Aus der Amazon.de-Redaktion
Der Mensch sucht in der Religion Gewissheit über das Jenseits und das dort zu erlangende Seelenheil. Im Diesseits aber werden im Namen der Religion seit Urzeiten Kriege geführt und schwerste Verwüstungen angerichtet. Und deshalb wird auch literarisch mit großem Eifer über das Wohl und das Wehe gestritten, das Religion zu stiften oder anzurichten vermag. Christopher Hitchens gehört dabei zur Fraktion derer, die keine Zweifel daran haben, dass Religion in jeder Form ganz generell „die Welt vergiftet“ und wir besser dran wären, wenn wir sie deshalb endlich überwänden.Wie Richard Dawkins mit seinem Manifest wider den von ihm diagnostizierten Gotteswahn streitet Hitchens für seine streng atheistische Position allerdings mit einem Eifer, der jenem religiöser Fanatiker kaum nachsteht. Unbehagen bereitet dabei die absolute Gewissheit, mit der er die angeblich zweifelsfreie Überlegenheit des Atheismus über die Religion verkündet, die er als „Erbsünde“ und „Kindesmisshandlung“ verteufelt. Auch hinsichtlich der mit Verve verfochtenen Überzeugung, Religion und das ihr in jeder Hinsicht überlegene wissenschaftliche Denken seien grundsätzlich miteinander unvereinbar, sind gewisse Zweifel angebracht. Wie ein Blick in die Wissenschaftsgeschichte lehrt, in der sich zahllose Beispiele für gläubige Forscher finden, die gleichwohl Bahnbrechendes zum Fortschritt der Wissenschaft beigetragen haben -- und damit letzten Endes auch zur Revision manches religiösen Dogmas. Von den Zeugnissen der Musik, bildenden Kunst und Literatur ganz zu schweigen, die Hitchens als Quelle geistiger Erbauung empfiehlt, weil deren Schöpfer angeblich ganz ohne Religion ausgekommen seien...
Lesenswert ist Der Herr ist kein Hirte trotz dieser und mancher weiterer Fehlschlüsse gleichwohl, weil es zum Widerspruch und einer eigenen geistigen Auseinandersetzung mit dem vielschichtigen Phänomenen menschlicher Religiosität herausfordert. Und das ist immerhin mehr als man von manchem der religiösen Erweckungsbücher sagen kann, die in letzter Zeit so zahlreich vorgelegt worden sind! -- Andreas Vierecke
Kundenrezensionen zu 'Der Herr ist kein Hirte: Wie Religion die Welt vergiftet'
Unglaublich gutes Buch (20. August 2008)
Christopher Hitchens hat meiner Meinung nach ein aussergewöhnlich mutiges Buch geschrieben in dem er den Religionsvertretern gehörig auf die Füße tritt. In unserer sogenannten "christlich abendländlichen Kultur" ist die Religionslosigkeit auf vollem Vormarsch. Ich glaube, das ist einem Großteil unserer deutschen Bevölkerung noch überhaupt nicht klar. Wir tun nur noch so, als wären wir "Christen". Wir pflegen unsere Rituale (Weihnachtsbaum, Ostereier und Pfingsturlaub), aber eine große Anzahl der Unter-30-Jährigen weiß kaum noch einen Propheten der Bibel zu benennen. Auf die Frage, was an Weihnachten gefeiert wird, kommt die Antwort: Die Himmelfahrt Jesus????- Nein, hier sollte sich wirklich niemand mehr aufregen über dieses Buch. Die Gottlosigkeit in unserer Gesellschaft ist bereits vollzogen. Da sollte man sich auch nicht von irgendwelchen katholischen Weltjugendtagen täuschen lassen. Das ist nur noch eine verschwindend geringe Anzahl von Jugendlichen. Trotzdem stößt die Tatsache, dass es Menschen wie Hitchens (und Dawkins) gibt, die Relgion für überflüssig und gar schädlich halten, auf vehementen Widerstand. Woran liegt das? Ich denke, wir haben schlicht alle Angst davor, falsch zu liegen. Wir wollen uns unsere schönen Rituale erhalten. Die Religion bietet zudem einen praktischen Ausweg für all unsere Probleme. Wir können uns einbilden, es gäbe eine "himmlische Gerechtigkeit", d.h. die Bösen werden bestraft und die Guten kommen ins Paradies. Toll, da haben wir doch den Grund warum wir im Herzen alle daran festhalten wollen. Gäbe es diese Zuflucht nicht mehr, würden wir ins Bodenlose stürzen. Warum lebt Paris Hilton in Saus und Braus und eine alleinerziehende Mutter muss mit 500 Euro im Monat überleben? Solange ich an Gott glaube, kann ich davon ausgehen, dass er Miss Hilton irgendwann gehörig den Kopf wäscht für ihr "unmoralisches" Leben und die schwer schuftende Mama wird belohnt! Wer glaubt so einen Blödsinn????? Wenn ich einen Pfarrer dies fragen würde, käme mit Sicherheit die Antwort, dass Gott oft "unerklärliche Wege geht"! OK, mir reicht das nicht. Ich selbst habe mich von Religion verabschiedet und zwar aus mehreren Gründen: 1) schon als Kind fand ich Relgion lästig und daran geglaubt habe ich trotz katholischer Klostererziehung NIE 2) wenn es Gott wirklich gäbe, dann gäbe es keine 5 Weltrelgionen (von den unzähligen anderen rede ich gar nicht) mit völlig konträren Ansichten - nein ein so toller Gott hätte dies schon längst beendet ( Du sollst keine fremden Götter neben mir haben ). Relgion ist ein Relikt, was die Menschheit seit tausenden von Jahren mit sich zieht, von Generation zu Generation verfeinert und weitergibt und je nach dem auf welchem Teil dieses Planeten ich geboren wurde, mir meine Lebensweise vorschreibt. Ich bin glückliche Atheistin und fühle mich sichtlich befreit, seitdem ich mir selbst nichts mehr vorlügen muss. Nur die Entscheidung, ob ich ohne Relgion leben möchte, sollte jeder Mensch für sich selbst stellen und die christlichen Kirchenvertreter sollten endlich auch mal die Wahrheit sagen. Nur Phanatsiegeschichten (ich vermeide das Wort "Lüge"), die man 2000 Jahre aufgebaut und "theologisch wissenschaftlich" gepflegt hat, können durch ein paar kritische Autoren leider nicht wegradiert werden.Abschied von der Religion (29. Juni 2008)
Die mildeste Kritik an der Religion ist mithin die radikalste und vernichtendste. Religion ist von Menschen gemacht. Nicht einmal die Menschen, die sie geschaffen haben, sind sich einig, was ihre Propheten, Erlöser oder Gurus nun tatsächlich gesagt oder getan haben. Und erst recht wird es ihnen nicht gelingen, uns den "Sinn" späterer Entdeckungen und Entwicklungen zu erklären, die ihre Religionen zunächst behindert oder verleugnet haben. Trotzdem beharren die Gläubigen noch immer auf ihrem Wissen! Ja, sie bestehen darauf, über ein allumfassendes Wissen zu verfügen. Sie wollen nicht nur wissen, dass Gott existiert und dass er den ganzen Laden schuf und beaufsichtigte, sondern auch, was "er" von uns verlangt - von der Ernährung über religiöse Riten bis hin zur Sexualmoral. Anders ausgedrückt: Im Rahmen eines enormen und komplizierten Diskurses, in dem wir immer mehr über immer weniger wissen, der uns jedoch die eine oder andere erhellende Erkenntnis verspricht, will uns eine Gruppe - die ihrerseits aus widerstreitenden Gruppen besteht - in ihrer schieren Arroganz weismachen, dass sie bereits über alle wichtigen und nötigen Informationen verfügt. Diese Dummheit, gekoppelt mit solcher Überheblichkeit, sollte für sich schon ausreichen, den "Glauben" aus der Debatte auszuschließen. Wer schon alles weiß und für seine Gewissheit göttliche Rechtfertigung in Anspruch nimmt, hat seinen Platz in den Anfängen unserer Spezies. Es mag ein langer Abschied werden, doch er hat schon begonnen und sollte wie jeder Abschied nicht unnötig in die Länge gezogen werden. (Christopher Hitchens, God Is Not Great - How Religion Poisons Everything)Gut, beinahe brilliant (6. Mai 2008)
Als überzeugter Atheist habe ich das Buch mit Begeisterung gelesen, es kommt aber stellenweise auf eine etwas plumpe Art polemisch daher (vielleicht auch eine Frage der Übersetzung), zeitweise ist es auch ein wenig langatmig. Dennoch ein gutes Buch, aber halt kein Deschner, wenngleich sich dieser nur auf das Christentum beschränkt.Bewundernswert ist das überaus profunde Wissen von Hitchens und der Mut,
in Zeiten eines wieder gegen jede Vernunft erstarkenden religiösen Fundamentalismus - nicht nur, aber besonders in den Vereinigten Staaten - diese Diskussion lautstark und in der Öffentlichkeit zu führen.
Der Zeitpunkt dafür ist richtiger denn je: Die Errungenschaften der Aufklärung sind geschichtlich betrachtet noch frisch, der Einfluss der Kirchen schwindend (zumindest hierzulande) und so stehen die Zeichen gut für seriöse Kritiker. Mögen sie Gehör finden, bevor die Fanatiker wieder Oberhand gewinnen.
Die intoleranten Religionen (30. April 2008)
Wenn sich Rationalismus und "Glaube" gegenüberstehen wird es heiß, sehr heiß! Ich meine, man sollte jeden seinen Glauben lassen, trotz des Offenkundigen, nämlich der Schreckensgeschichte der Religionen, besonders der monotheistischen. Religion sollte aber generell aus jedem wissenschaftlichen Diskurs herausgehalten werden, es kann einfach nicht angehen, dass wir darüber diskutieren, ob die Schöpfungsgeschichte (ich benutze absichtlich nicht den Begriff Theorie, denn die Genesis ist weit entfernt davon eine Theorie zu sein) in Schulen unterrichtet werden soll und das in einer wissenschaftlich fortschrittlichen Zeit. Soll doch jeder glauben was er will, ich richte mich viel lieber an meinen eigenen Verstand aus und glaube nicht an die „heilige Teekanne“ (ersatzweiße könnte man „heiligen Vater, oder Gott einsetzten) wie es Bertrand Russel so schön ausdrückte.Hitchens geht im vorliegenden Buch sicher etwas zu weit, vor allem im Duktus seines Schreibstils, der äußerst wütend ist. Aber die monotheistischen Religionen haben überhaupt kein Recht irgend jemand, oder irgend etwas zu kritisieren, aufgrund ihrer historischen Vergangenheit, sowie ihrer zeitgeschichtlichen Hintergründe sollten sie einfach nur „die Klappe halten“! Wer Liebe heuchelt und Intoleranz und Hass predigt und ausführt ist der falsche Ankläger – ich finde die Kritik und Wut sollte sich vor allem auf die religiösen Systeme als Ganzes richten, als auf die „Gläubigen“.
Es bleibt für mich aber dennoch zu konstatieren: „Religion ist irrational, intolerant und fortschrittsfeindlich“, um frei Richard Dawkins zu zitieren.
Schlimmer wie Dawkins (30. April 2008)
Also dieses Buch ist schlimmer wie Dawkins "Der Gotteswahn". Kritisiert der Verfasser Hitchens doch auch die fernöstlichen Religionen, welche jedoch erstens nicht monotheistisch sind und zweitens auch keine Kriege im Namen Gottes führen.Hichtens zieht über alle Arten von Spiritualität her und übersieht, dass es eben auch andere Arten davon, als die orthodoxen Religionen gibt. Man kann sich sogar Spiritualität ohne Religion vorstellen, indem man sich einfach als Teil eines umfassenden Ganzen sieht. Eine derartige Einstellung schadet weder einem selbst, noch anderen. Im Hinblick auf fernöstliche Religionen den Sektenführer Baquan zu zitieren ist genauso unfäir, als wenn jemand die radikalen Auswüche einer bestimmten monotheistischen Religion stellvertretend für alle spirituellen Traditionen zitiert.
Gegen Hichtens erscheint Dawkins in bezug auf Religion noch wie der nette Nachbar von nebenan. Eines haben jedoch beide Bücher gemeinsam:
Sie huldigen der "Alles ist sinnlos Philosophie", die für mich ebenso dumm, irrational und absurd ist, wie der fundamentalistische Glaube einiger monotheistischer Religionen.
Jamuroo


