Der weisse Neger Wumbaba kehrt zurück: Zweites Handbuch des Verhörens

Verkaufsrang: 1480 (Bücher)
Autor: Axel Hacke
Gebundene Ausgabe
EAN: 9783888974670
Auflage: 3., Aufl.
ISBN: 3888974674
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Seitenzahl: 64
Erscheinungsdatum: 8. März 2007
Verlag: Kunstmann
von: Michael Sowa (Illustrator)
Preis: EUR 8,90

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Kundenrezensionen zu 'Der weisse Neger Wumbaba kehrt zurück: Zweites Handbuch des Verhörens'

sooooo lustig!! (1. September 2008)

Obwohl ich das Buch schon vor einiger Zeit gelesen hatte, habe ich mir nun noch die CD angehört -und ich habe wieder soooo gelacht!
Die "Verhörer" sind einfach köstlich - und eigentlich ist uns das doch auch Allen schon passiert, nicht nur als Kind!
Axel Hacke trägt seinen Text auch gekonnt vor (da war ich skeptisch: geht das auch vorgelesen??? JA!!! Es geht sehr sehr gut!).
Eigentlich bleibt nur noch ein Wunsch offen: MEHR DAVON!!!!

Der Weisse Jäger Dumblabla (13. März 2008)

Die Ziehlgruppe von Herrn Hacke schließt wohl eindeutig die Millionen von in Deutschland lebenden people of color aus, die über rassistische Stereotype natürlich nicht lachen können. Die einzigen, die dies können, sind diejenigen, die durch diese nicht beleidigt und herabgewürdigt werden: Weiße Menschen. Es wird Zeit, daß auch diese sich allmählich über ihre Verantwortung in einer multikulturellen Gesellschaft bewusst werden. Daß der Inhalt beider Bücher harmlos, und zugegebenermaßen stellenweise ganz lustig ist, rechtfertigt nicht den Gebrauch entmenschlichender Worte und Bilder. Die Benutzung des N-Wortes ist laut Urteil des Amtsgerichts Schwäbisch-Hall rassistisch, diejenigen, die es gebrauchen, somit Rassisten. Wer es dennoch tut, muss sich der Konsequenzen bewusst sein. Die karikierende, stereotypisierte Darstellung eines Juden, zusammen mit einem antisemitischen Schimpfwort als Titel, wäre ja wohl undenkbar. Weshalb wird Schwarzen Menschen der ihnen gebührende Respekt verweigert?
Weshalb ist ein "weißer Neger" radikal-poetisch und eine großnasige, Geldstücke zählende Gestalt schockierend? Eine Frage, die es höchste Zeit is, in Deutschland zu stellen.

Weiße Poesie, die das Denken vernebelt. Ach hättest Du geschwiegen, du schwarzer Wald.... (8. März 2008)

Das Original:
"Der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar"

Der Verhörer:
"Der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Neger Wumbaba"

Im Vorwort schreibt Hacke dazu: "Ich dachte, das sei eigentlich der bessere Text, jedenfalls der zeitgemäßere. Denn "weißer Nebel" - das war zu Claudius Zeiten reine, wunderbare Poesie, doch heute? [...] Der Weiße Neger Wumbaba aber ist eine radikal poetische, fremd-besondere und - gelassen lächelnd über jeder politischen Korrektheit stehend - im Grunde ganz unzeitgemäße Figur..."

Da drängen sich mir zwei Fragen auf:
1.) Ja was denn jetzt? Zeitgemäß oder unzeitgemäß?
2.) Und wie kann man über politischer Korrektheit stehen?

Zu 1.) Dieses Bild eines Schwarzen mit Knochen in den Haaren in Zusammenhang mit der Rassenbezeichnung "Neger" aus der Kolonialzeit ist nicht nur unzeitgemäß, sondern eine herabwürdigende Zumutung. Der Gebrauch des N-Wortes, egal in welcher Form, ist untrennbar mit Rassismus verbunden. Denn heute wissen wir, es gibt keine wissenschaftliche Grundlage für die Existenz menschlicher Rassen, die man irgendwie bezeichnen müsste. Nur noch für ein paar verschrobene oder zurückgebliebene, also ganz und gar unzeitgemäße Geister existiert diese Idee leider noch. Dass sie diese den kommenden Generationen unreflektiert aufdrängen und darauf gar eine Unterhaltungs-"Marke" aufbauen, ist sträflich.

Zu 2.) Warum stellt man eine Phantasiefigur gelassen lächelnd über politische Korrektheit? Um diejenigen, die sich um politische Korrektheit bemühen, präventiv als humorlose "Gutmenschen" diskreditieren zu können, also um sich argumentativ arrogant über sie zu erheben zu können, falls Kritik droht. Das ist schädlich für alle Bemühungen, Diskriminierungen, die aus unserer Vergangenheit stammen, aufzuarbeiten und die Gegenwart gleichberechtigt zu gestalten.

Kaum über das Vorwort hinausgestolpert, finde ich "Wumbaba" von Hacke assoziiert mit dem "Sarotti-Mohr" (Seite 21), der 2004 von Stollwerk aus Gründen der politischen Korrektheit in den modernen "Sarotti-Magier der Sinne" umbenannt wurde, obwohl der unzeitgemäße, Tablett tragende schwarze Diener seit 1918 ihr Markenzeichen war. Aber Axel Hacke ist ja in radikal poetischer Hybris, gelassen lächelnd - im Grunde ganz und gar unzeitgemäß- über Stollwerk stehend und darf das heute noch: eine Marke auf Kosten anderer Menschen Stolz und Würde aufbauen. Und er scheut sich nicht, den Applaus des fehlgeleiteten Mobs, der "RTL Exklusiv" ("Agathe Bauer"!) Bildung und unbequemen Fragen vorzieht, huldvoll entgegenzunehmen: ja Massa Hacke, geh' du voran, wir lassen uns das N-Wort doch nicht nehmen!

Schade um die an sich posive Reputation von Axel Hacke und Michael Sowa.
Und schade um die übrigen lustigen Verhörer und den eigentlich harmlosen Inhalt des Buches.

Absolut wunderbar! (6. März 2008)

Eine gelungene Fortsetzung.... wieder sind auch einige meiner eigenen "Verhörer" dabei, man fühlt sich verstanden und gut aufgehoben. Zum Glück geht es anderen eben genauso! Auch meine Tochter findet die Lektüre Klasse - und zu Familienfeiern wird gerne daraus vorgelesen (wenn man vor Lachen dazu kommt!).

Paint it white! Eine Rechtfertigung. (26. Februar 2008)

Dies ist der zweite Band einer Sammlung von relativ lustigen Verhörern, zusammengetragen von Axel Hacke. Wieder wurde der "weiße Neger Wumbaba", eigentlich "der weiße Nebel wunderbar" aus dem Lied "der Mond ist aufgegangen", ausgewählt, um der Sammlung einen Titel zu geben, obwohl Wumbaba in diesem Buch gar nicht mehr vorkommt. Wieder gibt Illustrator Michael Sowa diesem Verhörer eine Gestalt: so stellt sich offensichtlich der Durchschnittsdeutsche einen "Neger" vor, barfuß mit Baströckchen, Knochen im Haar und wulstigen Lippen, freundlich aber ein wenig dümmlich blickend.

Nach Erscheinen des ersten Bandes gab es Proteste, weil sich sowohl Schwarze als auch Weiße Menschen durch diesen Titel und diese Darstellung unangenehm berührt und beleidigt fühlten. Trotzdem erschien nun dieser zweite Band. Daher erscheint das Vorwort darin wie eine einzige Rechtfertigung:

Wumbaba wird als radikal poetische, fremd besondere und - gelassen über jeder politischen Korrektheit stehend - im Grunde ganz unzeitgemäße Figur im Sinne von Morgenstern und Ringelnatz bezeichnet. Viele literarisch wertvolle Vokabeln, um das durchaus vorhandene Schuldbewusstsein dafür, dass die Figur politisch eben nicht korrekt ist, zu verschleiern.

Axel Hacke zitiert anschließend eine Geschichte aus Heinrich Heines Geständnissen, in der ein König der Aschanti sich malen lässt und verlangt, dass man ihn weißer darstelle als er ist. Soviel zur Nähe der Geschichte zum "weißen Wumbaba". Hacke übernimmt dann die Meinung Heines, jeder sei ein solcher "Negerkönig" und möchte "dem Publikum in einer anderen Farbe erscheinen, als die ist, womit uns die Fatalität angestrichen hat". "So ist es. Wumbaba - das sind wir alle." Schreibt Hacke.
Noch mehr Literatur muss herhalten, um sich herauszuwinden und zu versuchen, sich mit den Betroffenen zu verbrüdern: schlichtere (weiße) Geister versuchen regelmässig, ihr Leid, als Brillenschlange oder Rothaarige(r) in der Schule gehänselt worden zu sein, mit dem kollektiven Trauma eines ganzen Kontinents zu vergleichen, dessen Einwohner man als minderwertige Rasse, nämlich (pseudowissenschaftlich) als "Neger" klassifiziert und entsprechend behandelt hat.

Wir müssen in Deutschland einen vergessenen oder verdrängten Teil der Geschichte aufarbeiten: unseren Anteil an der Kolonialisierung, den Sklavenhandel und das Verhältnis des Dritten Reichs zu Schwarzen Menschen. Sonst können wir die Verletzung, die ein Betroffener empfindet, wenn er Wumbaba sieht, nicht verstehen. Wir müssen lernen, dass es egal ist, in welchem Zusammenhang das N-Wort verwendet wird, ob in der direkten Anrede oder als unpersönliche Karikatur - es lässt Betroffene zusammenzucken.

Aber weiter im Text: Axel Hacke zitiert im Vorwort, wie der wirkliche Titel des ersten Bandes missverstanden wurde, Verhörer im Sinne der Sammlung also, die als lustig beschrieben werden: von "Das weiß der N. Wumbaba" bis hin zu "Der weiße Nigger". Das erste Buch habe einen Virus freigesetzt. Das Wumbaba-Virus.
Umgangssprachlich wird der zweite Band der Sammlung inzwischen flapsig "der zweite Neger" genannt.
Die schlimmsten Befürchtungen bei Erscheinen des ersten Bandes sind also eingetreten: das Unwort "Neger" und schlimmeres wurde wieder in aller Munde gebracht. Wie ein Virus, in der Tat, ob radikal poetisch oder flapsig umgangssprachlich, belegt und dokumentiert von Axel Hacke selbst.

Dieses Buch und sein Vorwort sind typisch für uns alle in Deutschland. Schwarze Menschen sind in unserem Alltag eher die Ausnahme und nicht die Regel, wie zum Beispiel in den USA. Wir haben noch nicht die entsprechende Sensibilität und Selbstverständlichkeit im Umgang miteinander. Und so passiert uns allen, auch unseren brillantesten Schriftstellern, dass wir in Fettnäpfchen treten. Es wäre schön, wenn wir alle dies an uns heranlassen würden. Ich hätte mir gewünscht, dass Axel Hacke, der als öffentliche Person eine Vorbildfunktion hat, sich einfach entschuldigt und nicht zwei Seiten des Vorworts zum zweiten Band für eine fragwürdige Rechtfertigung seines Fauxpas' verwendet hätte.

Der Rest des Buches ist, wie auch schon der erste Band, eine Sammlung lustiger Verhörer, die einen Nachmittag Belustigung schenkt. Leichte, amüsante Lektüre.

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