In Stahlgewittern

Verkaufsrang: 4454 (Bücher)
Autor: Ernst Jünger
Taschenbuch
EAN: 9783608952087
Auflage: 46., Aufl.
ISBN: 360895208X
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Seitenzahl: 324
Erscheinungsdatum: Januar 2007
Verlag: Klett-Cotta
Preis: EUR 24,50

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Kundenrezensionen zu 'In Stahlgewittern'

Das Grauen (3. Juni 2008)

Ich kenne kein Buch oder auch keinen Film, in dem die Grauen des Krieges derart plastisch und ursprünglich beschrieben sind. Dieses Werk als "kriegsverherrlichend" zu bezeichnen greift zu kurz. Bei mir hat bisher keine Schilderung ein so starkes Gefühl des "das will ich nicht selbst erleben" ausgelöst, wie dieses Buch.

Wie selbstverständlich man nach kurzer Zeit den Wahnsinn des Grabenkrieges als normal zu nehmen bereit ist, ist für mich eine der grauenvollsten Erfahrungen der Menschheit, die von niemandem besser und treffender geschildert wurde.
Ich finde dieses Werk ein Muss für jeden Kriegsgegner. Ergreifend!!

Stahlgewitter (8. März 2008)

Ernst Jüngers in Stahlgewitter ist ohne jede Zweifel ein absoluter Klassiker. Wer Jünger kennt, kommt um dieses Buch einfach nicht herum.
Um die Person Jünger zu verstehen gehört ein bisschen mehr dazu als ,,In Stahlgewittern". Im Gegensatz zu ,,Im Westen nichts neues" verteufelt dieses Buch nicht den Krieg. Es zeigt viel mehr die Kameradschaft, die eine gewisse Romantik hat. Jünger ist mit Leib und Leben Soldat, der Krieg mehr als nur ein Handwerk. Man kann dieses Buch sehr schnell falsch verstehen.
Es ist verständlich, wenn einige Leute dieses Buch als verherrlichend ansehen. Aber letztlich wurde es durch die Nazis glorifiziert und nicht durch Jünger. Und außerdem wurde es in der Zeit immer wieder überarbeitet, von Jünger selbst.
Die Art wie es geschrieben ist, macht es sehr lesenswert. Ein Einblick in die Seele eines Grabenkämpfers, der mehrfach verwundet wurde und ein großer Draufgänger war wird nach dem Lesen dieses Buches gewonnen. Am Ende erhält er jenen Orden, der ihn berühmt machen sollte, den ,,Pour le Merit".

Provokation? (11. Februar 2008)

Handlung
Die autobiographische Erzählung spielt Ersten Weltkrieg, genauer im Stellungskrieg an der Westfront in den Jahren 1915-1918, einschließlich der Frühjahrsoffensive des deutschen Heeres im letzten Kriegsjahr. Der chronologisch geordnete Inhalt ist der Grabenkrieg, unterbrochen von gelegentlichen Etappenaufenthalten oder Verwundungen. Parallele Handlungsstränge gibt es keine. Der Krieg, genauer gesagt das Sterben und Töten an der Front und das Leben im Schützengraben, dienen nicht als Kulisse für den Plot - in diesem Buch geht es um nichts anderes. Das Buch erschien zum ersten Mal 1920.

Stil und Sprache
Jüngers Bericht ist ein Exzerpt seiner Tagebuchaufzeichnungen, erzählt aus der Ich-Perspektive. Nüchtern, teils sehr protokollarisch schildert er seine Eindrücke, seine Empfindungen deutet er dabei lediglich an, auf Dialoge wird weitgehend verzichtet. Selbst bei mit Sicherheit traumatisierenden Momente, z.B. wenn Soldaten neben ihm durch entstellende Schüssen ins Gesicht getötet werden, treten seine Empfindungen kaum zutage. Das Ausmalen des Schreckens überlässt er dem Leser. Stellenweise treten auch heroisierende Elemente zutage. Jünger lehnt den Krieg nicht ab, er schwärmt davon, wie sich mit Fortdauer des Krieges ein elitäres, todesverachtendes 'Kriegertum' bildete. Wie wenn es um ein beeindruckendes Naturschauspiel ginge, beschreibt er das stundenlange Trommelfeuer auf die britischen Stellungen kurz vor dem Beginn der Märzoffensive 1918. Gerade diese Passage im Kapitel 'Die große Schlacht' kann als symptomatisch für das Buch bezeichnet werden.

Wertung
Dem Buch wurde viel vorgeworfen: Vom kriegsverherrlichenden Werk bis hin zu einem der geistigen Wegbereiter des Nationalsozialismus, dem ja Jünger zumindest anfangs nicht ablehnend gegenüber stand, wurde 'In Stahlgewittern' gebrandmarkt.
Natürlich sind die Vorwürfe prinzipiell nicht völlig von der Hand zuweisen, dafür bedient er sich zu oft irgendwelcher Landsknechtsromantik. Andererseits, solche Charakterisierungen werden dem Werk im ganzen nicht völlig gerecht. Jünger erspart nämlich keineswegs dem Leser Beschreibungen der Schrecken des Krieges. Er verabscheut den Krieg zwar nicht, ist keineswegs ein Pazifist, aber Langemarck-Mythen o.ä. finden sich auch nicht. Zudem ist 'In Stahlgewittern' kein Hassbuch, Schmähungen des Gegners finden keine statt. Letzten Endes scheint es eher so, dass Jünger den Krieg hinnimmt, sich mit den Rahmenbedingungen nicht nur abfindet, sondern versucht sich im Krieg zu bewähren.
Vereinfacht man Jüngers eingestreute Heroisierungen als Verirrungen des Zeitgeistes, hinterläßt das Werk einen sehr ambivalenten Eindruck: Fast schon pazifistische Passagen wechseln sich mit Sätzen ab, in denen klar wird, wie sehr sich der Verfasser mit dem Krieg identifiziert.
Relativierend sei noch angemerkt, dass Jüngers Werk sowohl in linken als auch in rechten Kreisen Anklang fand.

Fazit
Natürlich sind Werke über den Ersten Weltkrieg nicht mehr ganz relevant. Wer sich aber für diese Zeit, meinetwegen auch für deutsche Geschichte interessiert, muss das Werk zur Hand nehmen, alleine schon wegen seines kontroversen Echos. Bücher dieser Art sind m.E. nicht als 'gut' oder 'schlecht' zu bewerten, von daher ist auch die Wertung als neutral zu verstehen.

Einfach beeindruckend (21. Januar 2008)

Dieses Buch beeindruckt.
Ein Germanistikprofessor aus Italien hat es mir empfohlen, als dasjenige Buch aus dem deutschsprachigen Raum, das ihn am meisten beeindruckt haette.
Dass es mich 'am meisten' beeindruckt habe - das moechte ich nicht sagen,... aber doch schon sehr beeindruckt.
Ernst Juenger hat als junger Mann den Stellungskrieg des 1. Weltkrieges an der deutsch-franzoesischen Grenze miterlebt und schildert uns hier in Prosa die Erlebnisse, die er in seinem Tagebuch festgehalten hat. Chronologisch exakt, mit Daten und Uhrzeiten, mit Namen der Orte und Personen, die er kannte, verfolgen wir seinen Weg durch den Schlamm, die Schuetzengraeben, die zerbombten Felder und Doerfer.
Dabei hat Juenger es nicht noetig, weinerlich zu sein oder anklagend. Auch uebertreibt er nicht. Seine Prosa ist ganz einfach, still, ehrlich... sie besticht gerade dadurch, dass ein kluger, poetischer Geist den Wirren des Krieges entgegenblickt und sie uns weitergibt.
Erschuettert lesen wir, dass ein Teil seiner Kompanie faellt, er wieder einmal nur knapp dem Tode entgeht, dann aber - am selben Tage noch - im Unterstand, dessen Waende glitzern wie tausend Ballsaal-Kerzen, ein Marmeladenbrot isst und ein Buch liest, bis es 'wieder langweilig' wird und der Rest seiner Mannschaft sich wieder hianuswagt.
Sie sehen... eine seltsame Mischung aus Realitaet, Poesie, Lebenswillen und Absurditaet tut sich vor dem Leser auf. Und diese Mischung verherrlicht den Krieg nicht und romantisiert ihn auch nicht. Sie zeigt nur, wie der Mensch einfach ueberleben muss und die Geschehnisse nicht zu nah an sich herankommen laesst, eben weil er ueberleben will.
Die langsame Aendernung des vom Sieg ueberzeugten bis zum treu auch in die letzte Schlacht vordingenden Kaempfers spueren wir aus den Worten, ohne dass Juenger es noetig haette uns die Hauptperson des Buches (sich selbst in der ich-Perspektive) mit vielen Worten zu schildern: Sein Blick verraet alles und taucht uns die Umgebung in das Licht seines Inneren.
Ein poetisches, ein realistisches, ein beeindruckendes Werk.
Wenn man im Geschichtsunterricht in der Schule etwas lesen sollte ueber den 1. Weltkrieg, dann dieses Buch.
Statt idiotischer Daten und Namen sollte man lieber zuerst diese Naehe und diese Menschlichkeit erfahren. Dieses Buch hat mir mehr gesagt als alle Schuljahre und sogar mehr als ein Besuch in Verdun vor einigen Jahren.
Beeindruckend als historisches und literarisches Zeugnis.
Viele stimmen hier rasch negativ ab über meine Rezension. Warum ist das so?
Vielleicht muss man den Begriff der Ästhetik genauer fassen. Für mich fällt darunter auch Intensität, Klarheit, Symbolkraft. Das sind keine beschönigenden Begriffe. Darin steckt so etwas wie Ehrfurcht. Und Ehrfurcht habe ich beispielsweise auch vor Dantes Hölle, obwohl sie ja keineswegs beschönigend gemeint ist.
Für mich war man durch Jünger wirklich dort, vorort, dabei in Verdun - gedanklich natürlich. Und durch die 'Kameradschaft', die er beschreibt, hat man mitgelebt. Und durch die kaum geschilderten Emotionen gegenüber gefallenen 'Kameraden' spürt man die Sprachlosigkeit. Und durch das Beschreiben der Sternennacht und glitzernden Bunkerwände spürt man etwas Existentielles: Nämlich die Notwendigkeit für einen intelligenten Menschen, auch im Höllengrauen noch etwas Menschlichkeit und Schönheit zu bewahren.

Wo ist da noch Kriegsverherrlichung? (21. Oktober 2007)

Ernst Jünger legte 1920 sein erstes Werk vor: "In Stahlgewittern", in welchem er schildert, wie er den Ersten Weltkrieg erlebt hat. Jüngers Werk ist nicht als Roman zu verstehen, sondern eher als ein Kriegstagebuch, in dem allerdings nicht jedes Ereignis genau datiert ist. Das Buch ist optimal, um eine Einsicht in das Soldatenleben im Ersten Weltkrieg zu bekommen. Er beschönigt den Krieg nicht, sondern er beschreibt ihn so, wie er ihn erlebt hat: Er entrinnt viele Male knapp dem Tod, wird von 1915 bis 1918 insgesamt 14 mal mehr oder weniger gefährlich verwundet, doch immer wieder überwiegt trotz allem der Zwang weiterzukämpfen. Gerade dieses eiserne Pflichtbewusstsein, Durchhaltevermögen und Heldentum ist das Soldatenbild, das Jünger entwirft und welches von den Nationalsozialisten instrumentalisiert wurde.
Doch ändert das nichts daran, dass er dem Leser kein falsches Bild vom Krieg vermittelt. Zu Beginn schreibt Jünger, "[i]n einem Regen von Blumen waren wir ausgezogen, in einer trunkenen Stimmung von Rosen und Blut. Der Krieg musste es uns ja bringen, das Große, Starke, Feierliche" (S. 7), aber es wird immer mehr erkenntlich, wie diese Soldaten abstumpfen, ihre Arbeit wie im Rausch verrichten und kaum reflektieren. Das zeigt, genau wie bei Erich Maria Remarque, wie sie durch den Krieg nicht nur physisch, sondern auch psychisch zerstört werden. Ganz deutlich wird dies an der Stelle, an der Jünger in einer Schlacht auf den ersten Feind trifft, ein armselig aussehender britischer Offizier, der ihm voller Angst gegenübertritt, während Jünger es kaum erwarten kann, ihn sterben zu lassen. Doch dann zieht der Offizier statt der Waffe ein Foto aus der Tasche, dass ihn im Umkreis seiner Familie zeigt. Für Jünger ist das "eine Beschwörung aus einer versunkenen, unglaublich fernen Welt", er erschießt den Offizier nicht. Nachdem er einen anderen Soldaten erschossen hat, gibt er zu: "Der Staat, der uns die Verantwortung abnimmt, kann uns nicht von der Trauer befreien; wir müssen sie austragen" (S. 272). Dies ist die einzige Stelle, in der Jünger ansatzweise den Staat kritisiert, sonst bleibt er distanziert, unpolitisch, die wahren Ursachen des Krieges hinterfragt er nie, aber das wollte er mit diesem Buch auch nicht. Er wollte den Krieg als das beschreiben, was er war: grausam, blutig, anonym, aber aus seiner Sicht voller Heldentum, wobei zu berücksichtigen ist, dass Jünger ein Soldat von höherem Rang war, bei den einfachen Kämpfern war der Blick meist ganz anders, ihnen ging es nur darum, irgendwie zu überleben, egal ob ruhmreich oder nicht. Dennoch lassen sich die Soldatenbilder von Erich Maria Remarque und Ernst Jünger folgendermaßen wohl am besten unterscheiden: Remarque - "Soldaten sind arme Teufel", Jünger - "Soldaten sind Helden", in der ganzen Anlage des Buches wird dies ersichtlich.
Wenn man dann aber liest, wie Dutzende Soldaten bei einem Granateneinschlag elendig verrecken, in den Lazaretten mit übelsten Verletzungen dahinsiechen, oder in den Schützengräben unter übelsten Bedingungen ihr Dasein fristen, kann man, so meine ich, nicht mehr von Kriegsverherrlichung sprechen. Das Bild von dem Ersten Weltkrieg als einem der übelsten Kriege überhaupt wird sogar verstärkt.
Leicht ist das Buch nicht zu lesen, ich denke auch, dass ein einmaliges Durchlesen nicht ausreicht, um es voll zu erfassen, aber nach dem Lesen ist man reicher an Kenntnissen über menschliche Ausnahmezustände und fragt sich: Wie kam es, dass nach so einem Krieg ein weiterer möglich war, in dem all das noch übertroffen wurde?

dkb.de

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