Aus der Amazon.de-Redaktion
"Bring den Vorschlaghammer mit, wenn Du heute Abend kommst, dann hauen wir alles kurz und klein. Der ganze alte Schrott muß raus und neuer Schrott muß rein. Bis morgen muß der ganze Rotz verschwunden sein." Das ist nicht gerade, was man erwartet, wenn man eine Platte auflegt (Pardon: CD einschiebt), die Romantik (ver-)heißt. Aber so wie Sven Regener das mit seiner Band interpretiert, möchte man geradewegs vergnügt mitschunkeln. Und erinnert sich, dass Romantik immer auch was mit Ironie zu tun hat.Musikalisch hat sich zwar seit Damals hinterm Mond (als EOC erstmals auf deutsch sangen) nicht viel verändert, aber das macht nichts. Sollen sich andere den Kopf zerbrechen, ob das Chanson, Schlager oder einfach Rockmusik ist. Schließlich kommt es in erster Linie auf Regeners Songtexte an, die diesmal von ironisch-vertrackten Alltagsbetrachtungen ("Alle vier Minuten") über melancholische Herbstträumereien ("Fallende Blätter") bis hin zur vergnügten Kapitulationserklärung ("Seit der Himmel") reichen: "Bei mir geht überhaupt nichts mehr, / weil sich alles um dich dreht, /seit der Himmel jeden Morgen / deine Augenfarbe trägt."
Natürlich sind es vor allem die Liebeslieder, die hängenbleiben -- und die in ihrer Schlichtheit genialen Textzeilen, die sich ins Gedächtnis graben: "Warte auf mich, draußen ist es zu dunkel für einen allein" ("Warte auf mich"); "Liebling, sag mir morgen früh nochmal, daß wir glücklich sind. Wer zu lange in die Sonne sieht, wird blind." ("Die Hoffnung, die du bringst"). Das weiß auch Sven Regener. "Wir sind eben im Kontext deutscher Rockmusik offensichtlich vor allem dafür zuständig, Liebeslieder ohne Wenn und Aber zu machen und es gibt sehr viele romantische Gründe, warum Leute zu unseren Konzerten kommen."
Bald touren sie wieder. Und bis dahin gilt: "Ich sitze nur noch hinterm Haus / in einem alten Liegestuhl / und aus meinem Mund kommt Rauch / und aus beiden Nasenlöchern auch. / Den blas ich da hin wo der Wind / daraus ein Vogel-Häuschen baut. / Der nächste Winter kommt bestimmt, / Dann will ich, daß auch alle Vögel glücklich sind." --Axel Henrici
Kundenrezensionen zu 'Romantik'
Keine Romantik. Trotzdem großartig. (1. November 2008)
"Es regnet und wieder nichts getan / Nur wieder wie im Wahn ein Luftschloss aufgebaut / Es regnet und wieder eine Nacht / Am Fenster zugebracht und Träume durchgekaut".Besser lässt sich wohl nicht umschreiben, was den Hörer des neuen Element Of Crime-Albums erwartet: ein wunderbarer Bilderbogen, zusammengesetzt aus zehn fantastischen Studien des Alltags. In unteschiedlichsten und ausnahmslos (!) hervorragend inszenierten Rollen -vom Opfer vergehender Liebe bis hin zum wohlwissend erfolglosen Kämpfer gegen die Eintönigkeit des Lebens ("Bring den Vorschlaghammer mit") - verarbeitet Cheflyriker Sven Regener stets mit einer gehörigen Portion Melancholie herbstliche Impressionen, Flucht aus der Einsamkeit oder die Tragik der Liebe.
"Kitsch!!!", mag unsere dauergestählte Rockerfraktion da aus vollen Leibeskräften brüllen, wenn die chansonartigen Liedchen der Berliner Band plötzlich von plakativ gefühlsduseligen - und jetzt Achtung -Trompetensoli (!!) unterbrochen werden. Allesamt Narren jedoch! Denn was für ein plumper Eisklops muss man wohl sein, um herzzerreißende Song-Glücksfälle wie das orchestral schwingende "Fallende Blätter" oder das düster-behäbig brummende "Warte auf mich" derart zu verkennen? Für alle Pop-Exzentriker wohl ohnehin unverständlich. Denn eigentümlich origineller Pop ist es dann auch, der sich hinter den zehn Liedern der Platte verbirgt. Pop in allen Variationen, meist ruhig gehalten - beinah bewegungslos, oft akustisch und ohne überflüssige Innovation, immer aber fernab von jeglichem Mainstream. Schlicht einzigartig in der deutschen Musikszene. Zu guter Letzt kann man Mastermind Regener auf "Romantik" nicht einmal fehlenden Humor vorwerfen. Ist es doch äußerst amüsant, wenn sich dieser mit bemerkenswerter Naivität fünf Minuten lang über sprachliche Missstände im Berliner Nahverkehrsnetz auslässt ("Alle vier Minuten") oder in dem wunderbar eingängigen "Seit der Himmel" beinah ein unschuldiger Baum dran glauben muss, nur weil dieser dem verliebten Protagonisten partout nicht bestätigen will, dass ein Haar seiner Angebeteten "stärker ist als ein Seil aus Hanf".
Zweifellos das beste Album, das Element of Crime in einer Reihe großartiger Longplayer bisland geliefert haben...
Evergreen (28. Juli 2008)
Seit zwei Jahren liegt das bis dato zweitjüngste Album von Element of Crime auf meinem CD-Spieler, und hat noch nach einem Platz im CD-Regal verlangt. Ein Evergreen, der sich in jede Stimmung und Jahreszeit einpasst. Anspieltipps? "Fallende Blätter", "Seit der Himmel" und das unnachahmliche "Bring den Vorschlaghammer mit". Ein Album voller Ohrwürmer, so angenehm unzeitgemäß arrangiert. Unverkennbar: Die schnoddrige Stimme von Sven Regener. Meine Lieblingsscheibe von Element of Crime!Die Romantik der Banalitäten (29. Februar 2008)
Pessimismus hat eine neue Qualität erhalten, seit es Element of Crime gibt. Die Unzufriedenheit mit der Welt und der Menschheit wurde wohl nie erheiternder in Verse gezwängt als von Sven Regener, der uns auf dem 2001er Album wieder mal mit Zeilen, die banalen Alltagsbetrachtungen eine ungeahnte Wichtigkeit verleihen, erfreut. Beispiele:- "Wir stehen staunend vor den Trümmern einer guten alten Zeit und wir entsinnen uns bewundernd jener Unverwüstlichkeit."(NARZISSEN UND KAKTEEN)
- "Dass ein Haar von dir stärker ist als ein Seil aus Hanf und schwerer wiegt als 20 Bier, das würd' ich gern beweisen, hätt' ich eines hier."(SEIT DER HIMMEL)
- "Ich wisch mir nur noch schnell die Spinnweben aus dem Gesicht."(WARTE AUF MICH)
- "...weil es nämlich irreführend und gefährlich ist, wenn etwas U-Bahn heißt, das über unsern Köpfen rattert. Schließlich steht das U für Untergrund."(ALLE VIER MINUTEN)
- "Ein paar Straßen weiter steht eine Bank. Die steht da schon immer, doch ich hab sie jetzt erst gesehen. Fallende Blätter bedecken sie ganz. Ich setz mich dazu und freunde mich mit ihnen an."(FALLENDE BLÄTTER)
- "Der Bücherwand, für die ein halber Wald einmal starb, schlägt die letzte Stunde bald."(BRING DEN VORSCHLAGHAMMER MIT)
- "Ach wie kümmerlich ist die Wirklichkeit. Ich hab lang auf dich gewartet, doch gelohnt hat es sich nicht."(GELOHNT HAT ES SICH NICHT)
Dafür hat es sich aber gelohnt, diese CD zu kaufen.
Wirklich romantisch! (22. November 2006)
Allerfeinster deutscher Rock-Jazz. Kenne die Gruppe erst, seitdem Sven Regener häufig seines neuen Buches in Talkshows aufgetreten ist und sein "Delmenhorst" gesungen hat.Die Musik ist außerordentlich schön, sehr weich, die Bläser bringen Tempo und Kraft. Die Texte sind einfach, nie kitschig, nie mit erhobenem Zeigefinger, tun den Ohren und dem Herzen gut.
Bei Xavier Naidoo stören mich zum Beispiel die Texte in vielen Songs, da fällt mir manchmal der Satz ein "Politisch Lied ein garstig Lied".
Der Titel dieser CD von Element of Crime ist Programm. Jedes einzelne Lied ist schon und romantisch, ich habe das Gefühl, ich möchte auf dem Sofa liegen, Kaffee schlürfen und die Augen schließen, um mir in Ruhe diese Musik anzuhören. Sehr entspannend! Wird auch nach täglichem Anhören nie langwelig.
Die Musik müssen Sie selber hören. ZU dem wunderschönen Text die Streicher, die ungekünstelte Stimme von Sven Regener, die eben so wirkt, als ob jemand völlig uneitel nur schönen Rock singen möchte.
So muss es sein. Die Musik gefällt übrigens auch meinem 9-Jährigen, und das ist ein wirklich gutes Zeichen für die Qualität dieser Musik.






