Aus der Amazon.de-Redaktion
Will man den Wehrdienst verweigern und Zivildienst ableisten, dann sollte man in der Gewissensprüfung darlegen können, warum man sich denn keinen Dienst an der Waffe vorstellen kann. Und mehr als einmal dürfte dann als Begründung die Lektüre von Erich Maria Remarques Im Westen nicht Neues folgen.Dieser Roman schildert aufs Eindringlichste die schauerlichen Erlebnisse des Soldaten Paul Bäumer an der Westfront des Ersten Weltkrieges, wo sich Deutsche und Alliierte in einem grausamen Grabenkrieg gegenüberstanden. Aber eigentlich sind Schauplatz und Zeit bedeutungslos, beherrschend ist das sinnlose Töten und die zu reinem Menschenmaterial degradierten Soldaten, die schon lange den Glauben an den "gerechten Krieg" aufgegeben haben. Hier ist kein Platz für klischeehaft mutige Helden, Verlierer sind sie letztlich alle, die da im Schlamm der Schützengräben liegen.
So mancher Leser wird nach diesem Roman seine Meinung zu Krieg und Militärdienst geändert haben. Wer heute noch glaubt, Krieg könne eine heldenhafte Sache sein, der kennt das Buch wahrscheinlich nicht und sollte einmal einen Blick hinein werfen. Danach ist er entweder eines besseren belehrt oder scheinbar schon völlig abgestumpft. --Joachim Hohwieler
Kundenrezensionen zu 'Im Westen nichts Neues'
Nimmt dem Krieg jegliche Glorie (2. Juli 2008)
Remarque, selbst Veteran des ersten Weltkrieges, schafft mit diesem Büchlein etwas, das in der (Roman-) Literatur, die mit Krieg zu tun hat, nicht oft gelingt. Er beschreibt die Erlebnisse eines einzelnen Frontsoldaten ohne Schönfärberei, ohne Verherrlichung, aber auch ohne Weinerlichkeit und ohne erhobenen Zeigefinger. Das Werk ist also, wie es auch der Autor selbst im Vorwort erwähnt, wirklich weder Anklage noch Bekenntnis. Hier wird schlicht und nüchtern der Alltag eines Soldaten an der Front, im Lazarett und im Heimaturlaub beschrieben. Die Sprache Remarques ist dabei - der Intention und dem Thema durchaus angemessen - sachlich, schlicht und kurz. Der Autor verzichtet auch nahezu völlig auf taktische Bezeichnungen und Ortsangaben. Gerade dadurch ist es bemerkenswert, wie sehr das Buch fesselt.Erstaunlich ist, dass gerade diese einfache Schreibweise derartige Emotionen beim Leser hervorruft. Man leidet mit der Hauptfigur, man ärgert sich über die Vorgesetzten und Lehrer, man ist erschüttert ob der grausamen Realität des Krieges, die so distanziert und nüchtern beschrieben wird. Man hat ständig das Gefühl, direkt neben dem Ich-Erzähler zu stehen und empfindet beinahe Hilflosigkeit, weil es nicht gelingt, ihn aus seinem stumpfen Dasein zu befreien. Auch ist das Buch eine relativ tiefgehende Charakter- und Milieustudie der damaligen Zeit, vor allem was die "intellektuelle" Schicht betrifft, die sich (zum Teil wider besseres Wissen) freiwillig zum Kriegsdienst meldete. Auch die Beschreibung der immer tiefer werdenden Kluft, die sich zwischen Front und Heimat auftut und die seltsame Verbundenheit mit den feindlichen Soldaten ist sehr gelungen und bewegt zutiefst. Diese Gefühle, die beim Leser erzeugt werden, sind in Wahrheit Remarques größter Verdienst und wohl auch ein Mitgrund, warum das Buch der Bücherverbrennung durch die Nazis zum Opfer fiel.
Wichtiger Roman (14. Mai 2008)
Der Roman sorgte bei seiner Veröffentlichung für viel Aufsehen.Zum ersten Mal wurde der Krieg so gezeigt wie er wirklich war. Wurde er bis dahin stets glorifiziert und wurde vom süßen Tod für das Vaterland schwadroniert, zeigte der osnabrücker Schriftsteller Remarque nun sein wahres Gesicht. Die ganze physische Brutalität und die seelische Grausamkeit - ein Verbrechen, begangen von Staatsmännern an ihren Völkern.
"Im Westen nichts Neues" ist mit Sicherheit einer der, wenn nicht der wichtigste deutschsprachige Roman, heute leider immer noch so aktuell wie bei seiner Veröffentlichung im Jahre 1929.



