen -- ein Rezept, mit dem Noah Gordon ja nicht zum ersten Mal brilliert.Vor dem Hintergrund der brutalen Verfolgungen religiöser Minderheiten mit päpstlichem und königlichem Segen spielt diese fesselnde Geschichte, die mit der heimtückischen Ermordung eines Jungen in Toledo beginnt, dem Sohn des jüdischen Mannes, der als einer der besten Silberschmiede in ganz Kastilien gilt. Für eine wertvolle Reliquie hat er das Reliquiar angefertigt, gerät aber durch Glauben und gesellschaftlichen Aufstieg ins Visier der Inquisition. Meir, sein Sohn, der das Gefäß persönlich der Kirche überbringen soll, kehrt nicht wieder nach Hause zurück. Alle Spuren führen in Kirchenkreise. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Ein Edikt fordert alle Juden auf, Spanien innerhalb von drei Monaten zu verlassen, der Druck auf Juden und die sogenannten Conversos, Juden und Mauren, die sich aus Angst heraus zum Christentum bekennen, nimmt zu. So kann Helkias, der Silberschmied, seinen zweiten Sohn Jona, im letzten Moment in Sicherheit bringen, bevor das Unheil auch über sein Haus hereinbricht.
Jona ist es, der sich nun zur Hauptperson des neuen Gordon-Schmökers herauskristallisiert. Auf der Flucht, auf der Suche nach Glaubens- und Familienangehörigen und auf dem Wege, selbst ein Mann zu werden, beginnt für ihn eine Odyssee quer durch Spanien, bis er endlich nach einer abenteuerlichen und atemberaubenden Reise in Saragossa ankommt und dort in die Lehre eines Medicus geht. Das klingt bekannt? Ja, ja, schon, da ist wieder dieses Gefühl von Eintauchen in eine alte Zeit und dem Nicht-mehr-Herauswollen, da ist wieder dieser Effekt, von dem TV-Serien oft nur träumen: Die Sucht nach dem nächsten Kapitel und da ist sicherlich wieder das unbestrittene Talent Gordons, mit einfacher Sprache, kurzen Kapiteln, spannend-unterhaltender Handlung bei seiner Leserschaft absolut ins Schwarze zu treffen. Aber dann ist es eben doch alles wieder ganz anders...
Medicus ist eben doch nicht gleich Medicus, nur der Erfolg des einen wird dem Erfolg des anderen vermutlich sehr ähneln. --Barbara Wegmann
Amazon.de-Hörbuchrezension
Also, eines darf doch gleich einmal angemerkt werden: Etwas armselig ausgestattet ist das Ganze ja schon. Den sage und schreibe 6 CDs im dicken Schuber mit ihren fast siebeneinhalb Stunden Spieldauer, hätte ein kleines Booklet, das dem Hörer die historischen Zusammenhänge etwas näher bringt, gut zu Gesicht gestanden. Aber nein, hinter ewig gleichem Titelbild lauert der ewig gleiche karge Kleinsttext, der in den Jubelruf "Die Zeit des Wartens ist vorbei, endlich wieder ein großer historischer Roman von Noah Gordon" mündet.Das ist denn doch etwas lieblos geraten. Zudem finden sich weder eine Zeitangabe (immerhin muss man für das Werk ja einen ganzen Tag Urlaub einplanen), noch irgendwelche Daten, den Sprecher betreffend. Dabei macht gerade Wolfgang Hübsch seine Sache mehr als gut. Nach einleitenden mediterranen Lautenklängen führt er uns mit dem wohltönenden Tremolo des klassischen Erzählers ins Spanien des ausgehenden 15. Jahrhunderts.
Dort treibt die Inquisition ihr brutales Unwesen, religiöse Minderheiten sehen sich gnadenloser Verfolgung ausgesetzt. Juden und Konvertiten haben per Edikt binnen dreier Monate das Land zu verlassen. Noah Gordon erzählt die Geschichte des dreizehnjährigen Jona, Sohn eines jüdischen Silberschmiedes aus Toledo. Nach der grausamen Ermordung seines Bruders und dem Tod des Vaters, schlägt sich Jona in einer jahrelangen Odyssee quer durch Spanien, bis ihn seine abenteuerliche Reise schließlich zum Medicus von Saragossa führt. Dieser macht ihn vertraut mit den alten Heilkünsten -- und hier findet Jona schließlich seinen inneren Frieden.
Wer Gordons bisherige Werke Der Medicus, Der Schamane und Die Erben des Medicus kennt, weiß, was ihn erwartet. Ein exzellent recherchierter Inquisitionsthriller, äußerst verandatauglich für den nächsten Spanienurlaub. Spieldauer: ca. 440 min., 6 CDs
--Ravi Unger
Kundenrezensionen zu 'Der Medicus von Saragossa'
Ein faszinierendes Buch mit einigen Schwächen (27. April 2008)
Der Medicus von Saragossa beginnt durchaus spannend und legt einen gut konstruierten Handlungsrahmen fest. Allerdings hätte gerade die Auseinandersetzung mit der Inquisition wesentlich mehr Stoff zu bieten gehabt als tatsächlich genutzt wurde. Jona Toledanos Familie wird Opfer der Inqusition und der Jugendliche bleibt als einziger (nichtkonvertierter) Jude zurück und schlägt sich im mittelalterlichen Spanien mit den unterschiedlichsten Arbeiten durch.Das Lebensziel des jungen Mannes ist seiner Religion treu zu bleiben und die Ermordung seiner Familie zu rächen. Letzteres gelingt ihm nicht wirklich, obwohl das Buch eigentlich ein Happy End hat, wie man es zu Beginn des Buches nicht erwarten würde.
Am Ende scheint Jona sein Glück und seinen Seelenfrieden gefunden zu haben, bloß als Leser hat man das Gefühl, dass nichts wirklich so gelaufen ist wie es hätte sein sollen.
Besonders der Epilog verfehlt seine beabsichtigte Wirkung zur Gänze und erscheint einfach nur überflüssig.
Trotz aller Kritik (z.B. Sex mit der alten Haushälterin !!) ist das Buch ein angenehm zu lesender Roman, der jedoch nie das Gefühl weckt, etwas Bedeutendes zu sein. Allerdings ist die Beschreibung Spaniens zur Zeit der Inquisition durchaus gelungen und mit interessanten historischen Informationen ausgeschmückt.
Chronologische Abhandlung eines Judens in Spanien (27. Mai 2006)
Ich habe mir das Hörbuch dieses Titels angehört. Zu erst war ich sehr neugierig, da der Medicus als Teil des Titels schon maechtig Werbung fuer das Produkt ist. Nach einer Weile des Zuhoerens fragte ich mich dann jedoch, worauf der Autor eigentlich hinaus will?Es wird relativ oberflaechig die Flucht eines Judens vor der spanischen Inquisition beschrieben. Es bleibt keine Zeit fuer Tiefgang, somit wirkt das Werk schon fast wie eine chronologische Abhandlung von Ereignissen. Man fragt sich auch nicht, was passiert als naechstes? Man weiss ja ohnehin schon durch den Titel, dass der Jude wohl irgendwann mal Arzt werden solle.
Denke, es gibt besser Bücher, in die man versinken kann...
Wunderschön (6. März 2006)
Zwar hat dieses Buch - wie der Titel vermuten lassen könnte - nichts mit der Medicus-Trilogie von Noah Gordon zu tun, dennoch ist es ein wunderbarer Roman. Der Autor entführt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite diese Buches in das Spanien des Mittelalters. Ob in den Bergen, an der Mittelmeerküste oder in den großen Städten; der 13-jährige Jona erlebt auf der Flucht vor der Inquisition quer durch dieses einzigartige Land die unterschiedlichsten Menschen kennen, bis er selbst als junger Mann ein anerkannter Medicus wird. Und er hat ja noch eine Aufgabe zu erfüllen...Hypothese zum letzten Teil des Buches (15. Oktober 2005)
Dass das Buch besser den Originaltitel "the last jew" behalten hätte, haben schon andere Rezensenten dem Übersetzer vergeworfen. Ich gehe noch weiter und verdächtige hiermit Gordon`s Herausgeber ihn unter Druck gesetzt zu haben, damit er den letzten Teil des Buches nachträglich noch auf "Medicus" hintrimmt. Oder hat sich der Übersetzer am Inhalt vergriffen?... so wirkt es nämlich: als ob der Autor am Anfang noch einen ganz anderen Schluss geplant gehabt hätte. Der große Kampf gegen den Inquisitor - mit dem selbst-geschmiedeten Schwert. Oder die Suche nach dem Verlorenen Bruder. Oder was auch immer.
Aber nichts davon. Arzt muss er werden, damit sich das Buch gut verkauft! Ob Gordon selbst das verbrochen hat, oder ob er sich dazu überreden lassen hat ... egal. Schade ist es.
Großes Buch - mittelmäßiges Hörbuch (30. September 2005)
Das vorliegende Werk ist überhaupt nicht mit Noah Gordons Werk 'Der Medicus' zu vergleichen. Das ist nicht gut, das ist nicht schlecht - das ist einfach ein Fakt. Hier wäre es sicherlich klüger gewesen, den von Gordon selbst gewählten Titel des Originals 'The Last Jew' (Der letzte Jude) zu nehmen.Der Medicus von Saragossa beschäftigt sich mit dem Leben eines Mannes, der als Knabe im Spanien des ausklingenden Mittelalters und der beginnenden Renaissance zu überleben versucht. Seine Familie wurde getötet bzw. musste so wie alle anderen Juden das Land auf der Flucht vor der Inquisition verlassen. Aber er schlägt sich durch, lernt dies und lernt jenes, erlebt viele interessante Abenteuer und fällt schließlich dem Medicus von Saragossa in die Hände, der ihn zu seinem Nachfolger ausbildet. Nach außen hin ein Konvertit, nach innen aber ein Jude der seinem Glauben treu bleibt.
Es ist eine sehr interessante Geschichte die hervorragend erzählt wird. Die Personen des Stücks sind der Zeit angepasst, glaubhaft gezeichnet und machen auch eine entsprechende Entwicklung durch. Die Story selbst ist sehr gut aufgebaut und überhaupt nicht reißerisch, sondern dem Thema angepasst aufgezogen. Ein wirklich sehr gutes Buch, das die große Kunst von Noah Gordon herausstreicht.
Für das Buch alleine hätte es zweifellos fünf Sterne gegeben, hier jedoch steht das Hörbuch zur Diskussion und dafür muss man eindeutig Punkte abziehen. Es ist nicht so, dass Wolfgang Hübsch schlecht lesen würde - ganz und gar nicht. Sein Vortrag ist in Ordnung, wenngleich nicht umwerfend. Wirklich schlimm jedoch ist die unzulässige und brutale Kürzung des Buches. Man fragt sich des Öfteren ob man denn nun einen Teil verschlafen hätte. Glücklicherweise ist die Qualität der Vorlage jedoch gut genug auch diesen Tiefschlag zu verkraften und so hat man dennoch ein durchaus brauchbares Hörbuch in Händen.


