Kundenrezensionen zu 'Ricochet'
Wer hat Lust auf einen elektronischen Hypnose-Trip? (2. März 2008)
'Ricochet' ist ein Album, bei dem es sich um ein Live-Mitschnitt von Konzerten aus Frankreich und Grossbritanien. Was wir hier hoeren, ist elektronische Musik in Perfektion. Hervorragende, Keyboards, Synthies und Sequencermuster brillieren im ersten Teil. Auch eine spacige E-Gitarre wird eingesetzt. Ein sehr hypnotisches Klangerlebnis. Teil zwei beginnt melancholischem mit Piano und Floetenklaengen auf dem Mellotron, bis auch dort wieder die Sequencermuster einsetzen, um den Hoerer zu hypnotisieren.Wer in die Klangwelten von Tangerine Dream eintauchen will, ist mit diesem Album bestens bedient.
Unbeholfener Charm (31. Juli 2007)
So ganz kann ich mich den Hymnen meines Vorrenzensenten nicht anschließen, dafür leidet das Album doch etwas an den überschaubaren instrumentaltechnischen Fähigkeiten der Musiker.Richtig ist jedoch, dass "Ricochet" den Peak der frühen Bandphase darstellt, da Franke/Froese/Baumann hier erstmalig ihren eigenen Stil gefunden hatten und auch endlich in der Lage waren diesen entsprechend umzusetzen.
Aus heutiger Sicht hört sich das Werk natürlich reichlich unbeholfen an, was aber gleichzeitig auch etwas von dem Charm ausmacht, den das Album auch heute noch umfängt.
Das Meisterwerk (3. Dezember 2006)
Es ist 1975. Drei begnadete Musiker geben ein Live-Konzert in einer Kathedrale in Frankreich. Und erfinden dabei sich selbst und dazu gleich die gesamte elektronische Musik neu. Das Album ist ein Mythos, eine jener raren, außergewöhnlichen Glücksfälle, wo eine Sternstunde live dokumentiert wurde, gleichsam zum Miterleben, Nachvollziehen, für sich selbst Entdecken.Kein Genius, keine Muse kommt völlig unangekündigt; wir müssen Ricochet Part 1 als Overtüre betrachten, als Vorbereitung auf das Unfassbare. Part 1 ist 'konventionell' nach damaligen Begriffen - Tangerine Dream, wie in Phaedra oder Rubicon vorexerziert, mit phrasenhaften, orchestralen Themen die sich meist gekonnt perpetuieren und uneingeschränkt dem Psychedelischen frönen; auch wenn wir bereits gelegentlich das Feuer des Kommenden ahnen, bleibt Part 1 guter TD Durchschnitt ohne echte highlights.
Ja, und dann kommt Part 2. Der Beginn ist fast zögerlich - ein behutsames, an Chopin erinnerndes Pianothema, das sich vor dem Zuhörer zunehmend zu einem furiosem, atemberaubenden Feuerwerk von ungeheurer Dichte und Brillianz entwickelt; die fugenhaften Patterns entrollen einen Klangteppich, dessen Intensität und Kraft dich fortreißt und gut ist für permanentes, wohliges Rieseln auf der Haut. Dabei bleibt das Timbre stets transparent und verliert nichts von der süchtig machenden Brillianz; kein Begriff könnte dieses rhythmisch auf den Klangwellen Surfen besser beschreiben als der Albumtitel selbst - Ricochet.
Nach einem kurzen industriehaften Intermezzo, das uns fast störend aus dem Traumtanz reißt, steigert sich Part 2 zum endgültigen Finale. Musikgeschichte wird geschrieben, drei Musiker am Höhepunkt ihres künstlerischen Schaffens werden sich ihrer Sternstunde selbst gewahr und vollenden ihr Werk in meisterhafter, endgültiger Präzision, ohne die erfrischende Leichtigkeit, die Part 2 durchwebt, getragenem Pathos bewährter Natur zu opfern. Noch einmal tauchen wir ein in den Rausch von Ricochet, nachdrücklich und unwiderruflich, unbedingt und für alle Zeiten.
Ricochet ist selbsterklärend; es erschließt sich dem Hörer ohne Erklärungsbedarf oder intellektuellem Manifest, und klingt auch nach über 30 Jahren frisch und unverbraucht. Es fällt manchmal schwer zu glauben, tatsächlich eine Live-Aufnahme zu hören. Anders als bei üblichen Live-Aufnahmen ist hier nicht die handwerkliche Virtuosität der Musiker im Vordergrund. Nein, es ist die Musik selbst, deren Live-Geburt Erstaunen und Bewunderung hervorruft; dass ein Stil, der prägend für die elektronische Musik im allgemeinen und Tangerine Dream im besonderen live und vor deinen Ohren entsteht, und fortan die Essenz der Musik von TD bilden wird.
Das beste Tangerine Dream-Album (14. Dezember 2005)
Mit dem Abstand von ca. 30 Jahren kann man wohl sagen, dass Ricochet DAS Meisterwerk der 70er Jahre in der elektronischen Avantgarde-Musik war. Tangerine Dream haben einige beeindruckende Alben gemacht, die immer etwas abwechslungsreicher oder weniger trancemäßig waren als die von Klaus Schulze. Das absolute Highlight dieser Alben ist aber Ricochet. Bizarre Soundgemälde, markante Motive, hier und da E-Gitarre, dann Soloklavier (Anfang des 2. Teils), und das Ganze mit Übergängen, die das Werk wie aus einem Guss erscheinen lassen. Verglichen mit dem Einheits- und Wegwerfgedudel, das man seit Jahren im Radio hört, war diese Musik unglaublich kreativ und originell. Einfach genial. Auch nach 30 Jahren krame ich das Album manchmal heraus, gönne mir eine Dreiviertelstunde zum Abschalten, und gehe auf den psychedelischen Ricochet-Trip.PS: Den Vorschlag , Stratosfear gleich mitzubestellen, kann ich nur unterstützen.






