Kundenrezensionen zu 'Schöne Verhältnisse'
Böse böse (20. November 2008)
Das Buch erzählt von 3 englischen Paaren, die ihre freien Tage in Frankreich in Ferienhäusern verbringen. Es wird immer aus der Sicht der einzelnen Protagonisten erzählt, die Gedanken von allen ähneln sich in dem Punkt, dass sich alle langweilen, dass sie über die anderen urteilen, jeden irgendwie verachten. Es wird getrunken, Pillen werden eingeworfen und es werden sich Gedanken gemacht. Der Sohn eines Paares wird vom Vater streng "erzogen", die Mutter wird selbst erniedrigt, muss mal auf allen vieren das Essen vom Boden "schlecken", nur weil es dem Vater Spass macht, andere zu erniedrigen, weil es sonst nichts mehr gibt, was ihn beschäftigen könnte. Es geht um Geld, um eine Gleichgültigkeit, um trostlose Beziehungen zwischen Familienmitgliedern und Liebespaaren...Das Buch ist schnell durchgelesen, fühlt sich kalt an.
Keiner kann oder will dem anderen helfen, jeder ist mit sich selber beschäftigt, oder den Dingen die gekauft werden müssen oder den richtigen Verhaltensregeln in den aristokratischen englischen Kreisen.
Quälende Familienbande... (12. November 2008)
Der erste Teil der Melrose-Trilogie hat in mir sehr unterschiedliche Gefühle geweckt. Allen voran Abscheu vor den männlichen Protagonisten der Geschichte, außer dem kleinen Patrick, der hilflos auf der Suche nach Liebe, zwischen Angst vor seinem Vater und dem beginnenden Hass auf alles und jeden, durch sein freudloses Leben stolpert. Mitleid ist wohl das am zweithäufigsten empfundene Gefühl, Mitleid für die tabletten- und alkoholsüchtige Eleanor, die nie die Kraft fand, sich gegen ihren sadistischen Mann David zu wehren, die nicht einmal versuchte, sich ihm zu entziehen und sich ihm auf unterschiedlichste und absolut entwürdigende Weise unterwirft.Verachtung, weil keine der Figuren auch nur ansatzweise zu sich selbst und der eigenen Meinung stehen kann.
Diese Geschichte beschreibt Menschen, die sich dem ewigen Kampf um Anerkennung verschrieben haben, dabei sich selbst, aber noch häufiger andere demütigen, nur um einige Momente vermeintlicher Aufmerksamkeit zu genießen.
Eigentlich armselig und zum Kotzen, um es mal so direkt zu beschreiben wie der Autor, doch durch dessen großartigen Schreibstil wieder so gut, dass man einfach bis zum Ende diese tragischen Gestalten begleiten muss. Trockener, schwarzer Humor zaubert bisweilen sogar ein Lächeln auf die Lippen, um es auf der nächsten Seite sofort wieder durch eine schockierende Aussage oder Tat zu entfernen.
Dass der Autor hier seine eigene Lebensgeschichte aufarbeitet, macht die Lektüre noch intensiver und bewegender. Seine in die Story eingebaute Erklärung für das Verhalten und Handeln der Figuren, erklärt zwar einiges, entschuldigt aber angenehmerweise nichts.
Krass, aber nicht wirklich so abwegig, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Absolut empfehlenswert.
Unterm Feigenbaum (11. November 2008)
Ein Sommertag in und um eine Villa in Südfrankreich, ihre Bewohner und deren Angestellte und Gäste (allesamt mondän, honorig und geistreich), das Tun und Unterlassen, das Dulden und Zulassen;Schauderhaft grausamer und tief berührender Roman, der mitunter heiter seinen Anfang nimmt - erste Szene: Morgenfrische, Sonne, Tau (?) und Dr. David Melrose auf der Jagd nach Ameisen, bewaffnet mit einem Gartenschlauch - das Hausmädchen bestrebt der ausschweifenden Unterhaltung des Hausherren zu entkommen - die Ehefrau ohne Aufgaben abseits der Suche nach dem nächsten Schluck - und ein Fünfjähriger der mit seinem Leben spielt. Schon sehr früh lässt sich Tragik und Zerstörung erahnen.
In wechselnder Perspektive wird dem Leser ein Blick hinter die Kulisse des Traums als Leben, in die Seelen jener Marionetten gewährt. Bereits die Bekanntschaft mit dem kleinen Patrick, zeigt, dass es hier an Zuwendung und Respekt fehlt - ein fünfjähriger Erwachsener auf der zwanghaften Suche nach Aufmerksamkeit. David privat ein Tyrann, ein Sadist und Unterwerfer genießt öffentlich sehr hohes Ansehen und Bewunderung. Eleanor zu schwach zum Aufbruch, zu armselig für einen Neuanfang und zu sehr gebunden an eine schäbige Gewohnheit - ihr Leben und Leiden. Das ist die Aristokratie - britisch oder französisch - wie's beliebt.
Stilistisch ein absolut bestechender Roman, der zum Verschlingen verleitet - unvermutet brutale Szenen, die ohne Ankündigung aus dem Nichts angreifen, verhindern dies allerdings. Wort für Wort ein stilles Wasser. Bestürzung - ohne Provokation, Anteilnahme und Mitgefühl - ohne dabei zu überfordern.
Kein Klamauk: Wenn Humor - so ein höchst morbider!!! Nichts desto weniger sehr empfehlenswerte Erzählung, die an Offenheit und Direktheit der französischen Filmkunst nicht nachsteht!
Adel verpflichtet zu Langeweile (22. Oktober 2008)
Ich hab mich so auf das Buch gefreut, da ich schwarzen Humor liebe und die Inhaltsangabe so vielversprechend war.Leider musste ich mich 180 Seiten lang fragen "was soll das",habe nie gelacht und war froh und angeekelt als das Buch endlich zu Ende war.
ein fesselndes buch (13. Februar 2008)
Schöne Verhältnisse? Das hängt ganz vom Auge des Betrachters ab.Die Verhältnisse, die dem Leser auf 186 Seiten präsentiert werden, halten länger, als das Lesen des Buches dauert. So klar und brilliant in der Sprache gibt es solche Bücher leider zu wenige.
Im Grunde genommen wird hier ein x-beliebiger Tag beschrieben, den 3 Pärchen, als solche werden sie dem Leser vorgestellt, auf ihre Weise ausfüllen. Sie treffen sich abends zum Diner bei Eleanor und David. Dem Autor gelingt es, seine Figuren glaubwürdig und vielschichtig zu zeichnen. Selbst Yvette, die Haushälterin, bekommt ihre Facetten. Vom kleinen Patrick, dem Sohn von Eleanor und David, ganz zu schweigen. Was kann ein fünfjähriger Junge schon erwarten, der bei einer ehelichen Vergewaltigung gezeugt wurde? Man möchte als Leser den Jungen an die Hand nehmen, mit ihm fortgehen, weit weg von seiner Mutter, die in ihrer Starre unfähig ist, sich selbst zu helfen, geschweige den ihrem Sohn. Und noch weiter weg von seinem Vater, der anscheinend aus Gram über seine verpfuschte Pianistenkarriere zum Misantrophen wird. Aubyn macht es geschickt. Einige Sätze lang zwingt er seine Leser, Mitleid mit David zu haben, der doch eigentlich vom Pech verfolgt wurde. Doch so wie Eleanor hatte auch David die Möglichkeit, ein Mensch zu werden. Stattdessen sind sie die typischen "Oberschichtler", die sich gerade mal selbst gut genug sind. Da bleibt kein Platz für andere. Höchstens für Leute wie Nicholas, der David ständig hofiert und sich immer jüngere Frauen nimmt und von Berufs wegen auch nur Papas Sohn ist. Ihm jemanden wie Bridget zur Seite zu stellen, ist wirklich eine sehr guteIdee gewesen. Diese kiffende junge Frau, die auch nur nach oben will, obwohl sie selbst nicht viel im kopf hat, beweist zum Ende des Buches weit mehr Charakter als Nicholas.
Sehr schnell bekommt der Leser den Eindruck, daß man die Welt, in der man gerade stöbert, nur bekifft oder betrunken erträgt. Selten wurde soviel Kälte so explizit beschrieben. Hier aber läuft auch das Buch Gefahr, für viele Leser zu sehr mit Stereotypen zu arbeiten, sich in Klischees zu verlieren. Die noch mit Abstand angenehmsten Figuren sind Anne und Victor. Anne, eine Amerikanerin, bringt die englische Ordnung ein wenig durcheinander, aber oberflächlich bleibt der Schein gewahrt. Anne ist diejenige, die auch Patrick entdeckt, der auf der Treppe auf seine Mutter wartet, die aber ihrerseits gefangen in sich und durch ihren Gatten, sich nicht von ihrem Stuhl erheben kann. Erst als Anne und Victor die Runde verlassen, kann Eleanor sich aufraffen. Aber da ist es für Patricks Begehr schon zu spät.
Diese 186 Seiten bleiben haften im Gedächtnis, alleine schon wegen der Figur des kleinen Patrick. Ohne Liebe gezeugt, ohne Liebe aufwachsen und noch vom Vater mißbraucht. Das ist schon literarischer Stoff. Und alle Male volle Punktzahl wert.



