Aus der Amazon.de-Redaktion
Muss ein politisches Album tiefgründige Songtexte und Protestlieder haben? Muss es nicht! Godspeed You! Black Emperor sind eine Instrumental-Gruppe und doch durch und durch politisch. Das beginnt beim internen, auseinandersetzungsreichen Songwritingprozess und endet in einer Verweigerungshaltung gegenüber der Pop-Industrie. Jeder Fan weiß das und liebt die vielköpfigen Kanadier für ihre konsequente Haltung. Yanqui U.X.O. heißt ihr neuerliches Meisterwerk (schon wieder eines), und Album- und Songtitel plus Covergestaltung stecken voll mit offenen Anspielungen. Yanqui nennen die Mexikaner den Krieg von 1846-47 mit den USA. Es war der erste Krieg der Amerikaner, für die diese Auseinandersetzung schlicht "Mexican War" heißt, auf fremdem Boden. U.X.O. ist die Bezeichnung für "unexploded ordnance", also nicht explodierten Sprengstoff, meint aber auch Landminen oder Splitterbomben.Das Elend, das hinter diesen drei Buchstaben steht muss wohl nicht weiter erläutert werden -- eher vielleicht das zweiteilige, epische Eröffnungsstück "09-15-00". Zahlen nur, wie "9-11" (im Englischen kommt zuerst der Monat, dann der Tag) und doch von großer Tragweite. "09-15-00" erinnert an den Tag, an dem Ariel Sharon mit 1.000 Soldaten gen der heiligen islamischen Stätte Al-Haram Ash-Sharif zog und eine neue Intifada provozierte. Niemand soll dahinter eine antiisraelische Einstellung vermuten, es geht um Zusammenhänge und Wirkungen. Irgendwo haben Godspeed, die das "!" hinter das "You" verlegt haben, geschrieben: "GY!BE is complicit is guilty is resisting". Gefangene des Systems also, dem sie den Spiegel vor die Fratze halten und in dem sie zurechtkommen müssen.
Doch die neunköpfige Band aus Montreal brüllt ihren Ärger nicht heraus, sie verwandelt ihn in Töne. Von epischer Wucht unglaublicher Dynamik sind sie, wechseln zwischen Melancholie, Verzweiflung und (ohnmächtiger) Wut. Auf Implosionen folgen Explosionen, nach Ruhephasen der Aufbau gewaltiger Wall Of Sounds, die gleich wieder einstürzen. Mit Neuerungen gehen Godspeed dabei vorsichtig um. Diesmal fehlen die Tapeeinspielungen und Wortfetzen, dafür ist "Motherfucker = Redeemer" das bis dato rhythmischste Stück ihrer Geschichte. Produziert hat Genius Steve Albini (Nirvana, Big Black plus 1.000 andere Bands) ohne das Klangbild zu verändern, und es gibt nicht viele, die dieser Mann respektiert. --Sven Niechziol
Kundenrezensionen zu 'Yanqui U.X.O CD'
Etwas nachgelassen... (19. Februar 2006)
... haben GYBE mit diesem Album von 2002, da waren sich viele Fans einig.Der Stil dieser Band ist der gleiche geblieben, aber auf dieser Platte fehlen die großartigen Soundcollagen aus Stimmen- und Geräuschsamples, die die Vorgänger so atmosphärisch gestalteten.
Yanqui ist rockiger, den Themen wird diesmal weniger Zeit gelassen, sich zu entwickeln, so dass es innerhalb eines Tracks sehr viele Motive gibt, die sich fast hetzen - in Begriffen von Godspeed-Musik. Natürlich sind die Stücke weiterhin lang, instrumental und mal trauriger, dann wieder wütender Natur.
Keine schlechte Platte, aber sie muss sich natürlich an den Maßstäben messen, die GYBE mit dem grandiosen Vorgänger "Lift your skinny fists..." legten. Das Album nämlich ist weiterhin wärmstens zu empfehlen.
Das völlig Unbestimmbare (13. September 2005)
Für mich war "Yanqui ..." der EInstieg in das Werk von GYBE! und insofern hat vielleicht mein Blick auf die Platte noch genau das Uneingestimmte (obwohl ich sie nun schon seit bald einem Jahr besitze), das vielleicht die Euphorie in den Besprechungen der früheren Veröffentlichungen, die aber hier nun ein wenig abgebrochen scheint, ermöglicht hatte.Es kann mir hier nicht darum gehen zu wiederholen, was zuvor schon an Eindrücken zu dieser Gruppe geschildert worden ist. Auch der Hinweis zur Struktur der Platte, wie er oben auf die Formel eines von leise zu laut und zurück gehenden SChemas gebracht ist, gibt ausreichend Auskunft.
Aber hier wird auch deutlich, dass das Schema ein reduktionistisches, minimalistisches ist. Und das Wesen der Minimal-Musik, wie man sie von Komponisten wie Philip Glass oder auch Ludovico Einaudi kennt, ist eben dies, dass durch die kontinuierliche Wiederholung aufs nötigste reduzierter Themen in einem ihnen angemessenen zeitlichen Raum, sich in der Musik durch die Repetition das konkrete ästhetische Bild von ihnen ablöst, dass die ästhetische Erfahrung ins Bilderlose und nicht mehr Fassbare entrückt.
Darin sind GYBE! Meister; und deswegen ist die Erfahrung ihrer Arbeit immer neu, weil sie als Unfassbares und eigentlich Erfahrungsreiches, nie recht begriffen werden kann. Nie entsteht ein Effekt von Wiederholung auf Seiten des Rezipienten: So oft er es auch hören mag - er wird immer wieder überwältigt sein von der Formlosigkeit seiner Empfindung, zu der sie durch die Musik freigesetzt wird. GYBE! machen mit einer erweiterten Rock-Instrumentierung den eigentlichen Kunstanspruch war und sich damit zu genialen Handwerkern: Ihre TEchnik dient der Freisetzung des Ästhetischen zu sich.
Überflüssig zu erwähnen, dass dadurch in ihrer Musik etwas Archaisches, Uraltes aktiv und spürbar ist - die Sehnsucht des Menschen, das Ganze seines Erfahrens und DEnkens fassen zu können, das aus der HEruntergebrochenheit in instrumentelle Erkenntnisleistung somit befreit wird.
Bewährter Breitbandsound (7. November 2002)
Inzwischen sind sie kein wirklicher Geheimtip mehr. Aber aufgrund ihres sperrigen Sounds taugen die Kanadier nicht zum Megaseller. Natürlich ist Yanqui U.X.O. ein sehr gutes Album. Aber ein bisschen fehlt mir eine Weiterentwicklung des Sounds. Kommt mir doch alles bekannt vor. Aber lieber ein Date mit einem guten Bekannten, als mit einer schlechten Neuentdeckung...GY!BE - diesmal noch besser ! (5. November 2002)
Die 4. Veröffentlichung von GY!BE, und sie ist diesmal noch besser als die letzte Platte, die ja den Durchbruch für diese Band gebracht hat. Die Besprechung auf der Seite sagt bereits sehr viel über die Band und ihre Musik; und auch sonst wurde wohl schon alles über die Musik der Gruppe aus Kanada geschrieben. Ihre Musik läßt Gitarren auf Streicher treffen und baut daraus 'Artrock', der einzigartig und unverwechselbar klingt. Man könnte dagegen vorbringen, daß das nach einem Schema von leise nach laut und wieder zurück funktioniert. Aber nur die allerwenigsten werden sich der epischen Breite und Schöhnheit dieser Klanglandschaften entziehen können.Für Fans erscheint mir diese Platte einmal mehr unverzichtbar, und für Neueinsteiger ist sie die beste Gelegenheit , diese außergewöhnliche Musik kennenzulernen und ihr einen festen Platz in ihrem Leben zu geben.





