Die Stammheim-Bänder: Baader-Meinhof vor Gericht. Tondokument

Verkaufsrang: 2041 (Bücher)
Autor: Maximilian Schönherr
Audio CD
EAN: 9783898137867
Auflage: 1
Format: Audiobook
ISBN: 3898137864
Languages:
ListPrice:
Erscheinungsdatum: August 2008
Verlag: Der Audio Verlag, Dav
Spielzeit: 80
von: Andreas Baader (Sprecher), Ulrike Marie Meinhof (Sprecher), Gudrun Ensslin (Sprecher)
Preis: EUR 13,80

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Kundenrezensionen zu 'Die Stammheim-Bänder: Baader-Meinhof vor Gericht. Tondokument'

RAF Prozess (30. November 2008)

Wie gut, dass es den Aust Film, Baader-Meinhof Komplex, nun gibt.
Die RAF wurden zu Kriminellen von diesem Staat getrieben, der von Ex-Nazis usw. übersät und durchsetzt war.
Im Film sieht man wie während es Schah-Besuchs auf die RAFler etc. wahllos auf Mann und Frau -ohne Gründe- eingeschlagen wurde, wie ein Benno Ohnesorg von einem Polizisten mutwillig erschossen wird, wie gegen Rudi Dutschke Stimmung gemacht wurde, bis er ermordet wurde.
DAS ALLES waren ursprünglich gute Ideen für eine neue, bessere und ehrlichere, sowie vor allem sozialere BRDeutschland.
Erst dann und dadurch entstand die Gewalt der RAF !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Diese Politiker und die Springer Presse haben alles erreicht, was heute
und all diese Krisen 2008, moderne Sklaverei der Arbeitnehmer, neue Armut, kriminelle Machenschaften der big Industrie, Banken und Versicherungen,diese hässliche Fratzen dürfen wieder einmal die Arbeitnehmer, Studenten,Rentner, ja, das ganz Volk wieder büßen.
Die RAF dreht sich im Grabe um.

Stammheim im O-Ton (25. November 2008)

Maximilian Schönherr
Die Stammheim-Bänder
Baader-Meinhof vor Gericht

2008
www.der-audio-verlag.de und WDR
ISBN: 978-3-89813-786-7
80 Minuten und Booklet
14,90.-

Dieses Tondokument beginnt wie ein Krimi. Tatsächlich hatte eine Beamte die Bänder in einem Keller des Oberlandesgerichtes Stuttgart gefunden und es kommt wohl einem Wunder gleich, dass sie nicht weggeworfen wurden, sondern hier in einer gekürzten Fassung erstmals vorliegen. Eigentlich hätten die Bänder nämlich schon vor 30 Jahren gelöscht werden müssen, aber durch die vorschriftswidrige Verweigerung der Löschung sind sie uns heute zugänglich. So bekommt man nicht nur die Angeklagten im O-Ton zu hören, sondern auch einen aufgebrachten und herumschreienden Rechtsanwalt Otto Schily (der spätere deutsche Innenminister), sowie den Zeugen Klaus Jünschke (der die Richter als faschistische Schweine" beschimpft) oder die Staatsanwälte und die drei Richter.

Mit den Prozessen in Stammheim begann eigentlich der deutsche Herbst", gegen den sich die erste Generation der RAF zwar distanziert hatte, von dem sie aber wohl oder übel versuchte zu profitieren. Die Verhandlungen führten zu einem Urteil (lebenslänglich"), das vor leerer Anklagebank verlesen wurde. Die Angeklagten waren zuvor bereits vom Prozess ausgeschlossen worden und wenn man die Bänder hört, versteht man wohl auch warum. Man hört auf vorliegender CD einen lispelnden, nuschelnden und mit schrecklichem süddeutschen Akzent dozierenden Baader, dem das Wort mehrmals wegen Ausschweifung" entzogen wird, eine den Ausstieg anbietende Ulrike Meinhof, die sich später in ihrer Zelle selbst erhängen wird und einen kämpferischen Jan Carl Raspe. Gudrun Ennslin schlägt sich gesundheitlich noch am besten, sie wird vor allem durch ihre vulgäre Wortwahl bekannt und auch später noch gerne zitiert. Sie droht dem Richter mit Du wirst nicht vergessen!" und später so wie die anderen Angeklagten aus dem Saal geführt. Zuvor verliest sie jedoch noch ein durchaus interessantes Manifest zur Politik der RAF zwischen DKP, Sowjetunion und Mao`s China. Natürlich muss man sich vor Augen führen, dass die Angeklagten nicht voll vernehmensfähig waren, denn sie befanden sich teilweise im Hungerstreik, fühlten sich gefoltert, waren stark abgemagert und deswegen wohl nicht nur körperlich ausgemergelt.

Die Strategie der Verteidigung ist einerseits die Anerkennung der vom Gericht anscheinend beabsichtigten Verletzung der körperlichen Unversehrtheit" der Angeklagten als Unrecht, andererseits der Versuch die Anerkennung der Berechtigung der Verbrechen der RAF, da man sich im Kriegszustand befinden würde und Mord in einem Krieg (zwischen Kapital und Peripherie) nicht strafbar sei, durchzusetzen. Aber selbst im Krieg gibt es keinen rechtsfreien Raum und Mord bleibt einfach ein Mord, wie die Staatsanwälte betonen. Dass amerikanische Flugzeuge, die die Bomben fuer Vietnam geladen in Deutschland zwischenlandeten und die BRD dadurch auch zum Kriegsbeteiligten wurde (so die Strategie der Verteidigung), konnte vom Gericht als Milderungsgrund nicht anerkannt werden.

Schily ist es, der das warnende Wort gegen die Richter schleudert: Wir Anwälte führen gegenüber der Macht das Argument des Rechts ins Feld" und vor allem das wird einem wohl in Erinnerung bleiben. Es gibt aber auch ein paar humoristische Einlagen, etwa wenn ein Staatsanwalt den Großen Vorsitzenden" (Mao Tse-tung) zitiert und Schily damit provozieren will: das Chinesische tschifin, tschifai", soll auf Deutsch Wer schreit, hat nie recht" heißen. Und damit meint er Schily und beweist Humor, auch wenn der selbstverständlich völlig unangebracht ist. Das Verhör mit dem Vater einer anderen Terroristin wächst sich zu einem absurden Dialog aus, da der Vater absolut von der Unschuld seiner Tochter überzeugt ist und die Richter damit in Verlegenheit bringt. Hat ihre Tochter viele Studienfahrten gemacht?" lautet etwa eine Frage eines Vorsitzenden. Man beginnt zu glauben, dass einen das schon verdächtig machen könnte, zumindest im Klima der damaligen BRD. Gegen das, was nach der ersten RAF-Generation kam, waren Baader & Co noch harmlos. Aber auch durch eine andere Prozessführung hätte sich das wohl nicht verhindern lassen.

Die Tonqualität der Bänder ist übrigens überraschenderweise sehr gut. Der Prozessraum war mit Mikrofonen ausgestattet und so eine perfekte Aufzeichnung garantiert. Akustisch unverständliche Stellen, die von hinten aus dem Saal zugerufen werden, werden vom Sprecher, Schönherr, deutlich gemacht oder wiederholt oder manchmal wird auch erklärend eingegriffen. Insbesondere beim lebhaften und turbulenten Durcheinanderschreien, wiederholt

Der Kampf geht weiter Genossen! (10. November 2008)

Ein einzigartiges Tondokument, ein Stück Zeitgeschichte die Deutschland nachhaltig prägte.
Ein Happy-End gab es nicht und wird es auch nicht geben denn es ist nun mal eine deutsche Geschichte.
Aus den zahlreichen Bändern sollte unbedingt weitere Tondokumente veröffentlicht werden.
Ob Widerstandskämpfer, Staatsfeind ob Ankläger, Verteidiger oder neutraler Beobachter, jeder mag selbst entscheiden, als was er in der Zeitreise, den Gerichtssaal betreten möchte.

Ein wertvolles Dokument (20. September 2008)

Die aufgetauchten Bänder vermitteln einen interessanten Einblick in das Klima des Prozesses und das agieren der Beteiligten.


Schnell wird klar: Oft als Schauprozess bezeichnet, entpuppt sich der Prozess allen voran als Show der Verteidiger und Terroristen.

Otto Schily tritt hier als vor Arroganz triefender Demagoge in Erscheinung und die Terroristen dozieren unentwegt Weltanschauungen, die nichts zur Sache tun und so nichts am Verlauf des Prozesses ändern.

Demgegenüber scheint die Justiz mit kühler Sachlichkeit und teilweise sogar schlagfertiger Erwiederung entgegen zu treten.

Das Agieren von Terroristen und Verteidiern ist meiner Meinung nach besonders aufschlussreich, zeigt es doch, welch Quell ihr Tun, im Falle der Terroristen nicht zuletzt also auch ihr terroristisches Handeln, hatte:

Eine absolute Fehlein-, und Überschätzung der Reichweite der eigenen
Handlungen. Denn was glaubten sie, könnten sie allein Im Gerichtssaal reissen?
Wenn sie so intelligent waren wie oftmals behauptet, hätte ihnen klar sein müssen, dass das unsachliche Winden in Weltanschauungen, Provozieren und Herauszögern hier nichts nützen kann und damit nur kindlichen Trotz offenbart.
Gibt es eine andere Deutung?
Das Motiv, das Gericht durch Provokationen in eine Befangenheitssituation oder dergleichen zu locken, kann eigentlich nichts ausschlaggebend gewesen sein. Bedenkt man nämlich, dass die eigene politische Annahme die Überzeugung beinhaltete, das Urteil habe schon vor Prozessbeginn festgestanden, so kann es als unwahrscheinlich angesehen werden dass hier versucht wurde, durch Provokationen den Prozess "ordentlich zu sprengen".

Bleiben also nur zwei Interpretationen übrig:
Terroristen und Verteidiger machten den Gerichtssaal zur Bühne ihres eigenen Trotzes oder sie versuchten, sich im Rahmen einer Verzweiflungstat zu retten.

Die eine Variante würde am Intellekt zweifeln lassen und die andere Rückratlosigkeit bedeuten.

Es ist zu hoffen, das Dokumente wie diese mit dazu beitragen, den heimlich bewunderten Mythos RAF mit Mitteln des besseren Argumentes und der Tatsachen abzubauen. Dann wird sich auch dem letzten ewig gestrigen zeigen: Sie waren keine Helden, sie waren einfache Kriminelle.

Beeindruckendes Zeitdokument (18. September 2008)

Diese Tondokumente, die eigentlich gar nicht mehr existieren dürften, geben einen wirklich eindrucksvollen Einblick in den Prozess gegen die RAF Führungsspitze.
Die aggressiven Wortwechsel zwischen Angeklagten/Anwälte und Richter, sowie andauernde Abführungen von Ensslin und Baader sind in einer emotional aufgeheizten Atmosphäre festgehalten.
Sehr gut gefällt mir das Herr Schönherr die Tondokumente zwar in einer chronologische Reihenfolge geordnet hat, die Aufzeichnungen an sich aber nicht kommentiert, sodas der Hörer von Ihm nicht beeinflusst wird.

dkb.de

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