Aus der Amazon.de-Redaktion
Dank Weckers Schaffensdrang in den letzten Jahren kann man leicht den Überblick über sein Gesamtwerk verlieren -- Brecht, Kinderlieder, Musical, Livealben, Sampler. Doch die 2001er CD Vaterland ist nach Gamsig seit 1996 die erste Liederplatte des Münchners und rundum gelungen. Auch wenn Wecker schon zum Auftakt im "Novemberlied" der Melancholie frönt ( "Es gibt auch Gründe, nicht zu leben, sie müssen ja nicht triftig sein..."), Depressionen, Resignation und mit "I werd oid" augenzwinkernd das Älterwerden thematisiert, ist das Album weder Aufarbeitung schwerer Jahre, noch abgeklärte Selbstbefindlichkeit.Der Albumtitel verkündet es: Wecker ist ganz wach und mischt sich auch politisch wieder ein. Von der Sprache her gewohnt prall und deftig, musikalisch eher ironisierend bis düster wie auf dem Titellied. Fragen über Fragen zum Begriff Vaterland und einer neuen Zuordnung. Ist der Staat nicht unser aller Papa, oder eine verschlissene Autoritätsfigur am Rand der Lächerlichkeit? Richtig Fett kriegen die Globalisierer, modernen Goldgräber und Sklavenhändler ab. "Wenn die Börsianer tanzen" ist ein absurder Tanz auf dem Vulkan mit Kirmesorgel und Schellack-Grabgesang -- die Filmmusik aus Der dritte Mann lässt grüßen -- aus dem Takt mit falschen Tönen. Auf dem Reggae "Fachmann II" und dem Country "Amerika" jongliert Wecker auch musikalisch mit satirischer Doppelbödigkeit.
Mit Produzent und Gitarrist Gerd Baumann sind Wecker Arrangements gelungen, die den Weltschmerz-Blues "Wehdam" ebenso in Szene setzen wie den "Liebesdank" an Weckers Frau Anik. Hanns Dieter Hüsch stand bei "Kennst du diese plötzlichen Sekunden" Pate für einen tieftraurigen Todes-Boogie und mit dem Bonus-Track "Willy III" ist Weckers Paradestück wieder auferstanden, live in Wien: ein feuriger Bühnenmonolog über die bequeme Political Correctness des Schweigens und ihre fatalen Folgen. Weckers Wechselbad der Gefühle ist seinem hoch geschätzten, italienischen Kollegen Lucio Dalla ebenbürtig -- macht ihn sozusagen zum Wecker in der Wüste. --Ingeborg Schober
Kundenrezensionen zu 'Vaterland'
Sicher sehr gut aber... (9. Juni 2005)
...leider nicht spitzenmäßig. Wecker liefert mit Vaterland ein Album ab, welches musikalisch abwechslungsreich und, wie einer der Vorrezerenten schon schrieb, auf der Höhe der Zeit ist. Aber das ist meiner Ansicht nach in gewissen Momenten der Fehler dieses Albums, beim Mainstreamschimpfen auf Amerika und Politiker im Allgemeinen und überhaupt, geht manchmal leider die Orginalität verloren. Keine Kante, keine Ecke, keine Welle - ein glattes und perfektionistisches Album und leider kein Album, das zum Nachdenken anregt - vielmehr ein Album, wo man bei jedem Lied denkt: "Ja, recht hat er." und weiter gehts. Meines Erachtens nach ein Fehler dieses Albums.Hört seine Kunst - und überhört ihn dabei nicht (4. November 2001)
Konstantin Weckers unverwechselbare Kunst - in dieser bemerkenswerten Produktion durch eine feinsinnige Leihgabe von Hanns Dieter Hüsch angereichert - sucht nach einem besseren, einem ehrlichen Klima:Die laue Luft der Gleichgültigkeit kann sie so wenig ertragen, wie die leere Hülle der Unterhaltung. Manche Lieder enthalten Dynamit und sind geeignet, versteinerte Herzen zu sprengen. Andere schicken uns auf eine melodische Klangreise ins eigene Innere. Und so manche rhythmische Aktion reisst uns in ekstatischer Bewegtheit mit sich fort: Moderne Wort-und Klangarchitekturen, wunderschön und berührend, inspirierend und nachdenklich.
Eine besondere, unbezahlbare Kostbarkeit: Der "hidden track" für alle, die nach dem "Willy" noch ein wenig Geduld haben.
Unwiderstehlich als Geschenk!






