Aus der Amazon.de-Redaktion
Den Selbstgerechten ordentlich auf den Schlips treten. Kaum einer kann das hierzulande derzeit besser als Georg Schramm. Wie auf der Bühne, so beweisen seine geschliffenen Pointen in seinem ersten Buch, dass politisches Kabarett der alten Prägung auch heute ein breites Publikum finden kann. In der vorliegenden, kommentierten Best-of-Sammlung deuten drei seiner Figuren die Geschichte jeweils in ihrem Sinn: der Rentner Dombrowski, Oberstleutnant Sanftleben und das sozialdemokratische Urgestein August, die Kabarett-Fans ja bereits von der Bühne kennen.Schramm ist ein Unikum. Als in den späten Sechzigerjahren andere auf die Straße gingen, ging er zur Bundeswehr, arbeitete dann lange als Psychologe. Heute begegnet uns der spät berufene Kabarettist vordergründig als jemand, der mächtig unter Dampf steht, hintergründig als belesener Aufklärer der alten Schule, der von unseren Politikern nicht einfache Wahrheiten, aber ehrliche Wahrhaftigkeit einfordert. Sein Antrieb scheint dabei die schiere Verzweiflung über die abgrundtiefe Gedankenlosigkeit vieler Zeitgenossen zu sein.
Besonders nahe steht Schramm sicher seiner eigenwilligsten Figur: Lothar Dombrowski. Dessen Strafpredigten führen von der Paulskirche 1848 über die Ostermärsche der Achtzigerjahre bis in die Altenheime heutzutage. Häufig begegnet uns der renitente Rentner als zorniger alter Mann. Dann wissen Kabarett-Besucher bzw. Leser bisweilen nicht, wo der Spaß wirklich aufhört. Der Witz dabei ist, dass traurige Wahrheiten oft so verdichtet werden, bis sie komisch zu wirken beginnen.
Sich selbst beschreibt Dombrowski als protestantischen Atheisten mit preußischer Seele, der wie der alte Fritz einen Rationalstaat anstrebe anstelle eines Nationalstaats. Und Lothar lebt, denn es steht geschrieben: „Ich habe all die Jahre Georg Schramm als Pseudonym benutzt. Im realen Leben gibt es nur mich, Lothar Dombrowski.“ Na, wenn das so ist, dann wünschen wir dem streitbaren Rentner noch viel Schaffenskraft. Denn kritische Geister wie ihn hat unser Land bitter nötig. -- Herwig Slezak
Kundenrezensionen zu 'Lassen Sie es mich so sagen: Dombrowski deutet die Zeichen der Zeit'
Fürchterlichster Oberlehrerhumor (7. Juni 2008)
Humor ist schon ein Euphemismus. Hier glaubt einer witzig zu sein und doch sind die Texte nichts weiter als ein oberlehrerhaftes Geschwätz eines linken Spießers, der natürlich alles besser weiss und doch nicht besser kann. Bei einem Parteitag der "Die Linken" - bestehend aus Ex-SEDlern und Alt-BRD-Kommunisten wird er sicher ein dankbares Publikum finden. Quasi "Der Schwarze Kanal" auf möchtegernwitzig gemacht.Revolution 1848 (7. Juni 2008)
Mit Schramm ließe sich eine Revolution anzetteln. Ich bewundere Georg Schramm. Deshalb will ichs kurz machen: Die Sendung "Neues aus der Anstalt" und dieses Buch, stehen sich in nichts nach. Sendung und Buch, sind für mich untrennbar, die besten, bissigsten und zugleich realpolitisch durchdachtesten Politshows, die ich in meinem "Fernseh- und Leseleben" je gelesen, gesehen und gehört habe. Da sollten den angesprochenen Figuren, das schlechte Gewissen, die Schädel sprengen. Aber eine Neuauflage von 1848 - leider... Nun gut, so lange es solche genialen Geister wie Schramm gibt, so lange bleibt die Hoffnung, wir Deutschen bleiben nicht ewig so brav in der Anstalt Deutschland -vor allem nicht so unzurechnungsfähig. Unbedingt kaufen und lesen, lesen, lesen.
Peter A. Bruns
Zutreffend und einfach! (29. Mai 2008)
Ich möchte keine großen Reden schwingen über den Inhalt des Buches. Schließlich will ich nichts von diesem Lesegenuss vorwegnehmen. Mir fällt nur auf, dass Viele Vorredner noch nicht erwähnt haben, dass das Buch nicht nur äußerst zutreffend und zynisch geschrieben ist, sondern vor allem auch einfach und verständlich ist! So wird es auch dem Politkabaretmuffel nicht schwer fallen, die dargelegten Sachverhalte zu verstehen und amüsant zu finden! Georg Schramm schreibt einfühlsam, mal arogant, mal dem Leser ganz nahe. Ein wahres Wechselbad der Gefühle, oft weiß man nicht was eher zu tun ist: Lachen oder Weinen?Diese Sammlung seiner besten Darbietungen und weiterer neu verfasster Schriften über politische Themen der Gegenwart ist jedem Politinteressierten mehr als nur zu empfehlen - Es ist beinahe ein Muss. Nein! Es IST ein Muss!
Einfach großartig !!! (4. März 2008)
Wem Georg Schramm ein Begriff ist, weiß was er zu erwarten hat und wird in keinsterweise enttäuscht werden. Allen Anderen, die Spaß am Lesen und ein gewisses Interesse am öffentlichen und politischen Geschehen haben kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen.Den Kauf bereuen wird wohl keiner.
Ein Werk eines Ausnahmekabarettisten (27. Dezember 2007)
Einer der ganz großen sei er, schreibt die Kritik. Und auf dieser Skala steht ein Kabarettist umso höher, je schonungsloser und beißlustiger er seine Opfer auseinandernimmt.Unrecht hat sie dabei nicht. Doch man würde Schramm wünschen, dass er nicht nur gelesen, sondern auch verstanden würde. Ironisches Schicksal eines Kabarettisten: Narrenfreiheit zu haben, aber nach der Vorstellung alles beim Alten zu sehen.
Die Verbitterung darüber durchzieht das gesamte Buch. Der Veteran Dombrowski hat das Wort. Schramm sei nur ein Pseudonym, dessen er sich bedient habe, um im bürgerlichen Leben Fuß zu fassen. Solchermaßen mit seinem geistigen Vater identifiziert, nimmt er die Gesellschaft in voller Breite unter Beschuss: die Politik sowieso, das Parteienspektrum von links bis rechts, die Kirche, gutbetuchte Wohltäter, junge Mütter, Rentner, Ärzte, Arbeiter, das Wahlvolk (obwohl, ganz so sicher ist er sich da nicht), selbstsüchtige Leistungsträger, verfettende Kinder, Sportler, Medienproduzenten und ihre verblödenden Konsumenten. Irgendwann sollte jedem Leser, jedem Kabarettbesucher das Lachen im Halse stecken bleiben bei der Erkenntnis, dass er selbst im Visier ist. Wie kein zweiter schilt Dombrowski sein Publikum:
"Merken Sie, wie lustig Sie das alles finden? Diese inadäquate Haltung kann man Ihnen hier gar nicht nehmen. [...] Im Einzelgespräch könnten wir beide uns grundsätzlich über die Erbärmlichkeit Ihrer menschlichen Existenz verständigen, aber kaum tauchen Sie in der Masse unter, sind Sie gut drauf, und die Erkenntnis verblasst."
Dabei kann man Dombrowski gar nicht vorwerfen, dass er nicht auch ein konstruktives Leitbild hätte, Werte und Ideale. Die liegen in Kantscher Vernunft, in preußischen Tugenden der Sittsamkeit, Bescheidenheit, Transparenz und Wahrhaftigkeit. Doch die Auseinandersetzung mit ihnen verbleibt merkwürdig kurz, Gedanken zu ihrer Implementierung in die Welt von heute sucht man vergebens. Wie auch seine Versuche der Agitation, des Unruhestiftens, des Aufwiegelns von Rentnern eher dem Drang nach Befriedung eines unruhigen Gewissens zu entspringen scheinen als als einer Strategie.
Fünf Sterne müsste man diesem Buch allein schon deshalb geben, weil seine Lektüre jedem dringend ans Herz zu legen ist, der sich nicht zu den vielleicht 1000 Menschen in Deutschland zählen kann, die noch hellsichtiger sind als sein Autor. Der Leser bekommt eine eindringliche Auseinandersetzung damit, wie sehr die Verwirklichung alternativer Gesellschaftsentwürfe am Mit-Denken und Mit-Machen wenigstens einer kritischen Masse hängt -- und genau deshalb auch scheitert. Vielleicht ist es manchem ein Anstoß, sich von kulturellen Gegebenheiten zu befreien und sich mit mehr Mut einzumischen, ja: querzulegen. Doch gerade einer wie Schramm sollte doch wissen, dass historische Revolutionen kaum je von Rentnern ausgegangen sind. Und sein schlussendliches Minimalziel, wenigstens quitt mit der Gesellschaft aus dem Leben zu scheiden, hinterlässt dann doch ein Gefühl der Leere -- schade, wieder nichts.
Man könnte rechtfertigen: Ein Kabarettist darf alles, er muss doch nicht konstruktiv sein. Jedem anderen würde ich das durchgehen lassen. Einem großen Kabarettisten nicht.




