Aus der Amazon.de-Redaktion
Chan Marshall ist eine der meistbeachteten US-Singer/Songswriterinnen spätestens seit dem viel gelobten Moon Pix (2000), dessen widersprüchliche Qualität einer brüchig-virtuosen Inszenierung auch You Are Free, ihr fünftes Album, auszeichnen. Die Unvermitteltheit und das aufstörende Moment, das die so noch nicht gehörte, furchtlose Katharsis des dritten Albums What Would The Community Think? 1996 auslöste, wird nur deshalb nicht erreicht, weil so etwas aus verschiedenen Gründen nicht wiederholbar ist.Rau, intim und nicht in jeder Lebenslage zu ertragen sind ihre beunruhigenden, emotional verknacksten Songs und der abstrakt anmutende, unmittelbar berührende Gesang aber auch hier. Wie Kurt Cobain es zu Lebzeiten war, ist Cat Power Sprachrohr und emotionale Abgeordnete, die den Schattenseiten des Gefühlslebens ihrer Generation Stimme und Ausdruck verleiht. "I Don't Blame You", der resignativ verzeihende Opener von You Are Free, ist durchaus symptomatisch. In der skelettierten Begleitinstrumentierung erkennt man Sonic Youth neben Hank Williams, Fiddle neben Feedback, angetippte akustische und schlierige elektrische Gitarre, Klavier, Cello, ganz wenig Schlagzeug und weit entfernte, klagende Backing Vocals.
Wenn Chan Marshall also thematisch und dynamisch weiterhin da ist, wo sie immer war und sonst eigentlich niemand, gibt es dennoch Entwicklung, die ebenso langsam und Stück für Stück deutlich wird wie die Hoffnung, die stets mitschwingt. Traurig, erschöpft und enttäuscht, ist Chan gerade wegen ihrer Schwäche stark, aufrecht, ungebrochen. You Are Free -- das ist "Heart-core". --Rolf Jäger
kulturnews.de
Entdeckt wurde Chan Marshall aka Cat Power einst von Sonic-Youth-Schlagzeuger Steve Shelley. Inzwischen ist sie bei Album Nr. 6 angekommen. Nachdem sie zuletzt Klassiker wie Bob Dylan oder Lou Reed innovativ interpretierte, vertraut sie nun wieder ganz dem eigenen Songwriting. Zu Recht! Wunderschöne, simple Melodien treffen auf reduzierte Instrumentierung. Auch Chan Marshall profitiert vom verschrobenen Charme der New Yorker Underground-Szene, und mit dem Zusammenspiel von melancholischem Gesang, Klavier und Gitarre erinnert sie an die eindringlichsten Momente einer Liz Phair. Dieses Album hat keine prominente Schützenhilfe nötig. Gut, dass auch Duett-Partner Eddie Vedder beim Song "Good Woman" dezent im Hintergrund bleibt. (cs)Kundenrezensionen zu 'You Are Free'
Genial! (18. März 2008)
5 Jahre nach ihrem letzten Studioalbum „Moon Pix" erschien 2003 „You Are Free". Chan Marshall alias Cat Power singt aus Überzeugung. Das spürt man von der ersten bis zur letzten Sekunden jedes ihrer Lieder. Verrucht und Rauchig klingt ihre Stimme. Etwas erotisch könnte man meinen. Man fühlt sich grade als Mann wohl geborgen in Chans Stimme.Die heute 35-jährige Sängerin überzeugt bereits im ersten Track „I Don't Blame You". Einzig durch ein Klavier und ihrer eigenen Stimme im Hintergrund begleitet, bereitet Cat Power mir jetzt schon einige Schmerzen in der Herzregion. Wenn es soweiter geht im Verlaufe der CD halte ich diesen Weltschmerz nicht aus, bei aller klasse der Songs. Es folgt nun der Titeltrack „Free". Ein eintöniges Akustikgitarrenriff und zwischenzeitlich sehr Drum-PC ähnliche Drums umkreisen die zärtliche rockige Stimme der Sängerin. Genau richtig nachdem vorrangegangenen Deprikracher. Nun geht es wieder etwas ruhiger zu, allerdings mit elektrischen Klampfer-Klängen. Die unglaublich atmosphärische Chorstimme im Hintergrund erzeugt ebenso wie Cats Gesang eine wahrhaft traurige Stimmung. Das ist der Hammer. Ich hab selten zu Beginn einer Platte derartige Emotionen verspürt wie hier. Auch „Speak For Me" lebt nicht von der musikalischen Begleitung sondern allein von Chan Marshalls fantastisch natürlicher Stimme. Sowohl lyrisch als auch musikalisch bewegen wir uns hier auf aller höchstem Niveau. „Werewolf" klingt wie ein altes Märchen. Sehr schleppend und träge baut sich der Song auf, untermahlt von tiefen brummigen Streichern. Der Song kann nicht so ganz mit dem bisherigen Songmaterial mithalten. Aber dafür fängt „Fool" da an wo „Speak For Me" aufhörte. Cat Power lässt uns träumen mit gedoppelter Stimme und einfach gehaltener Gitarrenmusik. Großartig. Nun folgt so was ähnliches wie eine Single. Zumindest ist es der größte Ohrwurm und bekannteste Song der CD. „He War" ist wild stürmisch und sogar schnell. Rotzfrech wirkt hier die zierliche Chan Marshall. Dreckige Gitarrenriffs, harmonische Klavierklänge und sogar durchgängige Drums erzeugen ein richtig geniales Gesamtbild. Wow. „Shaking Paper" ist etwas unzugänglicher aber dennoch ein mitreißender Song, in dem sich Chans Stimme erstmals recht zurückhält und eher im Hintergrund untergeht. In „Babydoll" klingt Chans Stimme absolut klasse. Der kurze Song beweist allen die große Vielfalt in ihrer Stimme. Ohne wirklich Erhebung in dem Song, erzeugt alleine Chans Gesang reine Gänsehaut. „Maybe Not" wird dann wieder vom Klavier begleitet. Das brachte der CD bis dato nur Pluspunkte. Auch hier ist das Zusammenspiel zwischen dem Tasteninstrument und dem Gesang einfach nur fantastisch. Unweigerlich muss ich zugeben, dass mir nur noch derartige Superlative einfallen. Der Song ist sehr sehr traurig. Wie die Dame „we won't have a thing. so we've got nothing to lose" singt ist derartig rührend, dass man sich kaum noch zusammenreißen kann. Jeder der auch nur einmal in seinem Leben Liebesschmerz oder Kummer erfahren mußte, der fühlt sich hier mehr als wohl. Wahnsinn. In „Names" erzählt uns Cat diverse tragische Schicksale, die mich persönlich sehr bewegt haben. Begleitet wird der Gesang wieder nur von einem Klavier. Aber das reicht einfach aus. „Half Of You" tanzt wieder etwas aus der Reihe. Erstmals auf der CD gibt es einen reinen Folksong zuhören, die man sonst viel viel häufiger bei Cat Power hört. Dieser hier bewegt sich aber nicht in der Klasse ihrer damaligen Ausflüge in dieses Genre. „Keep On Runnin" überzeugt dagegen wieder gänzlich durch eine düstere Grundstimmung und Chan Marshalls erhellender verzweifelter Stimme. Den Abschluß der Platte macht wieder ein Klavierstück. Wie auch schon am Ende von „Free" wird Cat hier von der tiefen Stimme des Sängers E.V. berührt. Die Kombination lässt den Song in abgrundtiefer Harmonie aufgehen. Tolles Ende, einer absolut tollen Platte.
01. I Don't Blame You [10/10]
02. Free [09/10]
03. Good Woman [09/10]
04. Speak For Me [08/10]
05. Werewolf [05/10]
06. Fool [09/10]
07. He War [10/10]
08. Shaking Paper [07/10]
09. Babydoll [09/10]
10. Maybe Not [10/10]
11. Names [09/10]
12. Half Of You [07/10]
13. Keep On Runnin' [08/10]
14. Evolution [09/10]
= 8,5
Ich gehe soweit zubehaupten, dass es sich hier um das beste Album handelt, welches ich je von einer Frau gesungen gehört habe. Einfach nur fantastisch mit nur einem Ausfall aus 14 Liedern.
Definitiv ein "Chick-Rock"-Meilenstein.Eines der besten weiblichen Songwriteralben der Dekade. (7. November 2007)
Talent besaß die liebe Chen Marshall schon immer, eine unverkennbare Stimme, ein Gesangsattitude, bei dem man hinhört und dahinterhören will, doch bei den ersten Alben konnte man nur mit absoluter Konzentration und genügend narkotischen Mitteln mehr hören - wo es anderen früheren bluesigen Gefühlssession an Ordnung und Durchblick fehlt, blüht "YOU ARE FREE" vom Frühling 2003 schlichtweg auf. Vom ersten Lied an, der einfachen doch extrem eingängigen Pianoballade "I Don't Blame You", ist man verzaubert; es ist wohl ein Stück über einen eigenwilligen Musiker ("last time I saw you were on stage, Last time I saw you, you were on stage. Your hair was wild, your eyes were red. You were in a rageYou were swinging your guitar around. Cause they wanted to hear that sound
That you didn't want to play.I don't blame you."), dass auf so viele besessene Künstler passen könnte. Der zweite Track "Free" schranzt so vor sich hin, akkustisch oder unverzerrte, direkte E-Gitarre, akkordlastig, setzen den gesamten Liedern eine nie vorhergehörte Magie und Ordnung: Es handelt sich um herzensergreifende persönliche Lieder. "Good Woman" ist eine wunderbare Countryballade mit Streicherarrangements und warbenden, seufzenden Gitarren, und einem meisterhaften Gast an den Backing Vocals: Pearl Jam's Eddie Vedder ließ sich für das Album als bassige Alternative zu Chen's süßlich-hohen Stimmen engagieren. Eine weitere prominenter Musiker setzt seine Akzente am Schlagzeug, niemand anderes als Ex-Nirvana Schlagzeuger und Foo-Fighters Frontman Dave Grohl, der genauso wie Vedder, nur mit Initialien im Booklet erwähnt wird. Seine reduzierte Art, songdienlich Schlagzeug zu spielen, teilweise nur akzentriert einzelne Elemente perkussiv zu verwenden (toms und cymbals oder bei manchen songs nur bass-drum) gibt den Songs gekonnte Rhythmik ohne sie dabei aufzublasen, so auch auf der rockigen Single "He-War", die es damals auch ins Musikfernsehen und die Alternativcharts geschafft hat.
Es ist die eigene Art aussagekräftige und einfache Zeilen zu singen, die Cat Power hier zum Charme verschaffen: "I never meant to be the needle that broke your back, you were here, you were here, don't look back, he war, he will kill for you." Worte wie Arrangements schaffen Platz zur Reflektion: Reduzierte Schönheit.
"Baby, black is all you see, don't you want to be free?"
Königstrack der CD ist allerdinges "Maybe Not", eine Süße, die man hören muss um es zu beschreiben..
"We can all be free, maybe not with words, maybe not with a look, but with your mind" Neil Young, Joni Mitchell..70s hippieske Liedermachkunst at its best: Nachdenklich, berührend und Kredibil.
Der Nachfolgetrack "Names", eine persönliche Zeitreise zu verschiedensten Namen der Vergangenheit, deren persönliche Schicksale und wie sie sich im Leben (wieder) verlieren, "I don't know where he is, I don't know where they are", haucht Chen am Ende ins Mikrophon - ein unvergessliches Lied.
Zum Finale lädt dann das wunderbare Duett Vedder's tiefste Bassstime und Chen's entzückend-nachdenkliches Seufzen auf "Evolution": better call on evolution; better way to make a revolution; BETTER make your mind up quick".
Nach Jahren ist dieses Album immer noch gerne ein Griff ins Regal. Es hat eine ganz eigene Magie, und ist für mich CAT POWERs unerreichtes Meisterwerk, das wirklich mehr Beachtung verdient (und verdient hätte).
Jeder, der ein offenes Ohr für folikes Songwriting hat, melancholischen Tönen nicht abgeneigt ist oder mal eine neue Frauenstimme entdecken will, wird an Cat Power's You Are Free seine Genugtuung finden.
Perfekter Minimalismus (9. Januar 2005)
Chan Marshall alias Cat Power fristet bei uns leider noch ein Schattendasein. Eigentlich unverständlich, denn die amerikanische Sängerin mit der fragilen Stimme holt mit kleinstmöglichen Aufwand alles aus sich heraus. Sind ihre ersten Alben doch eher sperrig und fast zu minimalistisch ausgefallen, so zeigt sich die Musikerin auf „You Are Free" nicht nur besser und gereifter, sondern vor allem die gekonnte Songzusammenstellung lassen diesmal nie Langeweile aufkommen. Neben ruhigen Klängen überzeugen auch die lauteren Songs wie zum Beispiel „Free" und „He War". Und dass Cat Power auch bei Kollegen ein hohes Ansehen genießt, zeigt die Tatsache, welche hochkarätige Gastmusiker mit ihr das Studio teilten: Unter anderem standen Warren Ellis (Nick Cave), Eddie Vedder (Pearl Jam) sowie Dave Grohl (Nirvana, Foo Fighters) Chan Marshall mit tatkräftiger Unterstützung zur Seite und nahmen mit „You Are Free" ein zum Heulen schönes Album auf.Eine ungewohnt dynamische Chan Marshall (15. März 2003)
Wer vorige Alben von Chan Marshall (aka Cat Power) kennt, weiß was man erwarten kann: eigenwillige, interessante, schöne Melodiestrukturen, die im allgemeinen recht spartanisch arrangiert sind. Enttäuscht wird man in dieser Hinsicht auf keinen Fall. Im Gegenteil. Bei dieser CD gibt es noch dazu einen gewissen „Überraschungsfaktor". Chan Marshall legt - für ihre Verhältnisse - richtiggehend los in einigen Stücken: markantes Schlagzeug und rockigere, dynamischere Songstrukturen sind nicht zu überhören.Und noch ein Argument sich diese CD zuzulegen: Zu fast 100%iger Sicherheit wird Chan Marshall nicht in der Lage sein, die komplexen Songstrukturen live zu performen. Also scheint es viel besser, die Songs von CD - bei genauem Hinhören - ganz entspannt zu genießen.






