Amazon.de Audiobook-Rezension
Schmählich wurde er vertrieben vom Thron des bayrischen Ministerpräsidenten -- ausgerechnet von jenen, die sich Parteifreunde und Unterstützer nennen. Hohe Zeit also, diesen Mann entsprechend zu würdigen, der das Ansehen des Freistaates heutzutage prägt wie sonst vielleicht nur noch Franz Beckenbauer, diese andere Lichtgestalt der Rhetorik. Mit Große Momente, große Reden, große Freude betitelt Autor Jürgen Roth, der sich schon als Stoiber-Biograph auszeichnete, seine Hommage. Und die Freude ist auch beim Hören tatsächlich groß, wie auch die Gefahr, Tränen zu lachen bei den rhetorischen Kapriolen des Edmund Stoiber, die hier zahlreich im Originalton zu bestaunen sind. Von seiner schon legendären Flughafen-Transrapid-Rede über Stoibersche Wortschöpfungen wie "Kompetenzkompetenz" oder "regellose Regelung" bis hin zu seinem schon arg erbarmungswürdigen Kampf mit der lodernden Glut: "Es muss zu schaffen sein, meine Damen und! Herren, wenn ich die CDU ansehe... dann bedarf es nur noch eines kleinen Sprühens, sozusagen, in die gludernde Lot, in die gludernde Flut, dass wir das schaffen können, und deswegen... in die lodernde Flut, wenn ich des sagen darf..."Angesichts des Lebenswerkes dieses großen Mannes aus Oberaudorf, der einst als Generalsekretär und "blondes Fallbeil" noch die Drecksarbeit für Franz Josef Strauß machen und beispielsweise vor einer "durchmischten und durchrassten" Gesellschaft warnen musste, hat sich natürlich auch jede Satire, die sich mit ihm beschäftigt, aufzuschwingen und zu großer Form aufzulaufen. Und das gelingt Jürgen Roth mit einem großartigen Text, der etwa den Sturz Stoibers als hinterfotziges Drama shakespeareschen Ausmaßes stilisiert. Wenn man dieses Hörbuch uneingeschränkt und wärmstens empfehlen muss (nach dem Stoiberschen Bonmot "Ich mache nicht nur leere Versprechungen, ich halte mich auch daran."), dann liegt das natürlich auch an der Biermösl Blosn, die ein paar saulustige Stoiber-Gstanzl und -Lieder beigesteuert hat, und nicht zuletzt am kongenialen Sprecher Gert Heidenreich, der das Ganze mit der nötigen Würde und Feingeistigkeit zu Gehör bringt. Und am Ende von Stoibers Vermächtnis gibt es deshalb keinen Zweifel, dass ein anderer großer Fan Stoibers, nämlich Uli Hoeness, mit seiner Einschätzung -- in einem schon fast Stoiberschen Stil -- Recht hat: "Bush hat eine viel schlechtere Karriere hingelegt, als Edmund Stoiber es je gemacht hat." --Christian Stahl
Spieldauer: ca. 79 Minuten, Hör-Feature, 1 CD
Kundenrezensionen zu 'Stoibers Vermächtnis. Große Momente, große Reden, große Freude'
Stoiber Pur ???? (19. Mai 2008)
Sollten Sie hier nicht erwarten.Es werden "Zipfel" seiner Reden mit, teilweise langatmigen "Stories" verwoben die es manchmal schwer machen, nicht durch die CD zu zappen. Aber sonst wäre die CD wohl auch zu kurz geraten. Denn !!!! Auch ein Edmund Stoiber kann nicht mit Wort"akrobatik" im Minutentakt aufwarten.
Alles in Allem also 4 Sterne weils ordentlich produziert ist.
Fludernd glühende Satire (28. März 2008)
Wem kommt beim Anblick dieser CD nicht als erstes die Lübke-LP von "pardon" in den Sinn?! Und zweifellos liegt angehörs (frei)staatsrednerischer Dampfwalzen die Idee nahe, auch aus Stoibers gesammeltem "Äh"-Beiwerk eine CD zusammenzustellen. Die gottlob nun obsoleten "Zehn Minuten" ("Sie steigen in den Hauptbahnhof ein..."), den Problembär, die hingerichtete Blume, die nicht-rote Mitte und die fludernde Glut, die dümmsten melkerwählenden Kälber, Stoibers theoretischen Humor und "die anderen Brasilianer"... -- sie und noch viele weitere Meilensteine politischer Rednerkunst hört man immer wieder gern, auch wenn man ihren Urheber wirklich nur deswegen in der Öffentlichkeit vermisst.Dennoch war es eine gute Idee, aus Stoibers oratorischen Gesamtkunstwerken ein kongeniales Hörspiel zu machen -- und das nicht nur deswegen, weil man sich "zehn Minuten", Problembär und Co. sowieso längst aus dem Internet heruntergeladen hat. Außerdem kann jeder zusammenkopieren, aber um aus dem Problemredner ein satirisches Gesamtkunstwerk zu machen, unter Verwendung aller Wolfratshausener Klassiker, dazu braucht's die Spezialisten für rhetorische Leichenschau: Die Biermösl Blosn samt Gerhard Polt, Jörg Hube und Gert Heidenreich.
Zugrunde liegt dem Ganzen die Erkenntnis, dass Stoibers Reden ihn nicht nur als unfreiwilligen Dadaisten entlarven: Seine sinnfreie Sprache ("Schmelztiegel der Formen und Fügungen") zeigt Stoibers Rhetorik als angewandte Sprachphilosophie, als Walkürenritt quer durch die Philosophie Adornos und Wittgensteins, als namensinitialienbegründete Freud'sche Psychoanalyse, als Kleists die in die Praxis umgesetzten Essay "über die allmähliche Verfertigung des Gedankens beim Reden". Und freilich wird der auch an allzu passender Stelle zitiert.
Hier lernt man die Abgründe und Abstürze Stoiber'scher Redekunst kennen. Jürgen Roth hat, soweit das überhaupt möglich ist, Stoibers große Momente und Reden thematisch sortiert, und heraus kam eine hinterfotzige Satire im Stil der Dokumentarsendungen. Dementsprechend führt ein unerschütterlicher Gert Heidenreich durch die Facetten von Stoibers Rhetorenleben, herzhaft gewürzt mit viel ungekürztem O-Ton. Dazwischen kommentiert Jörg Hube und zeigt nie gekannte philosophische und politologische Zusammenhänge auf, und wem Polts querulante Zwischenrufe und Keckereien übertrieben vorkommen, der hat offensichtlich nie volkskundliche Studien anhand von Fernsehberichten über CSU-Parteitage getrieben. Nicht zu vergessen die musikalischen Dreingaben der Biermösl Blosn, denen in ihren kommentierenden Moritaten aber auch nix heilig ist -- passend zum Thema beginnt die CD mit einem Walkürenritt, von der Tuba geblasen, und wenn Stoibers revolutionäre Grundsätze durch die "Internationale" nach Art der Biermösl Blosn untermalt werden, oder wenn eine Tuba-Improvisation über Markus Söders bajuwarischen Passgang zu hören ist, dann fällt man schier vom Stuhl vor Lachen. Und sonst auch...
Aber "Stoibers Vermächtnis" ist nicht nur saukomisch geraten, sondern auch decouvrierend: Dass er täglich eine Blume hinrichtet, ist einfach "nur" komisch. Aber wenn "das blonde Fallbeil" (Dieter Hildebrandt) in seinem Nahkampf gegen die deutschen Sprache allzu oft offenbart, wes Geistes Kind er ist, dann oszilliert diese CD zwischen schrillster Komik und blankem Entsetzen; Stoibers Frage "Warum wählen wir denn eigentlich?" war nämlich nicht rhetorisch gemeint... Dass Passagen dieser Art leider oft im Gelächter untergehen dürften, ist aber nicht die Schuld der Produzenten und Sprecher.
Wer auf dieser CD jetzt schnell die Büchmann-Kandidaten aus Stoibers rhetorischem Gesamtwerk sucht -- hier findet er sie: Die "Zehn Minuten" und die "fludernde Glut" sind in Track 2 ("Der Philosoph") versteckt, Becksteins "dicke Akte"-Zitat, den theoretischen Humor und die hingerichtete Blume findet man in Track 3 ("Der Frauenfreund und Familienpater"). Der Problembär lauert im 4. Thema "Das Bier und die Heimat", Stoibers Kampfansage an regellose Regelung und sein Brasilianer-befeuerter Enthusiasmus fallen in Rubrik (6) "Der Ausländer", und dass Franz Josef Strauß "durch den Tod aus dem Leben des Ministerpräsidenten gerissen worden" ist, erfahren wir im abschließenden "Vermächtnis".
Allerdings sollte man nicht ungeduldig nach dem bereits Bekannten stöbern und den Rest vernachlässigen -- "Stoibers Vermächtnis" ist schließlich ganz einfach eine Sternstunde der perfiden Satire, und zwar auch noch beim x+1. Anhören.
Politisch / unpolitisch / bayerisch / unbayerisch / total egal - ANHÖREN! (24. März 2008)
Ein lustiges Hörbuch!! Wer hätte das gedacht! Ich als zwar politisch, aber ABSOLUTE Non-Christ-Sozial-Demokratin (kurz - nicht CSU}lerin)war schon erstmal skeptisch!!! Gerade den Schock der Bekanntgabe von Stoibers Nachfolger überwunden, soll ich mir nun ein Hörbuch über den anhören, der uns Bayern im Rest des Landes immer zum Gespöt gemacht hat? Aber genau, dies war es dann auch, was das Hörbuch so lustig und sympathisch gemacht hat. Ein toller Sprecher, der durch seine lustigen Komentare, die des Alt-Landesvaters, unterstützt. Ein gut auf den Punkt gebrachter Rückblick auf Stoibers Geschichte und was er so alles war. Dann natürlich seine grandiosen Reden und Versprecher, über die ich immer wieder herzensfroh lachen kann. ... alles hörenswert! Und hinzu kommt, nach dem Hörbuch, mochte ich ihn doch tatsächlich ein wenig lieber als vorher. Denn irgendwie, kam mir der gute Hr. Stoiber, nach dem Hörbuch das erste mal tatsächlich "menschlich" vor!Mein Resümee: Unbedingt anhören! Auch als NICHT - CSU`ler, nicht - Bayer, und nicht Stoiber - Fan! :-)
Am Anfang war das Wort ... und am Ende die Verschwendung unserer Steuergelder (8. Februar 2008)
-"O ihr armen Schelme in den großen Städten der Weltpolitik, ihr jungen begabten, vom Ehrgeize gemarterten Männer, welche es für ihre Pflicht halten, zu allen Begebenheiten - es begibt sich immer etwas - ihr Wort zu sagen! Welche, wenn sie auf diese Art Staub und Lärm machen, glauben der Wagen der Geschichte zu sein! Welche, weil sie immer horchen, immer auf den Augenblick passen, wo sie ihr Wort hineinwerfen können, jede echte Produktivität verlieren!"1)
Wie man unschwer erkennen kann, wusste bereits Nietzsche, dass es einen Stoiber geben wird. Stoiber: Der Name spricht für Kompetenz-Kompetenz der Kompetenz-Kompetenzen schlechthin! Welch ernstzunehmender Mann von Welt und Ehre erlangte in so kurzer Zeit solch rhetorischen Ruhm?
Karin's Edelmann führt nicht nur die stillen Zuhörer des Senats durch das innen- und außenpolitische Geschehen, nein, er postuliert auch sehr evident seine Freizeitaktivitäten oder beschreibt, wie seine Karin es mit dem Gärtner macht (also die Blumen hinrichten).
Ein Hörbuch mit viel Hum-ta-ta-Gejodel, gepaart mit Stoiber's äußerst individueller Sprachgewandtheit, das (ääh, im Gegensatz dazu) von Roth und Well ganz subtil mit niveau- und gehaltvollen Assoziationen ("Am Anfang war das Wort ...") gespickt und dank Heidenreich's äußerst sympathischer, manchmal ein wenig pathetischer Phonetik zu >einem Maß< der Dinge gemacht wird. (Prosit an die Herren Roth, Well und Heidenreich!)
Wer sich lange nicht fremdgeschämt hat und relativ schmerzfrei ist, was die Verschwendung unserer Steuergelder angeht (wir zahlen schließlich immer noch Stoiber's Auskommen), sollte sich dieses Meisterwerk der Moderne nicht entgehen lassen, führt es doch gleichzeitig das, was Stoiber sagt, mit dem, was er eventuell gemeint haben könnte, konsequent ad absurdum, und lässt die Bedeutung des Wortes 'Rhetorik' - m. E. Rede-KUNST - in völlig neuem Licht erstrahlen!
Meine Quintessenz: 3 Sterne, weil es zum Lachen und gleichzeitig zum Heulen ist! Und weil man vieles davon schon kennst, es aber hier so umwerfend von Roth/Well/Heidenreich eingebunden wurde. Einmal hören reicht, weil man sonst wirklich anfängt den Steuergeldern hinterher zu trauern ...
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1) Von Gut und Böse - Das Positive und Aufbauende aus Nietzsches Ethik, S. 19;
Nietzsche, Friedrich; Sammlung Klosterberg; Verlag Benno Schwabe & Co. 1942
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Dümmliche Rhetorik der Produzenten (28. Dezember 2007)
Ok, nur kurz meine bescheidene Meinung dazu:Erbärmlich wozu sich hier wieder einige Meinungsmacher herablassen. Es wird EXTREM auf den Reden von Edmund Stoiber herumgeritten, das aber auf Kneipenniveau.
Der Sprecher führt von einem Thema zum nächsten, tut seine Meinung kund und unterlegt diese mit Auszugsfetzen diverser Reden des Edmund Stoiber. Ich will zwei Beispiele anführen:
Bei einer Rede zum politischen Aschermittwoch grüßt Stoiber alle angereisten und bedankt sich bei ihnen. Besonderen Dank spricht er denen aus, die angereist sind, jedoch nicht mehr in die Halle kamen.
Der Sprecher interpretiert es so, das er dankbar für jeden ist, der draußen geblieben ist. Ich habe die CD mit meiner Freundin gehört und sie danach gefragt wie sie es interpretiert. Durch die Einleitung des Sprechers und dessen Kommentar danach war bei Ihr die Überzeugung gekommen, das Stäuber selber sich dafür bedankt hat, das so viele draußen geblieben sind. Für mich ein echtes Indiz rhetorischer Manipulation.
Dann spricht der Sprecher über Stoibers Sinn für die Familie, seinem Verhältnis zu seiner Frau und blendet das Zitat ... die hat doch nicht mehr alle Nadeln am grünen Baum..." ein. Es ist KEIN Bezug zu einer Person, zu einem Thema oder sonstiges zu erkennen... einfach nur dieses Zitat.
Mal Ehrlich, was soll das? Man muss Stoiber nicht lieben oder wertschätzen um seine Arbeit zu respektieren, oder?





