Aus der Amazon.de-Redaktion
Zwischen 1867 und 1901 veröffentlichte Edvard Grieg zehn Bücher mit "Lyric Pieces" für Piano solo. Aus diesen hat Leif Ove Andsnes eine repräsentative Auswahl von 24 Melodien ausgewählt, angefangen von dem ersten, "Arietta", bis hin zu dem letzten, "Remembrances". Während Griegs Klavierkonzert in a-Moll weltweit bekannt ist (Andsnes hat eine prächtige Aufnahme hiervon gemacht) umfassen diese höchst expressiven Stücke geradezu die gesamte Dauer der Karriere dieses Komponisten und zeigen eine poetische Sensibilität, die zwischen Chopin und Debussy anzusiedeln ist. Grieg bezog seine Inspiration aus der Volksmusik seiner Heimat, und die Stücke illustrieren insofern einen gemäßigten Nationalismus.Andsnes erfüllt die Erwartung, ein typisch "norwegischer" Künstler zu sein, mit einer vornehm zurückhaltenden Musikalität und vermeidet es, etwas unnötig zu romantisieren, was eigentlich einfache, lyrische Musik ist. Neben dem verspielten "March Of The Trolls", dem ausgelassenen "Homeward" und "Wedding Day At Troldhaugen" ist bei dieser sehr wohl tuenden Aufnahme ein wunderbar impressionistisch anmutender Charakter auszumachen. Andsnes findet einen klaren, fragenden Ausdruck bei "Illusion" und eher pastoralen Charakter bei "The Brook" und "Evening In The Mountains", Aspekte von Norwegen, die auch noch zwei Generationen später von dem Komponisten Geirr Tveitt ausgedrückt werden. Andsnes ist der erste norwegische Pianist, der international Ruhm erreichte, und wenn er diese Musik auf dem Steinway seines Landsmanns spielt, dann erhält dieses erstklassige Konzert eine unerreichte Authentizität. --Gary S Dalkin
Kundenrezensionen zu 'Lyrische Stücke'
Norwegische Impressionen der besonderen Art (24. Juli 2002)
Grieg's Lyrische Stücke sind allesamt romantische Klavierminiaturen, die an die Tradition der "Lieder ohne Worte" von Mendelssohn und an Chopins und Schumanns kurze Klavierstücke anknüpfen. In jedem einzelnen ist aber Griegs persönlicher Stil zu erkennen, der auf prägnante Weise die herbe nordische Melodik und Harmonik mit dem eleganten Salonstil verschmelzen lässt.Manche Stücke sind Bearbeitungen norwegischer Volksmelodien oder Tänze. Der Großteil der hier eingespielten 24 von den insgesamt 66 Stücken die Grieg im Laufe seines Lebens komponierte verarbeiten jedoch Eindrücke aus der Natur, wie das "Bächlein" op.62/4 oder der "Abend im Hochgebirge" op.68/4.
Der Pianist Leif Ove Andsnes scheint aufgrund seiner norwegischen Herkunft geradezu prädestiniert zu sein, die Stücke seines Landsmannes zu deuten. Und so gelingt es ihm auch, aus jedem einzelnen eine große Palette an Klangfarben herauszuholen, um die idyllische Seite der Stücke zu beleuchten. Es geht jedoch auch wild und ungestüm zu, sei es bei der ausgelassenen Feier zum "Hochzeitstag auf Troldhaugen" oder beim laut polternden "Zug der Zwerge". Hier packt Andsnes, wenn nötig, energisch zu und meistert mühelos die beim Hören oft so unscheinbaren Schwierigkeiten.
Der warme, singende Ton von Grieg's eigenem Steinway aus dem Jahre 1892, auf welchem Andsnes diese CD einspielen durfte, tut sein übriges dazu, diese Aufnahme zu einem Erlebnis
der norwegischen Art zu machen. Sehr zu empfehlen!
Einfühlsam und authentisch (21. Juli 2002)
Die lyrischen Stücke von Grieg verdanken ihre Beliebtheit zu einem Teil der Tatsache, daß sie auch Amateurpianisten vergleichsweise leicht zugänglich sind und über einen melodischen Reichtum verfügen, der sich durchaus mit den "Liedern ohne Worte" von Mendelssohn oder kurzen Chopin-Stücken vergleichen läßt. Diese Eingängigkeit hat ihnen jedoch auch den Vorwurf mangelnder Seriosität eingetragen - eine Kritik, die in ihrer Unbestimmtheit weit eher Rückschlüsse auf die Borniertheit ihrer Autoren zuläßt als daß sie eine Wertbestimmung der Stücke selbst darstellt. Im Konzertsaal sind sie jedoch auch heute eher selten zu finden, auch wenn einige prominente Pianisten (Richter, Gilels etwa) sich ihrer angenommen haben. Leif Ove Andsnes ist als Norweger sicherlich prädestiniert für die Aufführung der Stücke seines Landsmannes; dies hat er schon vor einigen Jahren mit einer exzellenten Solo-CD sowie dem Klavierkonzert bewiesen.Auch auf der vorliegenden CD zeigt Andsnes wieder, daß er dem Idiom Griegs auf eine Weise nahesteht, die deren folkloristische Wurzeln nie verleugnet, ohne dabei rubato-selig ins Schwelgen zu geraten. Andsnes' präziser Zugriff, seine klare Linienführung sowie sein sicheres Gespür für rhythmische Feinheiten machen aus den lyrischen Stücken einen Hörgenuss. Nichts wirkt dabei zu dick aufgetragen, vielmehr strahlt jedes der Werke eine natürliche Frische aus. Andsnes gelingt mit seinem fein nuancierten Spiel, dem er auch bei den etwas einfacher strukturierten Stücken immer neue Schattierungen entlockt, bei jedem einzelnen Stück eine ganz eigene Stimmung zu erzeugen, deren Faszination man sich nur schwer entziehen kann. Besonders deutlich wird dies bei "Abend im Hochgebirge", dem "Traumgesicht" oder dem "Notturno". Es wird offensichtlich, daß Grieg mit einer ganz ihm eigenen harmonischen Sprache komponiert hat und gerade keine Stilkopie von Chopin oder Mendelssohn darstellt. Eine nostalgische Grundstimmung ist vielen dieser Stücke eigen; Andsnes läßt jedoch nicht zu, daß sich diese leichte Wehmut in Rührseligkeit verwandelt. Bei den bekannteren und gern als Zugaben gespielten Stücken wie "Zug der Zwerge" oder "Hochzeitstag auf Troldhaugen" zeigt der Pianist aber auch die energiegeladene und virtuose, von Volkstänzen inspirierte Seite Griegs mit dem entsprechenden manuellen Einsatz auf.
Ein weiteres Plus dieser CD ist daneben auch die Tatsache, daß Andsnes auf dem eigenen Flügel Griegs spielt, der sich auf seinem Landwohnsitz Troldhaugen befindet. Dessen warmer, manchmal etwas diffuser Klang verleiht der Aufnahme zusätzliche Authentizität und liefert einen weiteren Grund, diese überragende CD der eigenen Sammlung hinzuzufügen. Wer dabei auf den Geschmack gekommen ist, dem seien neben Andsnes' CDs noch die gleichfalls hervorragenden Einspielungen von Katsaris (Teldec) und Gilels (DG) empfohlen.





