Kundenrezensionen zu 'Hamburger Lesehefte, Nr.80, Don Carlos, Infant von Spanien'
Don Carlos - Infant von Spanien (7. März 2007)
Ich finde dieses Schillersche Drama sehr interessant. Sowohl historische Bezüge als auch das Tragische werden von Schiller perfekt verarbeitet. Es ist im Allgemeinen ein wieder einmal sehr gut gelungenes Drama.Am Hof von seinem Vater, dem König Philipp II, lebt Don Carlos. Er liebt seine Stiefmutter, Elisabeth von Valois. In einer Tragödie, in der viele an Idealen und Intrigen zu Bruch gehen, beschreibt Schiller treffend den absolutistischen Despotismus, das aufklärerische Ideal und die klassische Anmut.
Ein jung gebliebener Klassiker (24. Oktober 2006)
Streng sind die Sitten und Gesetze im Spanien Philipps II. Jeder Verstoß gegen die bestehende Ordnung wird aufs Härteste bestraft, wenn er entdeckt wird. Und für die Entdeckung jedes Verstoßes sorgt ein Heer von Spitzeln und Denunzianten. Platz für individuelle Ziele und Wünsche gibt es nicht. Alles Handeln unterliegt der Staatsräson. Glücklich wird in diesem Staat kaum jemand. Zumindest nicht Karlos.Das Verhältnis des Kronprinzen zu seinem Vater war schon immer schwierig. Denn als Vater hat er ihn nie kennen gelernt. Nur der König ist ihm begegnet. Und mit dessen politischer Haltung ist Karlos nicht einverstanden. Der Kronprinz hängt dem Ideal der Freiheit an ( so wie Schiller selbst). Vollkommen zum Zerwürfnis zwischen Vater und Sohn kommt es, als Philipp – gerade Witwer geworden – die Karlos versprochene Braut heiratet. Denn Karlos liebte Elisabeth, obwohl die geplante Ehe politisch motiviert war. Und er liebt sie immer noch. Gestehen kann er ihr seine Liebe jedoch nicht.
In seiner Verzweiflung vertraut sich Karlos dem Marquis Posa an. Sein Jugendfreund und politischer Weggefährte versucht, diese Liebe für seine Zwecke auszunutzen. Mit Hilfe von Elisabeth will er Karlos für das einst gemeinsam beschworene politische Ziel gewinnen: den Freiheitskampf der Niederlande. Spätestens jetzt wird die Familientragödie auch zum Ideendrama und Politthriller.
In einer Atmosphäre der Bespitzelung und des Misstrauens vermischen sich private und politische Ziele. So kann es am Ende nur Verlierer geben. Denn alle Figuren agieren in einem System von Intrigen, das sie selbst nicht mehr durchschauen können.

