Aus der Amazon.de-Redaktion
"Tjus lätmi isamatö råckönråll mjosik!" Nur gut, dass die Beatles auch im hohen Norden ihr Publikum fanden. Zwar verstanden Matti und sein schweigsamer Freund Niila kein Wort, eines aber kapierten sie: Die kleine schwarze Scheibe mit dem erregenden Sound, die Mitte der 60er-Jahre in Vittula, mitten im schwedisch-finnischen Nowhere-Land aufgetaucht war, bedeutete das Erwachen aus einer langen Polarnacht."Mir fehlen fast die Worte, so großartig ist dieses Buch", jubelt der Rezensent des Svenska Dagbladet angesichts des skandinavischen Überraschungserfolges. Völlig zu Recht! Welche Fabulierlust da oben doch gedeiht! Filmisch gesprochen: Hätten Woody Allen, Kaurismäki und Ingmar Bergman zusammen ein Drehbuch à la Astrid Lindgren plus Sex & Råckönråll gesucht -- Mikael Niemis komisch-melancholische Nordkaff-Saga von Mattis pubertärer Erweckung wäre die perfekte Vorlage geworden.
Als wäre die Schroffheit ihres geliebten Tornedals nicht genug, scheinen seine Bewohner auch seelisch verkarstet. Der Geist des Hausapostels Laestadius weht allerorten, der Geist eines Predigers, der hier in grauer Vorzeit die Gegend von Sünde und Lotterleben reinigte. Das laestadianisch-lustfeindliche Motto vom Leben als stetigem Weg bergauf findet bei Matti und Niila naturgemäß wenig Anklang. Verlockender scheinen da schon Råckönråll und Tornedal-Mädels. Beide Ziele jedoch liegen noch in weiter Ferne.
Im fahlen Nordlicht wird Matti Zeuge skurrilster, oft mythisch angehauchter Ereignisse. Niemi lässt dabei ein beachtliches Personal knorrigster Charaktere aufmarschieren. Laestadius zum Trotz, finden Fress-, Sauf-, Rauf- und Saunagelage statt, die die Wikinger-Vorfahren erbleichen lassen würden. Unikum Greger, der neue Musiklehrer, ein Rennradfan, regelmäßig von Hunden auf Trainingsfahrten durch die Tundra gehetzt, wird für die Jungen zur Offenbarung. Greger liebt Hendrix! Highlight des Buches ist eine von Matti veranstaltete, verheerende Rattenvernichtungsaktion, die den halben finnischen Waldbestand (und den Leser fast den Mageninhalt) kostet, als Lohn aber Mattis erste E-Gitarre einbringt. Ziel Nummer zwei lässt auch nicht lange auf sich warten. Mattis langer Marsch aus dem Tornedal ins Leben: ein zutiefst menschliches, gnadenlos komisches Buch! --Ravi Unger
Kundenrezensionen zu 'Populärmusik aus Vittula'
Echt super, wenn man den Humor mag (27. Oktober 2008)
Populärmusik aus Vittula hat mir riesigen Spaß gemacht zu lesen. Die Geschichten sind irrsinnig komisch aber gelegentlich verlangen sie vom Leser die Bereitschaft einfach Dinge hinzunehmen, die ein manngewordener Jugendlicher rückblickend erzählt. Ich stelle mir vor, dass dieses Buch im Original viel über sein Land und seine Leute verrät, was in der Übersetzung verloren geht. Auf jeden Fall empfehlenswert.Einfach saukomisch! (23. September 2008)
Populärmusik aus Vittula ist einfach saukomisch, egal ob als Reiselektüre oder um daheim in der Badewanne mal wieder so richtig zu lachen. Außerdem muss ich jetzt bei jedem Saunagang an das Buch denken! Absolut empfehlenswert!!! Tipp: Dananch den gleichnamigen Film anschauen, das ist nämlich mal so richig gut und nah am Buch verfilm!Eine erfrischend ehrliche Lektüre (11. September 2008)
Geschichten über das Erwachsenwerden gibt's mittlerweile wie Sand am Meer. Mikael Niemis Populärmusik aus Vittula" sticht was den Inhalt angeht auch nicht unbedingt aus der Menge heraus. Die Art und Weise, wie der schwedische Autor uns dieses Thema allerdings näher bringt, ist durchaus einzigartig.In erster Linie wäre da der Aufbau der Story zu nennen. Diese folgt keinem stringenten roten Faden, sondern ist vielmehr in kurze einzelne Geschichten unterteilt. So wie man sich selbst eher schlaglichtartig an gewisse Ereignisse und Episoden aus Kindheit und Jugend erinnert, so baut Niemi auch seinen Roman auf. Für den Gelegenheitsleser macht das den Zugang zum eigentlichen Plot etwas schwierig, da man der Entwicklung der einzelnen Charaktere nur schwerlich folgen kann. Immer wieder gibt es zeitliche Sprünge, die einen echten Lesefluss verhindern und dazu führen, dass man droht den Überblick zu verlieren. Dem Anspruch eines Unterhaltungsromans wird der Roman dadurch nur streckenweise gerecht.
Dafür überzeugt er aber anderweitig. Niemi erzählt unbefleckt von jeglichen moralischen Predigten, legt ehrlich und offen den Finger in die Wunde und schreckt auch vor ekligen Schilderungen nicht zurück. Neben dieser oftmals harten, schonungslosen Sprache überzeugt Populärmusik aus Vittula" mit genialem Wortwitz, der desöfteren zum Schmunzeln verführt. Torndedals Einwohner sind mehr als nur schrecklich verschroben und werden dennoch so authentisch skizziert, dass es nie ins Lächerliche zu kippen droht. Hat man sich auf der einen Seite noch darüber amüsiert, wie unbeholfen Matti und Niila ihre ersten Annäherungsversuche Richtung weibliches Geschlecht starten, schluckt man auf der nächsten hart, ob der geschilderten häuslichen Gewalt und dem Alkoholmissbrauch. In dieser schroffen, durch die laestadianisch eingestellte Bevölkerung spaßfreien Umgebung, wird der Musiklehrer Greger zum Vorbild und Rettungsanker. Vom Rock N' Roll der 60er Jahre angesteckt, lassen die Jungen ihren Träumen in der Musik freien Lauf und bringen den Fortschritt nach Tornedal.
Insgesamt ist Populärmusik aus Vittula" ein derbes, komisches, aber auch melancholisches Buch aus dem Land des fahlen Nordlichts, das zutiefst menschlich das Thema Erwachsenwerden behandelt. Eine erfrischend ehrliche Lektüre, die nur streckenweise, wenn sich zum Beispiel Niemi in mystischen Erzählungen verliert, etwas zäh gerät und die im Endeffekt dann doch weniger mit Musik zu tun hat, als es der Titel vermuten lässt.
Tja, ... (5. September 2008)
schwierig, schwierig. Obwohl der Humor schon auf eine Art mein Humor ist und ich durchaus auch darüber lachen kann, dass man in Nordschweden/Finnland so eine Art Bundesjugendspiele in vergorener Maische saufen veranstaltet, gibt es doch ziemlich viele Dinge, die mich absolut abstoßen. Zum Einen die Geschichte der Rattentötung, die spätestens beim ersten Rattenleichen verbrennen super eklig wird, sich dann aber echt nochmal um einiges steigert - Bah!Mein Fazit: Bei schrägem Humor ein durchaus lesenswertes Buch, allerdings sollte man mitunter einen recht stabilen Magen haben und vielleicht nicht unbedingt beim Lesen etwas essen...
Derbe Kost vom Polarkreis. (12. August 2008)
Der Roman erzählt die Geschichte des Jungen Matti und seines besten Freundes Niila, die ihre Jugend am Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts in Nordschweden verleben.
Die nächste Stadt ist weit entfernt und das Leben scheint im neunzehnten Jahrhundert stehen geblieben zu sein. Die Menschen sind so rau wie die Natur und das Schlimmste, was einem Jungen hier passieren kann, ist ,knapsu`, d.h. weibisch genannt zu werden.
Unter diesen Bedingungen verwundert es nicht, wenn die (autobiographischen) Erinnerungen nur so strotzen von Prügeleien, Besäufnissen bis zur Besinnungslosigkeit, handfestem Sex und nicht zuletzt einer äußerst detailverliebten Schilderung eines regelrechten Ratten-Massenmords. Keine Lektüre für Liebhaber des Feinsinnigen und Subtilen also.
Dass dies alles dennoch sehr unterhaltend und kurzweilig geschrieben ist, verdankt das Buch der bildhaften Fabulierlust des Autors.
In lose aneinander gereihten Episoden entsteht hier ein wildes Panorama einer rauen und abweisenden aber dennoch irgendwie heimeligen und überschaubaren Gemeinschaft von skurrilen Charakteren, die eine gewisse Anziehungskraft ausstrahlt.
Niemi gelingt es, den Spannungsbogen stets aufrecht zu erhalten und immer wieder neue, andersartige Facetten zu beleuchten, die die Sogwirkung des Buches ausmachen. Für diese Erzählfreude ist man gerne bereit, die eine oder andere Übertreibung, das eine oder andere Klischee zu überlesen.
Niemi ist mit ,Populärmusik aus Vittula` ist ein gutes, sehr unterhaltsames und nachvollziehbar ,bestsellertaugliches` Buch gelungen, das man mit Freude lesen kann.
Für diese Leistung vergebe ich gern vier Sterne, die aber nicht mit anderen meiner vier-Sterne-Wertungen für überdurchschnittliche literarische Leistungen (wie z.B. bei Antunes, Werner, Naess u.ä.) verwechselt werden sollten.


