Kundenrezensionen zu 'Puccini, Giacomo - Tosca'
Finger weg! (8. Juli 2006)
Man muss leider heutzutage den Eindruck haben, dass die meisten Tosca-Inszenierungen - und erst recht die Tosca-Verfilmungen - nur durch aufgesetztes Gefühlsgehabe und affektiertes Mimenspiel der Darsteller oder auffällig opulente Szenenlandschaften beim breiten Publikum Eindruck schinden möchten.
Meistens ist dies nicht nur ein Indiz für das einfallslose Konzept des beauftragten Regisseurs oder das fehlende Einfühlungsvermögen der Darsteller sondern auch für den allzu kommerziellen Umgang mit wertvollen Kulturgütern.
So verhält es sich auch mit dieser Inszenierung:
Hinter der augenfälligen Kulisse der Originalschauplätze fallen die szenische Darstellung und die Dramatik des Geschehens weit zurück. Schauspielerisch erleben wir zwar mit Plácido Domingo einen soliden Cavaradossi und in Sherrill Milness einen vertretbaren Scarpia. Doch sind die maßlos übertriebenen, fast ins Hysterische gehende Gesten und die zuweilen groteske Mimik (z.B. “Augenrollen”) von Raina Kabaivanska als - in meinen Augen nur “schöne” - Tosca dazu geeignet, der Rolle der Tosca eine derart verzerrte Maske aufzusetzen, dass man sich erst einmal davon nachhaltig erholen muss.
Tontechnisch (DTS) ist die DVD gut gelungen.
Vom musikalischen Ausdruck her ist diese Inszenierung eher mittelmäßig bis schlecht. Da sollte man lieber auf die Klassiker auf CD wie z.B. die Jahrhundertaufnahme mit Maria Callas, Guiseppe di Stefano, Tito Gobbi und Victor de Sabata oder die wunderbare Einspielung mit Leontyne Price, Guiseppe di Stefano und Herbert von Karajan zugreifen.
Insgesamt ist daher folgendes zu empfehlen:
Kaufen Sie sich besser eine Musikaufnahme auf CD nach ihrem Geschmack und stellen Sie sich alles weitere beim Lesen des Librettos (Textbuches) mit ihrer eigenen Phantasie selber vor.
So werden Sie nicht nur sich selbst sondern auch dem Werk des Künstlers - in diesem Falle Puccini - gerecht.eine wirklich gut gelungene Tosca Aufnahme (24. März 2006)
Raina Kabaivanska singt nicht nur hervorragend die Floria Tosca, sie ist es auch darstellerisch als schöne Frau die weiß, dass sie Primmadonna ist. Bei Placido Domingo weiß man, dass er ein hervorragender und noch dazu ungemein gut aussehender Cavaradossi ist - und wenn die Tosca in der Szene in der Kirche "Mario" ruft dann weiß man es kann nur zur Tragödie kommen. Sherrill Milnes weiß, dass er ein Frauenheld ist und Tosca wäre nicht seine erste Eroberung, ist aber seine letzte. Der Mesner von Alfredo Mariotti ist auch eine gute Besetzung. Noch dazu wo der Film im Palazzo Farnese und nicht nur der Engelsburg aufgenommen wurde. Bruno Bartoletti fühlt feinfühlig dem musikalischen Drama nach und der Sohn von Placido Domingo singt die kleine Partie des Hirten liebenswürdig. Die Kostüme der Floria Tosca und des Scarpia sind prunkvoll jedoch nicht aufreizend dazu, und das Bühnenbild stimmt wirklich alles, wie schon oben erwähnt durch die richtige Atmosphäre.Originalschauplätze reichen nicht (27. Juni 2005)
Das Angebot an Tosca-Aufnahmen, nur zum Hören und auch zum Sehen, ist überwältigend. An Originalschauplätzen zu drehen ist bei der Oper ein etwas seltsames Ansinnen,aber immerhin könnte es auf die Aufnahme aufmerksam machen. Domingo ist, wie immer, ein zuverlässiger Cavadarossi, aber die Tosca muss schon ein ein anderes Kaliber sein. Ob man nun den Gesang von der Callas hört oder,in der wunderbaren Aufnahme mit Pappano, die Gheorgiu als Tosca sieht, das sind bleibendere Eindrücke.Gerade diese Produktion zeigt, wie man auch heute, mit einem so bekannten Werk wie der Tosca großen Eindruck machen kann. Die Scene zwischen Scarpia-großartig Raimondi- und Tosca ist von einer solchen Leidenschaft. Die beiden Protagonisten spielen zudem so hervorragend , als wären sie Schauspieler der Sonderklasse. Dagegen können Originalschauplätze nichts ausrichten.Gelungene Idee (21. Mai 2003)
Es ist einmal etwa neues, eine Oper an ihren Originalschauplätzen zu verfilmen und auch die - der Handlung vorausgehende - Flucht des Angelotti in den Vorspann des Filmes einzubauen. Und man kann es als gelungen bezeichnen, kommt man doch einmal weg vom bloßen Abphotographieren einer Bühne. Mit den Protagonisten konnte man nichts falsch machen. Der Cavaradossi ist eine von Domingos Paraderollen, der er selbstverständlich voll gerecht wird. Er spielt ihn nicht, er ist es. Raina Kabaivanska schätze ich bereits seit ihren Auftritten in Wien ( u.a. als Leonora in Trovatore ) als Sängerin mit einem perfekten Gefühl für Intonation und Notentreue, diese Eigenschaft konnte ich auch auf dieser Aufnahme wieder feststellen, es ist einfach eine Freude ihr zuzuhören. Sherrill Milnes Scarpia ist stimmlich wirklich vom feinsten, da gibt's nichts zu nörgeln, aber leider ist er halt so gar nicht der Böse. Es gibt eine DVD mit einer Aufführung der Met mit Hildegard Behrends und Corneil McNeil ( Warum gibts die eigentlich bei uns nicht ? ) hier kann man einen wirklich bösen und diabolischen Scarpia sehen auch wenn er vielleicht nicht ganz an die stimmliche Leistung von Milnes herankommt. Alles in allem ist die vorliegende Aufnahme sehr empfehlenswert wegen der vorbildlichen Interpretation der Protagonisten und der reizvollen "Inszenierung" an den Originalschauplätzen.
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