Kundenrezensionen zu 'Signify'
Zwischen Psychedelic und Prog-Rock (9. Juli 2007)
Nach "On The Sunday Of Life", bei dem es sich um eine Zusammenstellung von Stücken handelt, die Steven Wilson zum Großteil als Schüler schrieb, dem schon eindeutiger als eigenständiges Album erkennbarem "Up The Downstair" und dem sehr Pink-Floyd-mäßigen "The Sky Moves Sideways" präsentieren Porcupine Tree mit "Signify" das erste richtig große Highlight der Bandhistorie.Der Aufforderung im Intro "Bornlivedie", die Füße hochzulegen, sollte man auf jeden Fall umgehend nachkommen - ob man sich dabei einen Kaffee reinzwitschert oder irgendetwas anderes, das Spaß macht, sei einem jeden selbst überlassen, hehe...
Fest steht: Dieses Album muss an einem Stück gehört werden. Am besten in einem dunklen Zimmer und mit geschlossenen Augen. Während der eigentliche Opener und Titeltrack mit sehr eingängigem Riffing noch ordentlich rockt, ist beim Rest der Scheibe nämlich eigentlich Relaxen angesagt:
"The Sleep Of No Dreaming" mit seiner genialen Hammond-Orgel-Begleitung und dem toll gesungenen Chorus verstreut schon einmal sehr viel psychedelisches Flair, während die darauffolgenden Tracks "Waiting Part I & II" (unterbrochen vom kurzen, düsteren "Pagan") einen dann endgültig in eine Traumwelt befördern.
Herrgott, ist das ein wundervoller Song, mit Sicherheit nicht nur einer der besten, die Porcupine Tree je geschrieben haben, sondern auch einer der schönsten, die ich überhaupt je gehört habe. Wunderbar fügt sich das Wah-Wah-Solo ans Ende des ersten Teils, herrlich verträumt mutet der zweite Teil an.
Das anschließende "Sever" ist dann wieder eine Spur härter, offenbart aber eindeutig Hitcharakter (wurde auf der 2007-er Tour wieder gespielt, habe es gerade in Berlin gehört...), genau so wie das ruhigere "Every Home Is Wired", das einmal mehr mit den Porcupine-Tree-typischen, herrlichen Gesangsharmonien aufwartet.
Dazwischen liegt das Instrumental "Idiot Prayer", das eine Symbiose aus Techno-artigen Beats und psychedelischen Gitarren und Keyboards darstellt - ein weiterer Beweis für das Bestreben der Band, nicht zu stagnieren, sondern immer wieder mit neuen Einfällen an den Start zu gehen. - Die Beats wirken nicht deplatziert, sondern verliehen dem Ganzen eher eine avantgardistische Ausrichtung, modern und retro zugleich. Ganz groß!
"Intermediate Jesus" ist ein weiteres, längeres Instrumental, das in der Tat an alte Pink Floyd erinnert. Dass Steven Wilson diese Band verehrt, ist ja nichts Neues...
Das vorletzte Stück "Light Mass Prayers" wiederum ist in meinen Ohren ein absolutes Highlight der CD: Unheimlich düster, kosmisch, unheimlich... Wenn man in der entsprechenden Stimmung dafür ist, sitzt man einfach nur mit heruntergeklappter Kinnlade da und stellt sich irgendwelche Monde und Planeten vor, die in einem dunklen, kalten, todesstillen Universum umherschweben.
Beim finalen "Dark Matter", das einen gelungenen Abschluss einer einzigartigen psychedelischen Reise bildet, fehlt aus unerfindlichen Gründen der Text im Booklet, aber sei's drum... Dafür darf der Hörer dann in den Genuss einer Bonus-CD kommen, wenn er es denn schafft, sich nach einer Stunde Chillen aus seinem Sessel zu erheben. Hier gibt es durchaus ebenfalls einige Perlen zu entdecken wie "Wake As Gun", das durchgeknallte "Hallogallo", "Waiting" als Demo oder das sich im Original auf dem Debüt befindlichen "Nine Cats" als Akustikversion.
Es lohnt sich also, sich dieses Album in remasterter und mit Bonustracks ausgestatteter Edition zu besorgen, ein Album, das man wohl wirklich als Bindeglied zwischen der avantgardistisch-alternativen bzw. Prog-rockigen und der psychedelischen Ära der innovativen Engländer sehen muss.
Düstere Geisterbahnfahrt (6. April 2007)
Wie viele Sterne soll man einem PT-Album, das zwischen den Psychedelic- und den Alternative - Welten hängt, geben? Ganze fünf Sterne ist die Antwort!Wer Porcupine Tree kennt und schätzt, weiß, dass ihre psychedelische so wie auch ihre ProgPop - Phase anspruchsvoll, interessant und unterhaltsam sind. Wo "The Sky moves Sideways" der Höhepunkt ihrer Floyd-Ära, "Stupid Dream" der Wendepunkt zum Alternative und "In Absentia" ein nicht zu toppendes Meisterwerk war, ist "Signify" eine Art Cliffhanger, ein Außenseiter der PT-Alben.
Man findet in einigen Songs Hinwendung zu rockigeren, kompakteren Stücken, aber auch die typisch psychedelische Seite ist vertreten. Die Band spielt hier nun auch richtig zusammen, in der Besetzung Wilson, Maitland, Edwin und Barbieri.
"Bornlivedie" ist das Intro des Albums. Ein Ansager bereitet den Hörer anfangs auf den Trip vor, daraufhin bekommt man schon einen Vorgeschmack auf den Sound des Albums, in Form einer bombastischen Klangcollage.
Dann meldet eine Frauenstimme über eine Art Telefon, dass jetzt das eigentliche Album beginnt... los geht die Geisterbanfahrt!
"Signify" ist ein ziemlich harter Rocker, der ein bisschen an "Red" von King Crimson erinnert. Auf jeden Fall ist dies schon eine deutliche Wendung zum Alternativerock.
"Sleep of no Dreaming" ist ein etwas trauriger, psychedelischer und dramatischer Titel, der mich aber diesmal an "Sleep Together" vom Album "Fear of a Blank Planet" erinnert. Der Song wird getragen von Mellotronteppichen und verhallenden, wehklagenden Stimmen.
"Pagan" ist ein kurzer Lückenfüller, der aber, wenn man das Album ganz durchhört, seine volle Wirkung entfaltet. Düster und gruselig...
"Waiting Phase I + II" sind für mich praktisch ein ganzer Track. Die erste Phase gehört zu den wohl schönsten Popsongs, die PT je geschrieben haben. Die leise Percussion, die akustische Gitarre und der wunderbare Keyboardsound verbreiten eine sommerliche Stimmung, welche ab und zu von Gitarrensoli getragen wird. Die zweite Phase ist weitaus psychedelischer und sozusagen eine düstere Version der ersten Phase. Langsam wird Spannung aufgebaut, bis es zu einem bombastischen Klimax kommt.
"Sever" ist wieder weitaus rockiger, aber langsamer als "Signify". Es erinnert ein wenig an ein Delirium oder an einen Fiebertraum, mit all den Stimmen und Soundgimmicks.
"Idiot Prayer" ist der zweite Höhepunkt des Albums neben Waiting I+II. Es werden hier zwar Technobeats eingesetzt, die aber keinesfalls nach Discodance klingen, sondern einen unheimlich düsteren, psychedelischen Sog erzeugen.
"Every Home is Wired" zeigt wieder deutlich Wilsons Gespür fürs Songwriting. Ein weiterer Track in der Kategorie Alternativerock.
"Intermediate Jesus" wird von mir meist geskipped. Man kann ihn als Schwachpunkt bezeichnen, für Psychedelic- und Jam-Fans kann ich diesen Song jedoch nur empfehlen.
"Light Mass Prayers" hört sich zwar auf den ersten Durchgang schrecklich langweilig an, entfaltet aber genauso wie "Pagan", seine Wirkung nur im Kontext des Albums.
"Dark Matter" ist der letzte und dritte Höhepunkt des Albums. Eigentlich kann man diesen Song schwer beschreiben, man sollte ihn sich selber anhören.
Meine Empfehlung: Alle Lichter aus, möglichst dunkler Raum, CD rein und Lautstärke aufdrehen... Besser als jede Geisterbahnfahrt!
Wer PT von ihrer Songorientierten Phase kennt, sollte sich diese hier zulegen, um ihre beste CD ihrer Psychedelic Phase im Schrank zu haben.
Wer PT nur von "Sky moves Sideways" oder "Up the Downstair" kennt, muss unbedingt zugreifen... bester Einstieg für ihren Alternativesound.
Wer PT gar nicht kennt, sollte die Finger davon lassen... man würde nur abgeschreckt werden. Die sollten sich dann lieber "Stupid Dream" oder "Sky Moves Sideways" kaufen, um einen guten Einstieg zu bekommen.
Am Scheideweg... (23. Januar 2006)
Porcupine Tree begannen ihre Karriere als lupenreine Psychedelic Band in der Tradition der frühen Pink Floyd bevor sie sich zu einer originellen und modernen Progrock Band entwickelten.Dieses Album ist genau zwischen diesen beiden Phasen anzusiedeln. Als ganzes ist es immer noch sehr psychedelisch, weist aber bereits einige Songs auf, die die spätere musikalische Entwicklung aufzeigen.
Da die Songs alle nahtlos ineinander greifen, ist man fast gezungen, das Album durchzuhören, was es zu einem einzigartigem musikalischem Gesamtwerk macht.
Ein Intro empfiehlt dem Hörer, es sich mit einer Tasse Kaffee im Sessel bequem zu machen, bevor die abwechslungsreiche Reise beginnt.
Mit Signify folgt ein an Neu! erinnerndes Krautrockstück, bevor man im Sleep of no dreaming gaaanz tief in spacige Welten abtauchen darf. Melancholische Orgelklänge umrahmen hallende Vocals, die einem etwas von einer LSD-artigen Psycho-Reise erzählen. Große Klasse!
In dieser Art geht es dann weiter. Trotz des Gesamtcharakters klingt kein Song wie der andere.
Mit Waiting Phase One bekommt man eine schöne akustische Ballade, die sich in Phase Two in eine ambientartige Soundlandschaft verwandelt.
In Idiot Prayer wummern nach einem sanften Beginn plötzlich aggressive Technobeats, Intermediate Jesus klingt nach Pink Floyd zu Saucerful of Secrets - Zeiten und Light Mass Prayers ist ein unheimliches, an Brian Eno erinnerndes Ambient-Klanggemälde.
Insgesamt also ganz sicher nichts für zwischendurch, aber wer Wert auf musikalische Abwechslung legt, bzw. sich gerne mal im halbdunklen Zimmer einfach nur der Musik hingibt muss hier zugreifen!
Die Bonus-Cd besteht aus Demos, die die Band zwischen 95-96 aufgenommen hat. Wer PT kennt, weiß, das man hier keine Bootlegs zu hören bekommt, sondern noch einmal ein komplettes Album, welches durchaus gleichwertig mit der Haupt-Cd ist.






