Kundenrezensionen zu 'Ich brauche Liebe'
Narzistismus pur (4. August 2008)
Kinski schafft mit diesem Buch die genaue Darstellung eine pathologischen Falls von Narzismus, leider ist er kein Psychologe der über einen Fall schreibt, sondern der Kranke selbst. Seitenweise wird hier aufgezählt, wie er mit der Mutter, der Schwester, unmündigen Kinder (er schreibt da von zwei Nympfen) Sexualverkehr gehabt haben will. Ich brauche Liebe ist leider nicht zynisch gemeint, sondern Kinski meint es damit sehr, sehr ernst. Nach der Geburt seines Sohnes, ergibt Kinski sich immer mehr in Liebesbekundungen an diesen, leider verschweigt er das er dem Kind ein schweres Trauma zugefügt hat, wie sein Sohn Jahre später in einem Interview gesagt hat. Die Rede ist hier von den Dreharbeiten zu Kinskis unsäglichen Paganini, in dem Kinski, vor laufender Kamera , und ohne es seinem Sohn gesagt zu haben, seinen Tod vortäuscht um eine bessere Reaktion des Kindes auf Film aufnehmen zu können. Kinski klammert fast jede Berufliche Leistung aus , um nur fiktive und reale Exkapaden beschreiben zu können.Explosiver Wahnsinn und Kunstwerk (15. April 2008)
Gleich zu Beginn sei gesagt: Das vorliegende Buch ist KEINE Autobiographie, wie der Leser es vllt. erwartet.Kinski schreibt zwar über sein Leben, jedoch orientiert er sich nicht an Daten oder Ereignissen. Film-Fans werden die Daten evtl. anhand der Filmtitel rekonstruieren können.
ABER:
Das Buch fesselt durch seine unglaubliche Sprachgewalt. Klaus Kinski bleibt nicht in den Grenzen der deutschen Sprache. Er sprengt sie wild auseinander, setzt keine Kommas, schreibt, als würde er einen anschreien etc.
Liebe und Sex sind die dominierenden Themen in diesem Buch, aber auch das Leid, das Kinski in seiner Kindheit sieht. Kinskis Phantasien schaffen es den Leser zu packen, ihn anzuziehen und geekelt abzustoßen. Man wendet sich angewiedert ab, wenn z.B. pädophile Ansätze auftauchen, man ist dann wiederum gefesselt von der Intensität mit der er Liebe und Sex beschreibt. Nichts für zimperliche Leser.
Der letzte lange Teil des Buches ist seinem Sohn gewidmet und den Gefühlen zu seinem Sohn. Als Leser war ich einerseits fasziniert von der unfassbaren, nahezu greifbaren Liebe, die Kinski verdeutlicht, andererseits schafft es das Buch, den Leser mit dieser Liebe zu erschlagen.
"Ich brauche Liebe" ist das ungewöhnlichste, packendste, ekelhafteste und liebestrunkenste Buch, das ich gelesen habe. Keine Autobiographie, aber das nackte Leben
Wild, fantasievoll und manchmal auch realistisch (30. Juli 2007)
So wollte Kinski wohl von anderen Menschen gesehen werden. Nämlich wild, ungebärdig und respektlos gegenüber allen Autoritäten.Interessant ist der Vergleich mit der Kinski-Biografie von Christian David: Offenbar hat Kinski nämlich sehr viel Wahres in sein Buch gepackt. Etwas was so manche Affäre mit Frauen anlangt...
Andererseits hat er auch vieles ausgelassen. So bezeichnet er seine Tournee mit berühmten Monologen als gewaltigen Erfolg. Das krasse Gegenteil war (leider) der Fall. Auch der Abstieg, den Kinski im Rom der frühen 1970er durchmachen musste, wird hier nicht erzählt.
Was nichts daran ändert, dass dieses Buch wohl eine der fesselndsten Autobiografien eines Schauspielers darstellt. Denn wo seine Kollegen im Nachhinein alles verklären, schimpft Kinski hemmungs- und gnadenlos über alles Mögliche, von Regisseuren (Herzog vor allem) über Filmkritiker bis zu Kollegen. Auch seine erotischen Erlebnisse schildert Kinski in erstaunlicher Offenheit.
Der Nebeneffekt des Buchs ist klar: Das Klischee vom irren Maniac wird davon nur noch unterstützt. Der großartige Künstler gerät dadurch in den Hintergrund. Kurzum: Dass Kinski dieses Buch verfasste, war vielleicht durchaus kontraproduktiv.
Was nichts daran ändert, dass man immer wieder sehr amüsiert und erstaunt ist. Ein Buch wie ein Rausch, dem man sich fasziniert hingibt.
Wer aber wissen will, wie Klaus Kinski wirklich war und wie sein Leben tatsächlich verlief, der muss zusätzlich Christian Davids Biografie "Kinski" und die dort gesammelten Aussagen von Freunden und Kollegen des Schauspielers lesen.
Geschmacklosigkeiten eines verkannten Genies (27. Dezember 2006)
Klaus Kinski ist bis heute eine äußerst umstrittene Persönlichkeit. Der für sein Gemüt, das sich meist zwischen Cholerik und wüster Raserei befand, bekannte Schauspieler ist den meisten Menschen als prädestinierter Filmbösewicht oder als polygamer Privatmensch ein Begriff; leider, muss man hinzufügen - denn Kinski als einen genialen Schauspieler zu bezeichnen, ist keine realitätsfremde Behauptung. Werner Herzog gilt als einer der großen deutschen Regisseure, die dem deutschen Kino wieder internationales Ansehen brachten. Herzog hätte diesen Ruf, vornehmlich durch die Filme "Aguirre - der Zorn Gottes", "Nosferatu", "Fitzcarraldo" und "Woyzeck", ohne Klaus Kinski NIE erlangt.Wer sich nun allerdings in "Ich brauche Liebe" Einblicke in die Lebens- oder Gefühlswelt dieses Genies erhofft, dem wird das Buch herzlich wenig sagen. Kinski wütet und wettert darin gegen Schauspieler, Filmbosse - Herzog bekommt auch allenthalben sein Fett weg - und andere Gestalten und breitet in der denkbar explizitesten Form seine "Sexkapaden" aus. Da Werner Herzog einmal bekundete, er selbst hätte mit Kinski über einem Lexikon gesessen und dabei wilde und obszöne Wörter ersonnen, um den Verkaufswert dieses Buches zu steigern, darf man das Ganze relativ gelassen weitgehend als FIKTIV bezeichnen.
Wie auch immer, der dem Kinski'schen Schreibduktus eigene Telegrammstil besitzt doch ein enormes Maß and Komik und Situationskomik. Die Anzahl an Synonymen, mit denen Kinski Genitalien und andere am Geschlechtsverkehr beteiligte Organe beschreibt, beeindruckt den Leser gar. Die ungenierte Offenheit dieses Anti-Literaten liest sich zudem wesentlich besser als manche Biographie gewisser Politiker, Schauspieler oder Musikproduzenten, während sie diesen Werken auch inhaltlich womöglich noch überlegen ist.
Fazit: Mit gehobener Literatur hat "Ich brauche Liebe" ebenso wenig zu tun wie mit einer Autobiographie. Hier spielt einer einfach eine Rolle, und zwar die des Casanova, der er ja - wenn auch in geringerem Maße - im wahren Leben wirklich war. Der zwischen den Zeilen durchschimmernde Nonkonformismus und die entwaffnende sprachliche Direktheit vermögen es dennoch, einen großen Unterhaltungswert darzustellen. Und um des Unterhaltungswertes willen gibt es auch vier Sterne.
Die Phantasien des Herrn K. (11. August 2006)
Man sollte dieses Buch auf keinen Fall als das nehmen, was es auf den ersten Blick zu sein scheint: Eine Autobiographie. Denn es ist vielmehr eine Selbstinszenierung: Untreue, Polygamie, Inzest, Pädophilie, Homosexualität und was weiss ich, wie man das Geschilderte benennt - Kinski lebt in diesem Buch seine sexuellen Phantasien aus. Und durch den von ihm gewählten Stil einer Autobiographie und der Durchmischung mit eingestreuten biographischen Daten weiss der Leser bald nicht mehr, was real ist und was Fiktion.Das Ergebnis ist das Bild eines Lebens der Extreme, gleich einem orgiastischen Fest der Pornographie. Ob man dieses als Produkt einer psychopathologischen Persönlichkeit bewertet oder eines künstlerischen Genies bleibt dem Leser überlassen. Wer sich nicht daran stört, daß Kinski viel "zu dick" aufträgt, der wird hier ein kurzweiliges Buch finden, bei dessen leichter Lektüre er manches Mal lachen können wird.




