Aus der Amazon.de-Redaktion
Als Yes 1969 ihr erstes Album veröffentlichten, gab es abgesehen von The Nice, dem Emerson, Lake & Palmer-Vorläufer, keine Band, die man aus heutiger Sicht als Prog- oder Artrock-Kapelle bezeichnen würde. Wer damals Grenzen sprengte, tat dies zwar wild und heftig, aber selten außerhalb des Pop-Spektrums. Entsprechend melodiebetont klingen die ersten acht Yes-Nummern, und ihre unbekümmerte Leichtigkeit hat eine Frische, die auch 30 Jahre später noch beeindruckt. Das Revolutionäre, Anspruchsvolle äußert sich in dezenten Anleihen bei klassischen Komponisten wie Sibelius und Stravinsky, kleistert aber nie die grandiosen, mehrstimmigen Gesänge zu, die immer das größte Markenzeichen der Briten gewesen sind. Jon Andersons unverwechselbare Falsett-Stimme überstrahlt die fast schon ein wenig archaisch anmutende Hammondorgel von Tony Kaye (auf die gerade in Mode kommenden Synthesizer hatte Kaye keinen Bock), die für populäre Musik ungewöhnlich fetten Baßlinien Chris Squires, Bill Brufords filigranes Jazz-Drumming und die sehr mannschaftsdienlichen Parts von Gitarrist Peter Banks. In kompositorischer Hinsicht machte dem Fünfer schon zu diesem frühen Zeitpunkt niemandem etwas vor, und selbst die Beatles-Nummer "Every Little Thing" wird souverän auf Yes-Format zurechtgeschnitten. Eine bessere Progpop-Scheibe wird man mit Ausnahme des nächsten Yes-Albums
Time And A Word schwerlich finden.
--Michael Rensen