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1998 veröffentlichte der Norweger Nils Petter Molvaer -- hochangsehener Instrumentalist, inspirativer Improvisator und Sideman von u.a. George Russell, Arild Andersen, Django Bates und Elvin Jones -- ein erstaunliches Album, das auf ganz und gar unpuristische Weise hochartikulierter Jazz war. Khmer war eine in solcher Konsequenz bis dahin nicht gehörte, moderne Verbindung aus Komposition und Improvisation, die so intensiv miteinander in Kommunikation traten, dass es schließlich zweitrangig wurde, was welcher der beiden Herangehensweisen zuzuordnen war. Und genau das trifft auch auf den Nachfolger, Solid Ether, zu. Lang, schwebend und dennoch immer nachdrücklich, wie eine Mischung aus Miles Davis und Jon Hassell, setzt Trompeter Molvaer Punkte und zieht Kreise über außerordentlich dicht verwobener, wühlender Drum'n'Bass-Rhythmik und flächigen Sounds, deren Textur vor allem in den balladesken und ambienten Teilen an das Klangbild von David Sylvian-Platten erinnert. Die enorme athmosphärische Dichte, die dabei entsteht und immer auch ein gewisses Unterwegs-Gefühl erzeut, begibt sich in der ECM-typischen, kühlen Klangästhetik nur langsam in den Hörer hinein. Erst dort, in ihm, beginnt Solid Ether zu tauen, Raum zu greifen und seine Wirkung zu entfalten. Hochkarätig wiederum die Besetzung (u.a. Sidsel Endresen und Eivind Aarset), in deren besonderen Händen ein gewisser Grad der Verfeinerung durchaus spürbar wird. Einen etwas interessanteren nächsten Schritt hätte man sich dennoch gewünscht. --Rolf JägerKundenrezensionen zu 'Solid Ether'
Der sanfte Gesang der Trompete und die treibenden Break-Beats (8. Februar 2007)
Sechs Monate Arbeit investierte Niels Peter Molvær in das Nachfolgeprojekt Solid Ether, welches im Sommer 2000 erschien. Musikalisch noch vielseitiger als Khmer, enthält Solid Ether treibende Break-Beats, ambiente Klangflächen, avantgardistische Improvisationen sowie eingängige, melodische Songstrukturen; No. 4 und No. 10 Merciful.Er erklärt dazu in einem Interview mit dem Jazz-Podium vom März 2000: Ich liebe Kontraste, in den Menschen und in der Musik. Scheinbare Widersprüche miteinander organisch zu verbinden, bedeutet einen besonderen Reiz. Das erste Stück, no. 1 Death Indeed macht das klar. Es fängt eigentlich nur wie eine Improvisation auf der Trompete an, dann kommt dieser heavy Beat hinein, der schnell und aggressiv ist. Die Trompetenstimme gleitet sanft und langsam darüber. Diese extrem unterschiedlichen Dinge zusammenzubringen, den harten, rockartigen, fast unmenschlichen Beat mit dem weichen, sanften Gesang der Trompete, und daraus ein einziges homogene Ganzes entstehen zu lassen ist die große Herausforderung.
Zu den beiden suggestiven Interpretationen der Ballade Merciful mit der Sängerin Sidsel Endresen führt Jens Petter Molvær im gleichen Interview weiter aus: Ihr stimmlicher Einsatz auf der Platte ist etwas, was man wohl von meinen Alben nicht erwartet. Sidsel singt wunderschön, mir gefällt auch ihr poetischer Text. Es ist wie das Echo eines davonfahrenden Zuges. Ein Sinnbild dafür, was bleibt, wenn man nicht mehr da ist.
Seine tiefgründige, wie lyrische Spielweise, in der auch Stille ihren festen Platz hat, beschreibt Jens Petter Molvær abschließend: Stille besitzt eine Menge Facetten, ebenso wie ein geschliffener Diamant. Wenn etwa der Rhythmus durchgängig ist, und du kommst mit ein paar sparsamen Trompetentönen darüber, hältst kurz inne, dann empfindest du die Stille, auch wenn darunter irgendwelche Sounds hörbar sind. Das ist wie das Gesetz von Spannung und Entspannung.
Dem ist nicht mehr hinzuzufügen.






