Die Klavierspielerin

Verkaufsrang: 6567 (Video)
Actor: Isabelle Huppert|Benoit Magimel
AspectRatio: 4:3
AudienceRating: Freigegeben ab 16 Jahren
Binding: Videokassette
Director: Michael Haneke
EAN: 4009750118849
Format: HiFi Sound
Format: PAL
Label: Euro Video
Languages:
ListPrice:
Manufacturer: Euro Video
Verlag: Euro Video
Erscheinungsdatum: 6. November 2002
Spielzeit: 130
Studio: Euro Video
TheatricalReleaseDate: 2001
von: Isabelle Huppert|Benoit Magimel (Hauptdarsteller)
Preis: EUR 4,95

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Aus der Amazon.de-Redaktion

Mit "Die Klavierspielerin", einer bitterbösen und auf verstörende Weise komischen Geschichte einer destruktiven Mutter-Tochter-Beziehung, hat Elfriede Jelinek ihren Ruf als grandiose Sprachvirtuosin gefestigt, aber eben auch einen der umstrittensten Romane der 80er-Jahre geschrieben. Die zwiespältigen Reaktionen von damals werden sich nun anlässlich von Michael Hanekes Verfilmung wiederholen. Doch der Skandal, den man angesichts dieses Stoffes vielleicht von Haneke, dem Provokateur, der manchmal auch zum Brandstifter wird, erwartet hätte, bleibt aus. Der österreichische Regisseur, der mit Filmen wie Bennys Video und Funny Games ein ums andere Mal zu weit gegangen ist, übt sich hier in einer sehr angenehmen Zurückhaltung.

Erika Kohut (Isabelle Huppert) ist Ende 30 und lebt noch mit ihrer Mutter (Annie Girardot) zusammen, von der sie tagein, tagaus tyrannisiert wird. Die Professorin am Wiener Konservatorium hat kein eigenes Leben, über jeden Schritt muss sie Rechenschaft abgeben. Sie hasst ihre Mutter und liebt sie zugleich über alles. Dieses fragile, an sich schon gefährliche Gleichgewicht der Gefühle gerät völlig durcheinander, als Walter Klemmer (Benoit Magimel), einer von Erikas Schülern, die Klavierspielerin unbedingt verführen will.

Michael Haneke erforscht die sadomasochistische Beziehung zwischen Erika und ihrer Mutter genauso wie das von Unverständnis und Intoleranz geprägte Verhältnis zwischen Erika und Walter, aber er erklärt nichts. Die Figuren bleiben ein Rätsel, dem man sich nur über ihre Darsteller nähern kann. Isabelle Huppert und Benoit Magimel wurden beim Filmfestival in Cannes mit den Schauspielerpreisen ausgezeichnet, eine Ehrung, die mehr als nur gerechtfertigt erscheint. Alleine schon Isabelle Hupperts Mut, diese zutiefst verletzte Figur zu spielen, die sich selbst immer weiter verletzt, ist bewundernswert. Sie öffnet sich hier in einem Maße, das einen beinahe erschauern lässt. So tief kann man nur selten im Kino in die Seele eines Menschen, besonders einer Frau, blicken. Was man dabei sieht, ist natürlich schockierend, aber es geht Haneke dabei nicht um den Effekt. Das Außergewöhnliche, das Unverständliche, auch das Obszöne werden kenntlich als ein Teil der menschlichen Natur. Die Klavierspielerin fordert von uns, den Zuschauern, die Offenheit und Toleranz, die seine Figuren eben nicht aufbringen können. --Sascha Westphal

dkb.de

Kundenrezensionen zu 'Die Klavierspielerin'

tiefe Einblicke in kranke Seelen (11. Dezember 2008)

Erika ist eine anerkannte Professorin für Klavier am Wiener Konservatorium. Im krassen Gegensatz dazu, wohnt sie noch mit ihrer überkontrollierenden Mutter in einer kleinen Mietwohnung, teilt mit ihr sogar den Schlafplatz im alten Ehebett und pflegt ihre Sexualität nur indirekt in Pornokinos oder indem sie sich im Intimbereich ritzt. Wohl zum ersten Mal in ihrem Leben nähert sich ihr ein leibhaftiger Mann in der Person des Studenten Walter, der sie verehrt und begeht mit der Absicht, eine Liebesbeziehung mit ihr einzugehen. Nach anfänglicher schroffer Abweisung schreibt sie ihm einen Brief mit ihren sexuellen völlig destruktiven Obsessionen, als er mit seinem Drängen nicht nachlässt. Er möchte einfach nur mit ihr "schlafen"; sie kann sich ihm jedoch nur unterwerfen. Der junge Mann ist mehr als irritiert und reagiert letztendlich mit Brutalität und Missachtung,....dass was sie eigentlich wollte? Nicht nur sie Seele der Professorin ist krank und verschoben......

Wenn man sich auf dieses ungewöhnliche Filmthema einlässt und sich nicht von den zum Teil schmerzhaft vulgären und brutalen Szenen abschrecken lässt, erlebt man einen Film, der es schafft, einen Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele zu zeigen. Was als "Liebe" verpackt daherkommt, ist nichts anderes als "Hass", "vergrabene Verletzlichkeit" und Sehnsucht nach völliger "Abhängigkeit" und "Ausgeliefertsein". Isabelle Huppert schafft es auch eindrucksvolle Weise, die Figur der Erika glaubhaft herüber zu bringen. Benoit Magimel als Walter hatte schon als Kind seine erste große Rolle in "Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss" und macht auch hier seine Sache gut, wenn auch nicht so perfekt wie die Huppert.

Sicherlich kein Popcorn-Kino, aber ein Film, der zum Nachdenken anregt, auch über die eigenen Definitionen emotionaler Zustände.

Über das Ausüben von Macht und Kontrolle.... (9. November 2008)

Die Enddreissigerin Erika Kohut ist Klavierlehrerin am Wiener Konservatorium. Noch immer lebt sie mit ihrer Mutter zusammen in einer Wohnung, teilt sogar das Ehebett. Dabei ist sie einer ständigen Kontrolle, grossem Misstrauen ausgesetzt. Einerseits ist Erika eine unnahbare, aber selbstbewusst auftretende Zynikerin, die vor allem bei ihren Klavierschülern eine extreme Macht ausübt. Sie legt Schwächen im Spiel schonungslos und kränkend bloss.
Ihre Sexualität findet lustbringend ganz im Geheimen statt, Erika sucht Peepshows und Erotikshops auf. Schaut im Autokino nach Paaren Ausschau, die es miteinander treiben....die Lust ist geprägt von voyeuristischen, autoaggressiven und masochistischen Anteilen. Die Handlungen bleiben seltsam theoretisch.
Mit dem Auftauchen des jungen Walter Klemmer ist die einsame Erika überraschend mit dem Thema Nähe konfrontiert, reagiert zunächst abweisend. Obwohl gleich von Anfang an Feuer in der Luft liegt. Dann kommt es doch zum sexuellen Erlebnis - ein Fallenlassen ist Erika aber nicht möglich. Sie versucht den Ablauf zu steuern, um Kontrolle auszuüben und diese Kontrolle auch nie zu verlieren.
Der junge Mann liebt und muss in einem zweiten Anlauf dann auch noch verkraften, dass die geheimen Wünsche Erikas darin liegen, dass sie körperliche Gewalt spüren möchte....und eh wir uns versehen sind wir in der Hölle angelangt.
Ein verstörender Stoff, den Michael Haneke nach der Romanvorlage von Elfriede Jelinek hier verfilmt hat. Fast schon emotionslos, zumindest aber sehr kühl und pragmatisch, lässt er uns an einem neurotischen Treiben der tragischen Heldin teilhaben, ein Blick auf den Seziertisch.
Dieser Film polarisiert auch sicherlich ganz stark in den Einschätzungen, mancher wird darin ein Meisterwerk sehen, ein anderer wird das Szenario sicherlich auch ekelhaft empfinden.
Diese Wahrnehmung mag das Spiegelbild des Gezeigten sein, der krasse Schlagabtausch, der hier gezeigt wird, lässt aber zu kener zeit kalt. Auf dem DVD Cover steht "obszön, skandalös, pervers" was sicherlich so auch hinkommt. Es ist aber auch eine provokative Auseinandersetzung über die Unfähigkeit vom Ausleben von identischen Gefühlen zur gleichen Zeit - von Machtgebaren und Machtlosigkeit in einer Beziehung.
Die schauspielerischen Leistungen von Isabelle Huppert, Benoit Magimel und Annie Girardot sind sehr beeindruckend, echt und glaubwürdig. Der Film wurde mehrfach mit Filmpreisen bedacht.
Ich fand den Film sehr spannend und interessant. Für Leute, die gerne auch noch am nächsten Tag über den Inhalt nachdenken wollen...



GEKRÜMMTES LEID - Hanekes Portrait einer qualvollen Liebe (25. September 2008)

Erika unterrichtet Klavier am Wiener Konservatorium. Privat lebt sie noch bei ihrer Mutter, die sie streng bevormundet und mit ihr in einem Bett schlafen lässt. Intimität kennt dieses Leben nicht, Sexualität erlebt Erika nur in ihren Phantasien oder in den Pornokinos, die sie gelegentlich aufsucht. Doch dann lernt sie durch ihren Unterricht den jungen Walter kennen, der beginnt, sich für sie zu interessieren. Erika wehrt ab, beginnt aber ein unterschwelliges Spiel, wie sie mit ihm ihr Verlangen teilen kann, weiterhin aus der Position des Betrachters. Als sie endlich bereit ist, sich ihm zu öffnen, verstört ihre Wahrheit nicht nur ihn, sondern auch ihre eigene Welt.

Dieser Film bestürzt zutief und trifft mitten ins Mark. Haneke schafft es, die Obsessionen dieser Frau sicht- und fühlbar zu machen, sodass jeder physische und psychische Schlag auch einen selbst trifft und man sich abwenden möchte. Isabelle Huppert legt durch ihr intensives Spiel eine Authentizität an den Tag, dass der Betrachter um sie Angst haben möchte, so sehr strahlt dieses blasse Gesicht Verlangen und Verzweiflung aus. Diese äußerst gelungene Adaption von Elfriede Jelineks Roman, der 2005 den Nobelpreis für Literatur erhielt, frisst sich Stück für Stück in das Bewusstsein des Zuschauers ein und bleibt. Doch dieses Wagnis sollte man bereit sein, einzugehen.

Eurovideo... (26. August 2008)

da ahne ich schlimmes.
Aber diesmal wurde nicht ganz so lieblos eine DVD rausgeworfen.

Es gibt ein Menue, sogar animiert, dazu noch recht huebsch gestaltet und tonal unterlegt.
Und tatsaechlich - das Bild wurde ANAMORPH abgetastet!
Auch Bonusfeatures sind vorhanden, ein Making off in Muttersprache, deutsch untertitelt.

Den Film selbst gibt es dann wieder *eurovideomaessig* nicht in Muttersprache (franzoesich) - scheint allerdings kaum jemanden zu stoeren, auch keine Untertitel fuer gehoerlose Mitbuerger. - Beim Lippenlesen wuerde dann aber wenigstens wieder die franzoesiche Sprache heraus kommen.

Letztendlich gibt es nach langer Zeit wieder einmal 3 Punkte fuer eine Eurovideo-Produktion. Der Interessent sollte sich trotz allem den Film erstmal ausleihen.

... gestohlene Stunden in der Kälte einer fatalen Abhängigkeit (13. Juli 2008)

»Die Klavierlehrerin Erika Kohut stürzt wie ein Wirbelsturm in die Wohnung, die sie mit ihrer Mutter teilt.« [Elfriede Jelinek]

Der barocken, verbalen Sintflut in Elfriede Jelineks Romanvorlage begegnet Michael Haneke in seiner Verfilmung dieses psychologischen Realismus mit einem aalglatt vereisten, schonungslos sezierenden und urteilsfreien cineastischen Furor ohne essayistische Reflexionen.

»Gefühle sind immer lächerlich, besonders aber, wenn Unbefugte sie in die Finger kriegen.« [Elfriede Jelinek]
Der Schmerz in der Sprache sowie das Ungeheuere einer Komik sind durch Einstellungen und Montage nicht aufzulösen. Aber als unbarmherziger Visionär fordert Haneke in dieser, fast komödiantischen Parodie eines bildungsbürgerlichen Melodrams zwischen Absolutheit und Destruktion, gnadenlos unser Schauen an, unsere Lust, den Schmerz eines entmenschlichten und zu Gefühlen unfähigen, psychisch verwahrlosten Menschen als Krankheitsgeschichte gleich einem analytischen Skalpell anzustarren.

Grandios schafft es Isabelle Huppert in der Verkörperung von Erika den schmalen Grat zwischen pathologischem und psychischem Krankheitsbild zu halten. In atmosphärisch kalten Wechseln durchläuft und meistert sie die Vielschichtigkeit eines darzustellenden, konterkarierten beruflichen und privaten Daseins in einer Veröffentlichung der Tyrannei des entgleisten ES und einer Vertonung seiner Seele.
»Grausamkeit ist ein Mittel zur Demütigung, und die Figuren können nicht anders. [...] Es gibt in dem Film nur eine Gewalt gegen sich selbst, die sich als Gewalt gegen andere wendet.« [Isabelle Huppert]

... und auch Schuberts Lieder verweigern die Rettung der psychischen Zerstörung.
»Sie geht und beschleunigt langsam ihren Schritt.« [Elfriede Jelinek]

Ein sehenswerter und mehrfach preisgekrönter Film auf einer technisch einwandfreien DVD

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