Aus der Amazon.de-Redaktion
Wenn man bedenkt, dass Radiohead zu den Bands gehören, die am häufigsten auf der ganzen Welt auf Bootlegs zu hören sind --fast jede öffentliche Äußerung ist irgendwo veröffentlicht worden -- dann kommt das Auftauchen von I Might Be Wrong, das erste offizielle Livealbum der Band, doch reichlich verspätet und scheint ein wenig überflüssig zu sein. Andererseits haben Radiohead es nie aufgegeben, den Schwarzmarkt aktiv daran zu hindern, ihre Livemusik zu vermarkten.Dies stellt einen schon vor das Rätsel, was als Absicht hinter diesem Album steht. Ist es für die hartgesottenen Fans gedacht, die alles legal erwerben wollen? Oder ist es ein symbolischer Akt, ein Schlussstrich unter die phasenweise interessante, aber frustrierend hartnäckige Anti-Gitarren-Rockmusik der Kid A/Amnesiac-Ära und der Beginn eines völlig neuen Abschnitts? Oder wollten sie ganz einfach nur ein neues Livealbum heraus bringen? Wir müssen geduldig sein und abwarten. Und sie selbst müssen wahrscheinlich genau das gleiche tun.
Dennoch ist I Might Be Wrong, das acht Songs aus Liveauftritten in Berlin, Oslo, dem römischen Amphitheater in Vaison-Le-Romaine (wie das an Pink Floyd erinnert!) und von ihrem triumphalen Tourneeabschluss im South Park in Oxford zusammen bringt, über jeden Vorwurf erhaben, selbst wenn die Darbietungen "National Anthem" (erinnert an Charlie Mingus inspiriert von einer krächzenden Motörhead-Begleitung) oder "I Might Be Wrong" (Led Zeppelin trifft Blondies "Rapture") ein wenig von der Partitur der Original-Studioversionen abweichen.
Die bemerkenswerte Ausnahme bildet eine tolle Wiedergabe von "Like Spinning Plates", bei der die Elekronikklänge im Hintergrund des Amnesiac-Original von einer romantisch verzierten Klavierbegleitung überlagert werden und das so zu einem klassischen Radiohead-Erlebnis wird. Langjährige Fans werden auch bemerken, dass hier zum erstenmal "True Love Waits" auf einer Platte auftaucht (Yorke solo mit Akustikgitarre), ein Song, an dem Radiohead seit Jahren herumgebastelt hat und der endlich Hand und Fuß und ein passendes Zuhause gefunden hat -- nämlich genau hier. --Kevin Maidment
Kundenrezensionen zu 'I Might Be Wrong - Live Recordings'
Genuss einer Liveshow (4. August 2008)
Da ich selber am 10.11.2003 in den Genuss einer Liveshow von Radiohead in der Oberhausener Köpi-Arena kam, müsste ich diese CD sehr zu schätzen wissen. Allerdings, da damals die karge Bühnenshow, dafür aber perfekte Ausleuchtung der Bühne mit dazu führte, das dieses Konzert unter den Top 25 meiner Highlights landete, vermisst man diesen "Augenschmaus" natürlich. Ebenso umfasst die Tracklist nur die beiden Alben "Kid A" und "Amnesiac". Insgesamt gesehen, wie dies bei Liveaufnahmen meistens der Fall ist, sind die einzelnen Songs gitarrenlastiger und der Gesang von Thom Yorke erscheint auch kraftvoller und deutlicher. Der Song "Idioteque", mit heftigen Discoklängen unterlegt, wäre so bei einem Underworld-Gig gar nicht weiter aufgefallen. Viel gesprochen wird leider auch nicht, nur ein zartes "Thank you" und zum Abschluss ein "Good night". Apropos Schluss: Der letzte, nur mit Akustikgitarre vorgetragene Song "True love waits", bisher immer nur live gespielt, wurde hier erstmals auf CD verewigt. Und als Anekdote: Im Booklet wird Berlin als Aufnahmeort erwähnt, laut Wikipedia sind sich die Fans, die bestimmt eine Vielzahl an Bootlegs zu Hause haben, aber sicher, das dies nicht der Fall ist. Ich glaub das einfach mal. Insgesamt gesehen eine gute Liveplatte, ich für meinen Teil wünsche mir aber noch eine, die auch die Titel der früheren Platten von Radiohead mit abdeckt.Genialer Einstieg in "Kid A" und "Amnesiac" -> Gänsehaut !! (31. August 2005)
Für alle die nach "OK Computer" nicht mit dem neuen Stil von Radiohead (Kid A, Amnesiac) zurechtkommen, kauft euch diese CD! Sie wird euch zeigen, dass sich Radiohead zwar verändert haben, aber sicherlich nicht zum Schlechten. Nach ein paar mal hören fängt man langsam an zu realisieren, wie genial diese Live Versionen sind und Schritt für Schritt gefallen die teils ungewöhnlichen Studionversionen von Kid A und Amnesiac auch besser und besser!"National Anthem" und "I Might be Wrong" sind schneller, kräftiger und noch viel besser geworden. Ein Traum, besonders der Bass bei "National Anthem" kommt genial. Mit "Morning Bell" folgt ein Klassiker, der auch super umgesetzt ist, jedoch der Albumverion stärker ähnelt.
Jetzt kommt es: "LIKE SPINNING PLATES"! Noch nie hat ein Song so gewonnen wie dieser. Auf "Amnesiac" noch ein zerhacktes Durcheinander, nun wunderschön klar und hoffnungslos traurig gesungen, begleitet von einer herrlichen Klaviermelodie. Allein für diesen Song muss man sich diese CD kaufen. Mehr geht wirklich nicht! "Idioteque" ist der nächste Knaller. Die Atmosphäre des Konzerts kommt sehr gut rüber und man beginnt sofort mitzuwippen. Ebenfalls eine deutliche Verbesserung gegenüber der Studioversion. "Who's in bunker, who's in bunker?" Genial !
So perfekt wie der Anfang von "Everything in its right place" auch gemacht ist, so wird der Song meiner Meinung nach 4min auf Grund der übertriebenen Effekte ein wenig anstrengend. Hier bevorzuge ich doch die Studioversion. "Dollars and Cents" ist ähnlich wie "Morning Bell" relativ ähnlich zur Studioversion, aber trotzdem würde ich diese beiden Live Versionen nie missen wollen. Am Ende gibt es noch mit "True Love Waits" eine wirklich schöne Ballade, die auf keinem Radiohead Album zu finden ist, also eine Perle für jeden Fan!
Fazit: Unfassbar wie sehr diese Songs Gefühle hervorrufen. Lehnt euch zurück und lasst euch von diesem Meisterwerk beglücken und schon bald werdet ihr feststellen, dass Radiohead für immer unverzichtbar wird!
This might be great (27. Juli 2004)
Bei Licht betrachtet ist das Ganze ja eine Grausamkeit: Mit "I Might be Wrong" warfen Radiohead eine Live-CD, die zwischen EP- und Album-Status pendelt, auf den Markt, die mit gerade mal 40 Minuten Spielzeit nur 7 Songs von "Kid A" und "Amnesiac" plus einen unveröffentlichten enthält. Warum haben die nicht gleich ein ganzes Album rausgebracht? Was ist mit den teilweise zu Klassikern gewordenen Songs der ersten drei Alben?Schnell wird jedoch klar, dass trotz aller Abzock-Vorwürfe "I Might Be Wrong" mehr als nur eine Daseinsberechtigung hat. Denn gerade die Stücke des Experiment-Meisterwerk-Doppelpacks "Kid A" und "Amnesiac" lassen live zeitweilen komplett neue Facetten zu. "The National Anthem" und vor allem "I Might Be Wrong" werden einer Tempoerhöhung unterzogen, die den beiden Songs richtig Leben einhaucht. (Nicht, dass sie schon vorher keins gehabt hätten...)
Den Preis für die beste Umsetzung von Platte auf Bühne kann "Like Spinning Plates" für sich beanspruchen. Die gruseligen Schauer und die verqueren Soundeffekte des Originals weichen einer Klavierballade mit Gänsehaut. Allein dafür hat sich der Kauf von diesem Livealbum gelohnt. "Everything In Its Right Place" lässt sich über 7 Minuten zerhackstückeln, "Idioteque" bringt die Massen zum Springen.
Ein richtiges Juwel liegt am Ende der Spielzeit: "True Love Waits" wäre dann das ganze Geld locker nochmals wert. Ein bisher nur live gespieltes Stück, das sich in Sachen Schönheit in der Radiohead-Historie neben "Street Spirit" und "The Tourist" einordnen kann. Und wieder werden die Knie weich...
Highlights: I Might Be Wrong | Like Spinning Plates | True Love Waits
Faszinierndes Spiel mit Erwartungen (17. März 2004)
Ein Live-Konzert heute dient der Präsentation von Songs, primär derer, welche auf dem aktuellem Album des jeweiligen Interpreten zu finden sind.Nun, dass Radiohead hier völlig aus der Reihe fallen, sollte jemanden, der diese Band kennt nicht überraschen, doch genau dies tut dieses grandiose Live-Album, es ist ein fasznierendes Spiel mit den Erwartungen der Zuschauer.
Während bei "The National Anthem" und "I Might Be Wrong" nichts wirklich neues auffallen mag, fällt es dem Zuhörer spätestens bei "Like Spinning Plates" wie Schuppen von den Augen, wenn er eine weiche und melancholische Klavierlinie plötzlich als den elektronischen Musikalptraum von "Amnesiac" identifiziert.
Doch der Höhepunkt dieses Treibens wird erst beim 6. Track dieses Albums erreicht, wenn es scheint, dass Thom Yorke vom Rausch irgendwelcher Drogen beseelt anfängt in's Mikrofon zu flüstern "Here comes the flow, here comes the flow..." und dann endlich als die Meldodie wieder Einzug ins Chaos hält, wird dem Zuhörer klar: Es ist "Everything in Its Right Place".
Auch beim letzten Lied mögen viele Zuschauer damals in Oxford, Berlin oder Oslo nach vertrauten Anhaltspunkten gesucht haben, doch die gibt es nicht. "True Love Waits" verkündet Thom Yorkes das Herz berührende Stimme und spätestens zu diesem Zeitpunkt liegt der Zuhörer zu Hause wie gebannt in seinem Sessel, den Finger auf der Reward Taste der Fernbedienung ruhend um in den Genuss eines zweiten Durchlaufes zu kommen.
Ein Live-Album, welches endlich auch mal den Konsumenten zu Hause zu verzaubern weiß!
Kid A und Amnesiac endlich gut umgesetzt (18. Juni 2003)
Nachdem ich von den Alben "Kid A" und "Amnesiac" ein wenig enttäuscht war, weil sie doch ziemlich anstrengend anzuhören sind, haben mich Radiohead mit dieser Live-CD endlich wieder begeistert. Die an sich hervorragenden Kompositionen sind hier einfach besser umgesetzt: die Songs sind schneller, härter, haben einfach mehr Kick als die Studioversionen. Perfekt ist auch die Technik, wie z.B. die Hall- und Verzerreffekte bei "Everything in its right place".Der neue Song "True love waits" ist übrigens ein netter, typischer B-Seiten-Song. Der wahre Grund, sich diese CD zu kaufen, sollten jedoch die Live-Varianten der "alten" Songs sein. Für mich bleibt da nur die Frage: Warum klingen Radiohead auf ihren Studioalben eigentlich nicht so?






