Aus der Amazon.de-Redaktion
Nach seinen Ausflügen in Woody Guthries Archiv und dem unspektakulären Reaching To The Converted ist der linke Romantiker mit dem wüsten Akzent wieder in seiner britischen Heimat gelandet. Und da zieht er vom Leder: Billy Bragg versteht sich auf das Lob des Malochers, der auch mal sein Wochenende braucht, setzt dem auch in England alltäglichen Rassismus mit dem Titeltrack einen Multikulti-Song entgegen oder schimpft über den IWF, dessen Mannschaft er am liebsten durch Freunde auswechseln würde. Und dann sind da wieder die Liebeslieder; der junge Vater Bragg dichtet, wie wichtig Kinder sind und verpackt die Themen mit seiner Band in passende Sounds. Der Malocher beginnt im Stechuhrschritt, dem Rassismus verpasst Bragg eine Salve Ska und wildes Getrommel, wobei er eine untergeschobene "very british melody" verspottet. Zu seinen Blokes zählen Experten aus der Nische Weltmusik und Rockmusiker mit Hit-Erfahrung. Kein Wunder also, dass England, Half English auch in musikalischer Hinsicht viele Überraschungen bietet und unterhaltsamer wirkt als Braggs Guthrie-Scheiben. --Uli Lemke Aus der Amazon.de-Redaktion
Es existieren zwei Seiten von Billy Bragg. Die eine ist die mit seiner Band The Blokes, souveränen, etwas hausbackenen Pub-Rockern, mit denen er auch English, Half English eingespielt hat. Dann ist da der Billy Bragg solo mit seiner Gitarre, der aufrechte, durch und durch positiv, global denkende Sozialist, der die Pausen zwischen seinen Songs stets zu Zwischenansagen nutzt. Dann erzählt er von Fußball, seinem Kind, großer und kleiner Politik, kommuniziert mit seinem Publikum und es ist immer ein großer Spaß -- so wie bei seinem kleinen Geheim-Gig in einem Hamburger Club, wo er unter anderem das 5:1 seines Team gegen die indisponierten Deutschen als kleine Sticheleien nutzte und prompt eine Retourkutsche bekam: Schaut dir eure WM-Gruppe an, Billy, das habt ihr von eurem Triumph!
Natürlich kam keine Sekunde stumpfe Gesinnung von Nationalismus auf, ein Thema, dass England, Half English über weite Strecke bestimmt. "Identität sollte sich auf die eigene Person beziehen und nicht das sein, was andere dir sagen", so der englische Sänger und Songwriter. Wenn er im von Ska angehauchten Titelsong "Oh my country, what a beautiful country you are" singt, dann ist diese aus einem algerischen Folk-Song adaptierte Zeile nicht als Ironie oder Nationalstolz zu verstehen, sondern als ehrliche Liebeserklärung an seine Heimat, ohne diese natürlich über irgend ein anderes Land zu stellen. Jetzt, wo das verknöcherte, leicht zu attackierende Feinbild Maggie Thatcher zum Glück verschwunden ist, warten neue Aufgaben wie Globalisierung oder perfides, immer undurchsichtigeres Gehabe von Großkonzernen.
Dass Billy Bragg seine Antworten, Anstöße und Anregungen in relativ klar strukturierte musikalische Formen gießt, liegt nicht nur an seinem Alter. Würde er experimentell Elektronik oder andere Formen abseitiger Klänge wählen, könnte kaum jemand seine Songs wahrnehmen. Er will in Pubs oder im Radio gespielt werden, damit ihm die zuhören, die auch Quelle seiner Lieder sind. Politisch korrekt dieses Platte. --Sven Niechziol
Kundenrezensionen zu 'England, Half English'
Hochwertiges Songwriting (17. Mai 2007)
Dies war die erste Platte von Billy Bragg, die ich kennengelernt habe und sie ist mir die liebste geblieben. Bragg ist ein politischer Songwriter der alten Schule. Er singt kritische Lieder und der Zorn und der Zynismus triefen aus jeder Note der Lieder und vor allem seines (zugegebenermaßen gewohnsbedürftigen) Gesangs. Dabei ist er aber weder musikalisch noch textlich primitiv, sondern bewegt sich auf hohem Nivau. Auf dieser verglichen zu seiner Karriere eher neuen Scheibe ist er noch einen Tick moderner, chansonartiger geworden. Das Gitarrengeschrammel tritt mehr in den Hintergrund, andere Instrumente wie das Klavier erhalten mehr Gewicht. Er nimmt mehr musikalische Anleihen bei Pop, Rock oder ein bisschen Ska. Die Hetorgenität und der Einfallsreichtum der Musik gefällt mir, weil es aber gelegentlich einen Tick zu heterogen ist und sich mehr nach musikalischer Spielerei anhört als durchdachtem Beitrag zu Komposition eines Lied als Einheit nur vier Sterne.Er ist wieder da (12. März 2002)
Nach den beiden Mermaid Avenue Alben, mit bis dahin unveröffentlichen Woody Guthry Songs, hat Billy Bragg jetzt wieder eine Kollektion eigener Stücke vorgelegt. Der Titel stammtvon einem Essay Band des englischen Autors Colin MacInnes der 1961 veröffentlicht wurde und von Tommy Steel, dem 1. britischen
Rock & Roll Star und der Geburt der englischen Pop Musik handelt.
Billy Bragg hat uns wieder etwas zu sagen. Er möchte wieder eine einglische Identität, frei von rechtem Nationalstolz und Rassis-
mus.
Im Titelstück besingt Bragg seine Liebe zu England und es klngt nicht peinlich. Auch seine Ansichten als Globalisierungsgegner kommen nicht zu kurz. Aber er hat auch eien Song für seinen Sohn geschrieben.
Verpackt ist alles in ordentlichem Rock, hier und da mit einer Prise Ska verfeinert.
Das Warten seit 1996 hat sich gelohnt.






