Kurzbeschreibung
Wir leben in einer Zeit der Ungleichzeitigkeit: Während wir technologisch im 21. Jahrhundert stehen, sind unsere Weltbilder mehrheitlich noch von Jahrtausende alten Mythen geprägt. Diese Kombination von höchstem technischen Know-how und naivstem Kinderglauben könnte auf Dauer fatale Konsequenzen haben. Angesichts der Gefahren, die aus der Renaissance unaufgeklärten Denkens in einem technologisch hoch entwickelten Zeitalter erwachsen, entwirft das Manifest des Evolutionären Humanismus eine säkulare Gegenposition, die im Einklang mit den häufig desillusionierenden Ergebnissen der (natur-) wissenschaftlichen Forschung steht. Das Manifest liefert auf diese Weise nicht nur eine kompakte Zusammenfassung der Grundpositionen einer "zeitgemäßen Aufklärung", es ist auch ein entschiedenes Plädoyer für eine "alternative politische Leitkultur", die auf die besten Traditionen von Wissenschaft, Philosophie und Kunst zurückgreift, um das unvollendete Projekt der aufgeklärten Gesellschaft gegen seine Feinde zu verteidigen.Kundenrezensionen zu 'Manifest des evolutionären Humanismus: Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur'
Wo bleibt die Empathie? (26. August 2008)
Wenngleich ich - als gemässigter Atheist mit naturwissenschaftlicher Vergangenheit - mit den Aussagen des Buches im vollen Einklang stehe, vermisse ich beim Autor doch die von ihm vielbeschworene Empathie. Ich hätte etwas mehr Fein- und Taktgefühl erwartet, denn man startet keine Revolution, wenn man nur diejenigen überzeugt, die bereits eingeschworen sind.Religiöse Menschen sind meist sehr sensible, verletzliche und nach hohen Idealen strebende Menschen, die mehr auf ihr Gefühl als auf ihren Verstand hören. Sie finden in der Religion den Trost, die Geborgenheit und den Sinn des Lebens, den ihnen anscheinend die Gesellschaft in anderer Form nicht bieten kann. Wenn man ihnen diese "Krücken" wegnimmt, drohen sie ins Bodenlose zu fallen, wie man oft in Foren erkennt, in denen die offensichtlichen Parallelen zwischen Jesus und zahlreichen Göttern der Antike emotional und polemisch abgestritten werden. Halbwegs nüchterne und wissenschaftliche Diskussionsbeiträge findet man hier seitens der Theisten nur selten, denn in Sachen Geschichte, Biologie, Evolution und Psychologie sind sie oft gnadenlos weltfremd.
Leider geht Schmidt-Salomon aber auf die psychologischen Hintergründe und die gesellschaftlichen und evolutionären Vorteile der Religion nur allzu selten ein, schlägt keine Brücken durch empathisches Verständnis, sondern zelebriert stattdessen knallharten Verstand mit einer Prise verletzender Polemik. Auf diese Weise argumentiert der promovierte Denker stellenweise doch sehr "unhumanistisch" und plakativ, und rennt bei ähnlich hochgeistigen Köpfen offene Türen ein, statt neue zu öffnen.
Ich befürchte daher, dass das Manifest hauptsächlich der Polarisierung als der Aufklärung dient, was der Autor ja auch schon selber im letzten Kapitel dunkel erahnt. Eine Versöhnung zwischen Atheisten und Theisten findet nicht statt, denn letztere werden mit seinen Argumenten in die Defensive und damit Richtung Fundamentalismus getrieben. Schade, denn die Ideen hinter dem Manifest sind weitgehend geeignet, die Welt lebenswerter zu machen und gerade solche Menschen aufzufangen, die in der Religion ihren - wenn auch naiv übersinnlichen - Lebenssinn gefunden haben. Wer hat - ethisch gesehen - das Recht, Ihnen ihre glückselige Wunderwelt wegzunehmen?
Überzeugendes Plädoyer für eine humane Welt (10. August 2008)
Das Buch ist ein absolutes Muss für jeden kritischen Geist. Es gibt leider vielleicht nicht mehr viele. Es ist wie am 20.07.44, es kommt vielleicht nur noch darauf an, dass es versucht worden ist! Eine klare Analyse der Lage der Welt, man sollte es noch mit Ziegler(Imperium der Schande), Dawkins und anderen vervollständigen. Angesichts der bestehenden Machtapparate, die keinerlei Widerspruch oder Kritik gelten lassen und per Medien(Bild und Big Brother lassen grüssen) die Leute verblöden und manipulieren, ist die Frage, wie das gehen soll. Die herrschende Klasse wird diesen Planeten zugrunderichten und erst im allerletzten Moment erkennen, dass sie dabei mit drauf gehen wird! Dann werden die Schuldzuweisungen erfolgen an die Linken, die Gewerkschaften und wen nicht alles. Und dann kommt der Tod für Homo sapiens sapiens - eine Hoffnung für die Erde, denn dann wird wieder Friede sein auf Erden. Vielleicht hätten wir dem Neandertaler den Vortritt lassen sollen!?Ich hoffe noch auf den Supervulkan unter Yellowstone und einen kosmischen Treffer. Auch nach den Dinosauriern ist es weitergegangen, da wird es also auch nach uns weitergehen!
Viele Grüße von hier aus an alle Jeep-Fahrer und andere weiter denkende Untiere(Horstmann), Euer Beitrag zum Untergang ist beträchtlich! Ihr wusstet es nicht, darin liegt die Tragik, aber dennoch vielen, vielen Dank.
Ein Mensch - 95 % von Euch gehören leider nicht dazu, da muss ich dem guten alten Schopenhauer(5/6tel) leider widersprechen.
Endlich ein MENSCHLICHER Leitfaden (23. Juli 2008)
Michael Schmidt-Salomons "Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur" hat große Verbreitung gefunden. Darüber darf man froh sein. Er greift die wesentlichen Aspekte unserer Gesellschaft auf, unterzieht sie einer strengen Prüfung und stellt uns eine (auf)geklärte, geläuterte Version vor. Kritik an der Kirche und ihrer Apologetik ist ein wesentlicher Teil von Schmidt-Salomons Werk:Er entlarvt die Theorie des "Intelligent Design" als den hilflosen Versuch, wissenschaftliche Erkenntnisse in Glaubensschemata zu pressen. "In Anbetracht des weltweit fortschreitenden religiösen Fundamentalismus ist es deshalb von absoluter Dringlichkeit, auf einen Prozess weltweiter religiöser Abrüstung hinzuwirken."
Grundbedingung dafür sei, dass auch minderprivilegierte Menschen Zugang zu Wissenschaft, Philosophie und Kunst finden. Rationale Aufklärung über Wesen und Wirkungsweise von Religion muss den gebührenden Stellenwert im Bildungssystem erhalten.
Besonders erhebend fand ich das vierte Kapitel über Sinn und Sinnlichkeit, mit dem Untertitel: "Warum uns der evolutionäre Humanismus nahe legt, aufgeklärte Hedonisten zu sein": Einen Sinn des Lebens kann man nur in diesem Leben erfahren (ist eigentlich logisch), mit und durch seine Sinne. So gesehen vertritt der Autor hier ein wunderbar einleuchtendes Theorem, das uns erlaubt, durch unsere Sinne zu leben und ihnen auch zu vertrauen - ganz im Gegensatz zur kirchlichen Lehre, die Leib- und Sinnesfreuden gegenüber feindlich eingestellt ist und die den Sinn des Lebens nicht in diesem aktuellen irdischen, sondern in einem jenseitigen, himmlischen (oder höllischen) Leben sucht.
Schmidt-Salomon beweist, dass eine Ethik ohne Gott möglich ist, mehr noch: dass wichtige Errungenschaften wie Menschenrechte und Demokratie nicht dem Konto des Christentums gutgeschrieben werden können, "musste doch jedes einzelne Menschenrecht dem Christentum ... in einem erbitterten Machtkampf abgerungen werden. ... Eine Ethik aber, die die Grundbedürfnisse (Interessen) der Menschen derart ignoriert, verdient es nicht, 'Ethik' genannt zu werden".
Bis heute hat der Vatikan die Europäische Menschenrechtskonvention nicht ratifiziert!
Schmidt-Salomon beschränkt sich nicht nur auf die christlichen Religionen. Religionen an sich kommen bei ihm schlecht weg. Dazu gehören auch die sog. "politischen Religionen" in totalitären Systemen.
Dort, wo er Kritik übt, tut er das unbarmherzig, tabulos, aber fair. Er bietet immer Auswege an und stellt Alternativen vor. Diese scheinen logisch, plausibel und durchdacht.
Es sieht aber auch die Grenzen: die "prinzipielle Unverträglichkeit von aufklärerischem und religiösem Denken". Klar arbeitet er heraus, dass das "Christsein" keine halbe Sache sein kann: "Ein christlicher Fundamentalist weiß - und das ist sein Vorteil gegenüber dem liberalen (Tauf-)Schein-Christen! -, dass Jesu Erlösungstat ohne Voraussetzung von Hölle und Teufel in etwa so sinnlos ist wie ein Elfmeterschießen ohne gegnerische Mannschaft." Dies ist mit ein Grund dafür, dass nicht nur die Anzahl der konfessionslosen Menschen steigt, sondern auch die der religiösen Fundamentalisten.
Als zusammenfassende Erklärung darf man im Anhang B die zehn Angebote (nicht: Gebote!) des evolutionären Humanismus verstehen, die den Zehn Geboten des Buches Exodus (Anhang A) gegenübergestellt werden. Diese zehn Angebote sind im Vergleich zu den beklemmenden "göttlichen" Zehn Geboten erhebend, befreiend und vor allem unverbindlich.
Zu vorletzt möchte ich noch auf die Anmerkungen hinweisen, in denen ich zahlreiche interessante Literaturhinweise fand.
Und zuletzt gilt mein Werben der Seite 196, wo Sie einen Aufruf zur Diskussion finden und das Manifest online unterzeichnen können. Die Giordano Bruno Stiftung ist allemal einen Besuch wert!
Falscher Begrif von Menschenwürde (21. Juli 2008)
Der Autor schreibt in seinen "Angeboten":"4. Du sollst nicht lügen, betrügen, stehlen, töten es sei denn, es gibt im Notfall keine anderen Möglichkeiten, die Ideale der Humanität durchzusetzen!"
Wenn man dies ebenso wörtlich nimmt wie der Autor einige Verse aus dem Alten Testament, sehen wir hier also einen Aufruf zum Töten für Ideale.
Schade auch, dass der Autor nicht auf Polemik verzichten kann und dabei selbst unkritisch und unreflektiert vorgeht, so wie er es seinen Feindbildern, den gläubigen Menschen vorwirft.
Nur Fundamentalisten (auf beiden Seiten) halten Humanismus und Glaube für einen Widerspruch.
Flach (12. Juli 2008)
Leider hält dieses so gelehrt angekündigte Pamphlet keines seiner Versprechen.Es bringt keine neuen Erkenntnisse, sondern kopiert lediglich bereits vorhandene Werke (die es seit Jahrhunderten gibt), die allgemein anerkannte ethische Werte und Menschlichkeit an sich zur Maxime des menschlichen Handelns erklären. Selbstverständlich ist das der humanste Ansatzpunkt jeglicher Diskussion, deshalb wirkt auch seine Instrumentalisierung im Sinne schein-intellektueller Kritik an ausnahmslos allen Formen der Religion so maßlos verfehlt.
Neu ist dementsprechend(das heißt, von neueren Autoren kopiert), dass die Welt ohne jede Religiösität ein besserer Ort wäre, dass Religion entweder flach und eindimensional oder inkonsequent sein muss.
Selbstverständlich verschafft Schmidt-Salomon sich eine herausragende Argumentationsgrundlage, indem er die Gefahr der modernen Massenvernichtungswaffen in den Händen kopfloser Religionshöriger in den Mittelpunkt seiner Argumentation stellt und dem geneigten Leser eine bessere Welt ohne solche Angstzustände vorhält: eine Welt ohne Religion.
Es ist nur eine Vermutung, dass der Titel eine Kompensation des fragwürdigen Inhalts erreichen soll.
Das Thema, dass hier debattiert wird, ist wichtig und hochaktuell. Gerade deshalt sollten die verschieden Verständnisebenen religiöser Texte und Traditionen, das Scheitern der Aufklärung (auch nach der Aufklärung waren Ausschwitz und die Atombombe möglich (Missbrauch von Wissenschaft und Technik), das Religiöse, Irrationale verschwand nicht sondern erhielt in Form menschenverachtender Untergrundbewegungen eine neue Dynamik (Satanismus, Okkultismus), es war möglich das nicht-religiöse Regime pseudo-religiöse Rituale und Mythen entwickelten um die existentiellen spirituellen Sehnsüchte der Menschen machtpolitisch zu missbrauchen, kurz: die Menschen wurden freier, aber nicht besser, sondern mächtiger in ihrer Brutalität), die Relevanz der Unterbewussten für das menschliche Handeln sowie die tiefe Verankerung der grundsätzlichen Sehnsüchte der Menschen nach unendlicher Liebe und Transzendenz nicht außer Acht gelassen werden.
So vertieft sich der Autor in oberflächliche biologische Evolutions- und Gesellschaftsfragen, um seiner Schwarz-Weiß-Malerei einen fortschrittlich-wissenschaftlichen Anstrich zu verleihen...
Es wäre zu schön gewesen...


