Kundenrezensionen zu 'Der Ring des Nibelungen (Ga)'
sehr gelungen (12. Juni 2006)
Unter den neueren Ring-Einspielungen ist dies sicher die beste; auch wenn sie mit Soltis Besetzung nicht mithalten kann, sprechen doch viele ausgezeichnete Sängerleistungen, die tolle Leistung des MET - Orchesters, Levines spannungsvolles, wenn auch sehr weiches und zuweilen extrem langsames Dirigat und vor allem: der wunderbare Klang für diese Aufnahme.Die Sänger - Pluspunkte: Morris mächtiger Wotan, Behrens' leidenschaftliche Brünnhilde (trotz des etwas dünnen Tons) Jessye Norman und Cheryl Studer als Luxus-Sieglinde und -Gutrune, Jerusalems erstklassiger Loge und Wlaschihas legendärer Alberich sowie Heinz Zedniks bekannt phänomenaler Mime.
Minuspunkte: Christa Ludwigs leider fünfzehn Jahre zu spät aufgenommene Fricka (Alas !), Gary Lakes qualliger Siegmund und Goldbergs säuerlicher Siegfried sowie stimmlich und idiomatisch zweitklassige Rheintöchter und Walküren : Hier hätten sich Importe aus Europa doch gelohnt (und ein anständiger language coach). Trotzdem sehr hörenswert - aber Solti bleibt Referenz !
Gut, doch leider weniger wagnerisch (9. Juli 2003)
Ich finde den Ring von James Levine sehr schön, doch es gibt da auch nach meiner Sicht ein kleinen Nachteil:Die Hörner sind mir etwas zu weich aufgetragen, bei Wagner kommen die Hörner eher stärker zum Ausdruck. Da hört man auch, dass man es hier mit der MET und nicht mit den Bayreuther Festspielen zu tun hat. Alle Sänger sind in Ordnung, habe nichts auszusetzen. Der Walkürenritt ist sehr schwungvoll und nicht gehakt wie bei Solti. Trotz leichter Mängel ist diese Aufnahme sehr empfehlenswert, vor allem wegen dem Tempo.
Der beste Ring aus den späten Achtzigern/Neunzigern (30. Januar 2003)
Bei dieser CD-Box handelt es sich um die gleichen Aufnahmen wie bei der DGG bereits 1994 veröffentlichen Version dirigiert von Levine. Unterschied: Keine Librettos, sondern nur ein einzelnes Begeleitheft mit den einzelnen Opernzusammenfassungen und den jeweiligen Orchester- und Sängerbesetzungslisten. Wer also auf die Librettos verzichten kann oder diese sich beispielsweise als Reclam-Heft zulegt (die zusätzlich genaue Regieanweisungen enthalten), erhält mit dieser Box die gleichen Aufnahmen der Ausgabe von 1994 zu einem knapp 50 % günstigerem Preis.Über das Werk braucht man sicherlich keine Worte verlieren. Was spricht für den Erwerb der Interpretation von Levine? Zuerst einmal spricht der homogene Klang für sich, der sich durch sämtliche Werke zieht. Für mich persönlich ist die vorliegende Aufnahme u.a. auch deswegen die beste aus dem digitalen Zeitalter. Ein weiterer Vorteil ist das sehr gefühlvolle Herangehen von Levine, Er nutzt den vergrößerten Orchesterapparat nicht nur um ihn bei den lauten Momenten hervorzutreten zu lassen um die offenkundige Dramatik zu unterstreichen, sondern benutzt hervorragend die gesamte Orchesterbandbreite, um sämtliche Aspekte des Werkes genau auszuleuchten und schafft genau damit die dramatischen Spannungsbögen, die bei Wagner so wichtig sind. Die Orchester- und Chorleistung ist durchaus exorbitant zu nennen, außerdem gefallen auch die Sängerbesetzungen, wo es in den Sechziger Jahren ja mal manch schwächere oder unglückliche Besetzungen bei den Einspielungen gab. Dagegen ist bei diesem Ring (im Gegensatz zum Karajan-Ring der späten Sechziger), nicht eine einziger Ausfall oder eine Durchschnittsleitung zu nennen. Für mich persönlich von Riesenvorteil ist die konstante Sängerbesetzung:, d.h. die Hauptpersonen, wie Wotan/der Wander werden nur von einem Sänger , in diesem Fall James Morris, gesungen. Diese Vorgehensweise verstärkt nur die Geschlossenheit dieses Ringes - und ein Ring selbst ist sowieso in sich geschlossen. Einzelne Gesangsleistungen in diesem hervorragendem Gesamteindruck hervorzuheben ist nur schwer möglich. Morris als Wotan, Behrens als Brünnhilde, die große Ludwig als Fricka, Jerusalem als Loge und auch Goldberg als Siegfried, sie allesamt erbringen hier keine nur solide Leistung sondern eine absolut mitreißende und technisch perfekte Performance. Die Leistungen der Sänger und des Orchesters sind so gut, dass man nicht bemerkt, dass es sich um eine "Studioaufnahme" und nicht um einen Livemitschnitt handelt. Von der Sterilität vieler klassicher Digitalaufnahmen ist hier glücklicherweise keine Spur. Für mich persönlich ist dieser Ring neben dem Rheingold und der Walküre von Karajan, sowie Teile des Rings von Böhm, im Gesamteindruck die beste Kompletteinspielung. Ein Reinhören kann in keinem Fall schaden und das Preis/Leistungsverhältnis ist bei dieser Box sowieso mehr als gewährleistet.


