Aus der Amazon.de-Redaktion
Diese Frau ist ein Skandal. Das hätte wohl kaum jemand gedacht, der sie im Frühjahr 2001 zum ersten Mal in Bernard Pivots Bouillon de Culture im französischen Fernsehen sah: freundlich und zurückhaltend, fast schüchtern wirkte sie da. Und trotzdem hatte Catherine Millet, 52-jährige Chefredakteurin der Avantgarde-Zeitschrift artpress, Spezialistin für Yves Klein und einstige Kommissarin ihrer Heimat bei der Biennale in Venedig, ein Buch geschrieben, dass ganz Frankreich in Wallung brachte. Die Rede ist natürlich nicht von ihrem Band über Zeitgenössische Kunst, der nahezu unbeachtet blieb. Gemeint ist vielmehr die schonungslose Bestandaufnahme ihres unersättlichen Sexuallebens, die erotische Autorinnen, wie Catherine Breillat und Virginie Despentes, wie Betschwestern aussehen lässt.In Frankreich gingen täglich bis zu 5.000 Exemplare von Das sexuelle Leben der Catherine M. über den Ladentisch, die erste Auflage war bald schon ausverkauft. Nun hat der Goldmann Verlag für 650.000 Mark die Rechte gekauft und das schamlose Buch auf Deutsch herausgebracht. Viel Geld für geschriebenen Sex, denn darum handelt es sich bei Millets Roman: Ausschließlich ums Vögeln, Ficken, Lecken geht es in dem Buch. Von nichts anderem erzählt Millet auf 285 Seiten als von ihrem Wunsch, sich (nach der Defloration mit 18 Jahren) auf schmuddeligen Parkplätzen, in Swinger-Clubs, Bahnhofshallen oder im Gebüsch des Bois de Bologne mit möglichst vielen Männern zu vereinigen -- teilnahmslos und ohne Leidenschaft. Hier macht sich eine Kunstexpertin selbst zum Kunstprodukt, zum Objekt der Begierde einer lüsternen Männerwelt -- und eines beinahe ebenso lüsternen Literaturbetriebs. Und trotzdem ist die teilnahmslose, abtörnende Art, in der Millet über Gruppensex und Mösen und Schwänze schreibt, so gar nicht geeignet für den Vorwurf skandalöser Pornografie.
Parallel zu Millets erotischer Beichte hat ihr Ehemann, der Schriftsteller Jacques Henric, einen Band mit biederen Nacktfotos seiner Frau herausgebracht,(Die Legenden der Catherine M.), der pünktlich zur Buchmesse auf Deutsch erscheint. Und auch die Vergleiche mit de Sade oder Georges Bataille, die nach Erscheinen ihres Bestsellers auf die Autorin niederprasselten, hat sie nicht verdient. Und das ist keineswegs negativ gemeint. Zwar keinen "Klassiker der französischen erotischen Literatur" (Bernard Pivot) hat Millet geschrieben, wohl aber eine überzeugend kaltblütige, gut geschriebene Bestandsaufnahme ihrer entfesselten, sich immer wieder auch prostituierenden Sexualität. --Thomas Köster
Audiobook-Rezensionen
Das Thema französische Skandalautoren nimmt im öffentlichen Diskurs mittlerweile einen festen Platz ein. Catherine Millet und ihr Buch "Das sexuelle Leben der Catherine M." sorgten dabei immer wieder für Zündstoff. Jetzt gibt es das sexuelle Protokoll auf Hörbuch!Kühl, nüchtern und sachlich erinnert sich die Ich-Erzählerin an die Zeit ihrer sexuellen Obsession, in er sie nur eines wollte: ficken, blasen und lecken. Nach ihrer Initiierung in Lyon tat sie es überall: auf Parkplätzen, im Bois de Boulogne, in Swinger-Clubs, selbst auf einem Transporter der Pariser Stadtreinigung. Wo war ihr egal, mit wem war ihr egal - sie akzeptierte manchmal auch Frauen -, Hauptsache es geschah oft. Niemals passierte etwas Gefährliches, niemals kochten Leidenschaften über! Das Klima, in dem alles sich abspielte, sie selbst eingeschlossen, war seltsam lasch, teilnahmslos, kein bisschen wild. Was hier zählte war nicht Leidenschaft, Rausch oder Ekstase, was hier zählte war "die Mechanik der Körper". Erotik im Sinne von Verführung und Hingabe spielte keine Rolle.
Catherine Millet, die diese Orgien erlebt hat, ist seit Jahren Chefredakteurin der Zeitschrift "Artpress", dem wichtigsten französischen Medium für zeitgenössische Kunst. Die anerkannte Kunstkritikerin gilt als Spezialistin für Yves Klein. Der Bericht über ihr sexuelles Leben scheint Millet sehr leicht gefallen zu sein. Jedenfalls klingt das Ganze weder nach Geständnis noch nach Provokation. Es ist vielmehr eine nüchterne Bestandsaufnahme ihrer sexuell experimentierenden Periode, ergänzt durch analytische Überlegungen über ihre Kindheit, die Bedeutung der Zahl oder des Raums.
Marion von Stengel liest die sexuelle Autobiografie. Die Synchronsprecherin spricht u.a. Pamela Anderson. Der teilnahmslose Rückblick mit seiner eigenwillig distanzierten Aneinanderreihung von Bildern und Szenen wird durch ihre Stimme passend, in der richtigen Form präsentiert. Nicht einmal der Hauch von Erotik schwingt dabei mit. Indem die Protagonistin sich zum Objekt der Begierde erklärt, könnte man sich zumindest eine Frage stellen: Was hat das alles mit Freiheit und vor allem mit der Freiheit der Frau zu tun? Dennoch schonungslos offen, analytisch geschult und sprachlich treffend wird in diesem Bericht auf eine neue Art das Experiment Sex beschrieben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger! Lesung, Spieldauer: ca. 210 Minuten, 3 MC. Auch als CD erhältlich. Lesung, Spieldauer: ca. 210 Minuten, 3 CD. Auch als MC erhältlich.
-- culture.text
Kundenrezensionen zu 'Das sexuelle Leben der Catherine M. Bild Erotik-Bibliothek Band 2'
Hart! (14. September 2008)
Die Geschichte reißt einen mit, zweifellos; doch musste ich immer wieder feststellen, dass ich mir die Frage gestellt habe, ob es sich hierbei wirklich um eine Autobiografie handelt oder nicht nur um die grenzenlose Fantasie einer Frau. Es spielt nicht wirklich eine Rolle, ob wahr oder nicht wahr. Ich denke, jeder muss für sich selbst wissen, was er will und was er dafür zu tun bereit ist. Ich gebe diesem Buch deshalb fünf Sterne, weil mir der Schreibstil sehr gut gefallen hat, er war sehr flüssig zu lesen. Die erotischen Szenen haben mich nicht immer angesprochen, manchmal haben sie sich auch wiederholt. Das hat das flüssige Lesen des Gesamtkunstwerks jedoch nicht beeinträchtigt. Und ein Kunstwerk ist dieses Buch schon, denn nichts ist so zweideutig und zwiespältig wie Kunst und deren Betrachtungsweise.Nüchtern und distanziert (10. September 2008)
Auf Dauer ist das Buch in seiner Nüchternheit wirklich öde. Nur mit Mühe habe ich es zu Ende gelesen. Der bereits von einem anderen Rezensenten erwähnte Satz "...ich war in jeder Situation, ohne Zögern und ohne Hintergedanken durch alle meine Körperöffnungen und in all meinem Sein verfügbar" schien auch mir eine Schlüsselstelle des Buches zu sein. Das kann ich noch akzeptieren, schließlich gibt es jede Menge Unterwerfungsstories, in denen sich Frauen (und zum Teil auch Männer) ganz bewusst und lustvoll selbst in solche Situationen bringen. Sich darüber moralisch zu erheben scheint mir nicht angebracht zu sein. Natürlich war dies in der beschriebenen Form nur in der Vor-AIDS-Zeit praktizierbar. Dennoch: Die Schilderung ist stellenweise so sachlich und distanziert beobachtend, dass mir - anders als in manchen Romanen - ihre wirklichen Motive dann am Ende doch nicht klar wurden.Ausser langweilig (10. August 2008)
nur langweilig. Total uninteressant, öd, fad, ... . Schade ums Geld.Natürlich bzw. Gott sei dank haben wir nicht alle denselben Geschmack,
aber bevor Sie dieses Buch kaufen besorgen Sie sich unbedingt eine
mehrseitige Leseprobe.
Langweilig... (13. Mai 2008)
...und völlig uninteressant ist das was hier erzählt wird. Mit dem Pseudoanspruch der Erotik geködert, wurde ich mit fadem pornografischem Bla Bla konfrontiert.Ich habe das Buch nur bis zur Hälfte gelesen und danach weggelegt. Und das obwohl dieses Buch nicht mal sonderlich lang ist. Das will schon was heißen.

