Aus der Amazon.de-Redaktion
Als Shooting-Star kann man ihn längst nicht mehr bezeichnen, den norwegischen Trompeter, Komponisten und Produzenten Nils Petter Molveaer; er ist schon seit Solid Ether, seinem zweiten Album (die Remix-Projekte nicht mitgezählt), ein "richtiger" Star. Jazz, Ambient, House, Elektronik und Breakbeats, die Zutaten, mit denen Molvaer sein '98er Durchbruchsalbum Khmer zum Kochen brachte, sind auch auf NP3 die Mittel zum Zweck. Und doch unterscheidet NP3 sich stärker von seinen beiden Vorgängern als wiederum die sich voneinander. Zum einen sind die Dub-Anteile größer, ist mehr Raum in der Zeit; zum anderen transportieren die exponierten Stimmen-Samples auch inhaltlich etwas vom kommentativen Moment von My Life In The Bush Of Ghosts, dem Epochalwerk von Brian Eno & David Byrne. Das exemplarische "Axis Of Ignorance", das sich auf George W. Bushs Ausdruck von der "axis of evil" (dt.: Achse des Bösen) nach dem 11. September 2001 bezieht, spricht deutlich für sich selbst.War der Miles-Davis-Vergleich bisher immer auch ein bisschen nachlässig, ist Molvaer dessen 70er-Phase zumindest über Intonation und absolut singuläre Konsequenz in der Umsetzung etwas näher. Miles-Davis-Alben wie Pangaea und Agharta aus dem Jahre 1975, die übrigens am Nachmittag bzw. Abend des gleichen Tages live aufgenommen wurden, korrespondieren überdies in ihrer Unterschiedlichkeit sehr gut mit Molvaers Auffassung, dass Musik niemals wirklich fertig und der Kompositions- und Produktionsprozess deshalb niemals wirklich beendet ist. Auf NP3, wie auf den zwei Vorgängern, knattern, klicken und fliegen die Beats und Bytes, aber die melodisch-harmonischen Ambienzen sind derart frei und tief, dass manch ein "sophisticated clubgoer" erheblich aus dem Schritt kommen dürfte. Dass NP3 trotzdem nicht zu einem zwar gehaltvollen, aber bedrückenden Kopf-Trip ohne Menschlichkeit wird, ist einem alten Hausmittel zu verdanken: Licht und Luft. Irgendwer macht immer mal wieder ein Fenster auf. --Rolf Jäger
Kundenrezensionen zu 'NP3'
Der letzte Funke verglimmt im grellblauen Ozean (7. August 2006)
Der Mann lässt nichts anbrennen. Auch auf seinem dritten Longplayer vereint der Norweger Nils Petter Molvaer auf gekonnt tollkühne Weise blubbernde Beats, atmosphärische Elektronik und feinnervige Gitarrenschnipsel. Dazu noch sein unspektakuläres Trompetenspiel und das Chaos ist zunächst einmal perfekt: jetzt heißt es tief Luft holen und den richtigen Zugang zu dieser Melange aus Trip Hop, eckigen Dancebeats und Jazz finden.Während einem das hektische "Axis of Ignorance" mit seinen wirren Anrufbeantwortersamples zunächst den Abend zu verderben droht, entfaltet sich spätestens bei "Hurry Slowly" - hier ist der Name Programm - und "Marrow" die eigenwillige Jazz-Auffassung Molvaers. Alles fließt, strömt, flimmert in undefinierbaren Melodiezügen, Eivind Aarsets doch zuweilen seltsam befremdlich modulierter Gitarre wird genau an den richtigen Stellen der gebührende Platz eingeräumt, während man langsam zu versinken beginnt. Wahrscheinlich in dem grellblauen Ozean, der sich dem Hörer auf dem Cover offenbart und welcher der Musik den passenden Anstrich verleiht.
Wirkten die beiden Vorgängeralben, "Khmer" und "Solid Ether", insgesamt eher düster und in wolkige Koronen eingehüllt, so präsentiert sich NP3 in seiner Gesamtheit vielmehr androgyn, bisweilen kühl, doch niemals gänzlich abstoßend. Jedoch die Tatsache, dass sich viele der Elektronik-Sounds seit "Khmer" schlicht wiederholen, Molvaer bei seinem Griff in die elektronische Effektkiste also oft traurigerweise dasselbe Spielzeug in der Hand hält, lässt vermuten, dass allmählich ein Schub Innovation angesagt wäre. Aber für den Augenblick tut's das, Molvaer hat ein Gespür für Ambiente. Das soundphilosophische Erbe des späten Miles Davis wird hier sachgerecht verwaltet.
Selbstplagiator Nils - rien ne va plus... (4. November 2004)
Auch nach vielen Monaten kann das Hören dieser Platte in keiner Richtung erfreuliche Vibrationen bei mir auslösen. Leider jeder einzelne Track ist mehr von demselben, das ja eigentlich nur einmal --> Khmer wirklich vom Hocker haute. Seither ist der Herr NPM vor allem ein (guter) Plagiator seiner selbst. Es klingt bei der Nummer drei halt schon sehr zäh und fad(est) und mit Verlaub auch reichlich uninspiriert.Wer wirklich von der Wucht von etwas starken Neuem getroffen werden möchte, der lege sich die Khmer zu; das geht ordentlich rein.
Muss vom Kauf dieses Werkes eher abraten: Es bringt nur das Bekannte aber das dafür mit maximalem Beliebigkeitsfaktor; der zweite Stern ist für den Namen, sorry.
Uninspiriert und langweilig (19. November 2002)
Je populärer er wird umso schwächer und unispirierter. War schon bei Solid Ether einiger Kitsch mit drin, den man noch verschmerzen konnte, da noch insgesamt drive drin war ist die dritte Platte von Molvaer absolut tot und langweilig. Die Vergleiche der Marketing-Abteilungen mit Miles Davis waren ja ohnehin schon seit Khmer überzogen, wenn nicht überhaupt unangemessen. Bei der dritten Molvaer noch den Namen Miles Davis in irgendeiner Beziehung dazu zusetzen, wäre absurd. Molvaer hat wahrscheinlich zu viel Erfolg. Insgesamt unispiriert und öde.Einfallslos (7. November 2002)
Die beiden Vorgänger (Khmer & Solid Ether) waren ja echte Hämmer, aber nun scheinen NPM die Ideen ausgegangen zu sein. Beinahe jeden Sound, jedes -ich bin kein Musiker- "Einzelteil" scheint schon einmal auf den vorherigen Platten verwendet worden zu sein. So entsteht für mich zumindest der Eindruck, daß NPM mal wieder an dem Punkt angekommen ist, an dem Miles Davis behauptete "Jazz is dead"... Stieß dieser aber dann die Tür zum Fusion-J. erst auf, so knallt sein "legitimierter Nachfolger" diese nun zu. Lahmer, uninspirierter Abgang. Mal sehen, ob er demnächst eine neue "Tür" öffnen kann...perfekt! (1. August 2002)
drittes album von Norwegens vorzeige-jazzer mit starker elektronik-affinität.zu hören gibts verschickten electronica-ambient-dub höchster güte, der jazz-aspekt tritt nicht mit konventionellem sessiongedaddel in erscheinung. Nils' trompete schlängelt sich als organisches emotionsorgan durch die atmosphärischen klangwogen.. die den hörer auf eine klangreise wie durch einen beständig wandelnden bewusstseinsstrom mitnehmen. die tracks schlagen auch innerhalb sich selbst gern neue richtungen ein, ohne dass es als bruch wirkt, und beats kommen auch nicht zu kurz (breaks).
musik, die als unterschwellige klangkulisse genauso funktioniert wie bei konzentriertem lauthören (bei dem sich die Bill Laswell-mäßigen bässe richtig entfalten) - in jeder listening-situation offenbart sie andere seiten. welche musik kann das schon von sich behaupten.






