Das Gedächtnis des Körpers: Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern

Verkaufsrang: 639 (Bücher)
Autor: Joachim Bauer
Taschenbuch
EAN: 9783492241793
Auflage: 13
ISBN: 3492241794
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Seitenzahl: 270
Erscheinungsdatum: 1. September 2004
Verlag: Piper
Preis: EUR 9,95

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Kundenrezensionen zu 'Das Gedächtnis des Körpers: Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern'

Nicht die Gene steuern uns, sondern wir steuern selber unsere Gene (3. Juli 2008)

Was für ein spannendes Thema, das der Autor Prof. Dr. med. Joachim Bauer in diesem Buch darstellt, nämlich, daß die Gene nicht starr festgelegt sind und somit unser gesamtes Leben steuern, sondern daß wir selber unsere Gene regulieren können. Diese Genaktivierung unterliegt situativen Einflüssen und wird überwiegend nicht vererbt, d.h. bestimmte Erfahrungen, die wir machen, bilden im Organismus Reaktionsmuster aus und haben einen Einfluß darauf, wie die Regulation der Genaktivität sich in bestimmten Situationen verhält.

So werden gute zwischenmenschliche Beziehungen im Gehirn abgebildet und gespeichert und wirken sogar gegen seelischen und körperlichen Streß. Dort, wo sich die Quantität und Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen vermindert, erhöht sich auch das Krankheitsrisiko, da seelische Vorgänge in biologische Signale umgewandelt werden, welche an der Regulation der Genaktivität mitwirken. Wie Gene auf Streß reagieren und das Streß auch das Gehirn so schädigen kann, daß Nervenzellen absterben, wird in Kapitel 4 genau erläutert. Bei Todesgefahr oder extremen seelischen Qualen z.B. reagiert das Gehirn mit schweren Gedächtnisstörungen und einer Verminderung der Hirnsubstanz (War Sailor Syndrome, Concentration Camp Syndrome).

Das nächste Kapitel erklärt, wie äußere Situationen vom Gehirn bewertet werden und aus welchem Grund Menschen völlig unterschiedlich auf Streß reagieren. Das darauffolgende Kapitel widmet sich den Synapsen (Nervenzellen) und das der Auf- und Umbau der Nervenzell-Verschaltungen im Gehirn abhängig davon ist, was wir im zwischenmenschlichen Bereich erleben.

Ein Kapitel widmet sich dem Thema Depression: Wie sie entsteht, was eine Depression ist und wie sich eine Depression verselbständigen kann und was der Grund dafür ist, daß einige Menschen für eine Depression anfällig sind und andere wiederum nicht und wie man sie behandeln sollte. Welche körperlichen Auswirkungen Streß und Depression haben und welche Verbindungen hier bestehen, liest sich außerordentlich spannend. Genauso wie das Kapitel der körperlichen Risiken von Streß und Depression, nämlich der Immunabwehr und dem Tumorrisiko. Sehr gut fand ich auch den Teil bezüglich der Behandlung mit Psychopharmaka und den Auswirkungen auf die Gene, nämlich das nicht nur prägende Ereignisse, sondern auch solche Substanzen im Gehirn Gene aktivieren können, die nachhaltige Spuren hinterlassen, was ebenso für Drogen (auch für THC = Haschisch) gilt. Auch sehr spannend in diesem Zusammenhang ist das Thema der Medikamentenunverträglichkeit und der richtigen Dosis.

Was hinter Schmerzerfahrungen ohne organischen Befund steht, nämlich das hier bei Auftreten eines häufigen Reizes sich nicht nur die Synapsen des Nervenzellen-Netzwerkes, sondern auch das Netzwerk an sich, vergrößern und sich somit diese Reize verselbständigen, wird erläutert. Weitere Themen sind: PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) und die Narben in der Gehirnsubstanz", die durch ein Trauma ausgelöst werden; seelische und neurobiologische Folgen von Gewalt und Mißbrauch bei Kindern (Borderline-Störung, Dissoziation, wie Binge Eating); Körperliche Spuren bei Problemen am Arbeitsplatz (Burnout-Syndrom); Auswirkungen der Psychotherapie auf neurobiologische Strukturen, sowie eine Übersicht über die Wirkungsweise der Gene. Ein sehr spannendes und gut zu lesendes Buch, mit vielen neuen Einsichten. Unbedingt empfehlenswert!

Anspruchsvoll, verständlich - Ein Buch fast schon mit Kultstatus (16. April 2008)

Thema dieses Buches ist: Wie und warum reagiert der menschliche Körper auf das, was Menschen in ihrer Umwelt erleben. "Umwelt" des modernen Menschen ist nicht mehr der Urwald oder die Steppe, sondern das soziale Umfeld: Arbeitskollegen, Familie, Partner, (für Patienten) Ärzte, (für Schüler) Lehrer usw..

Wer verstehen will, wie soziale Umwelt auf die Biologie einwirkt, wie und warum Depressionen, Traumafolgekrankheiten und psychosomatische Erkrankungen entstehen, der findet hier den richtigen Lesestoff. Das Besondere dieses Buches: Es bringt Neurobiologie und Psychologie auf einen Nenner.

Ein klasse geschriebenes Buch, informativ, auch für Leute in ärztlichen und therapeutischen Berufen, Krankengymnastinnen etc. (bei vielen in diesem Bereich hat das Buch inzwischen "Kultstatus").

Leider in der Populärwissenschaft steckengeblieben! (16. April 2008)

Die Thematik der Wechselwirkungen von Genen und Umwelt ist hochgradig interessant und birgt eine Menge Wissenswertes. Der Versuch des Autors, dies populärwissenschaftlich aufzubereiten, ist ehrenwert und gut. Aber wie eben auch "Popmusik" zwar nett und schön sein kann, besteht auch dabei die Gefahr, an der Oberfläche zu bleiben. Dies ist hier leider geschehen. Die Informationen zum biologisch-medizinischen Background bleiben auf dem Niveau von Unterrichtsstoff der Sekundarstufe I stecken oder teilweise sogar dahinter zurück. Der Autor verwechselt Begrifflichkeiten (z.B. spricht er von "Case Management" statt korrekt von den DRGs [Diagnostic Related Groups], wenn er die von den vorgeschriebenen fallbezogenen Behandlungsdauern und -finanzierungen ausgehenden Streßfaktoren für Ärzte beleuchtet). Ich meine, dass Menschen mit naturwissenschaftlicher Vorbildung eher enttäuscht sein werden. Als allgemeine, oberflächliche Einführung in dieses interessante Thema ist dieses Buch jedoch geeignet.

Gut lesbar, verständlich, ohne Einschränkung zu empfehlen! (13. Januar 2008)

Dieses Buch berichtet über neuere Erkenntnisse darüber, welchen Einfluss unser Lebensstil, vor allem unsere zwischenmenschlichen Beziehungen auf unseren Körper (einschliesslich unsere Gene!) haben. Ein Buch, das Schluss macht mit den jahrelangen einseitigen Aussagen darüber, dass Gene unser Leben vorherbestimmen. Ein Buch, das überzeugend und versändlich zeigt, dass Umwelt und Gene eine Einheit bilden, dass beide sich wechselseitig beinflussen. Ich habe diese gut lesbare Buch mit Genuss verschlungen. Ich empfehle es ohne Einschränkung weiter.

Fachwissen meets Oberflächlichkeit (9. Januar 2008)

2 Sterne dafür, dass es Herrn Bauer gelingt einer Nicht-Medizinerin einleuchtend die Funktionen von Genen und Nerven zu erklären. Drei Sterne Abzug dafür, dass er zu den aufgezeigten Problematiken im Buch kaum anwendbare Lösungen bringt. Das verleiht dem Text eine gewisse Oberflächlichkeit. So kann ich jedem gelangweilten Leser empfehlen z.B. einen Tag lang zu versuchen einen Mediziner zu finden, der einem die Medikation anhand der Spezial-Laboruntersuchungen zur Medikamentenverträglichkeit einstellt. Bis jetzt fand ich nur Hausärzte, die bei längerer Medikation die Menge sowieso dem Blutspiegel entsprechend einstellen.
Fraglich ist auch die Argumentation, dass die Pharmaindustrie kein Interesse an der individuellen medikamentösen Einstellung der Patienten hätte, wegen der "wirtschaftlichen Enbussen". Bestimmt kann man der Pharmaindustrie getrost misstrauen, nur läge in der Möglichkeit "typgerechte Medizin" zu vertreiben sicher im Gegenteil ein ungeheures Gewinnpotential, würden wir doch alle mit Freuden das Doppelte bezahlen, nur um ja nicht "übermedikamentiert" zu werden.
Genauso unterhaltsam ist es, sollte man depressive Bekannte haben, zu versuchen für diese die "hochwirksame Interpersonelle Psychotherapie" IPT in Deutschland zu bekommen. Es gibt solche Sitzungen (Herr Bauer empfiehlt da 25) nur an der Klinik an der Herr Bauer tätig ist. Und wie man an DIE kommt, kann einem selbst der Autor nicht beantworten (aus Zeitgründen, versteht sich). Soviel zum Prinzip Menschlichkeit.

dkb.de

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