Kundenrezensionen zu 'Die Räuber vom Liang Schan Moor'
Mord und Folter (3. März 2008)
Nachdem ich den "Traum der Roten Kammer" in der Übersetzung von Kuhn gelesen hatte, habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut. Um so größer war die Enttäuschung: in der Übersetzung betuliche Eindeutschungen und offensichtliche Auslassungen, im Inhalt vor allem unzählige Variationen des selben Themas (angesehener Mann fühlt sich ungerecht behandelt und wird zum "ehrenhaften" Räuber). Am schlimmsten ist jedoch die entsetzliche Selbstverständlichkeit, mit der hier gemordet und gefoltert wird - und zwar von den angeblich guten eher mehr, als von den angeblich bösen!Beide Seiten betreiben unsägliche Gräuel: von Sippenhaft bis zu Folter und Mord an unschuldigen Verwandten (einschließlich Kindern) oder ahnungslosen Nachbarn eines Verdächtigten; vorsorglich werden immer wieder hunderte von Unschuldigen hingeschlachtet, manche auch gegessen. Wie gesagt, alles sowohl von den angeblich bösen (die nach heutiger Ethik oft gar nicht so böse sind) UND den angeblich guten, die allesamt ein bis hunderte Morde auf dem Kerbholz haben.
Man könnte anführen, dass die Grimm'schen Märchen auch grausam sind, aber da ist der Böse in der Regel auch wirklich böse und der Gute wirklich gut. Hier aber kann man mit etwas Abstraktion gerade bei den Guten Verhaltensweisen sehen, die ich ansonsten den Folterknechten in den NS-Vernichtungslager zuordnen würde. Die Sprache des Romans geht mit den brutalen Untaten um, wie wenn es um verschüttete Milch ginge: "Die Leiche der Erschlagenen wurde fortgeräumt, die Blutlache auf dem Estrich weggewischt, und das Gelage nahm seinen Fortgang" - wohlgemerkt: das Gelage der ach so ehrenhaften Räuber!
Das muss man sich wirklich nicht antun!
Gutes Buch (29. August 2007)
Ich kann mich meinem "Vorgänger" nicht ganz anschließen. Ich kaufte das Buch aufgrund der Serie "Die Rebellen des Liang Shan Po" und war alles andere als enttäuscht. Orte wie "Ostbachhausen" oder dergleichen habe ich nicht gesehn, vll. hat das Buch in der Übersetzung tatsächlich einen norddeutschen touch, mich hat das nicht gestört. ICh halte es für überaus empfehlenswert, ich war so begeistert das ich die 800 Seiten in einer Woche durch hatte. Allein die vielen fremden Namen der 108 Helden waren schwerlich zu merken.Enttäuschend (20. Dezember 2002)
Nach den phantastischen Rezensionen anderer Leser hatte ich hohe Erwartungen an das Buch. Doch der erste herbe Schlag war die "deutsch-stämmigkeit" der Übersetzung. Orte hießen zB "Ostbachhausen" oder "Westbachhausen", die Charaktere sprachen sich gegenseitig mit "Kämpe" (=norddeutsch für tapferer Kämpfer), anstatt zu essen wird "schnabuliert", usw. Das Buch entwickelte so den Flair einer althergebrachten germanischen Räubergeschichte. Und die ist zudem sehr einfach gestrickt und wiederholt sich immerdar: einem gleichermaßen guten wie tapferen Mann stellt die Polizei nach. Er kann seine Verfolger abschüttelt und / oder besiegen. Dann wird es aber doch knapp - ertrifft einen der (ehrbaren) Räuber und schliesst sich auf dessen Vorschlag der Räubergruppe an. Diese Geschichte wiederholt sich wohl an die zehnmal in verschiedenen Ausschmückungen. Letztlich wurde die Geschichte so langweilig und vorhersehbar, daß ich das Buch nicht mehr fertig lesen wollte.Abenteuerroman aus dem alten China. Ein herrlicher Lesespaß (25. Juni 2002)
Wenn man diesen Roman liest, die Darstellung der einzelnen Personen und ihre Lebensumstände, dann möchte man nicht glauben, daß diese Erzählung zu einer Zeit entstanden ist, als wir in Europa noch damit beschäftigt waren, uns der Römer zu erwehren und langsam etwas Kultur zu bekommen.Es ist ein herrlicher Lesespaß. Vielleicht ist der versteckte Humor nicht sofort erkennbar, aber in diesem Buch ist eigentlich alles enthalten, was man von einer guten Abenteuergeschichte erwarten kann.

