Aus der Amazon.de-Redaktion
Es ist schon seit langem deutlich geworden, dass das Faible des Regisseurs David Lynch für kitschige Barmusik und übertrieben gefühlsbetonte Popmusik der Mitte des letzten Jahrhunderts sich nicht als Mode oder als Ironie präsentiert; es ist eigentlich die unbehagliche geistige Grundlage seiner Filme. Der Soundtrack von Mulholland Drive greift die gewohnten Motive von Lynch auf (die schwermütige Atmosphäre von Angelo Badalamentis ominösen Anspielungen von Synthesizer und Orchester, die mit einem Schuss von Lynchs eigenen außergewöhnlichen Kompositionen in Bewegung gebracht werden), dennoch gelingt es ihm, ein ganz eigenes Gefühl der Vorahnung zu schaffen, das unverwechselbar ist.Badalamenti legt los mit einem schwungvollen Stück, dem erregenden Orchester-Swingkracher "Jitterbug", bevor es in eine dunkle Klanglandschaft hinabsteigt, die nach und nach immer finsterer wird und sich immer stärker einem Avant-Goth-Stil nähert. Aus diesem Morast tauchen Glanzstücke der Popmusik auf, mal schmalzig (Dave Cavanaughs "The Beast", bestens für die Hotelbar geeignet), mal bluesig (die von Sonny Boy Williamson präsentierte Version von Willie Dixons "Bring It On Home") und zur Abwechslung voller Unschuld ("I've Told Every Little Star") und feierlich ("Llorando"). Drei Tracks des Regisseurs (gemeinsam mit John Neff verfasst) aus dem Bereich der zäh dahinfließenden Barmusik aus der Hölle treiben die Spannung noch weiter voran; es ist die Garnierung für diesen düster-köstlichen Filmmusik-Cocktail. --Jerry McCulley
Kundenrezensionen zu 'Mulholland Drive'
Großartige Musik zu einem großartigen Film! (26. Dezember 2004)
Da "Mulholland Drive" mein absoluter Lieblingsfilm ist, lag es nicht fern, mir auch den Soundtrack zu besorgen. Denn bei kaum einem Regisseur wird die Musik so vielseitig in den Film eingebunden, wie bei David Lynch - einmal zum Einfangen der Atmosphäre und andererseits auch ganz vordergründig als direkter Teil der Erzählung.Und was macht diesen Soundtrack für sich betrachtet nun so großartig? Nun, da sind zum Beispiel Songs, die selbstständig schon großartige Perlen sind, wie "Bring it on home" und Linda Scott's "I've told every little star". Dass der im Film verwendete 50er-Oldie "Sixteen Reasons" aus urheberrechtlichen Gründen auf dem Soundtrack fehlt, verärgert zunächst ein wenig, andererseits ist er aus diesem Bereich auch der schwächste Song, insbesondere Linda Scotts liebliche Stimme kann über den "Verlust" zigfach hinwegtäuschen.
Eine zweite große Gruppe - eigentlich die hauptsächliche - auf dem Album sind die sphärischen Kompositionen von Angelo Badalamenti. Zum Teil sind das wunderschöne Orchestralstücke , die sofort Erinnerungen an die wunderbaren Filmbilder wachrufen. Hervorzuheben ist dabei das Thema "Mulholland Drive", das bedrohlich und wunderschön zugleich ist und somit die merkwürdige Stimmung des Films eigentlich recht gut einfängt. Zum Teil sind die Badalamenti-Stücke aber auch leise Klangteppiche ohne echte Melodie, typisch Lynch'sche Störgeräusche. Wenn man nicht ganz genau hinhört, meint man fast, es käme gar keine Musik mehr aus den Lautsprechern. Einige dieser Stücke sind ziemlich lang, wie das 12minütige "Dwarfland" und nehmen dem Soundtrack an sich seinen Fluss. Zunächst habe ich mich gefragt, was man von diesen Stücken hat, inzwischen bin ich dahinter gekommen. Obschon man die Musik beim bloßen Soundtrack-Hören kaum wahrnimmt, schleicht sie sich doch unbewusst ein. Und wenn man sich den Film dann wieder anschaut, erkennt man plötzlich die perfide Geräuschstruktur, nimmt sie verstärkter war. So wird man sich erst wirklich bewusst, wie geschickt über die leisen Hintergrundgeräusche der Zuschauer manipuliert und emotional in bestimmte Richtungen gedrängt wird. Die leisen Stücke des Soundtracks dienen also zum intesiveren Filmerlebnis.
Die dritte Songruppe sind die größten Highlights, nämlich die Songs von David Lynchs eigener Band "Blue Bob". Die Lieder "Pretty 50s", "Go get some" und "Mountains Falling" sind zwar simpel strukturiert, gehen mit ihrer ungewohnten Mischung aus Blues und Industrial aber intesivst unter die Haut. Übrigens: Entgegen der Verlautbarung im Booklet der "Mulholland Drive"-CD befindet sich der Song "Pretty 50s" NICHT auf dem "Blue Bob"-Album, weshalb es sich durchaus lohnt, sich beide Werke anzuschaffen.
Bleibt noch ein Song, das unvergleichlich schöne "Llorando" von Rebekah del Rio [die Dame ist keine Filmerfindung]. Dieser Song, dem im Film eine Schlüsselfunktion zukommt, besteht nur aus Gesang und ist dennoch oder gerade deswegen atemberaubend. Wie zur Hölle kann ein Mensch so gut singen? Und wie schafft es dieser Song bloß, tiefe Emotionen wachzurütteln und mir bei jedem Hören Tränen in die Augen zu treiben? Man kann Betty und Rita im Film verstehen, wenn sie bei diesem Song, dem Titel entsprechend, zu weinen beginnen.
Wer den Film hat, braucht auch den Soundtrack! (22. Oktober 2004)
Es ist schon eine Weile her seit ich Mulholland Drive das erste und bisher letzte Mal gesehen habe, aber der Film spukt dennoch in meinem Kopf herum und ich werde ihn mir bald ein weiteres Mal anschauen. Jedenfalls habe ich mir nun den Soundtrack zugelegt und ihn mir angehört, um zu helfen, mich an den Film zu erinnern und mich erneut auf ihn einzustimmen. Dabei fiel mir direkt beim ersten Lied auf, dass es gar nicht nötig ist, mich an den Film erinnern zu müssen, denn ab dem ersten Klang spielten sich die verschiedenen Szenen wieder vor meinem geisten Auge ab und ich habe absolut nichts vergessen. Und dennoch ist da der Heißhunger, den Film erneut zu sehen. Sowas bringt eben wirklich nur ein Lynch-Film fertig. Und was wäre ein Lynch-Film ohne die Kompositionen von Angelo Badalamenti!Wieder einmal liefert er die treffende Musik zu den lynchischen Bildern und betont somit die Aussage der einzelnen Szenen (da man bei Lynch-Filmen ja nur schwer von einer zusammenhängenden Handlung reden kann).
Allen voran das Love Theme und Falling Mountains sind einfach nur fantastisch gelungen, aber natürlich auch das den Film bezeichnende Lied Llorando.
Mit Lynch und Badalamenti hat sich wirklich ein perfektes Dream-Team gebildet und so kann man sich einen Lynch-Film nur schwer ohne die Musik von Badalamenti vorstellen und ebenso kann man sich die Musik von ihm nicht anhören, ohne dabei Bilder eines David Lynch vor sich zu sehen. Ein durchaus gelungenes Zusammenspiel also und ein wirklich genialer, etwas außergewöhnlicher Soundtrack!
Den Film hören (18. Januar 2004)
Bei kaum einem Filmkünstler ist die Tonspur so wichtig wie bei David Lynch - kein Wunder also, dass er seinen Haus- und Hofkomponisten (Angelo Badalamenti) hat und sich typische Charakteristika der klassischen Musik (Themen etc.) im Soundtrack finden. Wenn man die Musik allein hört, fallen einem die manipulativen Möglichkeiten (z. B. Stück 4: Diner, in dem "das Gesicht" zum Vorschein kommt) erst richtig auf.Lediglich am Ende stört das überlange "Mountains Falling" ein wenig. Ich kann mich gar nicht errinnern, das im Film gesehen zu haben...
Auffallend ist schließlich die Ähnlichkeit des trauernden Love Themes am Ende mit dem Beginn des 3. Akts von Wagners Tristan und Isolde: Werden hier die Vorbilder für Lynchs "Großen Liebesfilm" (im weitesten Sinne) offenbar?
Einer der besten Soundtracks (18. September 2003)
der Filmgeschichte. Endlich hat Lynch das Geld, seine Lieblingssongs zu kaufen. So sind viele schöne Stück aus den 50ern oder weniger bekannte Rocklieder, die wirklich gut sind auf dieser CD.Badalamenti's Love Theme und Variationen, na da brauch man nichts weiter drüber zu sagen, nur: träumen.
Ein Soundtrack der ewig bleibt! (4. Januar 2003)
Mulholland Drive gehört für mich zu den drei besten Filmen im Jahr 2002. Diese so unglaublich toll gesponnene Story. Danke, Mr. David Lynch, für dieses Meisterwerk!Und um keinen Deut steht der Soundtrack dabei nach. Die Klänge, die Songs, ein jedes ein absoluter Genuss. Ein Festival für die Ohren. Besonders die Theme "Mulholland Drive" (Twin Peaks klingt mir noch heute in den Ohren!), der 60ties Song "I've Told Every Little Star" und der melancholische Song "Llorando" (ich muss immer weinen, so traurig ist der) stechen hervor. Hören, hören, hören ...




