Kundenrezensionen zu 'Boys for Pele'
Eine fast schon Überdosis Gefühl (14. Januar 2007)
Sind die Alben und die Musik von Tori eh` schon keine leichte Kost, sondern manchmal schwer verdaulich, so ging sie mit "Boys for Pele" von 1996 noch ein ganzes Stück weiter. So viel Gefühl, Wut, Trauer, Liebe, Hoffnungslosigkeit und trotzdem Zuversicht, gibt es eigendlich auf keinem anderen Album von ihr. Ein Vorrezensent schreibt sogar von `Wahnsinn`, bei einigen Songs hatte ich den gleichen Eindruck.Es sind 18 Songs enthalten. Da ist es eigendlich sehr schwer, die Höhepunkte herauszuheben. `Horses`, `Blood roses` und `Father lucifer` gehören sicher dazu. Bei `Blood roses` wird ein Spinett von ihr `bearbeitet`, sehr beeindruckend! Weitere highlights sind `Hey jupiter`, `Little Amsterdam` und `Talula`. Manchmal singt sie mit so viel Gefühl und Inbrunst, dass es schon fast beängstigend ist. Kein Wunder, nach den Schicksalsschlägen, welche sie offenbar zu bewältigen hatte. Mit `Twinkle` folgt dann aber ein versöhnlicher Abschluß.
Man muss sich viel Zeit für Toris Musik nehmen und das gilt besonders für "Boys for Pele". Sie nimmt uns dafür auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle mit. Diese Fahrt vergisst man nicht. 5 Sterne. Genial!
P.S.: Ich habe hier noch die Orginalversion der Platte rezensiert. Die neue Version soll der alten aber nicht unbedingt überlegen sein.
bestes Tori Amos Werk am Rande des Wahnsinns (14. März 2004)
Als BOYS FOR PELE auf dem Markt kam, spaltete es sofort die Geister. Vorbei war es mit unschuldig-sexy Gesaeusel der Kindsfrau hinter dem Boersendorfer, das ein Grossteil ihrer Fans bisher so geliebt hatte. Da wurde oftmals wild in das klirrende Cembalo gehauen, da gab es Synthesizer (besonders auf der ersten Single CAUGHT A LIGHT SNEEZE), aber gleichzeitig auch Gospelchor und Blechblaeserensemble. Und dann noch dieser Titel: BOYS FOR PELE, maennerfeindlicher konnte sich Tori Amos nicht praesentieren. Von dem schweinesaeugenden und schlangenverseuchten Booklet mit brennenden Pianos gamz zu schweigen.Dabei war alles ziemlich einfach zu verstehen: Die gute Tori durchlebte eine ziemliche Krise, die sie musikalisch zum aeussersten greifen liess. Raus wollte sie aus ihrem Puppenhaus, das ihre Fans um sie aufgebaut hatten und auf zu neuen Ufern mit allen moeglichen und unmoeglichen Mitteln. Und nicht selten ist es genau das, was den Unterschied zwischen Begabung und Genialitaet ausmacht. Nie vorher und nie nachher war Tori Amos so gut, so gnadenlos und erbarmungslos nicht nur mit den BOYS for Pele sondern auch mit sich und ihren Songs. Letztendlich sind es wenige Songs wie Doughnut Hole oder Putting the Damage on, die schon beim ersten Mal beruehren, die meisten entwickeln sich erst beim mehrmaligen Hoeren zu Juwelen. Auf der ganzen CD ist nicht ein Song, der nicht fuenf Sterne verdient haette.
Ich gebe zu, die Texte kann man nur schwerlich verstehen. Konnte man das bei Tori eigentlich jemals?? Aber auf diesem Album spricht die Musik Baende an Emotionen, die die bildhaften Texte nur quasi ergaenzen.
Fuer mich teilt sich das Album in vier Teile, die jeweils von einminutigen "Pre-", "Post-" und "Interludes" unterbrochen sind. Diese Zwischenspiele (Beauty Queen, Mr Zebra, Way Down, Agent Orange, Twinkle) sind zurecht immer wieder auf Konzerten gefordert worden, sie sind fantastisch. Ich kann die einzelnen Teile nur schwer zutreffend beschreiben, der erste Teil klingt fuer mich beispielsweise deutlich barocker und unnahbarer als der viel waermere, weichere Endteil, waehrend der dritte Teil durch seine rhythmischen Eigenwilligkeiten bei Little Amsterdam und Talula brilliert. Aber ich will hier gar nichts vorwegnehmen, ich denke, dass Album laesst Raum fuer ganz persoenliche Empfindungen und Interpretationen.
Fazit: Eines der ganz selten genialen (!) Werke auf dem Musikmarkt und mit Sicherheit eine der besten Platten der gesamten 90er.






