Aus der Amazon.de-Redaktion
Das New Yorker Quartett Interpol passt mit seinem Debütalbum Turn On The Bright Lights perfekt in das Punk- und New-Wave-Revival, das 2001 und 2002 vor allem in den USA losgetreten und in Europa gerne aufgenommen wird. US-amerikanische Bands wie die Strokes, Liars, Black Rebel Motorcycle Club, Radio 4 oder Interpol orientieren sich an Vorbildern aus der fruchtbaren Zeit der späten 70er- und frühen 80er-Jahre, wobei Interpol eher britisch denn amerikanisch klingen. Dabei sind vor allem auch die düsteren Vertreter englischen Post-Punks, allen voran Joy Division aus Manchester ein Einfluss auf die Band.Die Vier haben sich 1998 auf dem College in New York getroffen. Schon das erste Demo hat das schottische Kultlabel Chemikal Underground (Arab Strap, The Delgados) entdeckt. Nach einer weitere EP und einer Aufsehen erregenden John-Peel-Session in England erscheint das Debüt beim US-Indie Matador, "unserem Lieblingslabel", so Sänger Paul Banks gegenüber Amazon.de. Dass die Band mehr an englischen Vorbildern orientiert ist und sich auch entsprechend kleidet, führt Banks unter anderem darauf zurück, dass man mit dem gegenwärtigen US-Rock überhaupt nichts anfangen könne. Weder der Mainstream, noch Funpunk im Stile von Blink 182 oder Nu-Metal von Linkin Park und Papa Roach sagen den Musikern zu. Ihm fehle die "emotional moodiness".
Auf ihrem Debütalbum gibt es diese emotionale Seite. Eher düster als hell, driftet das Werk dennoch nicht in plumpen dunklen Dark-Wave ab, wie er hier zu Lande von Gothic-Acts zelebriert wird. Irgendwo zwischen Pop und experimentelleren Klängen sind Tracks wie "Untitled", das wunderschöne "Stella Was A Diver And She Was Always Down" oder das mit einem Smiths-Gitarrenriff daherkommende "Say Hello To The Angels" angesiedelt. Wert legen Interpol darauf, dass ihr Song "NYC" längst vor dem allgemeinen, gegenwärtigen New-York-Hype, schon im Dezember 2000 geschrieben worden sei. --Thomas Bohnet
Kundenrezensionen zu 'Turn on the Bright Lights'
Große Versammlung (1. November 2008)
oiwei..ich dachte jetzt echt, ich wäre der erste, dem auffällt: oha, Joy Division.. Die Band hat bestimmt den alten Ian Curtis zum Vorbild. Na, Blitzmerker..haha. Da gibt es aber auch nichts dran zu deuteln und ich finde das Rockzitat hier außerordentlich gelungen. Das ist wirklich düstere Gruftiemusik geworden. Also genau so was, wo man mit 16 mit todernstem Gesicht auf der Stelle zu herumstakst und das dann auch noch tanzen nennt. Warum nicht? Ich wollte sogar erst schreiben: gelungener Querschnitt aus Joy Division und Tocotronic, ja doch an manchen Stellen..auf jeden Fall kann man aber auch den Einfluss von Television heraushören, was ja auch eine durchaus respektable Band ist, hehe. Die New Yorker Post-Punker mit dem düsteren Touch haben hier jedenfalls ein sehr herbstliches und gutes Album an den Start gebracht, das man immer wieder mal anhören kann. Na, bei Stella was driver.. ist mir das Stella, Stella-ha.. ein bißchen zu schmachtend geraten, was aber dem Song auch keinen wirklichen Abbruch tut. Wirklich ein tolles Album.Sehr schönes Album (30. Oktober 2008)
Wie immer natürlich geschmackssache.Aber darüber lohnt es sich eh nicht zu streiten.
Für Leute mit Hang zur Romantik oder Tragik genau das richtige.
Dieses Album ist meines Erachtens nach ein super Debut für Interpol.
Die tiefgründigen Texte gehen unter die Haut und der Sound in den sie gehüllt sind ist gefühlvoll und true. Es ist bestückt mit unvergesslichen Tracks wie Hands Away, Stella was a diver, Leif Ericson und nicht zu vergessen meinen Lieblingssong Obstacle 2!
Es ist aber auch Stimmungsmusik! Ich höre nur im Winter Interpol.
Im Sommer ist es mir zu düster und defensiv.
Hypnotische Melodien in Moll (13. Oktober 2008)
Interpol aus New York haben es sich in der Ecke zwischen Post-Punk und New Wave gemütlich gemacht.Unweigerlich mussten sie sich so verschiedenen Vergleichen entgegensehen, vor allen Dingen dem musikalischen Einfluß von Bands wie Joy Division oder The Chameleons, welchen man auch nicht vollständig von der Hand weisen kann.
Dennoch klingen Interpol moderner. Zwar durchaus retro, aber doch eigenständig genug, um bis heute an Relevanz gewonnen zu haben.
Der düstere morbide Stil des Quartetts zieht sich durch Optik und Lyrik rund um "Turn On The Bright Lights", das Debüt der Band.
Tom Banks' Texte voller Melancholie, Verzweiflung und Nihilismus, die sehr viel Interpretationsraum lassen und hypnotische Melodien treiben dieses Album durch den Gehörgang des geduldigen Hörers.
Das introartige "Untitled" wirkt einfach gestrickt und scheint arm an Höhepunkten, erschließt sich erst nach mehreren Durchgängen.
Mit "Obstacle 1" legt man dann an Tempo zu und die Gitarren fräsen sich tief ins Unterbewusstsein. Neben diesem Song überzeugen besonders das ebenfalls treibende "PDA" mit einem Refrain, den man unweigerlich mitsingen muß - Riesennummer - und das dramatisch-elegische "Stella Was A Diver And Always Down", ein packendes Stück über eine Prostituierte, irgendwo zwischen Anbetung und Erniedrigung.
Auch am Ende warten besondere Songs:
das verspielte "The New", dessen Text wieder einmal vor Dramatik strotzt und in dem sich Daniel Kesslers Gitarrenspiel ins Gedächtnis brennt und das hypnotische "Leif Erikson", vielleicht der größte Song auf Interpols Erstling.
Leider fällt das Album im Gesamteindruck im Mittelteil etwas ab, "Say Hello To The Angels" wirkt ein wenig befremdlich, am austauschbarsten, und "Hands Away" verfügt über verzichtbaren Intermezzocharakter.
In den Zeiten, in denen der sog. Indie Rock fast durchgehend aus "The-Bands" und gleichklingenden chartskompatiblen Post-Punk-Revival-Eintopf mit nährstoffarmen 70ies-Rock-Allerlei bestand, bewiesen Interpol, daß auch diese Retrowelle durchaus positive Aspekte mit sich bringt und das Spielen unter den riesigen Schatten der musikalischen Idole auch Eigenständigkeit und Beständigkeit bedeuten kann.
Fantastisch (15. Juli 2008)
Ich habe dieses Album nun schon seit Jahren, und höre es mir immer noch gerne an, von Anfang bis zum Ende. Kein Song schwächelt; es gibt ein gleichbleibend hohes Niveau.So gut waren Interpol auf den nachfolgenden Alben (vor allem A love to admire) leider nicht mehr.
Zeitlos!
Ja das hier is was Besonderes (31. Januar 2007)
Etwas schräg und zuerst relativ schwer zugänglich, findet man dennoch den richtigen Zugang zu dieser Musik und der Stimmung sind die Herren einfach nur grossartig.Ich weiss nicht, ob es den anderen Rezensenten genauso geht, aber die Musik und die Texte wirken sehr kunstvoll vereint.
Als Gestalter ist diese Band eine grosse Inspiration für mich, weil sie abseits der üblichen Harmonien eine eigene Sache entstehen lässt.
Ich bin kein Musikfreak und sammle keine Platten bis zum Abwinken, aber ich muss einfach sagen, dass das hier etwas Besonderes ist.






