Helmut Schmidt. Die Biographie

Verkaufsrang: 618 (Bücher)
Autor: Hans-Joachim Noack
Gebundene Ausgabe
EAN: 9783871345661
ISBN: 3871345660
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Seitenzahl: 320
Erscheinungsdatum: 1. September 2008
Verlag: Rowohlt Berlin Verlag GmbH
Preis: EUR 19,90

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Aus der Amazon.de-Redaktion

Zunächst wundert man sich – gelinde gesagt. Helmut Schmidts Leben, abgehandelt auf mageren 300 Seiten, während sein schwergewichtiger Nachfolger aus der Pfalz bereits am vierten Erinnerungsband werkelt? Wie geht so etwas? Nun ja, auch hier zeigt sich eben der gewaltige Unterschied. Dort die ausufernde Selbstbetrachtung- und beweihräucherung, das Festklammern an jedem noch so bedeutungslosen Fitzelchen im politischen Wirken. Hier hingegen ein gestandener Journalist und Schmidt-Vertrauter wie Hans-Joachim Noack, der – in dieser Hinsicht dem Altkanzler nicht unähnlich - auf schmückendes Beiwerk verzichtet und die Eckpfeiler eines politischen Lebens einrammt. Ohne dabei unscharf zu werden. Eine Verknappung, die an Größe gewinnen lässt.

Klar, ein Fast-Jahrhundert an Lebenszeit derart einzudampfen, fordert Abstriche. Allein die Ereignisse des Deutschen Herbstes 1977 und das Dramenfeld Mogadischu – Schleyer – Stammheim. Über diesen Strudel, der den damaligen Kanzler fast an den Rand des moralischen und politischen Kollapses brachte, hätte man gerne mehr gelesen. Zu diesem Zeitpunkt hat Noack bereits eine beträchtliche Wegstrecke hinter sich gebracht. Die „Jugend und Soldatenzeit“ des 1918 Geborenen. Der preußisch zugeknöpfte Vater. Mitschülerin Lokis unterprivilegiertes Elternhaus, das erste Gerechtigkeitsfragen in Schmidt aufkeimen lässt. Hamburg im Zeitkolorit der Weimarer Republik, ein Bild, das Noack meisterlich skizziert. Schließlich der Zweite Weltkrieg und die frühe Erkenntnis einer unschlagbaren „Weltkoalition“, die sich dem Machtrausch der Nazis in den Weg stellen würde. Gedanken eines (noch) Unpolitischen.

Erste Weihen dann, als ein Hamburger Innensenator sich während der großen Sturmflut 1962 zum Krisenmanager emporschwang. Fortan genießt der Allerweltsname Schmidt bundesweit Gültigkeit. Die Troika Wehner-Brandt-Schmidt. Der Rücktritt Brandts, Lichtgestalt der Ostpolitik und (deswegen?) ewiger Dorn im Auge Schmidts, der sich im eigenen Lande stets unterbewertet fühlte. Die moralisch kaum fassbare Entscheidung des Kanzlers Schmidt, Schleyer zu opfern. Der NATO-Doppelbeschluss, der ihn in den eigenen Reihen am Ende fast zur Unperson werden ließ. Noack liefert das Porträt eines Workaholics, der in seiner aktiven Laufbahn als arroganter Besserwisser verschrieen war. Doch trotz besten Willens und Kenntnisreichtums will es auch ihm nicht gelingen, zum innersten Kern dieses notorisch Verschlossenen vorzudringen. Eines Menschen, Politikers und gesegneten Rauchers namens Schmidt, den Partei und Volk erst relativ spät verstehen und lieben lernten – und die ihn heute schmerzlich vermissen. –Ravi Unger

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Kundenrezensionen zu 'Helmut Schmidt. Die Biographie'

Nichts Neues über Schmidt (8. Oktober 2008)

Der von der Amazon-Redaktion beschriebene erste Eindruck ist der richtige: ein mageres Buch. Für den politisch Interessierten, der sich mit der Geschichte der Bundesrepublik recht gut auskennt, bietet die Biographie nichts Neues. Er wird das Buch als eine Zusammenfassung dessen ansehen, was oft schon in den Medien über Helmut Schmidt zu erfahren war. Was man sich dagegen eigentlich von einer Biographie erhofft - den Blick hinter die Kulissen und unter die Oberfläche - liefert Noack nicht. Insofern muss man das Buch, das sich allzu großtuerisch "Die Biographie" nennt, leider als oberflächlich bezeichnen.

Nützlich ist das Werk dagegen für die mit der deutschen Nachkriegspolitik wenig vertrauten Leser. Wer von Helmut Schmidt noch nicht viel gehört hat, findet hier eine gute Einführung in sein Leben. Allerdings sollte er dieser Schmidt-Biographie dann bald Politiker-Biographien anderer Parteien folgen lassen, da Noack über Schmidt mit wenig kritischer Distanz schreibt.

War einem Unnahbarem zu nahe (14. September 2008)

Die Lektüre dieser Biografie weckte in mir das unangenehme Kindheitserlebnis, im schön eingepackten Weihnachtsgeschenk ein neues Pyjama statt der gewünschten Lokomotive für meine Modelleisenbahn vorzufinden. Sieht man von den letzten zwanzig Seiten ab, so hat man das Gefühl, Hans-Joachim Noack präsentiere einfach nochmals die politischen Ränkespiele der Ära Schmidt. Die zur Garnitur servierten Fragen und kleinen Exkurse können nicht verhindern, dass man unruhig vor einem faden Neungänger sitzt und sehnsüchtig auf die Nachspeise wartet. Doch die kommt viel zu spät und ist schliesslich auch keine echte Überraschung. Sie erklärt allenfalls, warum es in der Küche an kreativen Köchen mangelt. Mit den Worten von Siegfried Lenz gesprochen: "Je öfter sich einer an seiner Seite aufgehalten hat, desto schwerer fällt es ihm den Altkanzler zu charakterisieren." Das trifft auf den Autor dieser Biografie leider ebenso zu wie auf andere Weggefährten.

An falsch verpackte Weihnachtsgeschenkte erinnerte mich diese Biografie, weil es unglaublich spannend wäre, den Eigenheiten eines Charakters auf die Spur zu kommen, der für das Nachkriegsdeutschland nicht untypisch ist. Helmut Schmidt, dessen Heiligenschein mit jedem Jahrring noch wächst, wird inzwischen als der weise Deutsche schlechthin gehandelt. Und der geringste Zweifel an diesem Mythos wird als Gotteslästerung verstanden. Er habe nie etwas aus dem Bauch heraus getan, behauptet Helmuth Schmidt selbst im neunzigsten Altersjahr noch. Daran darf und muss er glauben, um sein Selbstbild aufrecht zu erhalten. Doch mit der viel beschworenen Rationalität des Altkanzlers hat ein solcher Glaube im 21. Jahrhundert definitiv nichts zu tun. Weder er noch sein Chronist würde einen renommierten Neurowissenschaftler oder Psychiater finden, der ein solches Bild menschlichen Verhalten absegnet. Damit will ich nicht propagieren, eine Biografie müsse ein psychoanalytischer Schlussbericht sein. Behüte, aber sie müsste Geschichten erzählen, die dem Leser Einblicke in die Seele eines Menschen ermöglichen. Ohne Anspruch darauf, solche Bilder müssten die Wahrheit wiedergeben. Aber weil Dargestellter und Darstellender am Mythos festhalten, menschliches Verhalten werde von der Vernunft gesteuert, wird diese Berichterstattung eines so bedeutenden Politikerlebens zwangsläufig langweilig. Ausser man interessiere sich brennend dafür, wer wann wo mit wem welche Klungelei ausheckte.

Das Konzept dieser Biografie führte automatisch dazu, dass ich kaum etwas darüber erfuhr, was den Altkanzler in seinen frühen Jahren prägte. Und selbst über seine Zeit in der Wehrmacht weiss der Hans-Joachim Noack nur zu erzählen, was eifrige Zeitungsleser schon lange wissen. Der aussergewöhnlich starke Drang von Helmut Schmidt, seine Umwelt zu belehren, ist mehr als nur anekdotisches Beigemüse, sondern beeinflusste sein Leben ebenso wie seine Politik. Ohne die vielen Geschichtsklitterungen moralisch verurteilen zu wollen, hätte mich interessiert, wo sie dienlich und wo schädlich waren. Gehören solche Verhaltensmuster zum notwendigen Rüstzeug der Politik und der Nachkriegsgeneration? Sind sie allgemein menschlich und kommen im Rampenlicht der Politbühne einfach besser zum Vorschein? Wieso sammelt Helmut Schmidt jedes nur erdenkliche Dokument seines politischen Lebens, gestattet Aussenstehenden aber nicht den flüchtigsten Blick auf sein hermetisch versiegeltes Archiv privater Ereignisse? Und warum erhebt ihn die Öffentlichkeit in den letzten Jahren zur deutschen Lichtgestalt, obwohl er sie über so vieles im Dunkeln lässt? Kurz: Auf die Fragen, die mich interessiert hätten, gibt diese Biografie keine Antworten. Oder was man noch als Antworten verstehen könnte, wird in die gleiche politische Wolle eingepackt, die zur Politikverdrossenheit von heute beiträgt.

Mein Fazit: Helmuth Schmidt hat zwar offiziell keine Autobiografie verfasst, gehört aber zu den eifrigsten Schreibern der politischen Zunft. Hätte Hans-Joachim Noack die Absicht gehabt, seinen Lesern den Menschen Helmut Schmidt etwas näher bringen zu wollen, so wäre ihm genügend Material zur Verfügung gestanden. Aber ausser im letzten Kapitel erfahren wir nur, was in den Archiven auch sonst zugänglich wäre. Für mich ist dieses Buch eine gut geschriebene Zusammenfassung von Zeitdokumenten, aber keine spannende Biografie.

einfühlsam,menschelnd-kenntnisreich (12. September 2008)

eine warmherzige Sicht des kühl und arrogant,sowie unnahbar wirkenden Hanseaten "Schmidt-Schnauze",einfühlsam und verständnisvoll erzählt!
Lesenswert!Helmut Schmidt. Die Biographie

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