Kundenrezensionen zu 'Switched-on Bach [Moog Synth]'
Nicht nur Wegbereiter für synthetische Musik ! (17. März 2007)
Ja, auch ich kenne die LP-Version bereits aus meiner Kindheit und ich kann heute mit Sicherheit sagen, dass das Album überhaupt erst der Zugang für mich zu klassischer Musik im allgemeinen war.Aber viel mehr als das. Tatsächlich ist die Klarheit und Reinheit der Interpretation des 3. Brandenburgischen Konzerts - und ich kenne drei weitere Versionen - meiner Meinung nach unerreicht. Aber auch die weitere Auswahl an Musikstücken auf dem Album, besonders die Fugen aus dem "Wohltemperiertem Klavier", regten Wendy Carlos an, viel zu probieren und wirklich alles damals mögliche aus dem MOOG "rauszuholen". Überhaupt ist der bahnbrechende synthetische Sound, also die Symbiose aus Klassik und modernen Sound, offenbar sehr geeignet, "einzusteigen" in die KLassik. Mein Sohn, sechs Jahre alt, findet die CD jedenfall auch super. Deshalb meine ich, das Wendy Carlos viel mehr ist als eine Wegbereiterin der synthetischen Musik.
Hervorzuheben ist auch noch, das auf der CD-Version noch zusätzliches Bonusmaterial zu finden ist, welches noch weiteren Einblick gibt im Wendy Carlos' schaffen
The Bright Side Of The Moog* (1. Februar 2007)
(*Den Titel mögen mir die Herren Namlook und Schulze nachsehen!) Abgesehen von der Tatsache, dass Walter/Wendy Carlos der Ruhm zukommt, Klassik über alle Grenzen (E, U, Katzen Musik) einem bisher nie erreichten Publikum zugänglich gemacht zu haben, ist dies eines der historischen Alben der elektronischen Musik. In den jetzt fast 40 Jahren haben sich zwar die Synthesizer stark weiterentwickelt, aber auch die Musik die damit "generiert" wird??? Nicht wirklich, oder kennen Sie ein Album der Söhne/Enkel Jarre, Tomita, Kitaro, allen Wakemans etc. dass auch nur annähernd so musiklisch innovativ war/ist? Für mich persönlich war es übrigens DER Zugang zu den Bach'schen Fugen, deren Aufbau (z.B. Stimmführung) nie besser zu "erhören" war wie auf diesem Werk.Entzieht sich üblichen Kategorien (2. Oktober 2006)
"Switched-on Bach" ist ein Pionierwerk, dass sich den üblichen Maßstäben entzieht.Gemessen an heutigen eletronischen Sounds, ist das natürlich finsterste Steinzeit, was den Hörer hier erwartet.
Trotzdem hat sich das Album einen gewissen Charm bewahrt, der es immer noch hörenswert macht.
Im Vergleich zu manchem Kollegen (z.B. Tomita) versteht es die Künstlerin auch die Werke Bachs elektronisch zu bearbeiten, ohne sie zu zerstören oder zu vergewaltigen.
Walter/Wendy Carlos (18. März 2006)
Etwas irritierend für mich,der die Original-LPs hat, war der Vornamenwechsel,habe mich schlau gemacht:Respekt!Als großer KraftwerkFan bleibt S-OB und S-OB II die ultimativen
Sounderlebnisse!!,die Ihrer Zeit weit vorauswaren und auch nie einen ebenbürtigen Nachfolger gefunden haben
Sehr interessant,weil zum ersten Mal gehört,die Bonustrack mit den Soundversuchen
PS,bin 50 und meine Eltern stöhnten 1969 über die Blasphemie "den" Bach so zu verhunzen (O-Ton Vater!!)
Spannender Crossover: Barock trifft (erstmals) Elektronik (19. April 2005)
Die Scheibe war seinerzeit (1968) ein Verkaufsschlager, und so mancher wird das Plattencover aus der Sammlung der Eltern erinnern, vielleicht erinnert er/sie sich auch daran, nicht ganz sicher gewesen zu sein, was das zwischen den todernsten langweiligen Klassikplattenhüllen zu suchen hatte. Bach auf dem Synthesizer gespielt?!In der Tat gelang es der Interpretin Wendy Carlos, einen der ersten richtigen Crossover zwischen moderner und alter Musik zu erschaffen. Der heute teilweise an Bontempi-Heimorgeln, frühe Computerspielmusik und Mobilfunkdauerschleifen erinnernde Klang war seinerzeit eine technische Innovation und Sensation; u.a. war es auf diesem Wege möglich, Bachs Musik mit einer Klangreinheit Präzision zu spielen, wie sie - wenn man dem Booklet glauben will - zuvor kaum möglich gewesen war.
Heute, über 30 Jahre später - und besonders nach den 80er Jahren mit ihren ganz eigenen Auswüchsen elektronischer Musik, klingt Switched on Bach schon zunächst eher lustig als sonderlich beeindruckend. Aber wenn man dem (digital überarbeiteten) Album die Chance gibt, stellt man bald fest, daß gerade diese zunächst so anachronistische Scheibe ein ungebrochenes Charisma verströmt.
Zum einen liegt das natürlich an der Musik Bachs, die hier mit spielerischer Leichtigkeit und Virtuosität reproduziert wird. Zum zweiten liegt das daran, daß hier die Elektronik eben noch nicht alles vermochte - und dieses Grenzgängertum hört man raus und kann es heute noch würdigen. Wie die Kompositionen Bachs, so ist auch dieses Experiment Wegbereiter gewesen für das, was noch kam, hat die Türen geöffnet für neue Möglichkeiten. Die Instrumentalepen Rick Wakemans z.B. - besonders The Six Wives Of Henry VIII. - oder auch der nur 10 Jahre jüngere nächste Klassiker der vollelektronischen Musik, Oxygene von J.-M. Jarre - die wären nicht möglich gewesen ohne Gehversuche wie diese.
Es spricht sowohl für Bach als auch für Wendy Carlos, daß dieses Album heute noch als gute Musik 'funktioniert'. Man mag es stellenweise mit leichtem Schmunzeln hören, wird aber kaum leugnen können, daß dieses Album eine Meisterleistung ist.
P.S.: Die urspr. ca. 40 Minuten wurden um die Initial Experiments ergänzt - das ist ein 8minütiger gesprochener Anhang, in dem Miss Carlos von der Entstehung des Albums berichtet.
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