Kundenrezensionen zu 'Ballerina'
Der fröhliche Fiedler aus der Lombardei ! (15. Mai 2008)
"Come le onde del mare balla la gente quando suono il mio violino ..."
"Wenn ich auf meiner Fiedel in Dooney spiel', Volkstanz wie die Wellen der See ..." , so der irische Dichter William Butler Yeats (1865-1939).
Der Dichter Yeats passt auf Branduardi: "Und die Fröhlichen lieben die Fiedel, und die Fröhlichen lieben den Tanz: Und wenn dann das Volk mich erspäht, so kommen sie rauf zu mir, mit einem 'Hier ist er, der Fiedler von Dooney !' und tanzen wie die Wellen der See."
Diese Zeilen passen sehr gut auf Angelo Branduardi, den fröhlichen Fiedler aus der Lombardei. So hat Angelo Branduardi zusammen mit seiner Frau Luisa Zappa-Branduardi die wunderbaren Gedichte von Yeats ins Italienische übertragen und dazu Melodien geschrieben. Daraus ist 1985 enstanden "Branduardi canta Yeats" - bis heute eine seiner schönsten CDs.
Wie fing das alles an? Ende der 1970er Jahre war die Zeit der "Liedermacher"- Ära, die Zeit der Friedens- und Umweltbewegung, der singenden Dichter wie Konstantin Wecker, Klaus Hoffmann, Hermann van veen, Georges Moustaki, und ...Angelo Branduardi.
Der damals in der Zeit der Liedermacher 30 Jahre junge Angelo Branduardi - geb. 1950 im lombardischen Dorf Cuggio - hatte gerade sein Geigen Diplom des Conservatorio Nicolo Paganini in der Tasche, in Mailand Gitarre gelernt, und ein Philosophie Studium absolviert. Und bereits eine erste Lp veröffentlicht: 1974 "Angelo Branduardi".
In jener Zeit der Liedermacher und der Umwelt- u. Friedensbewegung entstanden seine großen Erfolge "ALLA FIERA DELL'EST" (1976), "LA PULCE D'ACQUA" der Wasserfloh in 1978, und in 1979 "COGLI LA PRIMA MELA". Für diese Platten erhielt er zahlreiche Preise, so den Italienischen Schallplattenpreis für ALLA FIERA DELL'EST, den Deutschen Schallplattenpreis 1979 für COGLI LA PRIMA MELA. und 1980 die "Goldene Europa".
In 1980 ging Angelo Branduardi auf große Europa Tournee. Er beteiligte sich an der großen "Carovana del Mediterraneo".
Im selben Jahr ging Branduardi auf große Europa-Tour, beteiligte sich an der "Carovana del Mediterraneo", einer großen Konzert-Serie, die von Stephen Stills, Graham Nash und Richie Havens angeführt wurde und ihren krönenden Abschluss vor 200.000 ZuschauerInnen bei der "Fête de l'Humanité" in Paris fand.
Branduardi veröffentlichte ein 3LP-Set (2 CDs) mit Aufnahmen von seinen Konzerten (CONCERTO), und in gewisser Weise schloss er damit den ersten Teil seiner Karriere ab. Fortan widmete er sich erstmals auch Filmmusiken, darunter auch für die deutsch-italienische Koproduktion MOMO, der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Michael Ende. Eine Zusammenstellung diverser Titel der Soundtracks erschien 1993 auf einer CD (MUSICHE DA FILM).
Ende bedankte sich für die gelungenen Kompositionen Branduardis mit der deutschen Übersetzung der Texte Luisa Zappas für das 88er Album Branduardis PANE E ROSE, auf dem er erstmals überwiegend mit lateinamerikanischen Rhythmen experimentierte.
IL LADRO (1991), SI PUÒ FARE (1993) und DOMENICA E LUNEDÌ (1994) läuteten eine neue Phase im Schaffen Branduardis ein. Die oft mystischen Fabeln und Parabeln erzählenden Texte wurden eingängiger, Melodien poppiger, einige Titel erschienen gar als Singles.
Die alten Stücke variiert er, beispielsweise wird COGLI LA PRIMA MELA auf dem Live-Album CAMMINANDO CAMMINANDO (1996) als Flamenco vorgestellt. Branduardi ist fröhlicher geworden, gelassener und gelöster, er öffnet sich der "Masse", taucht auf verschiedenen Italo-Pop-Samplern auf, nimmt am Schlagerfestival von San Remo teil und dabei Augen zwinkernd in Kauf, an den Rand des Kitsches zu geraten.
Seit jeher gilt Branduardi als moderner Minnesänger, der mit seiner Musik in direkter Tradition mittelalterlicher Sangspruchdichtung steht. Mit diesem Etikett hat man ihm oft Unrecht getan, aber seine Ausbildung in klassischer Musik, seine enge Verbundenheit mit deren folkloristischen Wurzeln, dazu die besonderen Texte seiner Frau Luisa - und natürlich das furiose Geigenspiel - haben ihn zu einem Künstler gemacht, der in seiner Art einzigartig ist.
Der mittelalterlichen Musik hat er sich, neben den anderen Projekten, in den letzten Jahren in besonderer Weise gewidmet. Zwei CDs (FUTURO ANTICO I + II) hat er 1996 und 1999 veröffentlicht, auf denen er in Zusammenarbeit mit klassischen Ensembles (CHOMINCIAMENTO DI GIOIA, FINISTERRAE unter der Direktion von RENATO SERIO) ausschließlich klassisches bzw. traditionelles Repertoire vertonte, darunter Tänze aus dem 16. Jahrhundert und auch ein auf Mittelhochdeutsch gesungenes Lied: "LOIBERE RISEN", ein Text von Wizlaw von Rügen. Der dritte Teil des Projektes "Futuro Antico" wird in Italien Ende September 2002 veröffentlicht.
Auch eines seiner jüngsten Projekte weist in das Mittelalter zurück und versucht einen Brückenschlag zwischen Klassik und Moderne: "L'INFINITAMENTE PICCOLO" basiert auf Schriften der Franziskaner und Franz von Assisi und erzählt in elf Liedern dessen Leben. Branduardi erhielt für das Projekt prominente Unterstützung, u.a. von ENNIO MORRICONE, der eine Melodie beisteuerte, von der korsischen Gruppe I MUVRINI sowie von Teresa Salgueiro und José Peixoto (Madredeus).
Branduardi kommt gerade, ohne gezielt darauf hingearbeitet zu haben, wieder in Mode. Der Zulauf seiner Konzerte bestätigt den Trend. "Altro ed altrove", seine neue Studio-Platte, stieg in Italien sogar in die Top 10 der Album-Charts. Und auch Yeats passt auf Branduardi noch immer:
"Und die Fröhlichen lieben die Fiedel, und die Fröhlichen lieben den Tanz: Und wenn dann das Volk mich erspäht, so kommen sie rauf zu mir, mit einem 'Hier ist er, der Fiedler von Dooney !' und tanzen wie die Wellen der See."






