Menschen im Hotel

Verkaufsrang: 19920 (Bücher)
Autor: Vicki Baum
Broschiert
EAN: 9783462037982
ISBN: 3462037986
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Seitenzahl: 318
Erscheinungsdatum: 22. Februar 2007
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Preis: EUR 6,90

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Kundenrezensionen zu 'Menschen im Hotel'

Ein Hotelroman von hoher Qualität (26. Oktober 2008)

Am Ende des Romans denkt der Volontär Georgi: "Großartiger Betrieb in so einem großen Hotel, kolossaler Betrieb. Immer ist was los. Einer wird verhaftet, einer geht tot, einer reist ab, einer kommt. Den einen tragen sie per Bahre über die Hintertreppe davon, und zugleich wird dem anderen ein Kind geboren. Hochinteressant eigentlich. Aber so ist das Leben".
Ja, so ist das Leben. Dieser Hotelbetrieb im Berlin der späten 20er Jahre steht für das Leben. Da ist einer, der möchte es endlich kennenlernen und da ist ein anderer, der möchte es hinter sich bringen, hat aber nicht die nötige Courage dafür. Jemand will sich das Leben nehmen, lernt aber die große Liebe in diesem Moment kennen. Der eine ist Dieb und zu ehrlich, um zu stehlen, der andere will soviel Leben in sich aufsaugen, wie ein ausgetrockneter Schwamm. Die alternde Primaballerina, der todkranke Buchhalter, der Provinzdirektor, der geldlose Baron, der morphiumsüchtige Arzt. Das sind die prallen Figuren in einem prallen Roman.
Da gibt es wundervolle Sätze über den Sinn des Lebens, über die Liebe und den Tod. Da gibt es bezaubernde Bilder von dem gerade wieder erwachenden Hotelbetrieb am frühen Morgen. Da wird ein Berlinbild gezeichnet, das mehr über diese Stadt verrät, als viele andere Romane, dies zu tun versuchten.
Mit einem Satz: Ein prachtvoller Roman!

Streckenweise langweilig (7. August 2008)

Durch Elke Heidenreich wurde ich auf dieses Buch aufmerksam. Ich begann es gleich zu lesen und habe mich bei fast jeder Seite gefragt ob ich das Buch einfach zu klappe und in mein Bücherregal verbanne. Aber ich habe meine Prinzipien und lese jedes Buch bis zum "bitteren" Ende. Man merkt, dass das Buch aus einer anderen Zeit ist, was ich eigentlich schön finde und auch gehofft habe, aber der Erzählstil geht mir einfach zu langsam und zu schleppend. Seite um Seite fragt man sich, na wann kommt jetzt die Spannung, aber man wartet vergebens...

Fazit: Wenn ich es nicht gekauft und gelesen hätte, hätte ich nichts verpasst.

Das Hotel ist das Leben. Keiner verlässt es so, wie er es betritt. (5. Juli 2008)

Die Drehtür des Hotels ist beständig in Bewegung. Durch sie gelangen die Menschen ins Hotel und durch sie verlassen sie es wieder. Das Hotel ist das Leben. Der durch die Drehtür das Hotel wieder verlässt, ist ein anderer, als jener, der es durch die Drehtür betreten hat.

Der pflichtbewusste Hilfsbuchhalter Kregelein, krank, abgemagert und im Wissen bald sterben zu müssen, nimmt sein Erspartes und das Geld aus einer Erbschaft, um seine letzten Tage zu nutzen. Jetzt zu sterben, kann noch nicht alles gewesen sein, er will wissen was das Leben zu bieten hat. Im Hotel trifft er auf Menschen verschiedenster Schichten und unterschiedlichster Ziele. Ihr Leben erfahrt ungeahnte Wendungen und das Planbare und Naheliegende gerät in ungeahnte Ferne.

"Menschen im Hotel" ist ein kurzweiliger Roman, der die Geschichte dieser Menschen erzählt und die einzelnen Charaktere auf recht unterhaltsame Weise beschreibt. Spannung und Humor kommen dabei nicht zu kurz.
Leider fehlt es der an sich angenehmen Stimme von Barbara Rudnik an Variabilität und Dynamik, so dass das Hörbuch etwas "weichgespült" daherkommt.

Für jene, die sich für das gesellschaftliche Leben in den 20er Jahren interessieren und die sich an Charakterstudien erfreuen, ist dieses Buch allemal zu empfehlen.

glitzernde kulisse mit rissen (16. Juni 2008)

"menschen im hotel" ist ein großartiges buch über eine untergegangene welt, die zwischen sein und nicht sein balanciert. beim lesen fühlt man sich wie in einem gemälde von otto dix, hört swing und jazz und knallende champagnerkorken, man riecht die schweren parfums der teuer gekleideten, eleganten damen und der zigarrenrauch der reichen herren brennt in der nase. hinter all dem luxus und der heiterkeit passieren menschliche dramen, die niemals in die welt der reichen und schönen gelangen, denn sie spielen sich hinter dienstbotentüren ab. nach einer durchtanzten nacht ist die welt wieder grau und öde, krieg und soziale missstände brauen sich immer mehr am horizont zusammen. die glitzernde kulisse des grand hotels hat bereits risse, ist nur von der weite schön und glatt. viki baum gelingt es, diese kritische zeit und ihre protagonisten anschaulich und lebhaft zu charakterisieren. in dieser geschichte wird der leser selbst zum urlauber im grand hotel, der, in der lobby hinter einem buch oder einer zeitung versteckt, die gäste beobachtet. es ist ein hotel, das sich aus worten aufbaut und schillernd beschrieben wird, aber letztendlich nur ein schein, eine idealvorstellung bleibt. dieses buch zu lesen, ist wie urlaub zu machen, also ein lesehotel bzw. bibliotel im wahrsten sinne des wortes.

Von nobler Blässe (10. Mai 2008)

Mit feiner Feder ist dieser Roman gestrickt. Er zeigt Menschen vom Gauner, über den Unternehmer, zum kleinen Angestellten am Rande des Nervenzusammenbruchs, zusammengepfercht für eine kurze Zeit in einem Hotel. Ihre Wege kreuzen sich. Sie lernen sich besser kennen, als es im normalen Alltag der Fall wäre. Doch sie reißen sich nicht gegenseitig die Masken herab, sie hören einander zu. Allem haftet der zuvorkommende Ton Vicki Baums an. Ein Klang, dem niemand ernstlich böse sein kann, der auf das Gute abzielt, der nachweist, wie sehr jeder sein Leben in den Griff zu kommen versucht. Am Ende stirbt einer von ihnen. Die Verlockung, es zu vertuschen ist groß, doch niemand schafft es, sich soweit zu verstellen, dass er mit seiner Lüge durchkommt. Die Menschen sind, wie sie sind. Verzweifelt, sie hoffen. Sie machen das Beste draus, und manchmal erwischen sie sich gegenseitig in einem Moment, wo sie ehrlich sind. Was als Abrechnung angedacht ist, ob man sich das Leben nehmen will oder unter falscher Voraussetzung ein Zimmer bekommt, ob man ein Unternehmen zu retten versucht, die Perlen doch nicht stiehlt, endet darin, dass man sein eigenes Leben zu entschuldigen sucht. Einen Roman, der nicht verstören will, der Schicksale nachzeichnet. Eine Autorin, die ihren Figuren Nachsicht zukommen läßt. Die Zeit ist genau eingefangen, der Schrecken darf nur die Kulissen stellen.

dkb.de

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