Hirnforschung und Meditation: Ein Dialog

Verkaufsrang: 1001 (Bücher)
Autor: Matthieu Ricard
Broschiert
EAN: 9783518260043
Auflage: Neuauflage.
ISBN: 3518260049
Languages:
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Seitenzahl: 133
Erscheinungsdatum: August 2008
Verlag: Suhrkamp
von: Wolf Singer (Übersetzer), Susanne Wasmuth (Übersetzer)
Preis: EUR 10,00

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Kundenrezensionen zu 'Hirnforschung und Meditation: Ein Dialog'

Interessantes Buch zu einem hochspannenden Thema (13. August 2008)

Dieses kleine Büchlein ist ein Ausschnitt aus Dialogen zwischen Matthieu Ricard und Wolf Singer, die diese in Frankfurt bzw. Katmandu geführt haben. Themen der Dialoge sind v.a. Durchführung und Ideen buddhistischer Meditation sowie neueste neurologische Ergebnisse der "Meditations-Forschung". Dabei ist es meistens so, dass Ricard die buddhistische Philosophie erläutert und Singer die häufig dazu passenden experimentellen Ergebnisse vorträgt.
Insgesamt finde ich das Buch gelungen. Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie die Zusammenarbeit zwischen westlichen und östlichen Wissenschaften neue, faszinierende Ideen und Erkenntnisse liefert. Dabei haben mich v.a. einige Aussagen Ricards zum Nachdenken angeregt. Dieses Buch zu lesen hat sich damit sicherlich gelohnt.
Negativ aufgefallen ist mir die doch teilweise etwas chaotisch ausgefallene Strukturierung des Buches. Dies liegt wahrscheinlich auch daran, dass ein Gespräch eine andere "Dynamik" als ein Buch besitzt und die Transformation nicht ganz leicht ist. Teilweise wirken die Abschnitte auch etwas kurz und man hätte sich mehr Material zu einem Thema gewünscht. V.a. gewünscht hätte ich mir aber hin und wieder mal einen "Kasten" mit Erklärungen zu bestimmten Fachbegriffen. Dies würde meiner Meinung nach die Qualität und Lesbarkeit des Buches noch deutlich erhöhen. Natürlich hängt das aber auch davon ab, an welche Zielgruppe das Buch adressiert ist.

Ein gelungener Diskurseinstieg (4. Juli 2008)

Ein Naturwissenschaftler und ein ehemaliger Naturwissenschaftler, der nun ein buddhistischer Mönch ist stellen in einem Dialog ihre jeweiligen Fragestellungen zum denken, Handeln und Fühlen einander gegenüber und dabei auch den Leserinnen und Lesern vor.

Der so entstehende - offensichtlich mit Lehrabsicht gehaltene - Dialog umfasst ein erstaunlich breites thematisch spektrum, verweist damit auf viele Zusammenhänge und zwingt dazu, sich selbst die Fragen zum Weiterforschen zu stellen, die eben von der Naturwissenschaft westlicher Prägung noch nicht im Sinne der Methode allgemein als beantwortet gelten könnne (wobei Kontroversen im Feld der Hirnforschung selbst nur sehr vage angerissen werden. Hier ließe sich noch eine Menge zu schreiben. Aber das hätte der Intention der Denkweisenverbindung/-gegenüberstellung wenig genutzt und die Leserinnen und Leser auf unpassende Nebenkriegsschuaplätze geführt. Man sollte aber wissen, dass es sie gibt.

Ein guter einstieg für jeden, der sich an der Diskussion beteiligen möchte - ob rezeptiv oder produktiv.

West-östlicher Diwan (5. Juni 2008)

Wolf Singer, Matthieu Ricard: Hirnforschung und Meditation. Ein Dialog. Frankfurt am Main: Edition Unseld 2008. 136 Seiten. ISBN 3-978-3-518-26004. EUR 10,00
Matthieu Ricard/Trinh Xuan Thuan: Quantum und Lotus. Vom Urknall zur Erleuchtung. München: Goldmann Arkana 2008. 448 Seiten. ISBN 978-3-442-21820-2. EUR 9,95
Der Buddhismus sieht sich heute mit den Naturwissenschaften konfrontiert, die das Weltbild des modernen Menschen wesentlich bestimmen. Der Anspruch des Buddhismus, durch Introspektion gültige Erkenntnisse zu erzielen, scheint zunächst unvereinbar mit dem objektivierenden, empirischen Ansatz der Naturwissenschaften.
Der Hirnforscher Wolf Singer und der buddhistische Mönch Matthieu Ricard (der selbst als Molekularbiologe gearbeitet hat) gehen in ihrem Gespräch der Frage nach, ob die Erfahrungen mit buddhistischer Meditation wissenschaftlich nachvollziehbar sind. Dabei stellt sich erstaunlicherweise heraus, dass Meditation keineswegs ein passives „Sich-Leermachen“ ist und auch kein psychotischer Zustand. Vielmehr wurden bei Meditierenden Gehirnaktivitäten gemessen, die für Zustände konzentrierter Aufmerksamkeit und für Lernprozesse typisch sind: „Dies weist darauf hin, dass intensive Meditation offenbar in der Lage ist, die Zahl und die Größe der Synapsen zu vermehren, und somit ähnliche strukturelle Veränderungen bewirken kann wie andere Formen des Trainings und Lernens.“ (S. 65).
In ähnlicher Weise unterhält sich Ricard mit dem Astrophysiker Trinh Xuan Thuan über Fragen der Kosmologie und Erkenntnistheorie, wie sie von der modernen Physik aufgeworfen werden. Dabei kommen die alten Fragen zur Sprache, die die Menschen schon in der Antike beschäftigt haben: Hat das Universum einen Anfang? Gibt es einen schöpferisches Prinzip, das die Welt ordnet? Gibt es überhaupt eine zuverlässige Erkenntnis der Realität? Gibt es eine Dualität von Leib und Seele?
Beide Gesprächspartner kommen schließlich zu dem Schluss, dass Buddhismus und Naturwissenschaft sich keineswegs ausschließen und dass die beiden Eckpfeiler des buddhistischen Denkens, das abhängige Entstehen und die Leerheit von Eigennatur sich sehr wohl mit der Quantenphysik und der Relativitätstheorie. Die Naturwissenschaft sieht sich hingegen nicht in der Lage, die Theorie eines zyklischen Universums zu bestätigen.
Beide Bücher sind gut geeignet, einen Überblick über den derzeitigen Stand der naturwissenschaftlichen Theoriebildung zu gewinnen und liefern reichlich Stoff zum Nachdenken darüber, welche Herausforderungen sich daraus für die buddhistische Philosophie ergeben. Der Leser sollte jedoch ein gewisses Interesse an metaphysischen Fragestellungen mitbringen, um den teilweise sehr anspruchsvollen Debatten folgen zu können.
Problematisch sind lediglich Ricards Äußerungen über die Psychoanalyse und die moderne Psychologie; sie zeugen nicht gerade von näherer Beschäftigung mit diesem Gebiet. Wenn man überhaupt einen Mangel an diesem wissenschaftlichen Gespräch entdecken wollte, so läge dieser darin, dass die westliche Geisteswissenschaft und Philosophie sowohl für den Hirnforscher wie für den Buddhisten nicht zu existieren scheinen - dabei böte gerade die Philosophie das Feld, auf dem sich verschiedene Erkenntnisansätze über ihre Prinzipien austauschen könnten.

Ein philosophisches Kamingespräch (3. Mai 2008)

Matthieu Ricard sah ich im Sommer letzten Jahres auf einer Podiumsdiskussion in Hamburg, die Teil des Rahmenprogramms des Besuchs des Dalai Lama war, welcher eine Woche lang täglich Einweisungen zu Aryadevas „400 Versen“ gab. Am späteren Abend fand damals ein Dialog zwischen Ricard und dem bekannten Mainzer Evolutions-Philosophen Thomas Metzinger statt, Letzterer übrigens – wie Wolf Singer auch – ein Mitglied der Bruno-Giordano-Stiftung (woran man erkennt, dass es ein gutes Netzwerk von Buddhisten, evolutionären Humanisten, Neurowisschenschaftlern, Psychologen, usw. gibt). Die Diskussion zwischen Ricard und Metzinger war sehr interessant, aber leider viiiiiel zu kurz, um die spannende Frage erschöpfend zu beantworten, in wie weit sich die Theorie des Buddhismus mit den Erkenntnissen der Hirnforschung deckt. Nun, wer sich mit beiden Themenkomplexen schon etwas näher beschäftigt hat - und das sollte man tun! -, der weiss, dass es da trotz völlig unterschiedlicher Herangehensweisen Gemeinsamkeiten gibt, was nicht verwundert wenn man bedenkt, dass die Buddhisten 2.500 Jahre lang nichts anderes getan haben, als ihren eigenen Geist zu beobachten.
Die grosse Gemeinsamkeit liegt darin, dass sowohl der Buddhismus wie auch die Neurowissenschaft eine dualistische Anschauung - also den Glauben an eine vom Gehirn getrennte Seele (oder an Gott) - ablehnen. Sieht man von den esoterischen Elementen der "Religion" Buddhismus einmal ab (die werden hier nicht behandelt), so unterscheiden sich diese beiden Richtungen der "Gehirnforschung" vor allem im Weg, der beschritten wird. Im einen Fall kann man von Geisteswissenschaft sprechen, im anderen von Naturwissenschaft, und wie der eine das Gehirn von aussen erforscht, so der andere von innen, und das Bemerkenswerte ist nun - und das macht beide Seiten so interessant füreinander -, dass beide unterschiedlichen Fachrichtungen bis zu einem gewissen Grad aufeinander angewiesen sind. Denn ein Buddhist - der sich ja durchaus an der "Realität" orientieren möchte - nutzt die Neurowissenschaft ebenso für den eigenen Erkenntnisgewinn, wie es die Neurowissenschaft tut, wenn sie die Aussagen von Patienten oder Probanden verwertet, die sich den „bildgebenden Verfahren“ in der „Magnetresonanzröhre“ zur Verfügung stellen. Ricard selbst hat übrigens schon grosses Aufsehen erregt, als er vor einigen Jahren sensationelle Ergebnisse beim Neurobiologen Richard Davidson in Wisconsin erzielte (Amplitudenausschläge bei aktivierten Neuronen, die in der Meditation über Mitgefühl und Konzentration "jenseits von Gut und Böse" lagen). Sehr erfreulich, finde ich, ist auch die Tatsache, dass neue Studien aus der Entwicklungspsychologie uns mitteilen, dass Altruismus evolutionär sinnvoll ist, und die Fähigkeit zu Mitgefühl schon bei sehr unausgereiften Gehirnen - teilweise Säuglingen - angelegt ist (wenngleich dahinter letztlich ein Eigeninteresse besteht), und auch einige Versuche aus der ökonomischen Spieltheorie weisen in diese Richtung, wenngleich zwischen dem natürlichen Sozialverhalten und dem Anspruch der Buddhisten eine Lücke klafft, die sich mit erzieherischen Mitteln nur schwer schliessen lässt, wenn der Mensch bereits etwas älter ist. Mit Sicherheit lässt sich aber sagen, dass wir Menschen unser schöpferisches und emotionales Potential - zwecks Kreativität und Glücksfindung - bei weitem nicht ausschöpfen, und dass es deshalb mehr als ratsam ist, auch über das für Buddhisten so wichtige Mittel der Meditation als pädagogisches Mittel nachzudenken, auch und gerade bei Kindern und Jugendlichen.

Wolf Singers Austausch mit Ricard ist einfach grossartig, sehr lehrreich, aber auch konzeptionell sehr innovativ, weil hier über knapp 130 Seiten ein reiner Dialog aufgezeichnet wurde, welches den Vorteil hat, dass die unterschiedlichen Standpunkte und Theorien in konzentrierter, ja destillierter Form wiedergegeben werden, und entsprechend hoch ist denn auch der Unterhaltungswert des Ganzen. Dieses Buch ist ein langes philosophisches Kamingespräch, geführt von zwei absoluten Meistern ihres Fachs, und es ist eine Freude, dabei zu sein.

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