Kundenrezensionen zu 'Die Nacht: Erinnerung und Zeugnis'
Erschütterndes Zeugnis (6. November 2008)
Das Buch "Die Nacht" von Elie Wiesel gehört ohne Zweifel zu den erschütterndsten und authentischsten Büchern über die Schrecken der Schoah. Vom ersten Eintreffen im Lager in Auschwitz, verbunden mit dem Verlust der Mutter und der jüngeren Schwester, bis hin zur Befreiung aus Buchenwald, "bezahlt" mit dem Verlust auch noch des Vaters, beschreibt dieser autobiographische Bericht die wohl dunkelste und schrecklichste Zeit des damals erst 15/16 jährigen Elie Wiesel. Ein Text, der zentral im Buch "Die Nacht" steht, beginnt mit den Worten: "Nie werde ich diese Nacht vergessen, die erste Nacht im Lager...". Das Stichwort des "Nie vergessens..." ist der Grundtenor des Buches und die Mahnung von Wiesel an uns heutige: Nur, wenn wir die Schrecken der Schoah erinnern, werden sie sich nicht wiederholen! Nur, wenn wir das Geschehene nicht vergessen, tragen wir dazu bei, die Welt von heute und morgen besser und menschlicher zu gestalten. Mir ging es bei der Lektüre des Buches so, wie Elie Wiesel es über seine traumatischen Erfahrungen in Auschwitz beschreibt: "Nie werde ich das vergessen...!" Eine gute Auseinandersetzung mit dem Werk und dem Leben von Elie Wiesel bietet das jüngst erschienene Buch von Andreas Völker über den Friedensnobelpreisträger. Es trägt den Titel: "Elie Wiesel: Zeichen setzen - selbst zum Zeichen werden" und trifft bereits somit den Kern des heute Achtzigjährigen. Anhand von fünf Satzzeichen werden - pädagogisch geschickt und gut nachvollziehbar - Schwerpunkt im Leben von Wiesel aufgezeigt und der innere rote Faden dieses bewegten Lebens vorgestellt. Wer "Die Nacht" liest, sollte am Werk von Völker nicht vorbeigehen.Wahnsinnig ergreifend (20. März 2007)
"Die Nacht" habe ich in einem Zug durchgelesen, ohne auch nur einmal den Kopf zu heben, und danach war ich den ganzen Tag irgendwie schlecht gelaunt, so nahe geht einem dieses Buch. Es ist alles einerseits so real und andererseits so unglaublich, dass man eigentlich gar nicht glauben will, was da geschrieben steht. Doch leider war es wirklich so, und ich habe es bis jetzt in kaum einem anderen Buch so drastisch geschildert gefunden wie hier. Sollte man auf jeden Fall gelesen haben!Autorenporträt, Friedensnobelpreisträger u.a. (13. Februar 2007)
Elie Wiesel bekam den Friedensnobelpreis im Jahr 1986 - und nicht 1968, wie im Porträt behauptet wird - verliehen,nachdem ihn u.a. 83 Bundestagsabgeordnete (damals noch in Bonn) dafür vorgeschlagen hatten.
Allerdings ist es schon etwas merkwürdig, wenn jenen 83 vom deutschen Volk gewählten Repräsentanten damals offenbar nicht bekannt war - oder jene es auch nicht wissen wollten, was aber nicht unbedingt für jene spricht - dass Elie Wiesel zwar behauptet, voller Liebe für die Menschheit zu sein, er sich jedoch nicht vor dem Appell an den Hass scheue - vor allem gegen Deutsche.
Seiner Meinung nach »sollte jeder Jude in seinem Innern dem Hass einen Platz einräumen, einem gesunden und kräftigen Hass gegen das, was der Deutsche verkörpert und was im Deutschen Bestand hat. Anders zu handeln, wäre Verrat an den Toten« (»Appointment with Hate«, Legends of Our Time, New York, Avon Books, 1968, s. 177 -178).
Wohl deshalb versicherten jene Abgeordneten in ihrer Begründung wohl auch, dies wäre »eine große Ermutigung für alle diejenigen, die aktiv für eine Versöhnung eintreten« (BRD, "Die Woche", 31. Januar 1986, S. 2) ... vergaßen dabei aber offensichtlich, sich wenigstens einmal VOR ihrer Nominierung mit seinen Büchern / Aussagen näher zu befassen.
Regelrecht nebensächlich werden dagegen die Aussagen, welche Elie Wiesel als "Augenzeuge"-Autorität geradezu prädestinieren:
Elie Wiesel behauptet, er sei aus dem KL Dachau befreit worden (Jewish Telegraphic Agency, 11. April 1983), aus dem KL Buchenwald
(New York Times, 2. Nov. 1986), und aus dem KL Auschwitz (New York Post, 23. Okt. 1986, und New York Times, 4. Jan. 1987).
Eine dieser Behauptungen mag zutreffen - mutmaßlich die vom KL Buchenwald. Alle anderen sind definitiv falsch.
Wenn man das Buch nicht nur unter dem letzten Gesichtspunkt gelesen hat, dann erscheint einem manches darin in einer "etwas" anderen Sichtweise.
Welche diese letztendlich ist, überlasse ich jedem selbst.
Ein Fehler kann es wohl aber nicht sein, weniger die Fantasie des Autors oder der eigenen, sondern mehr überprüfbare Fakten gelten zu lassen.
Da ich mehr Realist und offensichtlich nur über nicht ausreichend Fantasie verfüge, vergebe ich 1 Stern, da ich hier nicht weniger vergeben kann.
Pflichtlektüre... (6. Dezember 2006)
Wer dieses Buch nicht gelesen hat, der kann einem ja wirklich nur leid tun!Noch nie habe ich eine so wunderbar ergreifende Geschichte gelesen, und wenn man mal richtig drin ist, wünscht man sich einfach nur noch, es wäre kein Zeitzeugnis sondern bloß eine erfundene Geschichte.
Doch dem ist leider nicht so, und deshalb ist es umso wichtiger das die Menschen sehen was damals eigentlich wirklich los war, denn so wie es Elie Wiesel schildert hat es (meines Erachtens) noch niemand getan.
Mein Rat an alle die ein sehr gutes Buch lesen wollen: Sofort Zugreifen, wirklich unbedingt zugreifen, und gleich eine große Packung Taschentücher kaufen, denn die werden sie wahrscheinlich brauchen!
lg
xX
Übrigens: Ich habe gerade "Die Nacht zu begraben, Elischa.", von Elie Wiesel entdeckt, und anscheinend ist das die vollständige Biographie, würde sich also eher auszahlen die zu kaufen, da der Preis ungefähr gleich ausfällt wie "Die Nacht"
DIE EINZIGE LITERATUR, DIE NOTWENDIG IST (17. Dezember 2002)
Ein Buch, dessen Lektüre bedrückt und schmerzt. Ein gutes Buch. Ein notwendiges Buch. Die Autobiographie Wiesels über seine frühe Jugend, seine Zeit in Auschwitz und den Todesmarsch nach Buchenwald ist sachlicher, teilweise fast lakonischer Sprache gehalten und berührt gerade dadurch ungemein. Neben dem Horror des Lebens im Lager bilden zwei weitere Themen den Mittelpunkt des Buches: die Sucht des Menschen nach Hoffnung, eine Sucht, die geradewegs in den Tod führen kann. Und die Auseinandersetzung eines gläubigen Juden mit Gott, die Rebellion gegen diesen, warum dieser Gott so ein Unrecht zulassen kann. Diese Auseinandersetzung gipfelt in eine der erschütternsten Szenenbeschreibungen von „Die Nacht".Pikanterweise hat Martin Walser 1962 das Vorwort für die deutsche Ausgabe geschrieben (allerdings war damals „Die Nacht" der erste Teil der Trilogie „Die Nacht zu begraben, Elischa"). Eben jener Martin Walser (zu jener Zeit allerdings noch Gründungsmitglied der DKP und nicht Redner auf dem Parteitag der CSU), der heute so gerne endlich die Debatte über den Holocaust und diesen Teil der deutschen Geschichte beenden möchte. Sein Vorwort von 1962 ist außergewöhnlich sensibel und es schließt mit einem Satz, den man heute gerne Martin Walser noch einmal vorlesen möchte: „Versagt wird uns jenes feine Vergnügen, alle Wirklichkeit im Stil aufgehoben zu sehen. Literatur als Mitteilung ist keine kulinarische Literatur. Sie ist aber, glaube ich, die einzige Literatur, die notwendig ist."
Jedem, der an der Darstellung des Holocausts (aber auch an den Schwierigkeiten, eben jenes Unaussprechliche auszusprechen), sei die Lektüre von Primo Levis „Ist das ein Mensch?" und Ruth Klügers „...weiterleben" ans Herz gelegt.

