Kundenrezensionen zu 'Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: Endlich neue Chancen durch reizarme Ernährung. 100 Seiten köstliche Rezepte. Guten Appetit vom Frühstück bis zum Abendessen'
Fragwürdige Diät auf Basis kritisch zu bewertender wissenschaftlicher Erkenntnisse (3. April 2008)
Die Autorin beschreibt in Ihrem Buch ein Ernährungskonzept kohlenhydratarmer Ernährung, die geeignet für CED Patienten sein soll.Die dargelegten Erkenntnisse werden von dem Kommentator Dr. Schwab in großen Teilen relativiert und widerlegt. Tatsächlich scheinen die Ausführungen der Autorin weniger auf wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen zu beruhen, sondern vielmehr aus Ihrer nicht repräsentativen Alltagserfahrung mit einem an einer Darmkrankheit leidenden Tochter zu resultieren.
Die Autorin kommt dabei teilweise zu absurden Schlüssen, so erkennt sie bspw. bei Kindern einen Zusammenhang zwischen Darmerkrankungen und endogenen psychischen Erkrankungen, Angstzuständen und Schizophrenie, die man angeblich durch ihre kohlenhydratarme Diät heilen kann.
Die Rezepte und Ernährungsempfehlungen widersprechen zudem teilweise dem, was klinische Ernährungsberater bei CED Erkrankungen empfehlen. So darf man nach Ansicht der Autorin Wodka und andere harte alkoholische Getränke konsumieren. Weiterhin beschreibt sie ein Rezept für Spare Rips. Alleine bei dem Gedanken an Wodka und fette Schweinerippchen wird bei jedem CED Erkrankten der Darm anfangen zu bluten.
Der Titel ist zudem Mißverständlich, geht es doch in dem Buch weniger um eine spezielle Diät für Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa Patienten, sondern vielmehr um eine Diät für Patienten mit Darmerkrankungen allgemein. In weiten Teilen der Einführung beschäftigt sich die Autorin mit der Darmflora und Darmbakterien und den Einfluß der Ernährung darauf. Ein Buch für Ernährung von CED Patenten ist es meiner Meinung nach nicht. Die Schlagwörter scheinen vielmehr gewählt zu sein, um den Abverkauf des Buches zu fördern.
Interessanes Buch, schizophrene deutsche Bearbeitung (2. August 2007)
Das ins Deutsche übersetzte Buch der inzwischen verstorbenen Elaine Gottschall propagiert ein Ernährungskonzept mit "selektiven Kohlenhydraten", wonach letztlich nur die Einfachzucker Fructose, Glucose und Galactose auch von einer vorgeschädigten Darmschleimhaut problemlos aufgenommen werden, während bereits Disaccharide (z. B. Haushalts- oder Milchzucker) oder langkettige Zucker (Stärke) aber zu Resorptionsstörungen und den bei Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa gesehenen Schleimhautschäden führen sollen. Auch Gluten wird im Kontext der Zöliakie gemieden.Aufgrund dieser qualitativen KH-Beschränkung ähnelt das Konzept den strengeren "Steinzeit-Diäten", wie sie z. B. Ray Audette in "Neanderthin" propagiert oder Loren Cordain in seiner "Paleo Diet" (sein Konzept der Urzeitkost ist allerdings durch eine fettphobische Sichtweise unrealistisch verzerrt), bei denen nur in der Steinzeiternährung verfügbare und übliche Nahrungsmittel verzehrt werden dürfen. Dies schließt die Zufuhr von Getreide- und Milchprodukten praktisch aus und hat demnach ähnliche ernährungsphysiologische Effekte.
Auch geht die Gottschall-Diät aufgrund des Verbots von zucker- und stärkehaltigen Produkten zwangsläufig in Richtung einer kohlenhydratärmeren Kostform, weil eben die hochdichten Kohlenhydratträger verboten sind. Allerdings kann man durch eine reichliche Obstzufuhr durchaus zu einer Ernährung kommen, die keineswegs "low-carb" ist. Trotzdem besteht prinzipiell eine Nähe zu den KH-reduzierten Kostformen, etwa zu dem von Dr. Lutz propagierten "Leben ohne Brot", der bei jungen Gesunden auf eine KH-Reduktion auf 72 g und bei Älteren und Kranken auf ca. 100 g pro Tag setzt und dafür viele gesundheitliche Vorteile sieht.
Die Gottschall-Diät ist in diesem Kontext durchaus nicht als besonders exotisch anzusehen, sondern spiegelt die Erfahrungen mit den möglicherweise schädlichen Einflüssen einer hohen KH-Zufuhr insbesondere aus Getreide wider. Trotzdem ist es kein rein schulmedizinisches Konstrukt, sondern basiert in weiten Teilen auf hypothetischen und teils durch praktische Erfahrungen belegten Thesen.
Das Buch ist insgesamt nett aufgemacht, und insbesondere der Rezeptteil ist für den Interessierten sehr bereichernd.
Als Haupt-Manko sehe ich jedoch die deutsche Bearbeitung des Buches. Der Trias-Verlag ist bekanntlich der Thieme-Gruppe, einem medizinischen Fachverlag, angegliedert, und dieser sah sich offenbar bemüßigt, dem Buch eine "fachliche Begleitung" mitzugeben, in Form einer Einleitung durch einen streng schulmedizinischen Internisten. In dieser Einleitung rät er letztlich von der Ernährung nach Gottschall ab, weil dieser die wissenschaftlichen Grundlagen fehlten. Auch stellt er für eine Reihe von Thesen Gegenthesen aus dem Repertoire der derzeitigen schulmedizinischen Sichtweise auf. Hinzu kommt, dass der Herr Dr. im weiteren Verlauf des Buches überall Fußnoten anbringen lässt, die den Aussagen des Haupttextes widersprechen.
Ich habe noch nie ein Buch erlebt, in dem ein Coautor oder Kommentator durch Vorworte und Fußnoten direkt den Haupttext zu widerlegen versucht. Wenn man als Verlag nicht hinter dem vorgestellten Buchinhalt oder -konzept steht, warum bringt man es dann überhaupt heraus? Liest man sich das Buch in der vorliegenden Form durch, fühlt man sich als Käufer hochgradig veräppelt, weil "der Experte" letztlich von der Umsetzung abrät.
Bei der vorgestellten Kost- und Therapieform handelt es sich um einen alternativen Ansatz, der so wie er ist vom Verlag respektiert werden sollte. Ist das nicht der Fall, so sollte das Werk an einen anderen Verlag abgegeben werden.
Vermutlich ist es für Interessierte empfehlenswerter, bei Interesse für das Thema das englischsprachige Original von Elaine Gottschall zu lesen und sich bei Bedarf selbst ein Bild von der Diskrepanz zur schulmedizinischen Beurteilung zu machen. - Auch über die Frage, ob eine generelle Kohlenhydratrestriktion günstig sein könnte, kann jeder Leser selbst reflektieren und ggf. das Buch von Dr. Wolfgang Lutz hinzuziehen.
Angesichts des nützlichen spezifischen Rezeptteils, der auch optisch schön aufgemacht ist, noch drei Sterne, ansonsten ist es das schizophrenste deutsche Fachbuch, das ich je gelesen habe.
gelungene Ergänzung zur "Lutzdiät" (2. November 2001)
Habe seit Frühjahr 2001 colitis ulcerosa undernähre mich seitdem nach dem Buch von Dr. Lutz "Leben ohne Brot". Die Erklärungen in diesem Buch ergänzen sich und sind schlüssig.
Mir geht es momentan sehr gut und brauche kein Kortison mehr. Die Rezepte sind leicht nachzukochen. Allerdings kommt man hier
locker über 72g Kohlehydrahte. Werde die nächsten Jahre zusehen müssen, ob die spezielle Ernährungsform erfolgreich ist. Bin jedoch sehr zuversichtlich.


