Aus der Amazon.de-Redaktion
Beck ist ein armer Teufel, ein wirklich armer Teufel. Und wenn Songtitel wie "Lost Cause", "Lonesome Tears", "Already Dead" und "Nothing I Haven't Seen" dies nicht deutlich machen, dann werden seine traurig schmachtenden Texte und der unbeirrbar niedergeschmetterte Sound von Sea Change dies erreichen. Das 1998 erschienene Mutations -- ganz sicher das Meisterwerk des Sängers und Songschreibers und geistig verwandt mit Sea Change -- war ja noch voll von erbarmungsloser Selbstkritik und Augenblicke von Leichtigkeit waren in Songs wie "Tropicalia" zu spüren.Nicht so bei Sea Change. Becks trunkene, geradezu im Delirium befindliche Darbietung scheint das Gefühl von Weltschmerz noch zu verstärken. Aber traurig bedeutet nicht unbedingt schaurig. Es gibt daher trotz der düsteren Klangfarben vieles zu loben, nicht zuletzt die Rückkehr des Produzenten Nigel Goderich (Mutations, Radiohead), der Becks finstere Stimmung in eine verträumte, wärmende Hülle von sanften Streichinstrumenten, schwebenden Pfeiftönen und Murmeln einhüllt. Wie bei Daniel Lanois geht es bei Goderich immer um Ausstrahlung, und selbst die knochentrockensten Songs von Beck profitieren von der wogenden Atmosphäre.
Dies ist vor allen Dingen bei "Paper Tiger" der Fall, einem ruhelosen, sich langsam aufbauenden Epos, das auf unglaubliche Weise von einem zäh spielenden Orchester und Becks ausdruckslosem Brummton angetrieben wird. Die pechschwarze Stimmung von "Round The Bend" -- inem eisigen, langsamen Klagelied mit gedämpftem Gesang -- mag zwar das Düsterste sein, was Beck jemals geschrieben hat, wenn man von dem so grausigen "Already Dead" absieht. Ganz gleich was sich in Becks Welt abspielt, wir wissen zumindest, dass er alles in allem Buße tut, was für seine eigene Seele besser sein wird als für unsere. --Kim Hughes
Kundenrezensionen zu 'Sea Change'
Songs zum aus der Wohnung rennen. (1. Juli 2004)
Beck habe ich im Soundtrack von "Vergiss mein Nicht" zum ersten Mal gehoert. Grossartiger Film und sein Song "Everybody gotta learn sometime" ist ein Lied bei dem man aus der Wohnung rennt. Die ganze CD Sea Change ist voll von solchem. Dabei nicht nur ruhig, nicht nur schoen. Es ist oft extrem. Verzweifelt. Schrill. Nur kurz. Er steht mit einem Bein auf der Erde, gefasst, fast melancholisch, und mit dem anderen in der Hoelle, schreit, flucht, rauft sich die Haare. Klar, es geht um Liebe.Das ultimative Album! (29. August 2003)
Tja sagte ich neulich zu einem Kumpel - irgendwie ist nix vernünftiges mehr auf'm Markt, ich brauche unbedingt mal wieder gute Musik! Haste die neue Beck schon gehört? fragt er... neee, sag ich - Beck ok, hat grossartige Sachen gemacht aber ist mir irgendwie zu strange momentan. Doch doch, sagt er, zieh dir die mal rein, die ist einfach wunderbar! Gesagt getan ... und er hatte absolut recht! Dieses Album ist einfach der Hammer! Alles hätte ich von Beck erwartet, nur eines nicht - ein zum dahinschmelzen schönes Album mit wunderbaren Songwriter Qualitäten. Die Songs sind zum Himmel melancholisch und bleiben dabei trotzdem irgendwie leicht und flockig. (z.B. Paper Tiger mit einer Baseline die an die Anfangssequenz von AIR'S MOON SAFARI erinnert, dazu Streicher die aus einem 70ger Jahre Roadmovie zu stammen scheinen und ein emotionsloser aber wünderschöner Beck der seine Melancholie einfach so ins Mikrofon überträgt). Nichts erinnert mehr an die teilweisen wirklich schräge Vergangenheit in Beck's Universum. Beim erstenmal hören fand ich sea change ja noch fast ein bisschen langweilig, aber je öfter ich das Ding höre, desto mehr steigt sea change in meiner "all time favorites list". In meine persönliche TOP 10 hat es sea change schon locker geschafft - ich denke mal TOP 5 ist mindestens drin! Besondere Wirkung entwickelt sea change im Auto bei trüben und regnerischen Herbstwetter denn, eigentlich ist alles trostlos aber was solls, irgendwie ist die Welt ja gerade deshalb so schön! Dieses Album ist jeden Cent wert - kaufen!Ein Album voller wunderbarer Songs (27. Juni 2003)
Der Junge hat schon viel geleistet. Von LoFi - Folk-Hop mit gesampelten Spielereien bis zu groovigen Funk-/House - Anleihen auf seinem letzten Album "Midnight Vulture" ist es nach Beck Hansen nur ein kleiner Schritt. Denn die Musik sollte in erster Linie Spaß machen. Doch jetzt ist Schluß mit lustig. Auf seinem neuen Album besingt der ehemalige "Loser" die Schmerzen einer gescheiterten Liebe. Diese Gefühle bettet er in wunderschön-traurige Songs ein, die er so emotional und rauh wie nie zuvor vorträgt. In "Guess I`m Doing Fine Now" singt er über die allseits bekannte Selbstverleugnung der Verlassenen, doch seine traurige Stimme läßt den Text in sein Gegenteil verkehren. Die Arrangements des Albums führen den Leidenden zurück in die Indie Folk/Country Rock - Schiene. Und dort ist er mit düsteren Streicher - Arrangements, seiner Akustik - Gitarre und seinen ernsten Anliegen incl. der selbst - reflexiven Texte gut aufgehoben. Als Zutaten verwendet er noch zusätzlich ein wenig Psychedelic ("Side Of The Road") sowie opulent - symphonisches ("Round The Bend"). Doch der Grundtenor dieses Albums ist die Vergeblichkeit der Liebe, perfekt umgesetzt in "Already Dead".Mit diesem Album wird Beck nicht die Charts aufrollen und es sind auch wirklich keine perfekten Radio - Songs zu hören. Doch es ist ein Album voller wunderbarer Songs - introvertiert und voller Herbstgefühle - und deshalb so wertvoll.
schön traurig (26. Juni 2003)
normalerweise höre ich ja gaaanz andere sachen...(electronic, dance und so eben) aber was beck hier abgeliefert hat ist wieder mal typisch er. Soll heissen: fantastisch!Beck erfindet sich aufs neue, neu. Melancholische Songs, dezenteste elektronikschwaden gaanz weit hinten...vor allem song nummer 8 könnte fast von leftfield (wers kennt) stammen.
Also wer melancholischen sound, perfekt produziert noch besser vorgetragen will: das ist deine platte!!!






