Aus der Amazon.de-Redaktion
This Was, das '68er Debütalbum der britischen Avantgarde-Folkrocker Jethro Tull, ist ein Stück Rock-Urgeschichte, denn obwohl die Scheibe längst nicht so bekannt ist wie die Tull-Bestseller Aqualung und Thick As A Brick, beschreibt sie doch wie kaum eine andere LP den zu neuen Ufern aufbrechenden musikalischen Spirit der späten 60er. Straighter, gefühlvoller Blues steht völlig selbstverständlich neben anspruchsvollem Progrock, der nicht ganz ohne Wirkung auf später startende Bands wie ELP oder Genesis blieb, und hippieskes Psychedelic-Aroma verträgt sich ganz hervorragend mit traditionellen britischen Folk-Elementen.Bandleader Ian Anderson hält sich sowohl mit seiner Querflöte als auch mit seiner einzigartigen Stimme noch ein wenig zurück, aber wunderbar warme Klangschmeichler wie "Serenade To A Cuckoo" zeigen bereits das schier unerschöpfliche Potential dieser ebenso verschrobenen wie genialen Band, die wenig später die britischen Charts von ganz oben betrachtete. Aus musikhistorischer Sicht nicht ganz unwichtig ist auch die Tatsache, daß This Was die einzige Tull-Platte ist, auf der nicht Martin Barre, sondern der keinen Deut schlechtere Mick Abrahams für die Gitarrenparts zuständig ist. Unterm Strich ein Klassikeralbum reinsten Wassers. --Michael Rensen
Kundenrezensionen zu 'This Was [REMASTERED] [+Bonustracks]'
Mystischer Folk-Blues-Rock der absoluten Oberklasse!!! (8. Oktober 2007)
Ich muß was unternehmen, meine Vorredner halten sich zu sehr zurück! ;-)Kommen wir zu This Was!
Wenn man diese Platte völlig vorurteilsfrei und losgelöst vom restlichen Tull-Oeuvre betrachtet, dann ist sie nicht weniger als ein Geniestreich!
Von der Produktion und Umsetzung kommt sie völlig antiquiert und fast schon mittelalterlich daher, und gerade das macht einen riesigen Teil der Faszination dieses Albums aus. Sicher, die späteren Alben kamen bei der breiten (ähem) Masse stärker an, aber ist das ein Qualitätsmerkmal? Oft ist doch das Gegenteil der Fall. Wie hier auch, wie ich finde. This was ist sowas von reich an mystischen und mysteriösen Feelings, das es eine Freude für den anspruchsvollen Zuhörer ist. Wenn man wirklich noch mit der Seele Musik zu hören versteht, dann ist dieses nicht weniger als ein Wunderwerk. Man wird es völlig aufsaugen und lieben.
Das gilt auch für den Nachfolger Stand up, auch wenn das wieder eine ganz andere Klangästhetik hat.
Bitte reinhören und dann entscheiden.
Bei Gefallen wünsche ich die allerschönsten Momente damit. :-)
Grüße
Das war Jethro Tull - kaum zu glauben! (10. Februar 2006)
Auch wenn man berücksichtigt, dass auch Jethro Tull irgendwo haben anfangen müssen - in diesem Fall beim Blues - bleibt doch deprimierend wenig übrig, wenn ich Bilanz ziehe: ein paar mehr oder weniger ausgeklügelte Riffs, mitunter recht scheußlicher Gesang, unmotivierte Flöten- und Gitarrensoli, einfallslose Melodien. Auch für den Blues-Background sicher keine besonders originelle Platte. Einige der Songs wurden für die DVD ,Living With The Past', in der Originalbesetzung von 1968 eingespielt, klingen dort aber wesentlich besser.Bereits der erste Song ,My Sunday Feeling' (immerhin noch im Live-Programm der Band) ist symptomatisch für die ganze Platte: ein Blues-Riff mit Flöteneinsprengseln und Bluesgesang, ansonsten wenig interessant. Ein bisschen origineller kommen vielleicht ,Beggars Farm' und ,A Song For Jeffrey' (immerhin ein Klassiker) daher, bei denen musikalisch ein bisschen mehr passiert. Die Dorfmusikanten-Bläser in ,Move On Alone' gehen gerade mal als mittelmäßiger Witz durch. Bei ,Serenade To A Cuckoo' fehlt mir ein einprägsames Thema - so erschöpft es sich in klassisch-bluesigen Impros, die nicht richtig losgehen. Der Rest ist nervig bis unerträglich, besonders das Gitarrengedudel in ,Cat's Squirrel'. ,Dharma For One' wird schlicht totgetrommelt.
Bezeichnenderweise haben sich Jehtro Tull in der Folgezeit immer mehr vom Blues gelöst (freilich ohne ihn völlig aufzugeben), sonst hätte man sie sicher bald wieder vergessen. Schließlich waren sie nicht so kommerziell wie Taste oder so bodenständige Boogie-Klopfer wie Status Quo. Tulls Blues-Feeling war jazzorientiert und progressiv, hätte deshalb höchstens Cream- und Hendrix-Fans ansprechen können - wenn sie besser gewesen wären.
Mehr als ein Vorläufer? (20. Dezember 2005)
1968 erschien diese Platte von einer damals nur Insidern bekannten Band, die sich in England durch Liveauftritte einen bescheidene Reputation erworben hatte und durch ihre ungewöhnliche Besetzung auffiel, denn wo gab es in der Rockmusik sonst eine Querflöte??Das Debüt der ersten Inkarnation von Jethro Tull (Ian Anderson sagt heute: Wir waren eine kleine Bluesband - keine besonders gute!) klang für mich damals schon sensationell und aufregend. Heute, nach 38 Jahren Jethro Tull, hat die Platte immer noch ihre Reize.
Sicher, sie ist tatsächlich noch sehr dem Bluesboom der damaligen Zeit verhaftet, dafür stehen Nummern wie It's Breaking Me Up oder Some Day The Sun Won't Shine For Me sowie das Cream-Cover (oder war's umgekehrt?) Cat's Squirrel. Aber man hört schon die Genialität späterer Zeiten heraus in Stücken wie My Sunday Feeling (immer noch ein Live-Klassiker), Serenade To A Cuckoo (starke Jazz-Einflüsse) und besonder Beggar's Farm mit der Flöten-Explosion am Schluss (mein Lieblings-Song dieser Platte).
Hervorzuheben sind neben den allgegenwärtigen Flöten-Tönen aber auch die instrumentalen Leistungen von Bassmann Glenn Cornick und Drummer Clive Bunker. Mick Abrahams, der superbe Gitarrist der Band, stand hier noch neben Ian Anderson gleichwertig als Leader, sogar als Mitkomponist und Sänger, verabschiedete sich aber gleich nach dieser Platte, weil er sich mit Anderson nicht auf die neue Richtung einigen konnte, die Ian vorschwebte (mehr Folk-Einflüsse, reichere Instrumentierung, größere musikalische Spannweite).
Interessant sind auch Titelgebung und Cover: This Was - so war es mal: seltsamer Name für eine Debüt-Platte! Auf den Cover-Fotos waren die Band-Mitglieder als alte Männer geschminkt, dabei waren sie eben mal alle knapp über 20!! Vorgriff auf ihren späteren Hit Living In The Past?
This Was ist natürlich in erster Linie der Vorläufer kommender Perlen wie Stand Up, Aqualung oder Thick As A Brick, steht aber auch für sich genommen gut da. Mit Sicherheit ist die Scheibe mehr als ein Sammlerstück für Vollständigkeits-Fanatiker.
Urwüchsig und originell, aber noch nicht so "Tull" (11. Mai 2003)
Jethro Tull waren zu ihren Anfangszeiten eine von vielen Bluesbands Ende der Sechziger, von ihrem typischen klassischen und folkloristischen Anleihen ist hier noch nicht viel zu hören, zumindest nicht auf den regulären Songs des Albums. Der Boss in der Band damals war offensichtlich noch nicht Anderson, welcher eh nicht viel von seinen Gesangstalenten hielt und das Spielen der Querflöte gerade erst erlernte, sondern Gitarrist Mick Abrahams, dessen Spiel Zweifelsohne von Jimi Hendrix und Eric Clapton (als dieser noch bei Cream spielte) beeinflusst war. Abrahams soll sogar versucht haben, Anderson dazu zu überreden, das Flötenspiel aufzugeben und ihm den Gesang zu überlassen, was bedeutet hätte, dass Anderson sich nur noch auf die Mundharmonicahätte beschränken müssen und Tull nicht zu der grandiosen und innovativen Band geworden wäre, welche später Musikgeschichte schrieb. Daher beschlossen Anderson und der Rest der Band, für welche schon feststand, dass es nicht beim musikalisch limitierten Blues bleiben würde, Abrahams rauszuschmeissen. Daher markiert THIS WAS nur einen temporären Abschnitt in der Geschichte von Tull. Hervorzuheben sind das genial groovende
A SONG FOR JEFFREY mit Andersons verzerrtem, näselnden Gesang, der kommerzielle Bonustrack LOVE STORY und das sehr bewegende und rührende A CHRISTMAS SONG, einem der ersten folkloristisch und klassisch orientierten Songs von Tull, in welchem sich bereits die zukünftige musikalische Richtung der Band abzeichnete. Trotz ihrer Genialität rechtfertigen diese Songs nicht unbedingt einen Kauf von THIS WAS, da diese auch auf dem
72er Album LIVING IN THE PAST zu finden sind, einen Sampler mit etlichen bis dato unveröffentlichten Songs. Auch nicht übel ist das Instrumental DHARMA FOR ONE, auf welchem Schlagzeuger Clive Bunker seine Talente zur Schau stellte, auch dieser Song ist auf LIVING IN THE PAST vertreten, allerdings als zehnminütige und ungleich melodischere und dramatischere Liveversion mit Gesang und Hammondorgel. Daher ist THIS WAS nur eingefleischten Bluesrockfreunden zu empfehlen, welche eher auf Led Zeppelin oder Cream stehen. Den typischen Jethro Tull - Sound repräsentiert dieses Album nicht. Die Nachfolgealben STAND UP oder BENEFIT waren da schon besser, weil variabler. A SONG FOR JEFFREY widmete Anderson seinem langjährigem Schulfreund Jeffrey Hammond-Hammond, welcher etwa drei Jahre später Glenn Cornick am Bass ablösen sollte und dann selbst bei Tull spielte. GANZ NETT!
This was different from the future (29. August 2002)
Neben Ian Anderson scheint 1968 Mick Abrahams eine stark prägende Persönlichkeit gewesen zu sein. Seine Blues-Gitarre prägt das Album mindestens genauso als der (in der Rock Musik damals) neue Querflötensound.- Abrahams bestreitet sogar die Lead Vocals auf "Cat Squirrel",
- "Some day the sun won't shine", hier teilt er sich mit Anderson den Gesang. Der kauzige Bandleader wird die nächsten Jahrzehnte den Gesangspart nicht mehr an jemand anderen abgeben (Anderson selbst hielt anfangs von seinen Vocals keine großen Stücke).
"A song for Jeffry" war die Singleauskopplung. Ein typischer früher Tull Song: seltsamer Gesang (verzerrt wie ein Greis), die Mundharmonika und die Blues-Gitarre geben ein gutes Riff, die Flöte gibt ein ungewohntes Intro und einen plötzlichen Schluß. Mit diesem Song stellte sich der ungewöhnliche Tull-Sound im Radio 1968 vor. Ein guter Titel, für einen Hit wohl zu progressiv. Die "eigentliche" Single Version ist auf "Living in the past".
-- "Dharma for one" gefällt mit am besten, wegen der temperamentvollen Flöte, die die Melodielinie wie Soli des Songs beherrscht. Auf "Living in the past" ist live davon ein ganz anderer Titel entstanden, beide gehören zu Tulls Sternstunden.
"one for John Gee" war die B-Seite von "Jeffrey".
"Serenade for a Cuckoo" von Roland Kirk inspiriert (Jethro Tull hatten mit dem begabten Jazz-Flötist ein gemeinsames Konzert im Fillmore West, ich schreibe lieber nicht, wen der Impressario Bill Graham von beiden Acts favorisierte ...). Diesen jazzigen und experimentellen Aspekt hätte ich gerne von den späteren Tull öfter gehört.
Nicht zu vergessen ist auch der Bass von Glenn Cornick und das originelle Schlagzeugspiel von Clive Bunker. Beide verliesen die Gruppe vor "Aqualung" und prägten den frühen Sound mit.
"Christmas Song" ist etwas später geschrieben, eine Ballade, weniger Blues-lastig , stärkeres kommerzielles Potential als "This Was".
"Love Song" mit seinen exotischen Percussions (wie originell war Bunker auf auf "Fat Man") ländlicher Atmosphäre und seltsamen Flöten-Riff war in einer anderen Version auch auf "Living in the Past".
Die Gruppe wußte bereits, daß sie ihren Stil verändern würde, deshalb der seltsame Titel für das Debüt. Evtl. wären sie mit dem Blues-Sound Insidertip geblieben für ein Club-Publikum, wie z.B. Mick Abrahams "Bloodwyn Pig". Mit dem Cover - verkleidet als alte Männer - legten sie einen ersten Stein für ihr Methusalem-Image (auch z.B. das Cover von "Aqualung"). Der 21-jährige Ian Anderson wurde - gemäß seinen Worten - damals von einer Zollbeamtin auf 40 Jahre geschätzt.
Das Werk ist für Blues-Liebhaber und Tull-Fans empfehlenswert. Der Durchbruch kam ein Jahr später mit "Stand Up".
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