Kundenrezensionen zu 'In Search of the Lost Chord'
Auf der Suche... (22. Februar 2008)
Nach dem Achtungserfolg von "Days of Future Passed", der meines Erachtens im Nachhinein oft überschätzt wird, standen die Moody Blues vor der zweifachen Aufgabe, ein weiteres Konzeptalbum vorzulegen und dieses ohne Orchester aufzunehmen.Den zweiten Teil haben sie ganz ansprechend gemeistert, indem sie eine Vielzahl von Saiten-, Tasten- und Percussionsinstrumenten selbst spielten, das Mellotron vielseitig zum Einsatz brachten und regen Gebrauch von der Querflöte machten.
Thematisch unternahmen sie eine große Reise auf der Suche nach dem verlorenen Einklang. Unterwegs begegneten sie Dr. Livingstone und Timothy Leary, hörten Stimmen am Himmel und hatten Visionen vom Paradies, schwangen sich auf die Schaukel oder waren nur im Kopf unterwegs, erkundeten das geheimnisvolle Haus der vier Türen und landeten am Ende in Indien. Sie vermittelten vielseitige Eindrücke eines äußeren und inneren Trips, auch wenn manche Kritiker gern behaupten, dass die psychedelischen und östlichen Anklänge bei den Moody Blues nur eine Modeerscheinung waren und sie keinen wirklichen Zugang zu dieser Erfahrungswelt hatten. Ich will da nicht einstimmen, weil mir dieser Zugang damals auch fehlte. Als dieses Album entstand, war ich noch ein ahnungsloses Schulkind - und im Nachhinein den Eingeweihten raushängen lassen steht mir nicht zu.
Musikalisch fiel und fällt mir auf, dass diese Scheibe (speziell die alte LP) zwei recht unterschiedliche Seiten hat. Die erste Seite ist geprägt von drei starken Stücken von John Lodge und Ray Thomas. "Ride My See Saw" und die Kultnummer "Legend of a Mind" hatten jahrzehntelang ihren festen Platz im Live-Repertoire der Gruppe; das auf der Bühne schwieriger zu bringende "House of Four Doors" ist sicher ihr Gesellenstück bei dem Versuch, auch ohne Orchester symphonischen Rock zu spielen.
Im Gegensatz zu diesen starken Nummern wirkt manches auf der zweiten Seite eher zerbrechlich, vor allem die Stücke von Justin Hayward. Seine Singstimme im Zusammenspiel mit Ray Thomas' Flöte kommt in manchen Momenten dem Paradies verdächtig nahe, auf Dauer wirkt das allerdings zu süßlich und seine im Ansatz stärkste Gesangsnummer "The Actor" macht er leider durch den viel zu aufdringlichen Refrain für mich kaputt.
Mike Pinder kommt etwas anders daher, hat sich spätestens mit seinen beiden Songs auf diesem Album das Image des Gurus oder Predigers der Gruppe erarbeitet. Im Lauf der Zeit wirken seine Botschaften ein wenig klischeehaft, aber man nimmt ihm ab, dass sie irgendwie schon sein Ding sind.
Insgesamt bietet das Album verschiedene musikalische Facetten, darunter ein paar Glanzlichter - es ist jedoch nicht durchgehend gleich stark und auch nicht so zeitlos wie manche der anderen großen Alben dieser Band. Daher von mir nur vier Sterne.
Vielleicht noch besser als der Vorgänger! (12. Januar 2008)
Ein Jahr nach "Days of future passed" erschien 1968 "In Search of the lost chord", ein Album, mit dem die Moody Blues den Vorgänger an Genialität noch überbieten wollten. Und dies gelang!Die Songs auf dem Album sind unglaublich abwechslungsreich, von Baroque Pop bis zu Stücken mit Prog-Anleihen wird fast alles geboten, doch eines haben alle Stücke gemeinsam: Sie haben Melodien, die verzaubern. Die Moody Blues schafften es wie kaum eine andere Band, Songs von berückender Schönheit zu produzieren. Neben dem Pop-Song "Ride my See-Saw", dem etwas folkigen "Dr. Livingston, i presume und dem göttlichen "House of four doors" ist natürlich "The Actor" ein absoluter Anspieltipp, ein immer noch unglaublich faszinierender Song.
Jedes Stück ist etwas besonderes, und doch eingängier Pop. Diese Gradwanderung beherrschten die Moodys so gut, weswegen ihre Alben bis heute faszinieren und nie platt oder überholt erscheinen.
Kennt jemand nur "Nights in white Satin", dann kann er sich getrost die LP "Days of future passed" zulegen, und "In Search of the lost chord" noch dazupacken. Denn die Klasse dieses Welthits wird mit jedem Stück dieser LP's gehalten. Und wer ganz einfach melodischen Pop der 60er mag, der eher herbstlich als sommerlich klingt, für den sind die Moody Blues das non plus ultra.
A True Classic Sixties Album! (6. November 2003)
Released during a period of rock 'n roll psychodelia, this is arguable the Moody Blues most productive and progressive album of the times. Nearly half the songs are still part of their concert listing. "Departure" is another trademark introduction that has been the motif of so many of their albums - a unique and mind-blowing beginning. Highlights include Lodge's "Ride My See-Saw", a concert closing song, while "Dr. Livingstone" and "Legend Of A Mind" are still classics that can be heard on the radio almost as much as "Nights In White Satin". "House Of Four Doors (Part 1 and 2)" provide continuity to the collection and scores of special effects. An earmark of the period is produced with "The Word" followed by "Om", the only songs that seem dated. Two of the Moody Blues best and most romantic songs are Hayward's "The Actor", a truly unique and inventive ballad and "Voices In The Sky". They are both performed and sung beautifully in concert. Other than "Days Of Future Passed", this is one of their most popular albums from that period. Plus, just take a look at that cover!Geniale Klangbilder (6. September 2002)
Die Entwicklung der Moody Blues erfolgte, was ihre Platten betrifft, immer in ausgedehnten Schüben. Nach einer mehr oder minder längeren produktiven Phase folgte unweigerlich eine schöpferische Pause, garniert mit allerlei Trennungsgerüchten und anschließendem Stilwechsel. „In Search of the Lost Chord" bildet den kreativen Höhepunkt von Phase 2, die 1967 mit dem symphonischen „Days of Future Passed" begann und 1972 mit dem ziemlich elegischen und in einer süßlichen Mellotron-Suppe ersäuften „Seventh Sojourn" endete. Das vorliegende Album stammt aus dem Jahr 1968 und ist für damalige Verhältnisse perfekt aufgenommen und abgemischt. Es vermittelt den Eindruck eines geschlossenen „Gesamtkunstwerks", aus dem nur der Schmachtfetzen „The Actor" die gute Stimmung ein wenig trübt. Ansonsten herrscht eine nahezu perfekte Balance zwischen schnelleren und ruhigeren Stücken, zwischen leisen und lauten Passagen und auch zwischen den verschiedensten Stilen. Man treibt wie auf einem Fluss dahin und genießt die bunten Bilder an den Ufern - es ist eine CD zum Zuhören, zum Entspannen, was aber nicht heißen soll, dass die Musik inhaltslos daherplätschert. Im Gegenteil: Was hier an Ideen, an Arrangements, an unterschiedlichen Stilen hineingepackt wurde, scheinbar mühelos und ohne jede Verkrampfung, verdient Respekt, und es ist kaum zu glauben, dass dieses Werk aus dem Jahr 1968 stammt. Besonders das Medley „House of four Doors/Legend of a Mind" verschmilzt zu einem einzigen Stück, zu einer musikalischen Querfeldeinfahrt, die keine Sekunde langweilig wird. Im Unterschied zu späteren Produktionen, die manchmal an symphonischem Overkill erstickten, gibt es hier einige fast kammermusikalische Passagen, getragen von akustischer Gitarre und der Flöte von Ray Thomas. Es klingt ein wenig hochtrabend, aber man wird an vielen Stellen regelrecht verzaubert, und dieser eigentümliche Zauber liegt über dem ganzen Album.Fazit: Keine CD für Hardrock-Fans und Blues-Jünger, aber ideal für Zuhörer, die zeitlos-schöne Musik jenseits aller Kategorien genießen wollen.






