Verkaufsrang: 3559 (DVD)
Actor: Til Schweiger
Actor: Doris Schretzmayer
Actor: Martin Feifel
AspectRatio: 2.35:1
AudienceRating: Freigegeben ab 12 Jahren
Binding: DVD
Director: Gregor Schnitzler
EAN: 4030521330368
Format: Dolby
Format: PAL
Format: Surround Sound
Languages:
ListPrice:
RegionCode: 2
Erscheinungsdatum: 3. September 2002
Spielzeit: 101
TheatricalReleaseDate: 2001
von: Til Schweiger (Hauptdarsteller), Doris Schretzmayer (Hauptdarsteller), Stefan Zacharias (Komponist), Stephan Gade (Komponist)
Preis: EUR 6,38
Aus der Amazon.de-Redaktion
"Das Timing muss stimmen!" Da dieser Satz aus einem Agitprop-Film der Gruppe 36 im gleichen Maße für Komödien wie für Sprengsätze gilt, kann eine Bombenexplosion zum falschen Zeitpunkt in Gregor Schnitzlers Was tun, wenn's brennt? zum idealen Ausgangspunkt für eines der interessantesten deutschen Spielfilmdebüts der letzten Jahre werden. In den 80er-Jahren haben die sechs der Berliner Hausbesetzerszene angehörenden Mitglieder der Gruppe 36 eben nicht nur filmische Anleitungen zum Bau von Bomben gedreht -- Holger Meins' aus den späten 60er-Jahren stammender Kurzfilm über die Herstellung eines Molotowcocktails lässt erkennbar grüßen --, sondern selbst auch welche gebastelt. Als nun zu Beginn des 21. Jahrhunderts einer ihrer damals deponierten Sprengsätze mit fast 15 Jahren Verspätung in einer Grunewalder Villa hochgeht, holt ihre Vergangenheit die inzwischen meist bürgerlich gewordenen Ex-Hausbesetzer und Anarchisten ein.Eine der unbestrittenen Stärken Hollywoods ist seine Fähigkeit, große Unterhaltungs- und Genrefilme zu produzieren, die uns in eine fremde Welt entführen und uns zugleich aber auch etwas über die Welt erzählen, in der wir leben. Das deutsche Kino hat -- sieht man einmal von einigen ganz wenigen Regisseuren ab -- diese Fähigkeit schon vor langer Zeit verloren. Selbst während des Booms der 1990er-Jahre blieb diese von Filmemachern wie Kritikern, Verleihern wie Publikum konstruierte Trennung, die zwischen einem reinen Unterhaltungskino und dem so genannten Autorenfilm unterscheidet, weit gehend unangetastet. Erst in der letzten Zeit haben so unterschiedliche Regisseure wie Volker Schlöndorff und Oskar Roehler, Christopher Roth und Oliver Hirschbiegel ernsthaft versucht, diese beiden Formen von Filmen, die sich eben gar nicht widersprechen müssen, wieder zusammenzuführen. Ihrem Vorbild ist Gregor Schnitzler mit seinem Erstling gefolgt.
Man spürt in nahezu jeder Einstellung und jedem Schnitt von Was tun, wenn's brennt?, dass sein Regisseur zuvor Werbeclips und Musikvideos inszeniert hat. Ihre Ästhetik und ihr Tempo sind hier aber nicht nur Selbstzweck, sie spiegeln das neue Berlin, das kaum noch etwas mit der Stadt verbindet, in der die Mitglieder der Gruppe 36 einst von einer anderen, besseren Welt geträumt haben. Und so wie sich Berlin verändert hat, sind auch die Sechs längst nicht mehr die, die sie einst waren: Maik (Sebastian Blomberg), der nun seine eigene schicke Werbeagentur hat; Nele (Nadja Uhl), die sich als allein erziehende Mutter zweier Kinder durchschlägt; "Terror" (Matthias Matschke), der jetzt als Staatsanwalt auf der anderen Seite steht; Flo (Doris Schretzmeyer), die irgendwie zu Geld gekommen ist. Von Idealen und Träumen haben sie sich weit entfernt. Selbst Tim (Til Schweiger), der letzte authentische Punk Berlins, und der seit einem Unfall an einen Rollstuhl gefesselte Hotte (Martin Feifel) leben nur noch so wie damals, weil sie den Absprung irgendwie verpasst haben. Von ihrem Glauben und ihren Überzeugungen ist zumindest in ihrem Innersten kaum noch etwas übrig.
Im Prinzip erzählt Gregor Schnitzler hier die alte Geschichte von den Idealisten, die sich mit der Zeit dem Lauf der Dinge gefügt haben und nun an einem Punkt in ihrem Leben angekommen sind, um den sie eigentlich einen großen Bogen machen wollten. Sein eigentlicher Schachzug ist aber, dass er sie in Beziehung setzt zu den gesellschaftlichen Veränderungen, in deren Gefolge aus der alten BRD die heutige Berliner Republik geworden ist. Auch wenn sich Schnitzlers Blick anscheinend nur auf den Westen der Stadt richtet, erzählt Was tun, wenn's brennt? doch mehr von unserer gesamtdeutschen Wirklichkeit als die meisten Filme. Schnitzler führt zwar nicht jeden seiner Gedanken aus, und einiges bleibt auch etwas plakativ, aber diese kleinen Schwächen gleicht sein hervorragendes Ensemble -- allen voran Sebastian Blomberg, Til Schweiger, der hier auf beeindruckende Weise gegen sein Image anspielt, und Martin Feifel -- allemal aus. --Sascha Westphal
Kundenrezensionen zu 'Was tun, wenn's brennt?'
Kleinod ! (5. Mai 2008)
In den späten 80ern haben 6 Mitglieder der Berliner Hausbesetzerszene nicht nur Molotows geschmissen sondern auch kleine Bomben zur Durchsetzung ihrer Ideale gebastelt.13 Jahre später will bis auf zwei "Unbelehrbare" keiner mehr etwas von seiner Vergangenheit und seinen Überzeugungen wissen. Nur dumm, dass ausgerechnet jetzt ein Sprengsatz leicht verspätet hochgeht und sämtliche Spuren nachträglich zu verwischen sind.
"Was tun, wennŽs brennt ?" ist ein cineastisches Kleinod. Tolle Bilder, viel Tempo, super Musik und vor allem: ein super Drehbuch mit witzigen und nachdenklichen Dialogen und einem dafür massgeschneiderten Schauspielerensemble.
Allen voran Til Schweiger, der die Rolle des letzten Punks Tim perfekt interpretiert.
Leuten, die einst ihre Platten und T-Shirts beim Weserlabel gekauft und ihre Jeans mit Domestos behandelt haben, müsste dieser Film eigentlich aus der Seele sprechen:
Staat, Geld, Karriere und Wet-Gel-Arschlöcher, wir zeigen Euch den gestreckten Mittelfinger !
Von der Vergangenheit, die einen manchmal einholt. (5. Januar 2007)
Die autonome Gruppe 36 war in den achtziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts besonders fleißig. Man erstellte filmische Anleitungen zum Bombenbau und leistete militanten Widerstand. Man wurde auch selber aktiv und hatte Straßenkämpfe mit der Polizei. Einer ihrer Bomben ging aber nicht pünktlich hoch, sondern zwölf Jahre später, Ende der Neunziger Jahre.Die Polizei beginnt ihre Ermittlungen. Zwei jener Gruppe fristen ihr Dasein immer noch als Hausbesetzer. Bei einer Hausdurchsuchung wird ihr komplettes Filmmaterial beschlagnahmt. Als die Ermittlungen über die verspätete Bombenexplosion öffentlich werden, dämmert es den beiden, das das konfiszierte Filmmaterial sie überführen wird. Sie versuchen mit den Ehemaligen Kontakt aufzunehmen und stellen fest, das jenen den Weg in ein Leben gefunden haben, was sie alle damals bekämpften.
Aber die Gruppe von einst hält zusammen. Man sucht und findet einen Plan, die Beweise zu vernichten und setzt ihn in die Tat um.
Die zeitnahe deutsche Geschichte wird mit Humor vorgetragen. Gute Dialoge und Schwarzweißszenen aus alten Tagen sorgen für Authentizität. Nette Filmunterhaltung von der es mehr geben sollte.
Venceremos (18. Dezember 2005)
Scheinbar ohne Motivation explodiert eine Bombe in einer leerstehenden Villa. Die Ermittler stehen vor einem Rätsel.Die Schöpfer des Sprengsatzes sind inzwischen selbst versprengt, allesamt einstige Hausbesetzer. Nur 2 von ihnen sind ihren Grundsätzen treu geblieben, während die anderen inzwischen ein bürgerliches und staatstragendes Leben führen.
Dummerweise gibt es ein Beweisstück, welches allen zum Verhängnis werden könnte. Das zwingt auch die "Gesetzestreuen" zum Umdenken, auch wenn unterschiedliche Weltanschauungen und Stutenbissigkeit bringen die Gemüter immer wieder zum Kochen bringen.
Die Geschichte ist ein wenig überzeichnet und kommt auch nicht ohne Klischees aus. Angesichts der kurzweiligen Handlung, witziger wie nachdenklicher Dialoge und guter Schauspieler verzeiht man dies ohne Zögern - 5 Sterne.



